Archiv für März 2008
„Be-Berlin“-Kampagne wird noch lokaler
In Uncategorized on 20. März 2008 at 6:58Das Kino zum Abheben
In Porträts, Uncategorized on 20. März 2008 at 6:35
„Endlich! Das erste spirituelle Kino Berlins. An einem wahrhaft gesegneten Ort. Freude!“ schreibt ein Besucher des „Kino und Café am Ufer“ ins Gästebuch. Die einstmals schummrige Kneipe mit einem großen Fenster zur Ecke Uferstraße/Martin-Opitz-Straße in Berlin-Wedding erstrahlt nach der Renovierung in hellen, warmen Farbtönen. In das dem Cafébereich angeschlossene Kino passen etwa 40 Besucher, die das spezialisierte Filmprogramm zu schätzen wissen: „Schweben wollte ich, das tue ich, seit ich das Kino am Ufer betreten habe“ – so ein weiterer Eintrag im Gästebuch.
„Wir können kein normales Filmkunstkino machen“, erklärt Kraft Wetzel, der das Kino und Café direkt am Panke-Ufer zusammen mit seiner Geschäfts- und Lebenspartnerin Usch Schmitz betreibt. Im Wedding gebe es ebenso wenig ein bildungsbürgerliches wie ein studentisches Publikum, das groß genug wäre, um ein Alternativkino zu betreiben. „Uns war klar“, so der 55-jährige Diplom-Politologe und frühere Filmjournalist, „dass ein Kino an diesem Ort nur dann eine Chance hat, wenn es etwas Einmaliges in dieser Stadt bietet.“ So stellten sich die beiden Betreiber nicht nur die Frage, ob es genug Filme gibt, um ein solches Spezialkino zu betreiben. Entscheidend war auch, ob es genügend Leute geben würde, die der Filme wegen in den Wedding kommen. „Beide Fragen kann man mit ja beantworten“, sagt Wetzel stolz und stellt fest, dass das Kino seit der Eröffnung im Januar 2007 kontinuierlich wächst. Was spirituelles Kino genau ist, mussten Schmitz und Wetzel dafür erst definieren: „Auf keinen Fall esoterisch“, so der gebürtige Württemberger Wetzel, der den Begriff „esoterisch“ als ausgrenzend empfindet. Zumal es auch die etablierten Religionen und Richtungen, die nie eine Religion werden wollten, zu einem filmischen und ästhetischen Ausdruck gebracht haben, der seinen Platz im breit gefächerten Kinoprogramm findet. Dieses reicht beispielsweise im März 2008 vom „1. Evangelium des Matthäus“ von Pasolini bis hin zu einer Dokumentation des Auftritts von Eugen Drewermann auf dem Evangelischen Kirchentag 2007.
Usch Schmitz ist im Kino und Café am Ufer für die Organisation und Gestaltung zuständig. Die 45-Jährige ist Islamwissenschaftlerin und Verlagskauffrau. Sie hat sich ihr Leben lang für Sinnsuche interessiert und schließlich den Buddhismus für sich entdeckt. Vor zehn Jahren bei einem Panke-Spaziergang hat Usch Schmitz das Haus Uferstraße 12 gesehen und kurz darauf eine Wohnung darin gemietet. „Ich habe nun mal ein Faible für Wasser“, sagt Schmitz, „und dass ich hier meinen Traum am Ufer realisieren könnte, hätte ich noch vor kurzem nicht für möglich gehalten.“ Den Laden mieteten sie und ihr Partner kurz entschlossen, nachdem die Hausgemeinschaft den letzten Kneipenbetreiber vertrieben hatte. Waffen- und Autohandel, sogar ein illegales Bordell waren der Hausgemeinschaft schon lange ein Dorn im Auge, als alle wegen eines Wohnungsbrandes im Oktober 2006 für zwei Monate ausziehen mussten. Ein größerer Kontrast als ein spirituelles Kino ist an einem Ort mit dieser Vergangenheit jedenfalls kaum denkbar.
