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Archiv für April 2008

Friseur zwischen den Kulturen

In Uncategorized on 29. April 2008 at 5:51

Ich war heute bei meinem Friseur, in meinem Viertel, das sich im Übergangsbereich vom multikulturellen Wedding zum brav-vorstädtischen Pankow befindet. Der junge Mann hat sich vor kurzem mit seiner Freundin mit einem eigenen Salon selbständig gemacht. „Der Laden läuft ganz gut“, sagt er, was wohl auch an den Kampfpreisen liegt. Seine Ambition ist, mit den deutschen Salons zu konkurrieren, aber eben modernere Schnitte zu bieten. Von den ebenfalls in der Nähe konkurrierenden türkischen Herrensalons will man sich ebenfalls absetzen, auch wenn nicht ohne Neid anerkannt wird, dass den Herren der Schöpfung dort ein toller Service geboten wird. Das bleibt nicht ohne Folgen für den jungen deutschen Friseur: er möchte gern, und das ist wirklich nicht mehr typisch in der Branche, Nassrasuren anbieten. „Die Türken lernen noch das Barbiershandwerk in der Türkei“, erklärt er. Er hat das Rasieren aber nicht mehr in der Ausbildung gelernt, sondern musste einen Kumpel monatelang rasieren. Und an einem Luftballon hat er auch geübt. So treibt die Vermischung der Kulturen den Servicegedanken auf die Spitze, und am Ende bietet das junge Friseurspaar etwas, was es so in deutschen Salons noch nicht gab: die Nassrasur direkt neben der Trockenhaube für weibliche Kunden.

Nette Geste

In Uncategorized on 28. April 2008 at 6:15

Man hat zwar Berlins jüngste Straßenbahnlinie zwischen Wedding und (Alt-)Mitte so altmodisch gebaut, dass die Züge der Linie M 10 regelmäßig im Stau stehen und die Fahrgäste noch eine Stufe überwinden müssen, um auf der Straße zu landen, aber was soll’s? Das rote Licht der Radfahrerampel ist doch eine wirklich nette Geste, um über manchen Makel an der Bernauer Straße hinwegzusehen….

Auf alles gefasst

In Uncategorized on 22. April 2008 at 6:55

Ich stieg neulich am Bahnhof Friedrichstraße aus. Mein Sohn sollte an einer Studie der Humboldt-Universität teilnehmen. Ich wusste nicht genau, wo sich die Universitätsstraße befand, man hatte mir nur gesagt, dass ich den Ausgang Georgenstraße nehmen sollte. Aber dem S-Bahn-Tunnel entstiegen konnte ich einfach keinen Stadtplan finden. Also ging ich, meinen Sohn an der Hand und beladen mit seinem Schulranzen und Turnbeutel, in ein nahe gelegenes Café. Die Bedienung konnte mir auch nicht helfen, da sah ich einen Touristen mit einem aufgeklappten Stadtplan. Ich ging einfach zu seinem Tisch und entschuldigte mich für die Störung. Der Tourist sah ein wenig erschrocken aus – bis ich fragte, ob ich mal kurz auf seinen Stadtplan schauen dürfe. Als ich mich bedankte, weil ich die Straße gefunden hatte, sagte mir der freundliche Herr mit süddeutschem Akzent: „Und ich dachte schon, sie betteln hier um Essen.“ Daran hatte ich gar nicht gedacht. Entweder ist ein Berlin-Besucher auf große Armut eingestellt und dadurch auf alles gefasst oder es ist gesellschaftlich mittlerweile akzeptiert, dass schon im Café nach Essensresten gefragt wird. Zuerst habe ich geschmunzelt, aber dann bin ich doch ziemlich nachdenklich geworden.

Weltstadtprovinz

In Uncategorized on 21. April 2008 at 7:07

Was ist weltstädtisch, was ist provinziell?

Einen Flughafen mitten in der Stadt zu haben, unter dessen Lärm viele Tausende zu leiden haben? Oder einen Flughafen mitten in der Stadt zu haben, über den eine halbe Stadt aus der Ferne mit Lebensmitteln versorgt werden konnte?

Gerade hier im Berliner Norden wissen Hunderttausende, dass ein Flughafen nicht an dicht bebaute Gebiete grenzen sollte. Aber egal, wie der Volksentscheid ausgeht, eine Frage stellt sich mir dann doch: wenn es für Tempelhof ein Nutzungskonzept des Senats gibt, wie sieht eigentlich die Zukunft des Flughafens Tegel ab 2011 aus?