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Archiv für 2009

Außen Schloss, innen Zeitzeugen

In Uncategorized on 23. Dezember 2009 at 6:04

Hinter einer Mauer im Schlosspark, jahrzehntelang streng von der Bevölkerung abgeschirmt und in den letzten Jahren auch äußerlich etwas unscheinbar, fristete das Schloss Schönhausen jahrelang sein Dasein. Doch mit der Wiedereröffnung als Museumsschloss rückt es wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Das Gebäude besitzt nicht nur wieder ein attraktives Äußeres – auch im Innern hat die außergewöhnliche Geschichte des Schlosses zahlreiche Spuren hinterlassen.

19.12.2009, Schloss Schönhausen, erster Tag als Museum...

Am 19.12.2009 betritt ein Pankower Ehepaar das Schloss, das sich selbst ein Wiedersehen mit dem Gebäude zum 45. Hochzeitstag geschenkt hat. Es handelt sich um die ersten zahlenden Besucher, die sich an diesem Tag von Schnee und Eisglätte nicht haben abschrecken lassen. Nicht nur für sie hält das Schloss Schönhausen so manche Geschichte bereit.

Nachdem im Nebengebäude des Schlosses 1990/91 noch die Sitzungen des „Rundes Tisches“ der DDR sowie die „2+4“-Verhandlungen stattgefunden hatten, verfiel das Schloss in einen Dornröschenschlaf, bis es 2005 in die Obhut der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) übergeben wurde. Nur Königin Beatrix der Niederlande hatte noch 1991 im Schloss genächtigt, so wie vor ihr Fidel Castro, Leonid Breshnev und Indira Gandhi: seit 1964 war Schönhausen offizielles Gästehaus der DDR-Regierung. Die Schlaf- und Badezimmer atmen noch den Zeitgeist der 1960er Jahre, wie man noch heute nacherleben kann. Die wichtigsten Epochen des Schlosses sind im neuen Museumsschloss konserviert worden. Von einem Rückbau in das ursprüngliche Barockschloss hat die SPSG abgesehen – die bewegte Geschichte des Hauses und seine zahlreichen Nutzer und Bewohner sind damit erlebbar geworden.

Kurios war allein schon die Tatsache, dass der neu gegründete Arbeiter- und Bauernstaat DDR die Kulisse des Schlosses nutzte, um sich mit „königlichem“ Prunk zu schmücken. So war das Schloss Amtssitz des (einzigen) DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Dessen Arbeitszimmer hatte trotz für die damalige Zeit moderner Möbel immer noch einen barocken Rahmen. Mit Piecks Tod 1960 wurde das Präsidentenamt jedoch abgeschafft.

Im Nationalsozialismus hatte das Schloss schon einmal als Ausstellungsort gedient. Zudem wurde es als Lager für Werke genutzt, die als „entartete
Kunst“ galten. Im neuen Mueumsschloss werden hingegen Bilder aus dem Besitz der Familie zu Dohna gezeigt, die aus dem ostpreußischen Schloss
Schlobitten gerettet wurden. Damit schließt sich ein Kreis: Eine gewisse Gräfin Sophie zu Dohna-Schlobitten hatte das Rittergut Niederschönhausen, 1664 in ein Herrenhaus umbauen lassen. Und aus eben diesem Herrenhaus ist später das Schloss Schönhausen geworden.

Der erste Tag als Museumsschloss - mit Puderzucker!

Eine Schlossbewohnerin hat es jedoch zu größerer Berühmtheit gebracht: Elisabeth Christine, die Ehefrau des preußischen Königs Friedrich II. Es war keine Liebesheirat, aber es war seinerzeit auch nicht ungewöhnlich, dass das Ehepaar getrennt lebte. Friedrich hatte seiner Frau das Schloss Schönhausen 1740 geschenkt, und Elisabeth Christine sollte dort 57 Sommer verbringen. Das Außengelände ließ sie in einen Barockgarten umgestalten, und nachdem im Krieg Teile des Schlosses zerstört wurden, wurde Schönhausen 1764 wiederaufgebaut. Die heutige äußere Form des Schlosses stammt aus dieser Zeit. Friedrich II. selbst soll seine Frau niemals im Schloss besucht haben. Im Gegensatz zum Schloss ist vom Barockgarten nichts geblieben: dieser ist von Peter Joseph Lenné 1829 in den englischen Landschaftspark umgewandelt worden, als den wir den Schlosspark heute noch kennen. Wegen der Nutzung als Präsidentensitz wurde zu DDR-Zeiten von Reinhold Lingner ein Garten angelegt. Noch heute ist dieser Garten von einer den Schlosspark und eine Sichtachse teilenden Mauer umgeben. Da auch dieser architektonische Garten ein besonderes Denkmal darstellt, wird dieser wieder in den Originalzustand zurückversetzt.

Über das Leben der einsamen Königin, Elisabeth Christine, gibt es im Schloss einige Museumsexponate. Der Rokokosaal selbst ist sogar mit seiner Innenausstattung ein für das heutige Berliner Stadtgebiet einzigartiges Baudenkmal.

Monarchen, Arbeiterführer und Staatsgäste: die vielen Räume, Bilder und Relikte, die die unterschiedlichen Bewohner im Laufe der Jahrhunderte
hinterlassen haben, sind Grund genug, sich dieses bedeutende Museumsschloss am Ufer der Panke einmal (wieder) anzusehen.

Mehr Infos:

www.spsg.de

Erster Schnee an der Panke

In Uncategorized on 18. Dezember 2009 at 6:42

War’s früher schöner?

In Uncategorized on 18. Dezember 2009 at 6:33

Neulich im Stadtteilzentrum Pankow bei der Weihnachtsfeier von panke.info: Der Kneipier vom „Offside Wedding“ Lars Pechmann zeigt historische und aktuelle Fotos anhand eines Beamers. Er „führt“ die Besucher, die den warmen Raum nicht verlassen müssen, vom Humboldthain über den Bahnhof Gesundbrunnen mitten hinein in die Kieze des östlichen Weddings. Dabei werden räumliche und geschichtliche Zusammenhänge deutlich, die der Hobby-Heimatkundler sehr lebendig in eine Form zu packen weiß: der von ihm als Stilmittel eingesetzte ständige Vergleich von alten Fotos mit den heutigen Ansichten hat seinen ganz eigenen Reiz. Klar, man kennt viele der historischen Postkarten aus der „guten alten Zeit“. Doch wenn man sofort das heutige Bild dazu geliefert bekommt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Bild ganzer Straßenzüge in Gesundbrunnen arg ramponiert ist. Nicht (nur) aus sozialen Gründen, sondern besonders wegen der Zerstörung im Krieg (Himmelfahrtskirche) und nach dem Krieg (Kahlschlagsanierung). Ganz abgesehen von alten Glanzzeiten von Hertha BSC am alten Standort an der Plumpe, was Lars durch einen kurzen Strip untermalt – er trägt ein Hertha-Fanshirt mit der Aufschrift „Plumpe“. Wären sie heute doch noch an der Plumpe, mag man da einwerfen, wer weiß, vielleicht würden sie dann an alte glorreichere Zeiten anknüpfen?

Bei Interesse organisiert der Verein panke.info e.V. weitere Diavorträge mit Lars Pechmann. Auch in Lars’ Bar „Offside Wedding“ in der Jülicher Straße 4 gibt es in unregelmäßigen Abständen weitere Vorträge.

Nicht irgendein Projekt: Panke 2015

In Uncategorized on 3. Dezember 2009 at 7:22

Nur wegen des guten Caterings war sicher niemand gekommen. Rohkost in Dips zu tunken, ist die eine Sache. Aber wenn man in einigen Jahren auch die Füße in eine saubere Panke stecken könnte? Am Abend des 24.11.2009 stand nämlich die naturnahe Gestaltung dieses Flusses im Mittelpunkt des Interesses.

Für den 4. „Tag der Panke“ bot der Ratssaal des Rathauses Pankow erneut den Rahmen. Neben den zahlreichen Experten sind diesmal auch viele Bürger gekommen, um sich über die unmittelbar bevorstehenden Baumaßnahmen zu informieren. Diese einzubinden, ist ein wichtiges Ziel dieser Veranstaltung. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU fordert eben nicht nur den guten ökologischen Zustand der Gewässer, sondern auch eine angemessene Einbindung der Öffentlichkeit.

An diesem Abend wurde die Chance genutzt, die vorhandene Basis der Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Verbänden, Vereinen und den Behörden auszubauen. Nur im Einvernehmen mit den engagierten Anwohnern können die vielfältigen Aufgaben, die sich bei der Panke stellen, gelöst werden. Dabei sollen die Bürger auch in die Lage versetzt werden, Eigenverantwortung für ihren Fluss zu übernehmen. „Das Ökosystem Panke soll auch nach Abschluss der Bauarbeiten bewahrt werden“, sagt Ralf Hertsch von panke.info e.V. „Es gibt noch viele Unwägbarkeiten, wie der Vermüllung entgegengewirkt werden kann, wenn sich die Fließgeschwindigkeit der Panke verlangsamt“, meint er. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird es – anders als heute – notwendig sein, Bachpatenschaften zu übernehmen und den naturnahen Fluss im städtischen Umfeld zu begleiten. Die Beobachtung der umgestalteten Panke durch die Bevölkerung und eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden sollte für die Anwohner Ehrensache sein.

Auch die „Berliner Morgenpost“ und die „Welt“ fassen die Revolution, die da von der Senatsumweltverwaltung und dem brandenburgischen Äquivalent geplant wird, in einem sehr umfassenden Artikel treffend zusammen:

„Wie die Panke zum Ökoparadies werden soll

Montag, 30. November 2009   – Von Uta Keseling

„Stinkepanke“ wurde sie im 19. Jahrhundert getauft, als Industrie und die schnell wachsenden Wohnviertel aus dem Fluss eine Kloake machten. Und auch heute noch ist die Panke nur ein trübes Rinnsaal. Doch Berlin hat große Pläne mit dem geschichtsträchtigen Gewässer.
Zukunftsvision der Panke-Planer: ein kleines Ökoidyll für Mensch und Natur östlich des Schlossparks Pankow
Foto: Simulation SenGesUmV
Zukunftsvision der Panke-Planer: ein kleines Ökoidyll für Mensch und Natur östlich des Schlossparks Pankow

Im Grunde ist es ein Wunder, dass sie noch da ist. Die Panke, Berlins Drittfluss neben Spree und Havel, hat über die Jahrhunderte viel zu leiden gehabt. Zwar ist er Namensgeber des heute einwohnerreichsten Bezirks der Hauptstadt, Pankow, doch schon seit Jahrhunderten beklagen die Berliner seine Abwesenheit.

