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Archiv für Februar 2008

Der Wedding wie er ist

In Uncategorized on 28. Februar 2008 at 5:49

Der Wedding ist in einer ehemaligen Fleischerei in der Liebenwalder Straße entstanden. Jedenfalls arbeiten dort Julia Boeck und Axel Völcker, zwei Endzwanziger, die ihr neues Kulturmagazin schlicht „Der Wedding“ genannt haben. Am Straßenfenster des Veranstaltungslokals des Kulturvereins „Mastul e.V.“, in dem der Herausgeber und die Chefredakteurin an ihrem Magazin gearbeitet haben, stehen Ohrensessel neben einer Stehlampe, und an der Wand sind noch die Originalfliesen aus der früheren Fleischerei zu sehen. Ebenso vielfältig wie das Programm des Kulturvereins präsentiert sich die erste Ausgabe des „Wedding“, die am 02.02.2008 erschienen ist. Darin wird der Leser dazu eingeladen, sich dem Stadtteil von außen nach innen zu nähern. „Der Name ‘Der Wedding’ stand von vornherein fest“, erklärt Völcker, der das Magazin gestalterisch betreut. Seine Diplomarbeit bestand aus der Nullnummer des Magazins. Danach reifte die Idee, daraus eine Zeitschrift zu machen, die auch inhaltlich überzeugt: „Wir wollen den Wedding zeigen, wie er ist und nicht in ein falsches Licht rücken“, sagen die beiden gebürtigen Rüganer, die seit neun Jahren in Berlin leben. „In einem ersten Schritt haben wir daher versucht, eine Bildsprache zu finden, die zum Wedding passt“, so der diplomierte Kommunikationsdesigner Völcker. Heraus kam eine Typographie, die in den 1980er Jahren stehengeblieben zu sein scheint. Auf ein Zeitschriftenlogo wird bewusst verzichtet – der Ort Wedding ist schließlich auch nicht aus einem Guss.

Von der Schwierigkeit, qualitativ hochwertige Texte für das Magazin zu finden, weiß die Literaturwissenschaftlerin Julia Boeck: „Wir mussten Autoren finden, die bereit waren, ohne Geld für uns zu schreiben. Das Ergebnis ist eine große stilistische Vielfalt der Texte, die zum Teil von professionellen Autoren stammen.“ Die zahlreichen Fotostrecken wiederum zeigen ungeschönte Innenansichten – „nur eben durch uns gefiltert“, erklären die Macher der Zeitschrift. Es geht ihnen darum, sich dem Ort Wedding anzunähern und ihn dann unterstützend und unverzerrt widerzuspiegeln. „Für uns ist erst mal jeder interessant“, fasst es Julia Boeck zusammen, „nicht nur die Themen, die sowieso gerade im öffentlichen Interesse sind.“ Beim Durchblättern des Magazins gelangt der Leser dann auch an Orte, die typisch für den Wedding sind, sich aber doch den Blicken verbergen, wie die Fotos aus arabischen oder türkischen Kulturvereinen.

mastul-fenster.jpgIn den Räumen des „Mastul e.V.“ wird jetzt nach dem erfolgreichen Verkaufsstart des Magazins an weiteren Ausgaben gearbeitet. „Das nächste Mal berichten wir berlinweit – der Focus öffnet sich“, sagt der 29jährige Völcker. Es geht um Verwandtschaft im weitesten Sinne – Eigenschaften, wie sie der Wedding besitzt, lassen sich auch in anderen Bezirken oder anderen Städten finden. Dies und andere Aspekte der Verwandtschaft herauszuarbeiten wird die neue Herausforderung für die beiden Herausgeber sein. Die Hauptinvestition für das Magazin mit 3000 Exemplaren Auflage, das wissen die beiden Herausgeber, ist Idealismus: „Wir streben nicht an, profitabel zu sein“, sagt Axel Völcker. Und Julia Boeck fügt hinzu: „Wir sehen es als Privileg, unsere Vorstellung von Journalismus in diesem Magazin zu verwirklichen und dabei zu lernen. Das ist der eigentliche Erfolg.“

Verkaufsstellen des Magazins, das 4,65 € kostet, findet man unter www.derwedding.de unter „Bestellung“.

Ein Viertel, auf Hochglanz poliert…

In Gerade Passiertes und Anstehendes on 27. Februar 2008 at 3:20

 