Im September 2008 findet nun schon zum dritten Mal ein „Festival des spirituellen Films“ statt. Die Veranstaltungsreihe mit zehn Filmen wird aber dank lokaler Partner auch exportiert: schon zum zweiten Mal nach Köln und erstmals auch nach Hamburg und Freiburg. Kraft Wetzel sieht sich aber nicht nur als Pionier des „spirituellen Kinos“, sondern auch des Spezialkinos überhaupt: „Wir zeigen, dass eine spezielle Ausrichtung auf Low-Budget-Niveau funktionieren kann. Damit öffnen wir Tür und Tor für Myriaden hochspezialisierter Kleinkinos“. Damit hat der Filmkenner Wetzel ein kühnes Projekt realisiert. Dies war ihm wichtig, nachdem er zwanzig Jahre lang als Film- und Fernsehjournalist nur das Schaffen Anderer kommentiert hat. „Ich war bloß Begleitgeräusch derer, die etwas machen“, so empfand Wetzel seine damalige Tätigkeit. „Hier im Wedding, wo man es am wenigsten erwartet, kann ich aber die Quadratur des Kreises versuchen.“ Immerhin handelt es sich beim Kino und Café am Ufer heute um ein Unternehmen, an dem bis zu zehn Personen mit arbeiten. Die Etablierung eines ganz besonderen Ortes an der Panke dürfte gelungen sein, wie ein weiterer Eintrag ins Gästebuch zeigt: „Wie immer war es für Herz und Seele eine Bereicherung!“
Das Programm findet man unter www.kino-am-ufer.de
Uferstraße 12, Berlin-Wedding, Tel. 46 50 71 39
Zwei Namen werden ersetzt
In Uncategorized on 9. März 2008 at 3:23Vattenfall und BayerSchering an der heutigen Pankemündung am Nordhafen – zwei namhafte Berliner Unternehmen, deren Vorgänger einstmals lokale Größen der Berliner Wirtschaft waren. Der Vattenfall-Vorläufer Bewag wurde 1923 als privates Elektrizitätsbetriebsunternehmen gegründet. Nach der Teilung der Stadt war die Bewag für den Betrieb des Inselnetzes von West-Berlin zuständig, bis das städtische Netz 1993 an das europäische Stromnetz angeschlossen wurde. Anfang 2003 wurde die Bewag vom schwedischen Vattenfall-Stromkonzern aufgekauft und verlor ab 2006 ihren Traditionsnamen.
Das Pharmaunternehmen Schering AG wurde bereits 1871 gegründet und war mit zuletzt über 20000 Mitarbeitern weltweit der bedeutendste und bekannteste private Arbeitgeber mit Stammsitz in Berlin-Wedding. Als 2006 die Merck KG eine feindliche Übernahme ankündigte, sprang der Leverkusener Bayer-Konzern in die Bresche und übernahm die Schering AG.
Jetzt stehen die beiden Firmennamen zufällig ganz nah beieinander, zwei Unternehmen, die nichts gemeinsam haben. Nur dass sie dafür stehen könnten, dass zwei große Namen in der Berliner Wirtschaftsgeschichte nahezu gleichzeitig verschwunden sind und damit auch ein Stück lokale Identität. Danke, Globalisierung!
Wohnungssuche – Stimmt der Mythos von den billigen Wohnungen im Wedding?
In Uncategorized on 8. März 2008 at 8:08Wohnen im Sanierungsgebiet
Jutta Schäfer und Christoph Schierholz sind ein junges Paar. Sie wohnt in Berlin, er in Dresden. Jetzt möchten sie gerne zusammen ziehen. Im Soldiner Kiez, besonders im Sanierungsgebiet rund um die Biesentaler Straße, können sie sich vorstellen zu wohnen. „Unser Limit liegt bei 400-500 €, für möglichst mehr als 80 Quadratmeter“, erklärt Christoph Schierholz. Da kann Gordon Buchwald helfen. Er ist der für den Soldiner Kiez zuständige Kundenberater der DEGEWO. „Der Soldiner Kiez ist ein typisches Arbeiterviertel aus den Jahren 1890-1910″ sagt er. „Daher sind die Wohnungen nicht so groß wie im gutbürgerlichen Charlottenburg, und auch die Decken sind nur etwa 2,80 Meter hoch.“
Die meisten Altbauten hat die DEGEWO in den letzten Jahren im Auftrag des Landes Berlin mit öffentlichen Fördergeldern saniert. „Daher dürfen wir die Wohnungen eigentlich nur Mietern mit WBS überlassen.“ Gordon Buchwald erklärt jedoch, dass es auch Ausnahmen gibt: „Wenn Interessenten keinen WBS haben, wird geprüft, ob berechtigte Mieter Vorrang haben, ansonsten hat man auch ohne WBS gute Chancen, eine Wohnung zu bekommen.“ Er erläutert den beiden Wohnungssuchenden, welche Wohnungen gerade frei sind. Zum Beispiel die Häuser an der Osloer Straße 8 und 9, die frisch saniert sind. Dort könne man eine 108 m2 große 4-Zimmer-Wohnung ab 750 € bekommen. Andere 3-Zimmer-Wohnungen mit Warmmieten um die 500 € kommen für die Wohnungssuchenden ebenfalls in Frage.