Schon 1704 war der Flusslauf von Pankow-Schönhausen bis zum heutigen Humboldthafen kanalisiert worden – weil Königin Sophie Charlotte zwischen den Schlössern Schönhausen, Monbijou, Charlottenburg und Berlin Kahnfahrten unternehmen wollte – ohne lästige Kurven. 150 Jahre später meckerte der Berliner „Telegraf“ über die Panke: „Ihr ehemals anmutiges Tal wurde förmlich mit hässlichen Mietskasernen zugedeckt. Von der Natur blieb nichts mehr übrig.“
Panke

Berühmt ist die Panke heute vor allem wegen der legendären Beschimpfungen. „Stinkepanke“ wurde sie im 19. Jahrhundert getauft, als Industrie und die schnell wachsenden Wohnviertel aus dem Fluss eine Kloake machten. In den 1920er-Jahren lästerte die Sängerin Claire Waldorff: „Und steh’ am Ufer ick der Panke/ möchte jleich ick wieder Leine ziehn/ ei dem Jestanke/ na, ick danke!“ 1927 wurde das Baden im Pankower Bürgerpark verboten, aus hygienischen Gründen.
Natur statt „Stinkepanke“

Und jetzt sollen Fische hier wohnen? Libellen, Eisvögel, Fischotter und Biber? So sieht es der Plan vor, den die Senatsumweltverwaltung jetzt vorgestellt hat. Seit 2003 haben Experten erforscht, wie aus der Stinkepanke wieder Natur werden kann, die, zu 80 Prozent verrohrt und wegbetoniert, von Bernau über 29 Kilometer nach Berlin-Mitte fließt. Im Wedding warnt ein Schild vor dem Fluss: „Betreten verboten! Lebensgefahr!“. Darunter steht die Panke still und stinkend in ihrem Schacht. Zwar ist der Fluss heute nicht mehr vergiftet, baden würde trotzdem niemand darin. Ein Ökoparadies sieht anders aus.

„Ob Otter je im Wedding heimisch werden, ist natürlich die Frage“, sagt die Panke-Expertin Andrea Wolter. Selbst sie muss bei dem Gedanken lächeln. Auf ihrem Bildschirm in der Senatsumweltverwaltung plätschert unverdrossen ein virtuelles Rinnsaal unter grünen Bäumen dahin: Zukunftsmusik. Andrea Wolter ist überzeugt, dass die Panke bald wirklich wieder zum Lebensraum wird, zumindest für Muscheln, Fische und Insekten. „Und am Nordrand Berlins gibt es Eisvögel und Otter heute schon“, sagt die Sprecherin des ehrgeizigen Projekts „Panke 2015″. Wolter und ihre Kollegen werben zurzeit mit Veranstaltungen und einer Broschüre dafür.

Sogar ein Computerspiel gibt es: „Gerade war gestern“ (im Internet) richtet sich an „Menschen ab 10 Jahren“. Vor allem Schüler sollen erfahren, warum die Renaturierung der Gewässer dringend notwendig ist und wie das in einer dicht bewohnten Großstadt wie Berlin funktionieren kann. Kernstück des Projektes „Panke 2015″ ist das monumentale „Maßnahmenpaket“ von 300 Seiten, das aussieht, als solle es mindestens einer globalen Katastrophe Einhalt bieten. Erarbeitet wurde das so umfangreiche Konzept von April 2008 bis März 2009.

Den Anstoß, ein besonderes Augenmerk auf die Sauberkeit auch von Berlins Gewässern zu legen, hat die so genannte Wasserrahmenrichtlinie der EU gegeben, die bereits im Dezember 2000 in Kraft trat. Diese gibt jedoch natürlich nur den Rahmen vor, wie in Europa die Wasserressourcen verbessert und dauerhaft gesichert werden sollen. „Panke 2015″ ist das erste gemeinsame Projekt der Länder Berlin und Brandenburg zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Die Weltrettung an der Panke beginnt ganz unten und im ganz Kleinen. Mit Schlammfliegenlarven und Grundwanzen. Mit Erlen-Anpflanzungen, neuen Sand- und Kiesbänken. Wehre müssten aufgehoben und der Panke streckenweise ein neues Bett bereitet werden. „Rauschen“ sollen entstehen, wie die Ökologen lyrisch jene Stellen mit Gefälle nennen, an denen Forelle und Bachneunauge wohnen könnten. Und irgendwann wären dann auch die Familien Otter und Biber wieder da. Es klingt fast, als müssen die Stadt wieder abgerissen werden, um die Panke zu befreien.

Um zu erklären, wie es anders gehen kann, luden die Panke-Planer jüngst zum 4. „Tag der Panke“ ins Rathaus Pankow. Der Saal war voll, 150 Neugierige kamen. Naturschützer, Bauherren, vor allem aber Anwohner, die begierig waren zu hören, wann, wie und wo „ihr“ Fluss endlich wieder auftaucht. Die Experten brachten Bilder und Tabellen und digitale Visionen mit und erzählten die Geschichte der Panke in Kapiteln. Von der Eiszeit bis übermorgen. Flüsse transportieren ja seit jeher mehr als nur Wasser. Und die Panke transportiert, wenn man so will, eindeutig mehr Geschichte, als sie Wasser haben wird.
Der Lauf des versteckten Flusses

Dass die Panke darüber hinaus eine Berlinerin sein muss, leuchtet ein. Allein schon deshalb, weil das Rinnsaal gar keine Quelle hat, dafür aber gleich zwei Mündungen. „Am Schiffbauerdamm zwee fließt die Panke in die Spree“, reimt der Volkmund bis heute, auch wenn sie seit 1956 in Rohren zum Nordhafen fließt, wo sie heute offiziell mündet. Die „Südpanke“ führt nur noch Regenwasser, manchmal.

Die Panke, doppelmündig und großspurig: Auch ihr Name ist ganz nach Berliner Art. Das slawische Wort bedeutet „strudelnder Fluss“. Das mag ihren Anfängen geschuldet sein, als vor ungefähr 12.000 Jahren mit dem Raunen der Eiszeit eine Schmelzwasserrinnsaal Richtung „Berlin“ floss. Bis heute liegen immerhin 40 Höhenmeter Unterschied zwischen Anfang und Ende des Flusses.

Heute sammelt sich die Panke in den sumpfigen Wiesen bei Bernau im schönen Naturpark Barnim. Auf dem ausgeschilderten Pankeweg lässt sich per Rad oder zu Fuß das Flüsschen bewundern, wie es sein soll. Murmelnd, fließend, begrünt und bewohnt von Fischen und, ja, wohl auch Ottern. Beim Eintritt in die Großstadt wird das Berlingefühl intensiver. Zunächst streift die Panke den Schlosspark Buch, der mit zwei schweigenden Teichen und einem gewundenen Bachlauf aufwartet – und mit buckeligen Teerwegen, verwachsenen Wiesen und beschmierten Parkbänken. Schloss gibt es auch keins. Wiederholung im Kleinen: In Buch ließ die DDR, wie auch in Mitte, nach dem Krieg die Schlossruine schleifen.

Doch das allein macht nicht hässlich. Schon Fontane empörte sich über den Park: „Alles Bunte fehlt. Die Rüsternalleen, die sich wie Kirchenschiffe wölben, erscheinen nicht wie Weg und Steg in die freie Natur hinaus, sondern wie Gitter und Spaliere gegen dieselbe. Dieser Park hat zu lachen verlernt!“ Der Maßnahmenkatalog sieht hier ein neues Lächeln vor. Die Panke soll wieder richtig mäandern, statt sich nur lieblich zu schlängeln.
Ein kleines Paradies östlich des Parks

Im Prinzip ist es möglich, der Panke bis ins Herz der Hauptstadt zu folgen. Allerdings verschwindet sie unterwegs unter der Autobahn, sammelt sich in unromantischen Becken, Fischteichen und Wehren. Am Verteilerbauwerk am Nordgraben soll das Wehr aufgehoben und durch eine ökologisch durchgängige Anlage ersetzt werden – damit nicht nur der Mensch, sondern auch der Fisch wandern kann. Nach Pankow zum Beispiel, wo das Flüsschen einen weiteren Schlosspark (diesmal mit Schloss) quert: Schönhausen. Auch ist das Wasser hübsch langweilig befestigt und befriedet. Eine Computeranimation der Panke-Planer zeigt ein kleines Paradies östlich des Parks: An einem Wasser-Betonschacht plant ein Bauherr neue Häuser und angrenzend ein Ökoidyll, das Mensch und Natur gleichermaßen aus ihren betongewordenen Zwängen befreit.

Weiter geht es über den Pankower Bürgerpark in jenen Bezirk, in dem man glauben will, dass Berlin groß und schmutzig und böse ist: Wedding. Zwischen Wohnhausgebirgen soll aus der vermüllten Panke und einer schnöden Wiese eine grüne Aue werden: das „Franzosenbecken“ nahe der Stockholmer Straße, ein Hochwasser-Überlauf, könnte zur Freizeitlandschaft werden, mit Bach und Wegen, Stegen und Bäumen.
14,6 Millionen für Projektierung

Wer an der Panke wandert, stößt überall auf Geschichte. Wie die Stelle, wo der Fluss bis 1989 die Mauer unterquerte. Ein Gitter verhinderte, dass mit der Panke Republikflüchtlinge in den Westen schwammen. Heute geht hier nur noch ebenso rot-romantisch wie erinnerungslos die Sonne unter. An einigen Stellen hat die Zukunft schon begonnen, wie an der „Südpanke“, die nahe der Chausseestraße durch einen kleinen Park fließt. Wenn dieser auch eigentlich nicht zum Projekt Panke „2015″ gehört, das als Pilotprojekt gilt, was den Planungsaufwand erklärt. 14,6 Millionen Euro sind allein dafür veranschlagt, die Wiedergeburt der Panke konkret zu projektieren. Zurzeit berät darüber das Abgeordnetenhaus, die Ergebnisse der Haushaltsberatungen werden für den Dezember erwartet.

Und sollte die Panke 2015 tatsächlich wieder neu sein, so die Planer, dann haben sie noch einen Wunsch: Es soll es „Panke-Pflegehandbuch“ geben. Damit Berlins Drittfluss nie wieder zur Stinkepanke wird und dann einfach verschwindet.“ (Berliner Morgenpost, 30.11.2009)

Mit den Uferhallen setzt sich Kultur dauerhaft fest

In Uncategorized on 3. Dezember 2009 at 6:24

Wer hätte das gedacht? Noch vor einigen Jahren waren die ehemaligen BVG-Zentralwerkstätten an der Uferstraße allenfalls ein Ort, wo alte Doppeldecker herumstanden.

Mit dem Einzug der „Uferhallen“ ist aber etwas Dauerhaftes entstanden. Spätestens seit der TanzNachtBerlin am ersten Dezemberwochenende ist dieser neue Kulturstandort im Bewusstsein angekommen. Und es sieht nicht danach aus, als ob es sich nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt.

Mehr zu diesem Thema könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Auch die Zeitungen entdecken allmählich, was sich da in den schönen alten BVG-Hallen tut. Es ist dort kein Sammelbecken verzweifelter Künstler entstanden, sondern vielmehr ein wirklicher Kristallisationspunkt verschiedenster kultureller Initiativen:

- Der Tagesspiegel entdeckt das Bildhaueratelier, in dem Skulpturen für das Stadtschloss entstehen

Was so alles im Laub herumkrabbelt

In Uncategorized on 14. November 2009 at 9:20

0-P-091107-AhornblattDie Luft ist feucht und schwer, die letzten tapferen Blätter segeln von den Bäumen, und als Mensch hat es man es schwer, nicht depressiv zu werden, wenn die Dunkelheit immer früher hereinbricht. Also werden die wenigen hellen Stunden für Aktivitäten draußen genutzt. Ein Novembersamstag, im Bürgerpark: Studierende der FH Eberswalde bieten eine Naturführung an. Diese richtet sich in erster Linie an Kinder, aber als begleitender Vater hat man auch seinen Spaß daran, Blätter zu sammeln und zu bestimmen. Am Ende wird ein großer Haufen Laub und Erde auf einem Tisch im Stadtteilzentrum Pankow ausgebreitet. Jetzt wird es erst richtig interessant: man muss nur einige Minuten warten, da kommt Bewegung in die Sache: an allen Ecken des Laubvs kribbelt und krabbelt es, die Kinder kommen mit dem Einfangen und Untersuchen der Tiere gar nicht mehr hinterher. Käfer, Asseln, Regenwürmer, Fadenwürmer, Spinnen und anderes Getier wohnen in der Erde und zersetzen das Laub. Annika Haß, eine der beiden Tourenleiterinnen, erklärt, wie wichtig diese Tiere sind, damit wir nicht in Laubbergen ersticken.Hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist, in einem einfachen Haufen Herbstlaub so viel Leben zu entdecken. Die Novemberdepression kann angesichts all dieses Gewimmels jedenfalls zu Hause bleiben!