Der Wedding und seine Bewohner als Hauptdarsteller eines Designermagazins? Für drei Berliner Studentinnen war der Wedding jetzt reif für ein solches Projekt. Vorher hatten sie bereits Marzahn in vielen seiner Facetten abgebildet. Für die erste Ausgabe ihres Magazins „Berlin Haushoch“ regnete es dann gleich drei renommierte Preise. Der Erwartungsdruck für das am 01.02.08 erschienene Heft über den Wedding war dementsprechend hoch. In der ehemaligen Galerie der Firma Schering in der Lindower Str. 18 (S- und U-Bf. Wedding) präsentierten die drei Studentinnen Ana Lessing, Esra Rotthoff und Alexandra Bald drei Tage lang ihre Arbeit. „Einige negative Vorurteile stimmen“, geben Ana und Esra, zwei der drei Studentinnen, zu. „Aber manches hat auch uns als gebürtige West-Berlinerinnen überrascht.“ Vor allem finden sie den Wedding bunter, vielseitiger und grüner als sie dachten. Wedding mit seinen sozialen Missständen, aber zugleich offen – so erlebten es die drei, als sie ein Jahr lang von ihrem Büro in der Groninger Straße aus recherchierten. „Wir haben in Wohnzimmern fotografiert, wo wir ganz selbstverständlich bewirtet wurden“, sagt Ana, die immer noch begeistert ist. „Und wo hätten wir sonst bei einer türkischen Hochzeit die beiden Hauptpersonen von morgens bis abends begleiten können?“ Hochzeit im Wedding – klar, dass die Fotografin an diesem Thema nicht vorbeikam. Ohnehin gilt das Stadtviertel inzwischen als originell, selbst wenn man in Kreuzberg wohnt: „Man muss aus seinem Dorf auch mal raus, und daher gehe ich bewusst im Wedding aus“, sagt eine Besucherin der Ausstellung.

Esra und AnaWer den Wedding kennt, kommt beim Betrachten der Fotos schnell ins Staunen: Da stellen sich die drei Macherinnen als Models in Dönerläden, und alles wirkt arrangiert, fast schon unwirklich. Gerade dadurch kommt der Ort erst richtig zur Geltung: „Wir wollen mit unserem Magazin erst Klischees bestätigen, dann aber auch wieder brechen“, erklären die 26-Jährigen.

Eine andere Fotostrecke im Berlin Haushoch-Magazin widmet sich den als besonders spießig verschrieenen Kleingärtnern. „Die waren total nett, da konnten wir einfach leckere Kirschen essen“, erinnert sich Ana. Und so wurden die Laubenpieper eben zu „Laubenpeople“. Alltagsgesichter und ganz normale Weddinger Bewohner füllen den Großteil des Magazins, das in einer Auflage von 5000 Exemplaren erschienen ist. Der Gewinn soll ins nächste Heft über Charlottenburg gesteckt werden. Man merkt der Zeitschrift an, dass für die drei Studentinnen der Ort nicht nur eine skurrile Kulisse war. Statt dessen kommt der Wedding fast so weg, wie er ist. Nur eben zur Abwechslung mal auf Hochglanzpapier.

Das Magazin kann man bestellen bei www.berlin-haushoch.de

Umweltzone: Alles klar?

In Uncategorized on 15. Februar 2008 at 4:46

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Über Sinn und Unsinn der Umweltzone lässt sich sicher trefflich streiten. Aber immerhin macht das Land Berlin den Versuch , bei der Aufstellung der Zonen-Schilder Kosten zu sparen. Auch wenn es auf Kosten der Übersichtlichkeit geht. Umweltzone – aber sonst ist alles klar.

Wedding Dress # 2, BerlinHaushoch #2

In Gerade Passiertes und Anstehendes on 3. Februar 2008 at 4:50
weddingdress.jpgDie Frage ist nicht, ob sich ein Spektakel wie WeddingDress#2 in einem Umfeld wie der Brunnenstraße durchführen lässt. Vielmehr ist es interessant, dass das Brunnenviertel nicht schon früher von den Trendsettern für hip erklärt wurde. Schließlich liegt es so nah an den Szenevierteln Mitte (alt) und Prenzlauer Berg, dass man es eigentlich nicht schafft, es dauerhaft zu umgehen. Auch die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße fehlt in keinem Stadtführer. Die 70er-Jahre-Architektur soll, so wünscht es der größte Vermieter des Viertels und ganz Berlins, die DEGEWO, bitteschön als „retro“ durchgehen. Fehlen halt nur noch die hippen Bewohner, die Ost-Plattenbauten ja auch schon in den Kultstatus erhoben haben. War der erste Wedding-Dress-Modewettbewerb im Jahr 2005 vielleicht ein gewagtes Unterfangen, bei der zweiten Auflage in diesem Jahr dürfte eigentlich nichts mehr schief gehen. Immerhin verfügt der Wedding jetzt über sein erstes Hochglanz-Magazin, die zweite Ausgabe von Berlin Haushoch. Die drei Mode- und Designstudentinnen haben für die erste Nummer (Thema: Marzahn) einige Preise eingeheimst, und auch die Wedding-Ausgabe sieht vielversprechend aus. Aber die Karawane zieht weiter: die nächste Berlin Haushoch-Ausgabe wird sich mit Charlottenburg beschäftigen.

Die Wieder-“Entdeckung“

In Uncategorized on 1. Februar 2008 at 4:40

Der oberflächliche Betrachter sieht die Panke am Nordhafen in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal münden. Erst ein Blick auf einen historischen Stadtplan Berlins verrät den ursprünglichen Verlauf der Panke zwischen der Schulzendorfer Straße im Wedding und dem Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte.

