panke

Archiv für September 2008

Das Wiedersehen mit der Panke

In Uncategorized on 21. September 2008 at 2:50

Baugruppen gibt es unter verschiedenen Bezeichnungen schon viele Jahre in Berlin. Hier stellen wir Ihnen ein Projekt an der Panke vor, mitten im Wedding…

Es dringt kaum Straßenlärm in den zugewucherten Garten, die Panke fließt,
sich gemächlich windend, in ihrem rot gemauerten Kanal, und der morbide
Charme der nahe gelegenen Fabrikgebäude lässt den Betrachter fast
vergessen, dass er sich in der Mitte einer Millionenstadt befindet. Stefan
Klinkenberg führt über das Gelände, auf dem sein neuestes Bauprojekt
entstehen soll:„Ich finde, das Phänomenale an der Panke ist, dass sie eine
grüne Verbindung von der Mitte bis hinein ins Umland herstellt. So eine
Situation ist mir aus anderen Großstädten nicht bekannt.“ Daher ist für den
Architekten und Projektentwickler das Bauvorhaben in der Gerichtstraße 17
etwas Besonderes.

Das Vorderhaus wird das Wohnhaus sein

Das Vorderhaus wird das Wohnhaus sein

Klinkenberg hat das leer stehende Mietshaus, das sich in direkter
Nachbarschaft der Panke befindet, mit zwei weiteren Baugruppenmitgliedern vom Liegenschaftsfonds Berlin erworben. Für eine noch im  Wachsen begriffene Baugruppe sollen die Wohnungen des Vorderhauses in bis zu  174 qm große Wohneinheiten umgebaut werden, während auf dem 2800 qm großen Gartengrundstück mehrere Atelierhäuser geplant sind. „Der Flächennutzungsplan untersagt uns auf dem hinteren Grundstücksteil eine Mischnutzung aus Wohnen und Arbeiten“, erklärt Klinkenberg. Er findet es bedauerlich, dass ausgerechnet an dieser Stelle nicht die Kombination aus Wohnungen und Gewerbeflächen möglich sein soll, die für die lebendigen Altbauviertel Berlins so typisch ist. Der 53-jährige Architekt wohnt seit 1988 selbst in einem großen Kreuzberger Wohn- und Gewerbeprojekt, das seinerzeit noch mit öffentlichen Mitteln teilfinanziert wurde. „Heute müssen diese Projekte nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip gefördert werden“, findet Stefan Klinkenberg. „Es gibt genug Leute, die es sich leisten können, und deren Kaufkraft wird in Berlin dringend benötigt.“  Im Laufe der Jahrzehnte hat sich Klinkenberg viel Erfahrung mit Baugruppen erworben, und beim Haus Gerichtstraße 17 handelt es sich sogar schon um das neunte Projekt dieser Art, das der Architekt betreut.

Die Nähe zur Panke ist – neben der zentralen Lage und dem großen und
ruhigen Gartengrundstück –  das wesentliche Alleinstellungsmerkmal des
Bauobjekts. So sollen auf der geschlossenen Hausseite zum Fluss hin große
Fenster aus der Wand gebrochen werden. „Die Deckenhöhe ist genau richtig,
das Dach und das Treppenhaus sind in einem soliden Zustand – wir haben hier gute Voraussetzungen für eine Sanierung“, erläutert der Architekt bei der Besichtigung des seit zwei Jahren leer stehenden Altbaus. Ein hoher
Ökostandard, Warmwassererzeugung durch Solarzellen und große französische Fenster dürften die Kaufentscheidung potenzieller Interessenten ebenfalls erleichtern. „Der Quadratmeterpreis von 2000 € mag für den Wedding hoch sein, ist aber für ein Projekt dieser Qualität und Lage
unterdurchschnittlich“, erklärt Klinkenberg. Manche der Käufer kämen aus
dem Kollwitzplatz-Milieu und suchten nun das wenig er Etablierte – trotzdem sei es nicht Jedermanns Sache, Pionier im Wedding zu sein, beurteilt der Projektentwickler das bisherige Interesse.