Nächstes Jahr gibt es weitere Naturführungen; für Termine am besten anmelden für den Newsletter auf http://panke.info

LaubuntersuchungBestimmungstafel,

Fotostrecke: Herbst an der Panke

In Uncategorized on 8. November 2009 at 12:20

Mammutbäume südlich der Kühnemannstraße

An der Panke Anfang NovemberAn der Tresorfabrik südlich der Osloer Straße

Wollankstraße, Einheit in Baustelle

In Uncategorized on 27. Oktober 2009 at 7:30

Die Wollankstraße hat zwanzig Jahre nach dem Mauerfall gebraucht, um endlich Wedding und Pankow zu vereinen: und zwar im Stau. Ein neuer Straßenbelag und neue Bürgersteige können jetzt kurzfristig, dem Konjunkturpaket sei Dank, auf der Pankower Seite erneuert werden. Chaos und Stau sind die Folge. Immerhin: den Tag der offenen Tür im BVG-Busbetriebshof kann man sich jetzt sparen. Auf der Wollankstraße stehen die Kleinen und Großen Gelben einträchtig und wie auf einer Perlenkette aneinandergereiht im Dauerstau. Da ist man zu Fuß schneller, sogar zwischen den Absperrgeländern und Sandhaufen der Baustelle. Und es bleibt mehr Zeit, über diese Hauptschlagader des Pankower Verkehrs nachzudenken, die noch vor zwanzig Jahren auf beiden Seiten eine absurde Sackgasse darstellte.

Fünf vor zwölf - der M 27 an der WollankstraßeNachtrag: die BVG reagiert ausgerechnet ab dem 9.11.(!)09 mit einer sehr kreativen Maßnahme: wie bis 1989 enden die Busse einfach vor der alten Sektorengrenze:

Pressemitteilung der BVG

Änderung der Buslinie M27 aufgrund von Straßenbauarbeiten

Aufgrund der Straßenbauarbeiten in der Wollankstraße und der Berliner Straße im Bezirk Pankow kommt es täglich zu großen Staubildungen in der Wollankstraße und den angrenzenden Straßen. Besonders davon betroffen ist die Buslinie M27 (S+U Jungfernheide <> S+ U Pankow), die erhebliche Verspätungen verzeichnet. Um eine Stabilisierung der Linie im nicht von den Baurarbeiten betroffenen Bereich zu erreichen, wird ab Montag, den 09.11.2009, folgende Maßnahme umgesetzt:

Die Linie M27 verkehrt ab dem 09.11.2009, montags-freitags von 07:11 Uhr bis 18:50 Uhr, (Abfahrtzeiten S+U Jungfernheide) nur bis zum S Wollankstraße.

Die Linie fährt von der Prinzenallee kommend über Soldiner Straße – Koloniestaße – Kühnemannstraße – Nordbahnstraße zur neu eingerichteten Haltestelle Nordbahnstraße vor Wollankstraße

Die Linie hält auf dem Umleitungsweg an folgenden Haltestellen der Linie 255:

* Prinzenallee / Soldiner Straße
* Soldiner Straße / Koloniestraße
* S Wollankstraße

Die Fahrten der Linie M27 vom S Wollankstraße zum S+U Jungfernheide verlaufen auf der planmäßigen Linienführung. Fahrgästen in Richtung S+U Pankow empfehlen wir, in die Linie 255 umzusteigen.

An allen betroffenen Haltestellen werden entsprechende Fahrgastinformationen veröffentlicht. Außerdem wird das Fahrpersonal an den betroffenen Punkten gesonderte Durchsagen machen.

Café Mirabelle: An der Grenze…

In Uncategorized on 27. Oktober 2009 at 7:22

An der Grenze zwischen Wedding und Pankow, am ehemaligen und noch immer sichtbaren Mauerstreifen, zwischen dem gutbürgerlichen Viertel am Park und einem der sozial schwächsten Kieze Berlins, versucht eine Gastronomin ein Familienrestaurant zu etablieren.

Großzügig an der Ecke gelegen....Das Restaurant Mirabelle hat gerade um die Mittagszeit geöffnet, da steckt eine Dame schon den Kopf durch die Tür: „Ich bin die 14 Personen“, ruft sie, „auch wenn es nicht so aussieht.“ Ingrid Kotthorst hat das Restaurant für ihre Wandergruppe junger Senioren als Zwischenstopp auf ihrer Panke-Wanderung fest eingeplant. „Ich laufe die Strecken immer schon vorher ab und habe dabei das Café entdeckt“, sagt die Mariendorferin. Derweil haben es sich die Wanderer an der langen Tafel im hinteren Bereich der „Mirabelle“ gemütlich gemacht.

„Ich habe mich inzwischen in die Räumlichkeiten verliebt“, sagt Jeannette Sonderhoff, die die „Mirabelle“ betreibt. Die 40-jährige Pankowerin bezeichnet sich als „Berlinerin in der dritten Generation“. Das soll man auch der Küche anmerken, findet Jeannette Sonderhoff. Dort finden sich alte Berliner Rezepte, neu aufbereitet, ebenso wie mediterrane Gerichte. Ein Tagesgericht inklusive Espresso gibt es neuerdings wochentags auch zum Festpreis von 5,50 €. Zum Kaffee aus einer italienischen Kaffeemaschine gibt es nur hausgebackene Kuchen.

Ursprünglich hat Jeannette Sonderhoff im Februar 2007 im Nachbarhaus angefangen. „Den Namen Mirabelle habe ich innerhalb weniger Stunden finden müssen, und da habe ich mich einfach auf meine Tochter Mira bezogen“, sagt die Gastronomin. Aus der ursprünglichen Idee eines Familiencafés hat sich beim Umzug in das benachbarte größere Ecklokal etwas Neues entwickelt:

...und ganz gemütlich von innen„Das hier ist heute ein gediegenes, offenes Familienrestaurant“, charakterisiert Jeannette Sonderhoff ihre Gaststätte. „Ein Zwanzigjähriger fühlt sich hier genau so wohl wie es meinen Eltern gefallen würde“, sagt sie und meint damit nicht nur den mit viel Liebe zum Detail gestalteten Gastraum. „Allein  mit zwanzig Wandfarben haben wir experimentiert“, erinnert sich Jeannette Sonderhoff – bis der heutige warme Farbton gefunden war, der das gemütliche Ambiente ausmacht. Dazu gehört für die Betreiberin auch die Klangkulisse: dass man in der „Mirabelle“ kein Radiogedudel hört, sondern eine sorgsam ausgewählte Musikmischung aus Jazz, Soul, 1950er-Jahre-Musik, ist daher kein Zufall. Überhaupt wird Wert auf Kommunikation gelegt: „Die Leute sollen mich und meine Kollegen gerne ansprechen“, beschreibt Jeannette Sonderhoff ihr Verständnis von Gastfreundlichkeit: „Man kann und man soll ruhig fragen!“

Das Restaurant liegt günstig an der Grenze zwischen Wedding und Pankow am Rand des Bürgerparks. Von innen und auch von der Terrasse aus genießt man einen Panoramablick auf ein grünes Rückhaltebecken und die Ausläufer des Parks. Doch diese Lage allein ist kein Garant für erfolgreiche Gastronomie. Dass schon einige Vorgänger an diesem Standort gescheitert sind, schreckt die Pankower Gastronomin nicht ab. „Hier kommen keine Busladungen mit Touristen und wenig Laufkundschaft“, weiß Jeannette Sonderhoff aus eigener Erfahrung. „Statt dessen muss man Beständigkeit an Qualität und Vielfalt bieten.“ Dann, davon ist sie überzeugt, wenn die Gäste an diesem Ort angeregt werden, kommen sie wieder und schätzen die warme Atmosphäre dieses Ortes jedes Mal aufs Neue.

Die Wandergruppe ist jedenfalls froh, auf halber Strecke eingekehrt zu sein. An der langen Tafel wird sicher noch lange geplaudert und gelacht.

Geöffnet Mo-Fr ab 12.00, Sa/So ab 10.00 Uhr. Sonntags Brunch. Reservierung empfohlen.

Internet: www.cafe-mirabelle.com


An einem Sonntag in Pankow

In Uncategorized on 20. Oktober 2009 at 8:25

Es ist noch nicht zu spät

0-PT-090918-Suedpanke002Als wir vier Minuten zu spät am Pankower Garbaty-Platz eintreffen, steht schon eine kleine Gruppe von Interessierten um Martin Riewestahl. Der wortgewandte Stadtführer mit Hut, der uns an diesem  Sonntag seinen Heimatkiez vorstellt, erklärt gerade von den jahrzehntelangen krampfhaften  Bemühungen um eine Verschönerung des Vorplatzes vom S-Bahnhof Pankow. Potenzial wäre da, sicherlich, alleine mit der Umsetzung tut man sich schwer.
Einige Meter weiter dasselbe Bild: Aus den Wandabsätzen einer ehemaligen Zigarettenfabrik von beeindruckender Größe wachsen Bäume und verdecken eingeworfene Fensterscheiben und abgebröckelten Putz. Die vergoldeten Fassaden-Einlagen, die uns Martin auf alten Postkarten zeigt, erzählen von einer Zeit, als der Fabrikbesitzer Garbaty über 500 Menschen beschäftigte und ihnen Sozialprogramme bot, die ihrer Zeit weit voraus waren. Kurz nach der Wende – das in der DDR zum VEB Berliner Zigarettenfabriken verstaatlichte Unternehmen war bereits an die US-amerikanische Reynolds-Gruppe verkauft worden – künden die  Kamele der Camel-Zigarettenmarke von der Durststrecke, die vor der gewaltigen Industriebrache liegen würde. Auch hier gab es bereits viele Ideen für eine Nachnutzung, alleine die Umsetzung…

Pankower –  fast von Geburt an

Weit besser stellt sich die Situation für das gleich um die Ecke gelegene Krankenhaus Mariä Heimsuchung dar. Schon zu „Ost-Zeiten“ hatte die Klinik einen hervorragenden Ruf als Geburtsklinik und trotz sinkender Geburtenrate konnte die Entbindungsquote bis heute kontinuierlich gesteigert werden. Als er erzählt, dass er selbst – der Ur-Pankower – in Kaulsdorf zur Welt kam, wirkt Martin fast etwas beleidigt. Gerade diese emotionalen Erinnerungen an seine Kindheit, machen den Rundgang mit dem 28-jährigen „Stadtbilderklärer“ (so nannte man die Touristen-Führer in der DDR) zu einem besonderen Erlebnis. Gekonnt spannt er den Bogen von der Kindheit im Arbeiter- und Bauernstaat zu den Chancen und Herausforderungen der Neuzeit. Schöne Erinnerungen mischen sich mit kritischem Rückblick: Der Balkon der Freundin mit Ausblick auf den FKK-Bereich des Pankower Freibads; dem Ort, in dem er bereits als kleines Kind im Sportleistungsprogramm seine Schwimmausbildung absolvieren durfte – musste. Dass nach der Wende der Pankower Polizei das Freibad kostenfrei als Betriebssportgelände zur Verfügung gestellt wurde, um Besucherkonflikten zwischen Alt-Eingesessenen und „West-Besuchern“ elegant die Spannung zu nehmen, solche Anekdoten liest man sich nicht an, die hat man miterlebt. Sie sind Leitlinie und Schwungrad für die vielen Fakten, die Martin selbstverständlich auch beherrscht – die aber nie trocken runtergeleiert werden. „Ich bin Perfektionist, leider“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Heimatkunde ist sein Hobby und wenn doch eine Frage unbeantwortet bleibt, so spürt man, dass dies nur einen Ansporn für weitere Recherchen darstellt.

