panke

Archiv für August 2009

Robust und wild, gleich hinter Buch….

In Uncategorized on 12. August 2009 at 9:19

Kurz hinter der Berliner Stadtgrenze kann man bei einer Führung über die Rieselfelder in Hobrechtsfelde erleben, wie entscheidend Wasser sein kann. Auch ungewöhnliche Tiere lassen sich dort finden.

Die Teilnehmer der Führung sind teilweise vom Fach: „Ich hab’ ja selbst einen Garten“, sagt eine Dame auf die Frage, woher sie denn wüsste, dass Kiefernnadeln den Boden versauern. Förster Romeo Kappel hat gerade erklärt, dass sich Kiefern auf den Rieselfeldern leichter ansiedeln ließen als andere Baumarten. Dabei hat er selbst als Student in den 80er Jahren viele Bäume in diesem Gelände gepflanzt. Nur ein Drittel der damals gepflanzten Bäume überlebte: „Nachdem 1986 die Verrieselung von Abwässern eingestellt wurde, ist der Grundwasserspiegel stark gesunken“, erklärt Förster Kappel. Nach dem Ende der DDR lag das Gelände der Rieselfelder dann plötzlich in zwei Bundesländern, weshalb zwei Forst- und auch zwei Wasserbehörden zuständig sind. „In den Rieselfeldern war alles darauf ausgelegt, dass das Wasser schnell abfließt“, erklärt der Tourenleiter. Wie also das Gebiet wieder mit Wasser versorgen? „Von den einst täglich angepumpten 150 000 m³ Abwasser werden heute wieder 5000 m³ gereinigtes Abwasser in die Reinigungsteiche in Hobrechtsfelde zurückgeleitet“, erklärt Kappel. Rund um die Teiche ist es daher gelungen, den Grundwasserspiegel zu erhöhen. „Es ist Schicksal, dass dies erst heute wieder gelingt, weil das Absinken des Grundwassers vor zwei Jahrzehnten hätte vermieden werden können“, findet Kappel. Immerhin hat die Wiederbewässerung zu einer vitaleren Vegetation geführt: Wasser bedeutet Anhebung der ökologischen Vielfalt. Das ein zweites Mal gereinigte Wasser hat zwar keine Trinkwasserqualität, kann aber bedenkenlos über den Lietzengraben in die Panke abgeleitet werden. In diesem Zusammenhang weist Förster Kappel auch auf den Bewusstseinswandel hin, demzufolge Flüsse heute nicht mehr nur noch als Wasserableiter gesehen werden.

Ein erhebliches Problem bestand aber auch in der hohen Schadstoffbelastung der Böden. „Ich hätte nicht gedacht, dass Medikamente solche Auswirkungen haben können“, kommentiert ein Teilnehmer die Erläuterungen des Försters. Medikamente, Waschmittel und industrielle Abwässer haben nach der jahrzehntelangen Nutzung als Anbaufläche den Boden der Rieselfelder nachhaltig geschädigt. Um Blei und Cadmium daran zu hindern, ins Trinkwasser zu gelangen, wurde das „Bucher Verfahren“ entwickelt, erklärt Kappel: „Zuerst wurde das Gelände von Hubschraubern aus mit Kalk bestreut. Aus Kostengründen kam man dann aber auf 72000 Tonnen Bodenaushub der Berliner U-Bahn-Bauarbeiten.“ Der kalkhaltige Mergelboden aus Pankow wurde auf 12 Hektar 30 cm dick aufgetragen und anschließend eingefräst. Das Absinken des pH-Wertes konnte so abgepuffert werden.  „Damit wurde zwar das Schadstoffproblem stabilisiert, aber nicht dauerhaft gelöst,“ sagt Kappel, der hofft, dass einst sein Nachfolger in 10000 Jahren eine bessere Ausgangssituation vorfinden wird.

Ein weiterer Nebeneffekt waren die Findlinge, die sich im Bodenaushub versteckten: im Rahmen eines Bildhauersymposiums wurden diese zu Skulpturen verarbeitet. Als Projekt „Steine ohne Grenzen“ stehen sie über das gesamte Rieselfeldgebiet verteilt. Weitere Relikte, diesmal aus der Zeit der Verrieselung, sind abgeschnittene Rohre mit blauem Deckel, die heute als Wegmarken dienen und einen Rundkurs beschreiben.