Architekt Stefan Klinkenberg

Architekt Stefan Klinkenberg

Für Stefan Klinkenberg ist die Arbeit an der Panke jedoch auch eine
Rückkehr zu den eigenen Anfängen: „Ich habe meine Diplomarbeit 1981 über die Wiesenburg, das ehemalige Obdachlosenasyl an der Panke geschrieben“, sagt der Architekt, der damals auch im Wedding wohnte. Sogar die Garagen, die sich heute auf dem hinteren Grundstücksteil der Gerichtstr. 17 befinden, kennt Klinkenberg noch aus dieser Zeit: „Hier haben Freunde von
mir an Autos und Motorrädern geschraubt“, erinnert er sich. Die besondere städtebauliche Situation, zwischen Fabrikgebäuden, dem Obdachlosenasyl und der Panke, lässt sich aber auch auf dem zugewucherten Grundstück gut erkennen – hier sollen die zwei- und dreigeschossigen Atelierhäuser entstehen. „Mit ihren hohen Erdgeschossen eignen sie sich gut für Galerien, während die Obergeschosse als Ateliers genutzt werden können“, erklärt Klinkenberg, der bereits eine renommierte Fotografin als  Bauherrin gewonnen hat. Die großen Wohnungen im Vorderhaus sind  für Familien , Künstler oder Freiberufler geeignet, die viel
Platz benötigen. Noch sind aber nicht alle Einheiten verkauft, so dass der
genaue Baubeginn nicht bestimmt werden kann.

Stefan Klinkenberg macht es sichtlich Spaß, sich nach über 25 Jahren wieder
mit der Panke zu beschäftigen: „Ich freue mich, dass – im Vergleich zu
damals – an diesem Pankeabschnitt viel Geld von der öffentlichen Hand
investiert wurde.“ Es steckt also viel mehr persönliches Engagement hinter
dem Bauprojekt, als man anhand eines bloßen Bauschildes vermuten würde.

Interessiert am Thema „Baugruppe“? Lesen Sie doch einfach den Artikel über eine Baugruppe in der Kopenhagener Straße in Prenzlauer Berg.

Berlin wird endlich eine schöne Stadt

In Uncategorized on 12. September 2008 at 7:32

Sollte es irgendwo noch Zweifel daran geben, dass Berlin eine – sagen wir mal – verbesserungswürdige Stadt ist? An zentraler, aber keineswegs exponierter Stelle* wird aus einem Gasspeicher eine klassische Rotunde. Hier darf die Berliner Malerinnung mal zeigen, was sie kann.

* Am Pankepark, nahe Scharnhorststr. (gegenüber der BND-Baustelle am ehemaligen Stadion der Weltjugend)

Eine Sicht auf die Panke, die man nicht sehen kann

In Uncategorized on 11. September 2008 at 2:39

Zahlreiche verantwortliche Behördenmitarbeiter, Planungsbüros und Gewässerkundler haben der Panke aufgrund der bevorstehenden Renaturierung schon große Aufmerksamkeit geschenkt.
Auch Carsten Suter hat ein Gutachten über die Panke verfasst. Gemeinsam mitseiner Kollegin Annette Brandes hat er drei Wochen lang topografische Karten studiert,Messungen vorgenommen und ist bei Wanderungen entlang der Panke eingetaucht – in das Wesen des Flußsystems Panke.
Das Ergebnis liegt nun in schriftlicher Form vor und enthält Empfehlungen für die geplanten Renaturierungsmaßnahmen. Nichts Ungewöhnliches, möchte man meinen – wenn da nicht der etwas andere Blickwinkel auf das Thema Panke wäre.  Carsten Suter istGeomant, ein Experte für das Wahrnehmen von „Dingen“, die mit „bloßem Auge nicht zu sehen sind.“
Der Begriff „Geomantie“ bedeutet in etwa „Weissagung aus der Erde“ und hat einiges mit dem fernöstlichen Feng Shui gemeinsam.

Carsten Suter kam 1983 nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung nach Berlin. „Diese Ausbildung habe ich gemacht, weil mein Vater sich wünschte, dass ich einmal Ingenieur werde“, sagt der gebürtige Niedersachse, „und ich habe noch lange nach meiner wirklichen Berufung gesucht.“ Zunächst gründete er mit einer Designerin eine Modefirma, die mit einem bis dahin einmaligen Stegrock einen unerwarteten Erfolg landete. „Ich wollte immer etwas Künstlerisches machen, aber der Verkauf von Kleidung war letztendlich doch nicht meine Welt“, sagt Suter heute. 1995 verkaufte Carsten Suter die Firma und lebte zeitweilig auf einer Insel vor der kanadischen Westküste. „In der Einsamkeit machte ich viel Musik und hatte Zeit, nach einer neuen Aufgabe zu suchen“, erinnert sich Suter, der 1999 wieder nach Berlin zurückkehrte und seither in Pankow wohnt. Daher hat er auch einen Bezug zur Panke, die ihn nicht nur aus geomantischer Sicht, sondern auch als Anwohner interessiert.