Keine Tour für Busladungen von Touristen

Der durch die Panke stakende Graureiher im Park neben dem Schloss ist eben keine Attraktion für eilige Bus-Reisegruppen. Ob die erwarteten Besuchermassen des Niederschönhausener Schlosses für detaillierte Einblicke in den Mini-Kosmos „Kiez“ zu begeistern sind, bleibt abzuwarten. Werden sie erfahren, dass der verfallende Betonklotz auf dem geplanten Busparkplatz einst Teil des Staats-Gästehauses der DDR war, und zudem ein einmaliges Beispiel für Stahlbeton-Architektur darstellt? Vermutlich wird solchen „Nebensächlichkeiten“ zwischen touristischen Highlights wie Schlosspark und Majakowski-Ring – ehemals abgeriegelte „heile Welt“ der Bonzen und Mächtigen der Ost-Berliner Republik – nur wenig Platz eingeräumt werden. Andererseits macht gerade das den Reiz der zweistündigen Tour aus – sie macht aufmerksam auf das Besondere im Unscheinbaren. Spaziergänge kann man nicht mit dem Bus machen, und einen Martin mit Mikrofon mag man sich auch nicht so richtig vorstellen. Denn ob er dann zum Abschluss noch zum Kaffee ins versteckt gelegene Frühstückslokal mitkäme….

Wer erfahren möchte wie die Florastrasse zu ihrem blumigen Namen kam, wo sich in Pankow die vier Temperamente auf engstem Raum wieder finden und warum Lotte Ulbricht ihr Haus verlassen musste: panke.info bietet regelmäßig Stadtführungen in den Kiezen rechts und links des letzten Nebenflusses der Spree an.

Autor: Marcus Bauer

Ja, auch die S-Bahn-Kunden sind lernfähig!

In Uncategorized on 18. September 2009 at 11:48
Leere Versprechen, volle Züge?

Leere Versprechen, volle Züge?

Nach Monaten, ja Jahren, in denen wir schon ein S-Bahn-System erlebt haben, das 1936 einmal als modern galt, den Zweiten Weltkrieg ohne größere Blessuren, diverse Streiks und sogar einen Boykott überstanden hat, kommen endlich auch einmal wir Kunden zum Zuge. Na gut, vielleicht weniger zum Zug, weil der ja eher nicht kommt. Jedenfalls ist uns endlich klar geworden, dass der Sinn der S-Bahn nicht darin besteht, Leute möglichst zuverlässig von A nach B zu befördern, sondern – wieso sollte es ausgerechnet bei der S-Bahn anders sein? – Geld zu verdienen. Geld für einen Konzern, der – ja Moment, der eigentlich noch dem Staat, also uns allen, gehört. Also, wie auch immer, auch wir S-Bahn-Kunden lernen, mit unserem Geld besser umzugehen, ja vielleicht sogar am Ende mehr Geld übrig zu haben.

Ich fahre seit Juni mit dem Rad zur Arbeit. Anfangs noch freiwillig, weil ich gerne im Sommer Fahrrad fahre. Damals, es scheint schon so lange her zu sein, fuhr die S-Bahn schneller als ich mit dem Rad fahren konnte. Es klingt drollig, aber es fuhren sogar alle paar Minuten Bahnen, und man musste sogar noch mit Geld bezahlen, denn damals gab es noch Fahrkartenkontrollen n den S-Bahnen. Die Kontrolleure konnten sogar noch durch die Wagen gehen und jeden Fahrschein kontrollieren!

Es gibt sogar noch ein paar Leute, die haben ihre Fahrkarten im voraus bezahlt. Manche für eine Woche, ein paar sogar für den ganzen Monat, und, halten Sie sich fest, einige sogar für ein ganzes Jahr! Als ob man schon ein ganzes Jahr im voraus wüsste, ob man mit der S-Bahn durch die Stadt kommt…Einige ganz Verwegene haben ihr Abonnement sogar bei der S-Bahn-Berlin abgeschlossen, ebenso wie man ja auch sein Geld an der Börse verlieren kann.

Allerdings könnten nun all diese Leute ein wenig verschnupft reagieren, weil ja die S-Bahn nun nicht mehr so zuverlässig ist. Aber da sie ja von der S-Bahn gelernt haben, wie man Geld spart, könnten all diese wagemutigen Menschen ihr Abonnement bei der S-Bahn kündigen und, wenn sie meinen, weiterhin ein Abonnement zu benötigen, dieses bei einem anderen Verkehrsunternehmen (z.B. BVG) abschließen.

Laut Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg würden sie damit keinen Cent sparen. Aber ihr Geld würde dann vollständig dem anderen Verkehrsunternehmen zufließen. Und die S-Bahn würde nur einen geringfügigen Ausgleich für die entgangenen Einnahmen erhalten. Was dann, geldtechnisch gesehen, ganz schön gemein von diesen Leuten wäre.

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Schiff ahoi in Pankow

In Uncategorized on 6. September 2009 at 5:23
Foto: Frank Behrendt

Foto: Frank Behrendt

Die Brückengeländer an der Ossietzkystraße waren belagert mit Zuschauern, und an der Treppe zur Panke hinunter standen die Bootseigentümer und warteten auf die Startfreigabe: panke.info e.V. hatte zur ersten Panke-Regatta mit Papierbooten und Holzflößen eingeladen. Am Nachmittag des 5.9.09 waren viele Familien zur Besichtigung des Schlosses Schönhausen unterwegs und waren auf ein solch feucht-maritimes Vergnügen nicht eingestellt. Doch die Kinder zogen ihre Eltern zum Stand von panke.info, wo schon eifrig gebastelt und gefaltet wurde.

„Es war manchmal zu wenig Zeit für den eigentlichen Floßbau“, fand Ralf Hertsch, der die Kinder beim Sägen und Bohren unterstützte. Es hatten sich im Laufe des Nachmittags immer mehr Teilnehmer für die Regatta angemeldet, die dann kurzfristig auch mit Papierschiffen antreten konnten. „Ich weiß gar nicht mehr, wie man die faltet…“, stöhnte ein Vater – doch für diesen Fall war eine Faltanleitung ausgelegt. So konnten die Kinder bunte Schiffe falten und sich die Eltern an ihre Kindheit erinnern.

Sören Marotz moderierte die Durchläufe, und unterzog die Teilnehmerboote erst einmal einer technischen Abnahme. „Für die Dopingkontrolle muss ich erfahren, was die Regattateilnehmer gefrühstückt haben“, meinte Marotz mit strengem Blick – und brachte manchen erwachsenen Teilnehmer in Verlegenheit, der nicht mehr wusste, was sich in seinem Morgenmüsli befunden hatte.

In der Panke

Foto: Frank Behrendt

Dann ging es aber endlich die Treppe hinunter, und die Boote wurden in Position gebracht. Sören Marotz gab mit einem zu einem Megafon umfunktionierten Verkehrskegel den Startschuss. Pankeabwärts, hinter der Straßenbrücke, war die Strömung so stark, dass sich die vier Durchläufe allesamt zu einem spannenden Kopf-an-Kopfrennen entwickelten. Mal gewann ein Papierschiff, mal die teilweise sehr kunstvoll aus Naturmaterialien zusammengesetzten Flöße.

Bei der Siegerehrung musste manchmal auf die Zielfotos zurückgegriffen werden, so unklar war manchmal der genaue Ausgang des Wettbewerbs. Auch CDU-Kandidat Gottfried Ludewig, der in Pankow das Bundestagsmandat gewinnen will, war mit seiner Truppe ebenfalls unter den Teilnehmern, schnitt aber nur mäßig ab.

Doch nicht nur die Regatta stand auf der Tagesordnung. „Eigentlich wollten wir ja zum Schloss Schönhausen,“ sagte eine Spaziergängerin, die am Treffpunkt auf die nächste Stadtführung wartete. Denn nicht nur den meist jugendlichen Teilnehmer, sondern auch den Zaungästen wurde mit zusätzlichen Mini-Stadtführungen etwas geboten. Tourenguide Martin Riewestahl möchte erreichen, dass die Schlossbesucher auch etwas über die Umgebung der Regattastrecke erfahren. Schließlich gibt es über den Schlosspark, das „Städtchen“ am Majakowskiring und auch über unseren Panke-Fluss jede Menge zu erzählen. „Gar nicht so leicht, sich auf zwanzig Minuten zu beschränken“, findet Martin.

So hatten alle Besucher etwas von diesem ungewöhnlichen Erlebnis: ein kindliches Vergnügen, einen informativen Kurzrundgang, oder wie so mancher Helfer – einfach nur nasse Füße.

Robust und wild, gleich hinter Buch….

In Uncategorized on 12. August 2009 at 9:19

Kurz hinter der Berliner Stadtgrenze kann man bei einer Führung über die Rieselfelder in Hobrechtsfelde erleben, wie entscheidend Wasser sein kann. Auch ungewöhnliche Tiere lassen sich dort finden.

Die Teilnehmer der Führung sind teilweise vom Fach: „Ich hab’ ja selbst einen Garten“, sagt eine Dame auf die Frage, woher sie denn wüsste, dass Kiefernnadeln den Boden versauern. Förster Romeo Kappel hat gerade erklärt, dass sich Kiefern auf den Rieselfeldern leichter ansiedeln ließen als andere Baumarten. Dabei hat er selbst als Student in den 80er Jahren viele Bäume in diesem Gelände gepflanzt. Nur ein Drittel der damals gepflanzten Bäume überlebte: „Nachdem 1986 die Verrieselung von Abwässern eingestellt wurde, ist der Grundwasserspiegel stark gesunken“, erklärt Förster Kappel. Nach dem Ende der DDR lag das Gelände der Rieselfelder dann plötzlich in zwei Bundesländern, weshalb zwei Forst- und auch zwei Wasserbehörden zuständig sind. „In den Rieselfeldern war alles darauf ausgelegt, dass das Wasser schnell abfließt“, erklärt der Tourenleiter. Wie also das Gebiet wieder mit Wasser versorgen? „Von den einst täglich angepumpten 150 000 m³ Abwasser werden heute wieder 5000 m³ gereinigtes Abwasser in die Reinigungsteiche in Hobrechtsfelde zurückgeleitet“, erklärt Kappel. Rund um die Teiche ist es daher gelungen, den Grundwasserspiegel zu erhöhen. „Es ist Schicksal, dass dies erst heute wieder gelingt, weil das Absinken des Grundwassers vor zwei Jahrzehnten hätte vermieden werden können“, findet Kappel. Immerhin hat die Wiederbewässerung zu einer vitaleren Vegetation geführt: Wasser bedeutet Anhebung der ökologischen Vielfalt. Das ein zweites Mal gereinigte Wasser hat zwar keine Trinkwasserqualität, kann aber bedenkenlos über den Lietzengraben in die Panke abgeleitet werden. In diesem Zusammenhang weist Förster Kappel auch auf den Bewusstseinswandel hin, demzufolge Flüsse heute nicht mehr nur noch als Wasserableiter gesehen werden.