Wer mehr über den alten Mündungsarm der Panke erfahren will, kommt an Bert Grigoleit nicht vorbei. Der 47-jährige Landschaftsarchitekt ist ein Kenner der Materie, der den Prozess der Freilegung der Alten Panke von Anfang an begleitet hat. „Im Jahr 2012 wird es 20 Jahre gedauert haben, die Panke freizulegen“, sagt Grigoleit, „aber dafür wurde vorher jahrzehntelang alles getan, um die Panke verschwinden zu lassen.“. Für die im Landeseigentum befindliche Grün Berlin GmbH hat Grigoleit zahlreiche Studien zur Panke erarbeitet und auch Teilstücke der Panke wieder freigelegt. Mit einem Gutachten über diesen Fluss hatte sich der Planer 1991 nach einer Tätigkeit in der Senatsverwaltung selbständig gemacht.

 

Im Ostteil Berlins war die Panke auch deshalb aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, weil nur zwei kurze Abschnitte nicht verrohrt oder zugeschüttet wurden. „Nur der Pankelauf auf dem Gelände der früheren Tierarzneischule aus dem 18. Jahrhundert war nicht verrohrt oder zugeschüttet“, erklärt Grigoleit. Hier konnte die Verlegung von Fernwärmeleitungen in der späten DDR-Zeit nur knapp verhindert werden. An vielen anderen Stellen verschwand die Panke jedoch in einem Rohr oder es wurden Leitungen in das Pankebett gelegt. Grigoleit kennt praktisch jedes Detail auf dem zuletzt freigelegten Abschnitt 100 Meter nördlich der Reinhardstraße und der Veterinärmedizinischen Fakultät der Humboldt-Universität. Auf diesem Gelände lebten bis vor wenigen Jahren viele Haus- und Nutztiere.“. Hier mussten Gehege, Futtersilos und alte Leitungen verschwinden“, erinnert sich der Landschaftsarchitekt, „es war eine zerklüftete Landschaft.“ Kein Vergleich zu dem jetzigen innerstädtischen Ort der Ruhe, den der kundige Spaziergänger heute vorfindet.

Bert Grigoleit
Bis auf die wenigen Abschnitte der Panke, die aus Kosten- oder Praktikabilitätsgründen verrohrt bleiben müssen, könnte das 1991 begonnene Projekt der Wieder-Entdeckung der Südpanke etwa im Jahr 2012 abgeschlossen sein, schätzt Bert Grigoleit. Das fehlende Teilstück nahe der Chausseestraße und der Habersaathstraße wird ab 2009 im Rahmen des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes auf dem Gelände des früheren Stadions der Weltjugend angegangen werden. Grigoleit selbst führt die Planung für die Wiederherstellung der Panke aus, während ein anderes Büro mit der Parkgestaltung betraut wurde. „Mir gefällt am besten an dem Gewinnerentwurf, dass man förmlich in den Pankeeinschnitt abtaucht“, erläutert der Landschaftsarchitekt das Konzept. Die Promenade liegt wie die Panke selbst in einer Senke, so dass man die umgebende Bebauung weniger stark wahrnimmt als die Grünfläche und den Fluss. „3,5 Meter beträgt der Abstand zwischen der Geländeoberkante und der Sohle der Panke“, erklärt der Fachmann.


reinhardtstrspree.jpgIm Normalfall werden 200 Liter pro Sekunde in der Alten Panke fließen. Bei Hochwasser und durch den Zufluss von Regenwasser ist die Panke sogar auf bis zu 1000 Liter pro Sekunde ausgelegt. „Die Panke könnte wieder vollständig in ihrem alten Bett fließen“, erklärt Grigoleit, „auch wenn dies derzeit nicht geplant ist.“ Da der während der Teilung Berlins zugeschüttete Düker unter der Chausseestraße mittlerweile wieder funktionsfähig ist, konnte für einige Monate schon Wasser durch den alten Mündungsarm fließen. Der Abzweig an der Schulzendorfer Straße ist durch ein sogenanntes Schlauchwehr ebenfalls wieder dafür hergerichtet, die Panke wieder in ihr altes Bett zu leiten.

Mit der Rückführung des Pankewassers dürfte dann ab 2012 ein städtebaulicher Zustand wieder hergestellt sein, der den Fluss wieder stärker ins Bewusstsein der Berliner zurückholt. Mit dem Weddinger Abschnitt des Pankegrünzugs, der in den 1950er Jahren begonnen wurde, ist dies bereits ein Stück weit gelungen. Vor allem aber wird sich der ursprüngliche Pankeverlauf in einer großen gestalterischen Vielfalt präsentieren. Die Panke verfügt dann über höchst unterschiedliche Einbettungen ins Stadtbild, ob als Graben, als natürliches Gewässer, als Stadtfluss zwischen den Häusern oder wie bisher unter dem Straßenpflaster. Die Panke als wieder erlebbarer Fluss in der Stadt und als grüne Lunge für den Nordosten Berlins – dieses Projekt, das 1955 in Wedding begonnen wurde, wird nach 2012 weitgehend abgeschlossen sein. Die politisch Verantwortlichen haben hier eine glückliche Hand bewiesen, ein auf lange Sicht angelegtes Vorhaben auch tatsächlich umzusetzen. Dass sich Geduld und ein langer Atem lohnen, zeigt die Arbeit von Bert Grigoleit.