Förster Kappel reißt auf dem Weg auch Zweige oder Gräser ab, um die Dynamik der Ansiedlung von Pflanzen zu erläutern. „Der eschenblättrige Ahorn wächst hier besonders gut – er ist resistent, robust und bildet nach wenigen Jahren geflügelte Samen“, erklärt er. Dieser Baum verbreitet sich jedoch sehr aggressiv und verdrängt somit andere Baumarten, die artenreichere Lebensräume darstellen. Auch die spätblühende amerikanische Traubenkirsche findet in Hobrechtsfelde ein ideales Verbreitungsgebiet, aber auch sie verbreitet sich sehr invasiv und ist nicht gerade ein typisches einheimisches Gewächs.

Auch Tiere spielen bei der Gestaltung dieser halboffenen Landschaftsform eine große Rolle: „Die großen Weidetiere wie Elche, Hirsche und Auerochsen fehlen heute“, erklärt Romeo Kappel. Dabei würden diese Tiere die Landschaft freifressen, und auch ihre Kothaufen sind für Kleintiere von Käfern bis hin zu Regenwürmern von großer Bedeutung.

In Hobrechtsfelde wird daher in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Eberswalde ein Beweidungsprojekt mit robusten Rindern und Wildpferden durchgeführt. Mirko Vergien, Diplom-Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz, arbeitet für die Agrar-GmbH Gut Hobrechtsfelde, die die Beweidung durchführt: „Uns ist eine extensive Beweidung wichtig“, erklärt Vergien. Nur 0,3 Tiere pro Hektar – dies bedeutet genug Futter für die zwölf schottischen Hochlandrinder und die drei Konik-Wildpferde. Tag und Nacht, sommers wie winters stehen die Tiere ohne Aufsicht auf der 50 ha großen Weidefläche. „Die Rinder grasen von unten, während die Pferde vom Halm abwärts fressen“, erklärt Vergien das sich ergänzende Fressverhalten. Für die halboffene Landschaft sei es außerdem wichtig, dass die Gehölze zurückgebissen werden. Insgesamt sei der Beweidungseffekt gut, und die Verbuschung der Landschaft gestoppt. Und dies, so erklärt der Experte, erhöhe die Chancen, dass die Entstehung von Wald auf den Beweidungsfläche wieder gelingen kann.

Die Tiere sind wohl der Hauptgrund, weshalb viele Teilnehmer zu dieser Führung über die Weideflächen gekommen sind. Leider sind Rinder und Wildpferde an diesem Tag nur aus der Ferne im Dickicht stehend zu bewundern. Enttäuscht scheint aber niemand zu sein. „Besucher führe ich immer am liebsten auf die Rieselfelder“, sagt Herr Kühn aus Schönow. Frau Bublitz wollte ebenfalls mehr über die Pflanzen und Tiere erfahren: „Sonst fahre ich immer nur hier durch zum Gorinsee“, sagt die Dame aus Buch schmunzelnd. Sie und die anderen Teilnehmer wissen jetzt, dass die ungewöhnliche Landschaft der früheren Rieselfelder ein Stück belebter ist. Sie waren auf der anderen Seite des Elektrozauns.

Fotos und mehr Hintergrundinfos im gleichnamigen Artikel auf www.panke.info!

Mehr Informationen auch auf http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/rieselfelder_hobrechtsfelde/

Führungen des NABU findet man hier: NABU-Programm

Panketal – nie gehört?

In Uncategorized on 6. August 2009 at 7:15

0-M-090805-Rainer FornellImmerhin handelt es sich dabei um einen 19.000 Einwohner zählenden Vorort nordöstlich von Berlin, der bis zur  Kommunalreform 2003 aus den Gemeinden Zepernick und Schwanebeck bestand. Allein in den letzten zwanzig Jahren konnte die heutige Gemeinde 8.000 Neubürger verzeichnen. Doch diese sind mitunter nur schwer für das Gemeindeleben zu gewinnen, weiß Bürgermeister Rainer Fornell zu berichten: „Panketal ist ein sehr attraktiver Wohnstandort“, sagt Fornell, der selbst erst 1996 aus Berlin in die Umlandgemeinde gezogen ist. „Die Nähe zu Berlin ist unser großer Vorteil – eine sehr gute Verkehrsanbindung, ein umfassendes Schul- und Betreuungsangebot und viele Freizeitmöglichkeiten.“ Doch die unmittelbar benachbarte Großstadt, aus der die meisten Neubürger kommen, sei zugleich auch ein Nachteil für das Gemeindeleben, so der Bürgermeister: „Die Leute können sogar ihre Berliner Telefonnummer hierher mitnehmen, behalten oft ihr soziales Umfeld und ihren Berliner Freundeskreis:“ Daher sei es schwer, in Panketal anzukommen und ein soziales Beziehungsgeflecht aufzubauen. Dies gelingt meist erst über die Kinder, erklärt Fornell: „Kontakte über die Kita, die Schule oder die Sportvereine bringen die neuen Einwohner dazu, hier heimisch zu werden.“