Ein erhebliches Problem bestand aber auch in der hohen Schadstoffbelastung der Böden. „Ich hätte nicht gedacht, dass Medikamente solche Auswirkungen haben können“, kommentiert ein Teilnehmer die Erläuterungen des Försters. Medikamente, Waschmittel und industrielle Abwässer haben nach der jahrzehntelangen Nutzung als Anbaufläche den Boden der Rieselfelder nachhaltig geschädigt. Um Blei und Cadmium daran zu hindern, ins Trinkwasser zu gelangen, wurde das „Bucher Verfahren“ entwickelt, erklärt Kappel: „Zuerst wurde das Gelände von Hubschraubern aus mit Kalk bestreut. Aus Kostengründen kam man dann aber auf 72000 Tonnen Bodenaushub der Berliner U-Bahn-Bauarbeiten.“ Der kalkhaltige Mergelboden aus Pankow wurde auf 12 Hektar 30 cm dick aufgetragen und anschließend eingefräst. Das Absinken des pH-Wertes konnte so abgepuffert werden.  „Damit wurde zwar das Schadstoffproblem stabilisiert, aber nicht dauerhaft gelöst,“ sagt Kappel, der hofft, dass einst sein Nachfolger in 10000 Jahren eine bessere Ausgangssituation vorfinden wird.

Ein weiterer Nebeneffekt waren die Findlinge, die sich im Bodenaushub versteckten: im Rahmen eines Bildhauersymposiums wurden diese zu Skulpturen verarbeitet. Als Projekt „Steine ohne Grenzen“ stehen sie über das gesamte Rieselfeldgebiet verteilt. Weitere Relikte, diesmal aus der Zeit der Verrieselung, sind abgeschnittene Rohre mit blauem Deckel, die heute als Wegmarken dienen und einen Rundkurs beschreiben.

Förster Kappel reißt auf dem Weg auch Zweige oder Gräser ab, um die Dynamik der Ansiedlung von Pflanzen zu erläutern. „Der eschenblättrige Ahorn wächst hier besonders gut – er ist resistent, robust und bildet nach wenigen Jahren geflügelte Samen“, erklärt er. Dieser Baum verbreitet sich jedoch sehr aggressiv und verdrängt somit andere Baumarten, die artenreichere Lebensräume darstellen. Auch die spätblühende amerikanische Traubenkirsche findet in Hobrechtsfelde ein ideales Verbreitungsgebiet, aber auch sie verbreitet sich sehr invasiv und ist nicht gerade ein typisches einheimisches Gewächs.

Auch Tiere spielen bei der Gestaltung dieser halboffenen Landschaftsform eine große Rolle: „Die großen Weidetiere wie Elche, Hirsche und Auerochsen fehlen heute“, erklärt Romeo Kappel. Dabei würden diese Tiere die Landschaft freifressen, und auch ihre Kothaufen sind für Kleintiere von Käfern bis hin zu Regenwürmern von großer Bedeutung.

In Hobrechtsfelde wird daher in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Eberswalde ein Beweidungsprojekt mit robusten Rindern und Wildpferden durchgeführt. Mirko Vergien, Diplom-Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz, arbeitet für die Agrar-GmbH Gut Hobrechtsfelde, die die Beweidung durchführt: „Uns ist eine extensive Beweidung wichtig“, erklärt Vergien. Nur 0,3 Tiere pro Hektar – dies bedeutet genug Futter für die zwölf schottischen Hochlandrinder und die drei Konik-Wildpferde. Tag und Nacht, sommers wie winters stehen die Tiere ohne Aufsicht auf der 50 ha großen Weidefläche. „Die Rinder grasen von unten, während die Pferde vom Halm abwärts fressen“, erklärt Vergien das sich ergänzende Fressverhalten. Für die halboffene Landschaft sei es außerdem wichtig, dass die Gehölze zurückgebissen werden. Insgesamt sei der Beweidungseffekt gut, und die Verbuschung der Landschaft gestoppt. Und dies, so erklärt der Experte, erhöhe die Chancen, dass die Entstehung von Wald auf den Beweidungsfläche wieder gelingen kann.

Die Tiere sind wohl der Hauptgrund, weshalb viele Teilnehmer zu dieser Führung über die Weideflächen gekommen sind. Leider sind Rinder und Wildpferde an diesem Tag nur aus der Ferne im Dickicht stehend zu bewundern. Enttäuscht scheint aber niemand zu sein. „Besucher führe ich immer am liebsten auf die Rieselfelder“, sagt Herr Kühn aus Schönow. Frau Bublitz wollte ebenfalls mehr über die Pflanzen und Tiere erfahren: „Sonst fahre ich immer nur hier durch zum Gorinsee“, sagt die Dame aus Buch schmunzelnd. Sie und die anderen Teilnehmer wissen jetzt, dass die ungewöhnliche Landschaft der früheren Rieselfelder ein Stück belebter ist. Sie waren auf der anderen Seite des Elektrozauns.

Fotos und mehr Hintergrundinfos im gleichnamigen Artikel auf www.panke.info!

Mehr Informationen auch auf http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/rieselfelder_hobrechtsfelde/

Führungen des NABU findet man hier: NABU-Programm

Panketal – nie gehört?

In Uncategorized on 6. August 2009 at 7:15

0-M-090805-Rainer FornellImmerhin handelt es sich dabei um einen 19.000 Einwohner zählenden Vorort nordöstlich von Berlin, der bis zur  Kommunalreform 2003 aus den Gemeinden Zepernick und Schwanebeck bestand. Allein in den letzten zwanzig Jahren konnte die heutige Gemeinde 8.000 Neubürger verzeichnen. Doch diese sind mitunter nur schwer für das Gemeindeleben zu gewinnen, weiß Bürgermeister Rainer Fornell zu berichten: „Panketal ist ein sehr attraktiver Wohnstandort“, sagt Fornell, der selbst erst 1996 aus Berlin in die Umlandgemeinde gezogen ist. „Die Nähe zu Berlin ist unser großer Vorteil – eine sehr gute Verkehrsanbindung, ein umfassendes Schul- und Betreuungsangebot und viele Freizeitmöglichkeiten.“ Doch die unmittelbar benachbarte Großstadt, aus der die meisten Neubürger kommen, sei zugleich auch ein Nachteil für das Gemeindeleben, so der Bürgermeister: „Die Leute können sogar ihre Berliner Telefonnummer hierher mitnehmen, behalten oft ihr soziales Umfeld und ihren Berliner Freundeskreis:“ Daher sei es schwer, in Panketal anzukommen und ein soziales Beziehungsgeflecht aufzubauen. Dies gelingt meist erst über die Kinder, erklärt Fornell: „Kontakte über die Kita, die Schule oder die Sportvereine bringen die neuen Einwohner dazu, hier heimisch zu werden.“

Die Stadt-Umland-Beziehungen sind ein großes Thema für den Bürgermeister, der selbst erst seinen Platz in der Gemeinde finden musste. Panketal muss, so glaubt Fornell, auch nicht um jeden Preis wachsen, um seine Vorteile nicht zu verspielen. „Die Gemeinde ist heute schon die flächenmäßig kleinste Gemeinde im Landkreis Barnim, bei gleichzeitig sehr hoher Einwohnerzahl“, sagt Fornell. Ein Fehler der Vergangenheit war in den Augen des Bürgermeisters die Ausweisung von Baugebieten mit zu kleinen Grundstücken, so dass in diesen Neubaugebieten Konflikte auf engem Raum entstanden sind. „Die aus der Stadt zugezogenen Leute denken, auf dem eigenen Grund und Boden seien sie frei von Nachbarschaftskonflikten“, sagt Fornell. Er nimmt daher lieber in Kauf, dass der Zuzug abflacht, um die Wohnqualität in Panketal zu erhalten. Auch ökologische Aspekte sprechen gegen die Verdichtung der Gemeinde: „Es gibt kaum Versickerungsflächen und Probleme bei der Regenwasserabführung“, gibt Fornell zu bedenken. Schon heute seien die hydrologischen Grenzen der Panke erreicht. Auch sorgt er sich um Straßenbäume und Grünflächen, die es in der Gemeinde nur dort ausreichend geben kann, wo Ein- und Zweifamilienhäuser vorherrschen.

Die Benutzer des Pankewegs und Radfahrer auf dem Fernradweg Berlin-Usedom dürften die Gemeinde Panketal in erster Linie als Durchgangsstation wahrnehmen. Dabei gibt es auch in Panketal einiges zu entdecken: „Wir wissen, dass wir vor allem als attraktiver Wohnort gelten“, sagt der Bürgermeister. Ein klassischer Tourismusstandort sei Panketal somit nicht. Trotzdem gebe es im Bereich der Rieselfelder Hobrechtsfelde eine große Fläche für Kultur und Freizeitaktivitäten, die auch schon jetzt rege genutzt wird. Auch einige sehenswerte Baudenkmale wie die Zepernicker Dorfkirche verdienen Beachtung, wenn man sich nur ein wenig abseits der Hauptwege bewegt.

Die alteingesessenen Panketaler haben einstweilen noch an der Fusion der baulich längst zusammengewachsenen Ortsteile Zepernick und Schwanebeck zu knabbern, wie ein Streit um die Schriftgröße des neuen Gemeindenamens auf den Ortstafeln zeigt. Gerade aus diesem Grund kann die namensgebende Panke ein wichtiges identitätsstiftendes Element sein, das für die Großgemeinde in Zukunft eine große Rolle spielen dürfte. Es wäre schon viel gewonnen, wenn auch die Neu-Panketaler wissen, dass mit der Panke eine wertvolle natürliche Lebensader durch ihren Ort fließt, die sie – ebenso wie die S-Bahn – mit Bernau und Berlin verbindet.

85 Jahre Erfahrung

In Uncategorized on 5. August 2009 at 3:31

Es ist in diesem Blog schon einmal von der S-Bahn die Rede gewesen, und man kann mir vorwerfen, dieses Unternehmen besonders negativ zu sehen (was nicht immer stimmt).

Ich will auch nicht all den Kommentaren über das momentane S-Bahn-Chaos noch einen hinzufügen.

Es sei aber daran erinnert, dass am 08.08.1924 die erste elektrische Vorortelinie in Berlin eröffnet wurde, aus der sich innerhalb der Folgejahre die legendär gewordene S-Bahn entwickelt hat. Diese erste Linie ging vom Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof) über Pankow und Buch nach Bernau.

Die Berlin-Stettiner Eisenbahn gab es zwar vorher schon, aber 1924 wurde erstmals genau diese Vorortelinie elektrifiziert. Dabei wurde das bis heute in Deutschland technisch einmalige System mit der seitlich angeordneten Stromschiene angewandt. Genau diese Einzigartigkeit wird der Deutschen Bahn als Betreiber der S-Bahn Berlin jetzt zum Verhängnis: es können keine Fahrzeuge anderer deutscher S-Bahnen im Berliner S-Bahnnetz eingesetzt werden.

Und darum wird dieses S-Bahn-Jubiläum wohl sang- und klanglos untergehen. Vielleicht denkt jemand daran, wenn er das Glück hat, eine S-Bahn auf der Linie S 2 zu erwischen…

Plus Netto?