Carsten Suter war lange auf der Suche nach dem, „was ihm fehlte“, wie er sagt, dachte zeitweise daran, Biobauer zu werden. „Den Bezug zur Landwirtschaft hatte ich schon als Kind auf dem Land“, sagt Carsten Suter. „Aber als ich zum ersten Mal von Steinheilkunde und Geomantie hörte, wusste ich, dass ich immer genau danach gesucht hatte“, erklärt der 47-jährige Vater von zwei kleinen Kindern. Die geomantische Ausbildung an der Schule für Geomantie „Hagia Chora“ absolvierte Suter im Rahmen von Blockseminaren in Süddeutschland, und in der Zwischenzeit bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren.„Jeder kennt doch die Situation, dass man gerade jemanden anrufen will – auf einmal klingelt das Telefon, und die Person ist am anderen Ende der Leitung.“ So beginnt Suter, wenn er Zuhörern von Phänomenen erzählt, die in seinem Beruf eine Rolle spielen. Die Essenz der Dinge erfassen, die um uns herum sind, so definiert Suter Geomantie. „Die Fähigkeit, nachzuprüfen, warum man zum Beispiel ein schlechtes Gefühl hat, haben viele Menschen verloren.“ Auch bei einem „Naturwesen“ wie der Panke springt das für Suter besonders ins Auge: „Mit dem, was die Menschen im Laufe der Jahrhunderte mit dem Fluss gemacht haben, haben sie auf einer geistig/seelischen, unsichtbaren Ebene ebenfalls etwas verändert“, erklärt der Geomant. Unterstützt werden kann die Heilung solcher Störungen, so schlägt er vor, durch den Einsatz von Symbolen wie z.B. künstlerisch gestalteten Kosmogrammen. „Alles ist mit allem verbunden, und die möglichen Auswirkungen von Maßnahmen kann man messen“, beschreibt Carsten Suter seinen Ausgangspunkt seiner Begutachtung. Verschiedene Aspekte dieser Art hat er in das geomantische Gutachten einfließen lassen, das seiner Meinung nach bei der Renaturierung der Panke Beachtung finden sollte.

„In der Weltsicht der Geomantie wird die Erde wie ein Organismus behandelt“, schreiben Carsten Suter und Annette Brandes in ihrem Gutachten. „Die Geomantie geht davon aus, dass Landschaften und Orte ähnlich dem Menschen beseelt sind und eine geistige Energie besitzen. Das, was der Mensch ist, ist auch die Landschaft, der Ort, da Alles mit Allem verbunden ist.“ Wie sich die Panke heute präsentiert, könne sie ihre Urqualitäten nicht mehr ausspielen, so das geomantische Fazit.

Für die Panke schlagen die Gutachter darum vor, unter anderen, Lithopunktur anzuwenden. Durch die Spaltung eines Steines, dessen Teile mit Kosmogrammen versehen und die jeweils im Quellgebiet und an der Mündung aufgestellt werden an noch zu bestimmenden wirksamen Punkten, würde der gesamte Flusslauf energetisch miteinander verbunden.

Mit Wahrnehmungsübungen vor Ort kann Suter dem Interessierten zeigen, welche Energien man spüren kann, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Es ist aber Aufgabe des Geomanten, die Sprache zu benutzen, die der Empfänger verstehen kann. Daher hat Carsten Suter Wert darauf gelegt, dass das Panke-Gutachten nicht zu fachspezifisch formuliert ist. Trotzdem hat er versucht, die Botschaft zu übermitteln, die ihm in Bezug auf die Panke wichtig ist: „Aus den Dingen, die mit der Erde zu tun haben, etwas Wahres sagen können – das ist es, was Geomantie ausmacht.“

Mehr Informationen unter www.geomanten.de

Wer sich für die Erde, Geomantie etc. aus rein spiritueller Sicht interessiert, findet auf der Seite http://lichtwege.wordpress.com einen sehr schönen Artikel unter dem Namen „Erde“.

Eine ehrliche Fassade

In Uncategorized on 7. September 2008 at 5:59

So viel Ehrlichkeit ist heutzutage selten: anderswo sind die Fassaden der Shopping-Malls rosa oder rundum verglast; kurz, dort soll die Kundschaft mit architektonischen Mitteln angelockt und bei Laune gehalten werden.

Das neue Fachmarktzentrum am Bahnhof Gesundbrunnen, das derzeit entsteht, verzichtet auf solche Spielereien. In einem Ortsteil, wo sich ein neu gebauter Fernbahnhof mit einer schlichten Betonplatte statt eines unnützen Empfangsgebäudes begnügt, ist auch der Kommerz grundehrlich: ein aufgepinselter Strichcode verschweigt dem Betrachter nicht, worum es bei der Distribution von Waren des täglichen Bedarfs wirklich geht.