Die Stadt-Umland-Beziehungen sind ein großes Thema für den Bürgermeister, der selbst erst seinen Platz in der Gemeinde finden musste. Panketal muss, so glaubt Fornell, auch nicht um jeden Preis wachsen, um seine Vorteile nicht zu verspielen. „Die Gemeinde ist heute schon die flächenmäßig kleinste Gemeinde im Landkreis Barnim, bei gleichzeitig sehr hoher Einwohnerzahl“, sagt Fornell. Ein Fehler der Vergangenheit war in den Augen des Bürgermeisters die Ausweisung von Baugebieten mit zu kleinen Grundstücken, so dass in diesen Neubaugebieten Konflikte auf engem Raum entstanden sind. „Die aus der Stadt zugezogenen Leute denken, auf dem eigenen Grund und Boden seien sie frei von Nachbarschaftskonflikten“, sagt Fornell. Er nimmt daher lieber in Kauf, dass der Zuzug abflacht, um die Wohnqualität in Panketal zu erhalten. Auch ökologische Aspekte sprechen gegen die Verdichtung der Gemeinde: „Es gibt kaum Versickerungsflächen und Probleme bei der Regenwasserabführung“, gibt Fornell zu bedenken. Schon heute seien die hydrologischen Grenzen der Panke erreicht. Auch sorgt er sich um Straßenbäume und Grünflächen, die es in der Gemeinde nur dort ausreichend geben kann, wo Ein- und Zweifamilienhäuser vorherrschen.

Die Benutzer des Pankewegs und Radfahrer auf dem Fernradweg Berlin-Usedom dürften die Gemeinde Panketal in erster Linie als Durchgangsstation wahrnehmen. Dabei gibt es auch in Panketal einiges zu entdecken: „Wir wissen, dass wir vor allem als attraktiver Wohnort gelten“, sagt der Bürgermeister. Ein klassischer Tourismusstandort sei Panketal somit nicht. Trotzdem gebe es im Bereich der Rieselfelder Hobrechtsfelde eine große Fläche für Kultur und Freizeitaktivitäten, die auch schon jetzt rege genutzt wird. Auch einige sehenswerte Baudenkmale wie die Zepernicker Dorfkirche verdienen Beachtung, wenn man sich nur ein wenig abseits der Hauptwege bewegt.

Die alteingesessenen Panketaler haben einstweilen noch an der Fusion der baulich längst zusammengewachsenen Ortsteile Zepernick und Schwanebeck zu knabbern, wie ein Streit um die Schriftgröße des neuen Gemeindenamens auf den Ortstafeln zeigt. Gerade aus diesem Grund kann die namensgebende Panke ein wichtiges identitätsstiftendes Element sein, das für die Großgemeinde in Zukunft eine große Rolle spielen dürfte. Es wäre schon viel gewonnen, wenn auch die Neu-Panketaler wissen, dass mit der Panke eine wertvolle natürliche Lebensader durch ihren Ort fließt, die sie – ebenso wie die S-Bahn – mit Bernau und Berlin verbindet.

85 Jahre Erfahrung

In Uncategorized on 5. August 2009 at 3:31

Es ist in diesem Blog schon einmal von der S-Bahn die Rede gewesen, und man kann mir vorwerfen, dieses Unternehmen besonders negativ zu sehen (was nicht immer stimmt).

Ich will auch nicht all den Kommentaren über das momentane S-Bahn-Chaos noch einen hinzufügen.

Es sei aber daran erinnert, dass am 08.08.1924 die erste elektrische Vorortelinie in Berlin eröffnet wurde, aus der sich innerhalb der Folgejahre die legendär gewordene S-Bahn entwickelt hat. Diese erste Linie ging vom Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof) über Pankow und Buch nach Bernau.

Die Berlin-Stettiner Eisenbahn gab es zwar vorher schon, aber 1924 wurde erstmals genau diese Vorortelinie elektrifiziert. Dabei wurde das bis heute in Deutschland technisch einmalige System mit der seitlich angeordneten Stromschiene angewandt. Genau diese Einzigartigkeit wird der Deutschen Bahn als Betreiber der S-Bahn Berlin jetzt zum Verhängnis: es können keine Fahrzeuge anderer deutscher S-Bahnen im Berliner S-Bahnnetz eingesetzt werden.

Und darum wird dieses S-Bahn-Jubiläum wohl sang- und klanglos untergehen. Vielleicht denkt jemand daran, wenn er das Glück hat, eine S-Bahn auf der Linie S 2 zu erwischen…