In Uncategorized on 14. Juni 2009 at 7:46

DSCN1636Nun hat es auch den „Plus“-Markt an der Wollankstraße erwischt: seit der Übernahme der „Plus“-Kette durch EDEKA werden zum Zug um Zug die meisten Märkte in „Netto“-Märkte umgeflaggt. Die Leute kommen trotzdem.

Rote Schrift auf gelbem Grund: wer sich vor Jahrzehnten diese Farbkombination ausgedacht hat? Jetzt schreien einen die Schilder schon von der Straße an. Innen hat sich auch alles verändert, das Sortiment hat sich gefühlt verdoppelt. Allerdings nicht die Verkaufsfläche. So schieben sich jetzt die Kunden durch viel zu enge Gänge und es bedarf oft vieler  Worte, will man an anderen vorbei. Wenn das auch nicht immer reibungslos abläuft, gibt es doch einen Trost: das Personal wird gezwungen, Namensschilder mit der Aufschrift „Ich bin freundlich“ zu tragen. Das müssen die Kunden schließlich nicht sein.

Ansonsten bleibt Discounter Discounter, das etwas ramschige äußere Erscheinungsbild wird nach meinem Empfinden durch die Produktauswahl im Inneren nicht bestätigt.

Mich freut jedenfalls, dass an diesem Markt ein echter Austausch zwischen Ost und West, Pankow und Wedding stattfindet. Auch wenn es eher der fehlenden Alternative geschuldet ist.

> mehr zum Thema hier

In der Panke ist mehr als nur Wasser

In Uncategorized on 16. Mai 2009 at 9:08

„Is’ da wenigstens ein Euro drin?“ will Isma wissen. Sie sitzt mit Emanuel in einem Kanu, das wegen eines in die Panke geworfenen Einkaufswagens an der Weiterfahrt gehindert wird. Die beiden haben gemeinsam mit anderen Jugendlichen Flaschen, Unrat und sogar einen Heimtrainer aus dem Wasser gezogen.

Fünf Kanus sind an diesem sonnigen Maisamstag ab der Berliner Landesgrenze auf der Panke unterwegs. „Es geht um den Lebensraum Panke“, erklärt der Organisator des Panke-Paddelns, Sören Marotz. „Außerdem ist die Tour ein Jugendprojekt, bei dem es nur am Rande auch ums Müllsammeln geht.“ Die Anwohner und Spaziergänger will Marotz mit seiner Tour auf den meist unscheinbaren Fluss aufmerksam machen und durch den ungewohnten Anblick der Kanus irritieren. Die Fußgänger am Wegesrand sind denn auch reichlich verwundert. Gabriele David hat die Kanus auf Höhe der Schlossparkpassagen in Buch gesehen: „Ich bin selbst begeisterte Paddlerin und kann mir nicht vorstellen, dass die Jugendlichen weit kommen.“, befürchtet die Lehrerin. Dass in der Panke viel Müll liegt, finden auch die meisten anderen Spaziergänger ärgerlich. Eine Paddeltour durch all den Unrat – die Bucher halten die Paddler einfach nur für verrückt. Nur ein junges Mädchen sagt: „Echt cool!“ Herr Mylesz aus Panketal hat aber auch früher schon Paddelboote auf der Panke gesehen: „Manchmal hat die Panke ganz schön hohes Wasser“, erklärt der ältere Herr, der viele Jahre in Buch einen Laden besessen hat und oft an der Panke entlang fährt.

Der Wasserstand ist für die Paddler an diesem Tag aber nur selten ein wirkliches Problem. Es hat nach einer langen Trockenperiode in der vorigen Nacht geregnet, und das befürchtete Niedrigwasser ist bei der Paddeltour ausgeblieben.

Auch drei Polizisten, die in Karow auf der Schwanebecker Chaussee patrouillieren, reiben sich angesichts der Paddler verwundert die Augen. „Wird umgehend entsorgt“, versprechen sie, als die Paddler erzählen, wie viel Müll sie gerade am Wegesrand abladen mussten. Verboten ist das Befahren der Panke mit Kanus offensichtlich nicht. „Es darf überall gepaddelt werden, wo kein Naturschutzgebiet verletzt wird“, hat Sören Marotz vor der Abfahrt erklärt.

„Der Perspektivwechsel ist spannend“, erklärt Arndt Mayer aus Wilhelmsruh, der mit seinen beiden acht und elf Jahre alten Kindern mitpaddelt. Der 32-jährige Sozialpädagoge Uli vom Weißenseer Jugendklub HOF 23 befährt die Panke sogar schon zum dritten Mal: „Auf einem See zu paddeln finde ich dagegen ziemlich langweilig.“ Das kann eine Jugendliche auch beim Zwischenstopp am Kinderbauernhof Pinke-Panke bestätigen: „Ab der Einmündung des Lietzengrabens hat es super geklappt – ich fand es bis jetzt einfach nur traumhaft!“

Dank der Förderung des Lokalen Aktionsplans Pankow sind für die Teilnehmer keine Kosten angefallen, und es gab auch eine Suppe vom Team des Kinderbauernhofs Pinke-Panke. Organisator Sören Marotz ist rundum zufrieden mit der Aktion, die die Teilnehmer fast bis zur Mündung in den Nordhafen führte: „Nächstes Jahr könnte man das Ganze wiederholen, und zwar als große Müllsammelaktion!“ Mal sehen, wie viele Einkaufswagen dann wieder aus der Panke gefischt werden müssen…

Fotos gibt es hier: http://panke.info/pages/panke-magazin/paddeln-auf-der-panke.php

e.V.i.G….

In Uncategorized on 24. April 2009 at 9:16

panke.info wird zum Verein!

Nach 18 Monaten Aktivitäten im Internet und neuerdings auch in der Realität wird die Arbeit von panke.info auf eine neue Grundlage gestellt.

Ursprünglich als reine Privatinitiative gestartet, sind zu der eigentlichen Website www.panke.info inzwischen viele weitere Betätigungsfelder rund um die Panke hinzugekommen.

Dazu benötigt panke.info eine andere Rechtsform.

Die Vereinsgründung ist am Mittwoch, den 13.05.09 im Forum Soldiner Kiez (Prinzenallee 45 c, im Pavillon hinter den Wohnhäusern).

Es ist wichtig, dass genügend Unterstützer anwesend sind, damit die Vereinsgründung gelingt.

Es sind genügend Ideen und Projekte in der Pipeline, für die jede Mithilfe wertvoll sein kann.

Die bisherigen Mitarbeiter bei panke.info freuen sich auf die Zukunft als Verein!

„Komşular arası – Unter Nachbarn“

In Gerade Passiertes und Anstehendes, Soldiner Kiez, berlin-wedding on 24. April 2009 at 3:21

Istanbuler Künstler zu Besuch im Wedding
berlin_istanbulDie Kolonie Wedding setzt im April einen besonderen Akzent: 19 Künstler aus dem Istanbuler Viertel Cihangir besuchen den Soldiner Kiez. Drei Wochen lang arbeiten sie im Norden der Berliner Mitte und präsentieren die Ergebnisse dieses ungewöhnlichen Austauschs. Bildhauer, Maler, Fotografen, Autoren, Zeichner, Filmschaffende und Performancekünstler sind zu Gast in den Projekträumen der Kolonie Wedding. Das Konzept: Sie beziehen die Realitäten der Stadt in ihre Arbeit mit ein. Zum Kolonie-Wochenende vom 24. – 26. April werden dann die ersten Ergebnisse in den Galerien des Soldiner Kiezes zu sehen sein.

Hochkaräter vom Bosporus
Die beiden Stadtteile ähneln sich: das Viertel Cihangir, hat mit rund 25.000 Einwohnern die Größe des Soldiner Kiezes. Auch der Stadtteil Beyoğlu, in dem das Viertel liegt, ähnelt in seiner Bevölkerungsstruktur der Berliner Mitte. Wenngleich die Künstler aus Cihangir ohne staatliche Unterstützung arbeiten, bringen sie Hochkarätiges in den Soldiner Kiez: Malerei, Skulptur, Karikatur, Fotografie, Film, Theater, Performance und Tanz.

Partnerschaft der Bezirke
Über zwei Jahre haben sich die Vorbereitungen hingezogen. Berlin und Istanbul sind seit 20 Jahren Partnerstädte, aber die beiden Bezirke Beyoğlu und Berlin-Mitte haben erst im vergangenen Jahr eine Partnerschaft begonnen. „Eine spannendes Vorhaben“ nennt es Necile Dileceoğlu, die den Künstleraustausch von Istanbuler Seite her koordiniert. „Eine Städtepartnerschaft läuft meist nur auf der oberen Ebene ab. Die Menschen wissen gar nichts von einander.“

Schwierig war allerdings die Visa-Erteilung durch die deutsche Botschaft. „Entwürdigend!“, so das Urteil der Projektleiterin. Ein Schreiben von Bezirksbürgermeister Hanke, der auch die Schirmherrschaft übernommen hatte, brachte nicht den erwünschten Erfolg. Erst als Senat und Auswärtiges Amt sich einschalteten, konnten alle 19 Künstler für drei Wochen nach Berlin kommen.

Arbeit vor Ort
Die Palette der künstlerischen Arbeit ist breit. Und die künstlerische Aktivität zielt auf die Stadt Berlin und die Arbeit vor Ort. So lässt der renommierte Karikaturist Güneri Içoğlu seinen Comic-Helden Yekta Bey – Herrn Yekta – durch die Berliner Mitte und den Soldiner Kiez spazieren. Das Ergebnis wird ein Comicstrip sein, der die kleinen und großen Geschichten dieses Austausches beschreibt, sie liebevoll und hintersinnig karikiert.

Serkan Taycan präsentiert als Fotograf unter dem Titel „Homeland“ Bilder aus seiner anatolischen Heimat und trifft damit damit exakt die Herkunftsregion vieler hier lebenden Türken. Eine ganz konkrete Brücke zwischen den beiden Städten schlägt Esra Carus, die in Istanbul mit Grafik und Keramik arbeitet. Hier in der Prinzenallee interpretiert sie Bertolt Brechts Bühnenstück „Turandot“ in einer Installation.

Begeisterung für Berlin
Die Begeisterung für Berlin ist offensichtlich: mit der Stadt verbindet Esra Carus das epische Theater der zwanziger Jahre, sagt sie und springt in ihrem Konzept gleich zum nächsten Schwergewicht deutscher Kulturlandschaft. „Das Ideal Habermas’, dass die Gesellschaft mit dem Verstand menschlicher, und eine menschliche Gesellschaft demokratischer wird, ist auch für mich ein Zweig, an dem ich festhalte.“ Ihr Kommentar über das Gemeindeleben in Cihangir fällt harsch aus: „Fazit: Ein extravagantes Dichter-Maler Ghetto!“ Es bleibt spannend, wie sie die Berliner Mitte und den Soldiner Kiez wahrnehmen wird – Im Mai dieses Jahres werden dann 15 Weddinger Künstler an den Bosporus reisen.

Autor: Gregor Maier

Oh je! Wirtschaftskrise weitet sich aus zur Rechtschreibkrise

In Uncategorized on 19. April 2009 at 8:34

Abfrackprämie

Dackelblick auf Hundekot

In Uncategorized on 18. April 2009 at 10:42

Wiesenstecker gegen HundekotNeulich zu Besuch in Wien: Hundekot ist dort ein ähnlich großes, wenn nicht sogar größeres Problem als in Berlin. Die Stadt ficht einen verzweifelten Kampf gegen die „Mir doch egal“-Mentalität mancher Hundehalter, indem sie 25000 quietschorange Werbepflöcke in die Wiesen gerammt hat. Ein Jack-Russell-Terrier schaut den nachlässigen Halter anklagend an – und droht mit 36 € Strafe. Schon seit 2006 gibt es in Wien ähnlich wie in Berlin Hundekotbeutel in Behältern, von denen der gleiche Terrier mit Hundeblick fleht: „Nimm ein Sackerl“.