Preise unter dem Mietspiegel
„Wir unterschreiten in manchen Wohnungen mit 4 € netto kalt sogar den Mietspiegel“ erklärt Gordon Buchwald. Im Mietspiegel gilt der Soldiner Kiez ohnehin schon als Niedrigmietgebiet. Für die dortigen sanierten Altbauten weist der Berliner Mietspiegel einen Mittelwert von 4,39 € Nettokaltmiete aus. Gordon Buchwald versichert zudem, dass die DEGEWO bei Neuvermietungen sehr kooperativ ist und auf Wünsche zur Miethöhe auf befristete Zeit eingehen kann. Im Gegenzug erwartet die Wohnungsbaugesellschaft vor allem ein regelmäßiges Einkommen und Mietschuldenfreiheit. Arbeitslosengeld II wird dafür akzeptiert. Einen Trick verrät Gordon Buchwald noch: „Im ersten Halbjahr werden erfahrungsgemäß weniger Wohnungen nachgefragt. Das erhöht das Angebot um diese Jahreszeit.
Günstige Wohnung über`s Internet
Sonya Kraus, neue Kiezmentorin im Quartiersmanagement Soldiner Straße, hat es bei einer Wohnungsbaugesellschaft gar nicht erst versucht. Sie scheute den bürokratischen Aufwand, den sie als Freiberuflerin beim Nachweis ihres Einkommens erwartete. „Wir haben stattdessen einen Privatvermieter übers Internet gefunden“ sagt die erst im November zugezogene Neuberlinerin. Die Miete für die 170 m2 große Wohnung in der Koloniestraße ist vergleichsweise niedrig. „Der Vermieter war froh, jemanden langfristig über einen Zweijahresvertrag binden zu können“ sagt sie. Ihr ist aufgefallen, dass es zahlreiche freie Wohnungen gibt, die man an Aufklebern an den Fenstern erkennen kann.
Negativimage wandelt sich
Der Stadtteilmanager der DEGEWO, Achim Wolf, betont, dass sich das Negativimage vom Soldiner Kiez gewandelt habe. Deshalb werden öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Künstlervereinigung Kolonie Wedding unterstützt. Als Zielgruppe für die freien Wohnungen sind nicht nur Studenten, sondern allgemein junge Leute im Visier der Wohnungsbaugesellschaft. „Wir setzen auf die Leute, die den Prenzlauer Berg zu teuer finden.“ sagt Achim Wolf. Die DEGEWO hat vor allem ein Interesse an einer stabilen Mieterstruktur. Dies führe, laut Wolf, zu weniger Nachbarschaftskonflikten und damit auch zu weniger Auszügen.
Jutta Schäfer und Christoph Schierholz sind sich nach dem Besuch bei der DEGEWO einig. „Das Preis-Leistungsverhältnis scheint zu stimmen.Jetzt machen wir uns auf den Weg und schauen uns die Wohnungen erst einmal an.“ Es kann also sehr schnell gehen, an eine Wohnung im Soldiner Kiez zu kommen.
Wohin kann ich mich wenden?
Immobiliensuche im Internet: http://www.immobilienscout24.de
DEGEWO
Gordon Buchwald
Kundenzentrum Nord
Brunnenstraße 128, 13355 Berlin
Tel.: 030-26 485 680
E-Mail: gordon_buchwald@degewo.de
GESOBAU
Vermietungsbüro Wedding
Schulstraße 11
13347 Berlin
Telefon: 030/4073-1465
E-Mail: mieten-wedding@gesobau.de
Stand: 27.02.2006 Autor: Joachim Faust
