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Friseur zwischen den Kulturen

In Uncategorized on 29. April 2008 at 5:51

Ich war heute bei meinem Friseur, in meinem Viertel, das sich im Übergangsbereich vom multikulturellen Wedding zum brav-vorstädtischen Pankow befindet. Der junge Mann hat sich vor kurzem mit seiner Freundin mit einem eigenen Salon selbständig gemacht. „Der Laden läuft ganz gut“, sagt er, was wohl auch an den Kampfpreisen liegt. Seine Ambition ist, mit den deutschen Salons zu konkurrieren, aber eben modernere Schnitte zu bieten. Von den ebenfalls in der Nähe konkurrierenden türkischen Herrensalons will man sich ebenfalls absetzen, auch wenn nicht ohne Neid anerkannt wird, dass den Herren der Schöpfung dort ein toller Service geboten wird. Das bleibt nicht ohne Folgen für den jungen deutschen Friseur: er möchte gern, und das ist wirklich nicht mehr typisch in der Branche, Nassrasuren anbieten. „Die Türken lernen noch das Barbiershandwerk in der Türkei“, erklärt er. Er hat das Rasieren aber nicht mehr in der Ausbildung gelernt, sondern musste einen Kumpel monatelang rasieren. Und an einem Luftballon hat er auch geübt. So treibt die Vermischung der Kulturen den Servicegedanken auf die Spitze, und am Ende bietet das junge Friseurspaar etwas, was es so in deutschen Salons noch nicht gab: die Nassrasur direkt neben der Trockenhaube für weibliche Kunden.

  1. Wo befindet sich denn der Friseur? Ob ich da mal hingehen sollte?

  2. Ich würde mir allerdings nur die Haare schneiden lassen!

  3. Coiffeur Shanti
    Wollankstr.
    zwischen Ecke Kattegatstr. und Ecke Gottschalkstr., neben der Apotheke.

    Aber sich mal rasieren zu lassen, möchte ich schon mal ausprobieren. Vielleicht erst mal beim Profi?

  4. Kulturaustausch mal anders rum. Phantastisch. War ja auch nur eine Frage der Zeit, nachdem edel gekleidete junge Männer in London Schuhpolieren von Hand anbieten. Ganz neue Aussichten für Hunderttausende geringqualifizierte indische Arbeitskräfte (die fragen immer, wie sie es anstellen können, nach Deutschland zu kommen) und eine wirkliche Bereicherung für den Service-Sektor. Bleibt zu hoffen, dass derartige Dienstleistungen nicht wegen dem Arbeitsmarktprotektionismus zum Stolperstrick für die ganzen Freelance-Studenten und Langzeitarbeitslosen wird.