Sackerl-SchilderlOb in Berlin ähnliche Kampagnen erforderlich sind, um der Hundekot-Plage Herr zu werden? Mir haben verantwortungsvolle Hundehalter erzählt, dass sie oft schief angeguckt werden, wenn sie das Häufchen aufheben. Auch soll es manchmal schwierig sein, einen Mülleimer zu finden, um den Beutel dann zu entsorgen.

Letztendlich kommt es also doch nur auf den guten Willen der Hundehalter an, die sich selbst über zuviel Hundekot ärgern. Kontrollen, Bußgeldandrohungen und Werbekampagnen dürften dagegen nur einen geringen Effekt haben.

Beziehungen mit und auf dem Wedding

In Uncategorized on 12. April 2009 at 11:53

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Im März 2009 ist nach mehr als einjähriger Pause die zweite Ausgabe des Magazins „Der Wedding“ erschienen. Hat sich das Warten gelohnt?

An der lieben Verwandtschaft kann man sich die Zähne ausbeißen. Trotzdem hat sich die Redaktion des Magazins „Der Wedding“ für die zweite Ausgabe diesem Thema gestellt. Zwar ist aus dem Kulturmagazin, das „Der Wedding“ anfangs sein wollte, ein „Magazin für Alltagskultur“ geworden, aber es ist auch diesmal wieder die Leistung der Redakteure gewesen, das Besondere im Unscheinbaren zu finden. Im Wedding hat die Redaktion natürlich genügend Themen direkt vor der Haustür gefunden. Diese bringen erstaunliche Geschichten hervor, wenn man nur ein wenig an der rauen Oberfläche kratzt.

Das Erscheinungsbild der zweiten Ausgabe ist, angefangen beim spiegelverkehrten Titelschriftzug, immer noch ausgefallen, drängt sich aber weniger auf als es bei der Premierennummer der Fall war. ImVergleich zur ersten Ausgabe sind Schriften und Layout weniger überdreht und wirken dadurch organisch gewachsen und ein bisschen unansehnlich wie der in die Jahre gekommene Stadtteil, der Dreh-und Angelpunkt des Magazins ist.

Erstaunlich ist für mich, wie sensibel und facettenreich das an sich nichts sagende Thema Verwandtschaft in „Der Wedding“ ausgeleuchtet wird. Auf den ersten Blick liegt es auf der Hand, dass „die Familie“ bei Weddinger Migranten einen anderen Stellenwert als bei Deutschen genießt.  Aber es geht noch mehr: geistreiche Gedanken zum Generationenvertrag kommen ebenso vor wie die ironischen Betrachtungen zu Weddings Partnerstädten. Die Fotostrecken sind wie gewohnt sehr ausladend und bilden dadurch die Realität in einem materiell armen, aber an menschlichen Regungen reichen Stadtteil glaubwürdig ab. Sogar fotografische Einblicke in ein Pflegeheim werden gewährt.  Die Erstausgabe vom Februar 2008 wirkt gegen den zweiten „Der Wedding“ experimenteller, aber auch noch wesentlich unreifer. Es hat sich wirklich  gelohnt, einen starken thematischen Schwerpunkt zu setzen, der nicht nur die Hülle für ästhetische Spielereien sein will. Die „Verwandtschaft“ bietet erheblich mehr Stoff als im vorhinein erwartet werden konnte, wenn beispielsweise in einem sozialpolitischen Artikel die „Zwangsheirat“ von Wedding und Mitte beleuchtet und im Fazit dann gar als Scheinehe bezeichnet wird. Das klingt erst einmal ein wenig an den Haaren herbeigezogen – aber stimmt es denn etwa nicht?

Auf die nächste Ausgabe darf man jetzt wirklich gespannt sein. Bleibt zu hoffen, dass die Macher von „Der Wedding“ dann auf den Untertitel mit der Alltagskultur verzichten und sich kein Etikett mehr anheften.

Mal sehen, ob auch in anderen Stadtteilen Berlins ein solches Magazin gekauft wird. Trotz des Weddinger Lokalkolorits bildet das Heft nämlich so viel ab, was allgemein Gültigkeit hat und bundesdeutsche Realität ausmacht.


„Der Wedding“ Nummer 2, Preis 5 €, Verkaufsstellen siehe hier.

Wozu Geld abheben?

In Uncategorized on 24. März 2009 at 1:48

Die Berliner Sparkasse macht uns vor, dass man die Finanzkrise einmal konsequent zu Ende denken muss. Der einzige Geldautomat im Soldiner Kiez, nämlich der der Berliner Sparkasse, befindet sich in einem Vorraum der Geschäftsstelle in der Prinzenallee. Nun werden „die lieben Kunden“ um Verständnis gebeten, dass der Geldautomat nur noch während der Filial-Öffnungszeiten zugänglich ist. Ansonsten solle man doch bitte auf die Geldautomaten im U-Bahnhof Osloer Straße oder im Gesundbrunnencenter ausweichen. Mag sein, dass Sicherheitsaspekte bei dieser Entscheidung den Ausschlag gegeben haben. Worin liegt dann aber noch der Vorteil des Geldautomaten im Vergleich zu früheren Zeiten, als man – auch nur während der Öffnungszeiten der Filiale – Geld an der Kasse abhob?

Und: welcher Kunde lässt sich eine solche Aussperrung bieten? Letztlich doch nur die, die keine Wahl haben und ohnehin kaum Geld zur Verfügung haben. Die anderen, die während der Öffnungszeiten der Filiale arbeiten müssen, sind sicher schon längst zu anderen Banken gewechselt. Mich eingeschlossen. Halt, hier passt doch wohl eher: ausgeschlossen. Außer zu den Öffnungszeiten.

Armes Pankow!

In Uncategorized on 21. März 2009 at 10:22

Schild am Bürgerpark-Portal

Armes Pankow! Sogar am bürgerlichsten Fleck, den Pankow zu bieten hat (und der auch noch genau so heißt), am Bürgerpark, soll der bezirkliche Blumenschmuck eingespart werden. Oder kalkuliert der unter Haushaltssperre stehende Bezirk Pankow gleich mit ein, dass sich die Bürger Pankows das nicht gefallen lassen werden, und setzt darauf, dass der Blumenschmuck privat finanziert wird?

Raum für Religionsausübung

In Uncategorized on 21. März 2009 at 7:41

Da wird in Berlin eine beträchtliche Zahl von Unterschriften gesammelt, damit der überkonfessionelle, verpflichtende Ethikunterricht für alle per Volksbegehren wieder aufgeweicht wird… Und in meiner Bibliothek sagt neulich die eine Angestellte zur anderen: „Stell’ dir vor, da fragt mich eben eine Muslima, ob wir hier einen Extra-Raum haben, damit sie ihr Gebet verrichten kann…“  Ich habe lange genug in Frankreich gelebt, um die Trennung von Staat und Kirche wertzuschätzen. Religion ist dort (und auch hier sollte das eine weitgehend unumstrittene Errungenschaft sein) Privatsache.

Eine Katastrophe für den Katastrophenschutz

In Uncategorized on 14. Februar 2009 at 6:21

Das Übungsgelände des Technischen Hilfswerks

In Berlin-Buch, zwischen dem Pankeweg, der Autobahn A 10 und der Eisenbahntrasse (u.a. S-Bahn-Linie 2) befindet sich ein völlig zerstörter Plattenbau. Ich dachte früher, dass es sich um einen aufgegebenen Plattenbau handele, dem man den Gnadenschuss verwehrt hat. Aber dies ist hier kein besonders bizarres Beispiel des Stadtrückbaus Ost. Wie ich jüngst erfahren habe, handelt es sich in Wirklichkeit um eine Feuerwehrschule aus der DDR-Zeit. Aus schadhaften Platten wurden diese Phantomgebäude errichtet, um realistische Übungsszenarien entwickeln zu können.

Tragischerweise liegt das Areal in der Nähe der Autobahntrasse des Berliner Rings, der in Kürze um zusätzliche Spuren erweitert werden wird. Als Ausgleichsmaßnahme ist an dieser Stelle ein neuer Park geplant – und das Technische Hilfswerk muss von diesem Ort ersatzlos weichen.

Gut, dass es noch jede Menge Plattenbauten gibt, die rückgebaut werden sollen. Vielleicht ist da ja auch etwas für den Katastrophenschutz dabei.

Wo klemmt’s in Pankow?

In Uncategorized on 13. Februar 2009 at 10:19

Ich habe manchmal den Eindruck, dass in Pankow zwar die sozialen und soziokulturellen Probleme geringer sind als in anderen Bezirken Berlins, es aber trotzdem an allen Ecken und Enden „klemmt“: der Bezirk steht unter Zwangsverwaltung, man konnte sich jahrelang nicht über den Namen und das Wappen des Großbezirks einigen, das Kulturleben des Ortsteils Pankow entspricht nicht wirklich dem einer kleinen Großstadt… Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Interessant finde ich, an das Thema einmal ganz anders heranzugehen. Nachfolgend gibt es einen Abdruck eines Gutachtens, das die Geomanten Carsten Suter, Annette Brandes und Roland Buch angefertigt haben. Die Herangehensweise erscheint manchem vielleicht ungewohnt, und doch wäre es doch einmal überlegenswert, die ein oder andere empfohlene Maßnahme umzusetzen….

ERDUNG UND ZENTRIERUNG EINER STADTLANDSCHAFT

Anregungen für Geomantische Gestaltungen in Berlin- Pankow

Am 30./31. 10. 2006 beschäftigten sich die Geomanten Carsten Suter, Annette Brandes und Roland Buch bei einer gemeinsamen Ortsbegehung mit einigen sensiblen Plätzen im Berliner Stadtteil Pankow. Die Absicht dabei war, Gestaltungsvorschläge für diese Orte zu erarbeiten.

Geschichtliche Entwicklung:

Die Besiedlungsursprünge von Pankow gehen weit in die Vorzeit zurück, bis etliche Jahrtausende vor der christlichen Zeitrechnung. Lagerplatz und Siedlungspuren fanden sich aus Stein -, Bronze – und Eisenzeit.

Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten Zisterzienser Mönche aus Feldsteinen eine Kapelle nahe des ehemaligen Gletscherabflusses Panke.

Die Mönche drangen in dieser Zeit als „Kultivatoren des Germanischen Waldes“ bis hin zur Ostsee vor, gründeten Niederlassungen in Sumpfgebieten und verwandelten diese in fruchtbares Acker und Weideland.

Das Dorf Pankow wurde etwa 1220 von einem Lokator (Beauftragter des Landesherren) als „wilde Wurzel“, also ohne slawische Vorgängersiedlung, gegründet.

Pankow ist ein typisches Angerdorf mit Dorfplatz und Kirche zwischen den Häuserzeilen. Die damals angelegte Grundstruktur und Wegführung ist heute noch unverändert erhalten.

1) Dorfplatz

2) Kastanie auf Verkehrsinsel

3) Linde auf dem Friedhof

Ende des 15. Jahrhunderts war Pankow Jagd – und Erholungsgebiet der Brandenburgischen Kurfürsten.

Eine Legende erzählt, das an dem Platz an der Panke an dem der Vogelherd des Kurfürsten Johann Ciecero stand, sich ein slawischer Tempel befunden haben soll und dieser namengebend für Pankow war, nämlich Pan = Herr und Kow= Hain, also Hain des Herrn.

Im Jahre 1662 wurde in dem an der Panke gelegenen Wiesen und Auen Land ein Landsitz errichtet der wenig später zum Schloss Schönhausen ausgebaut wurde.

Bis in die 30iger Jahre des letzten Jahrhunderts war Pankow mit das beliebteste Ausflugsziel der Berliner.

Die Schönheit des Lebens:

Auf unserer Suche nach dem Standort des oben erwähnten Tempels fanden wir in der Parkanlage eines ehemaligen Krankenhauses einen Platz, der uns durch seine Leichtigkeit und Lebensfreude beeindruckte. Wir nahmen eine Konzentration von Luftelementarwesen wahr und unmittelbar dahinter wie so oft in Zivilisationslandschaften das Kontrastprogramm in Form der Schutthalde vom Abriss eines Plattenbaus. Verletzung und Zerstörung machen auch hier den Naturkräften die Erfüllung ihrer Aufgaben schwer. Einige Meter weiter zeigte sich uns eine ähnliche Verdichtung diesmal von Erdelementarwesen, die uns direkt aufforderte,innezuhalten und die Schönheit des Lebens um uns herum wahrzunehmen und sie, diese Schönheit, in ihrer ganzen Tiefe auf uns wirken zu lassen. Ein Beispiel dafür, wie die Erde uns lehren kann, das Leben mit anderen Augen zu sehen.

Die Rübezahl-FichteEnergetische Grundstrukturen:

Die ursprüngliche Versorgung mit Lebenskraft durch den Fluß Panke und einen dort entlangführenden Lebenskraftweg ist fragmental noch spürbar und stellenweise schwach intakt. Die Begradigung der Panke an energetisch sensiblen Stellen und die Verkleinerung des Eichenhaines hat die Anbindung des Dorfes Pankow an diese Kräfte geschwächt. Letztes deutlich sichtbares Zeugnis dieser Ursprünglichkeit war die „Rübezahl-Fichte“, welche erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gefällt wurde.

Allgemeiner Zustand heute:

Bei unserer Ortsbegehung konnten wir fast überall an uns selbst erfahren, wie eine moderne Stadtlandschaft mit ihrer dichten Bebauung und dem Straßenverkehr Menschen und auch Naturwesen enterdet, d. h. ihre energetische Anbindung an den Organismus der Erde ist nicht mehr voll intakt. Konkreter ausgedrückt, nach einer Stunde offensein und wahrnehmen inmitten von Autoverkehr und Einkaufsrummel waren wir ziemlich erschöpft. Allerdings gibt es in Pankow auch sehr viele Parks und Gärten, die mit ihrer z. T. beeindruckenden Pflanzenwelt eine heilsame Funktion für die Stadtlandschaft ausüben. Besonders die Restbestände der früheren Eichenwälder erlebten wir als kraftvoll und erdend. Dort konnten wir uns gut erholen und mit frischen Kräften wieder ans Werk gehen.

Die Mitte PankowsDie leere Mitte

In der Mitte des damaligen, alten Dorfes Pankow, heute Kirch- und Marktplatz in der Breiten Straße zwischen der Feldsteinkirche, heute Evangelische Pfarrkirche, im Osten und dem Markt im Westen ist ein kleiner quadratischer Platz mit Sitzbänken drumherum und einem wackeligen kleinen Backsteinsockel in der Mitte. Von der Lage auf dem Stadtplan, vor allem den älteren Plänen, her ist für uns hier die geomantische Mitte des Ortes Pankow. Für einen Ort von solcher Wichtigkeit kam uns dieser Platz armselig und verloren vor, und wir verspürten das Bedürfnis, etwas für ihn zu tun. Wir fragten diesen Ort, was er sich für eine Gestaltung vorstellen könnte oder wünsche, und bekamen alle das Symbol eines Berges oder kräftigen Steines als Antwort. Außerdem wollten die 4 Elemente und die 4 Haupthimmelsrichtungen in dieser Mitte vertreten sein. Für die praktische Umsetzung bietet sich hier das Setzen eines Findlinges mit eingearbeiteten Motiven oder Kosmogrammen in den 4 Richtungen an, um durch die Gestaltung einer Mitte die gesamte Stadtlandschaft Pankow zu erden und zu zentrieren.

Der einsame Baum:

Zwischen dem Pankower Rathaus und dem Alten Städtischen Friedhof gibt es eine kleine dreieckige Verkehrsinsel zwischen 2 breiten und vielbefahrenen Straßen, auf der ein mittelgroßer Kastanienbaum steht. Bei diesem Baum nahmen wir ein Naturwesen wahr, das aber sehr geschwächt wirkte und nur mit großer Mühe seine Verbindung mit dem Erdorganismus aufrecht erhalten konnte. Es zeigte sich dankbar für Anerkennung und liebevolle Zuwendung und regte an, durch eine Steinsetzung mehr Erdung und Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die "Stimmgabel"Die Stimmgabel:

Auf dem Alten Städtischen Friedhof waren wir fast verzaubert von der Atmosphäre,die von einigen stehengebliebenen alten Grabmalen und den dazwischen wachsenden großen und markanten Bäumen ausging. Neben einer Linde mit stimmgabelförmigem Wuchs entdeckten wir einen Punkt auf dem Rasen, von dem aus wir eine unmittelbare Verbindung mit einigen anderen Orten der Pankower Landschaft erlebten, als ob wir selbst an diesen Orten anwesend wären. Solch einen Platz bezeichnen wir mittlerweile als Knotenpunkt im Netzwerk der Naturintelligenz. An oben erwähnter Linde selbst bekamen wir Zugang zu einer „Naturschwingung“, die alles Leben durchdringt und verbindet. Wir hatten sie anderenorts schon als „Landschaftsklang“ erfahren, weil sie den Menschen wirklich das Charakteristische einer bestimmten Landschaft fast hörbar erspüren lässt, aber auch erlebt, wie sie durch die Auswirkungen der technischen Zivilisation unterdrückt oder verdrängt wird. Aus eigener Erfahrung scheint es uns wichtig, dass die Menschen bewusst in Verbindung mit dieser Naturschwingung kommen und bleiben.

Dazu schlagen wir die Installation einer „Naturstimmgabel“ in passender Resonanzlänge vor, am besten aus einem abgestorbenen Eichenbaum gearbeitet. Diese wird an einem vielbegangenen Ort wie z. B. am Ostende des Marktes aufgestellt und macht diese Schwingung für die Menschen zugänglich und erfahrbar. Zusätzlich kann ein entsprechendes Motiv oben auf dem erwähnten „Mittenstein“ angebracht werden, um die Stadtlandschaft Pankow als Ganzes an diese Naturschwingung anzubinden.

Autor: Dipl.Geomant Carsten Suter,

Zusammenarbeit mit: Annette Brandes, Roland Buch

Webseite : www.geomanten.de

Kontakt: mail@geomanten.de

Historische Quellen:

Feuer,Stein und Eisen; Bezirksamt Pankow von Berlin 1996

Museumsverbund Pankow

Vom „Petit Palais“ zum Gästehaus; Kulturamt Pankow 1998

Sie haben verstanden

In Uncategorized on 6. Februar 2009 at 6:43
Ist der Zug abgefahren? S-Bahnhof Wollankstraße

Ist der Zug abgefahren? S-Bahnhof Wollankstraße

Wer wie ich ein im Grunde zufriedener Kunde der S-Bahn ist, hat in den letzten Jahren die deutlich abfallende Qualität dieses Unternehmens erleben dürfen. Zuerst waren es nur „Weichenstörungen“, dann wurden von mehr und mehr Bahnhöfen die Aufsichten abgezogen – und durch nichts ersetzt. Zuletzt war eine nicht abreißen wollende Kette von Störungen, Zugausfällen, Streiks und dergleichen mehr an der Tagesordnung.

Ich habe mich, als es mir am 09.11. zu bunt wurde, telefonisch beschwert, und man gab mir am anderen Ende der Leitung das Gefühl, dass man meinen Ärger verstehen könne.

Zuerst erhielt ich eine Eingangsbestätigung, mit der Bitte, mich zu gedulden und von Erinnerungen abzusehen.

Einige Zugausfälle, Weichenstörungen, Wintereinbrüche und ähnlich unschöne Ereignisse später, am 05.02., erhielt ich ein sehr freundliches Schreiben der S-Bahn, in dem man sich fast schon unterwürfig entschuldigte und mir einen 5 €- Fahrkartengutschein beifügte. Wortlaut des Schreibens: „…Auch wenn kein Personal mehr auf dem Bahnsteig ist, sollte die Beschallung von einer anderen Betriebsstelle ausgeführt sowie ebenso die Inforufsäule bedient werden.“ Mit Beschallung sind wohl die unverständlichen Lautsprecherdurchsagen gemeint, die den Ansprechpartner im Aufsichtshäuschen ersetzt haben.  Die übrig gebliebenen Mitarbeiter, die in irgendwelchen anderen Bahnhöfen sitzen, sollen diese Aufgabe nun erfüllen: „Die S-Bahn … legt bei allen ihren Mitarbeitern großen Wert auf ein freundliches und kundenorientiertes Auftreten. Dass dies in Ihrem geschilderten Fall nicht in der von uns gewünschten Weise abgelaufen ist, bedauern wir sehr.“ Außerdem wird die Hoffnung geäußert, dass ich mich künftig von den Mitarbeitern besser betreut fühle.

Dazu passt die Einschätzung eines Betriebsrats der S-Bahn, die dieser in einem Interview für die Berliner Zeitung abgab: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0206/berlin/0006/index.html

Und auch Hartmut Mehdorns „freiwillige“ Entschuldigung bei seinen eigenen Mitarbeitern, heute wegen der Datenaffäre bei der Bahn, deutet darauf hin, dass der Tiefpunkt erreicht ist und es langsam wieder weniger gewinnorientiert zugehen könnte. Aber ob auch er noch in den Chor einstimmen wird?  „Wir würden uns freuen, wenn wir Sie trotz dieses unschönen Ereignisses wieder in den Zügen.. begrüßen dürfen.“ Ich werd’s wohl müssen…

Ergänzung: Gefangen in einer S-Bahn auf der Ringbahn, zwischen zwei Bahnhöfen während diverser Signalstörungen stehend, durfte ich hören, wie sich der Fahrer zu folgender Durchsage hinreißen ließ: “Wegen diverser Signalstörungen, verursacht durch Personaleinsparungen, verzögert sich die Weiterfahrt um wenige Minuten…“

Fototour: Berlin im Eis

In Uncategorized on 15. Januar 2009 at 11:08

Bei Schnee und Eis, aber klarem Himmel – so liebe ich Berlin – bin ich die Südpanke entlang vom Bahnhof Friedrichstraße bis zum Gesundbrunnen gelaufen. Hier die schönsten Fotos…

Im Graben der SüdpankeWie auf dem Dorf - direkt neben der CharitéRauchverbot!Hauptbahnhof von der Invalidenstraße ausHamburger Bahnhof - Kanal mit EisAm Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal geht es weiter bis zur Panke-Mündung, über den Invalidenfriedhof…

Hamburger Bahnhof und ReichstagEin Mauerstück im InvalidenfriedhofGrab und Mauerrest, Schlot des HeizkraftwerksAm Kanal, Blick zur Heidestraße