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Archiv für die Kategorie ‘Uncategorized’

Paris, Berlin, und zwei Flüsse

In Uncategorized on 4. Januar 2010 at 9:06

Erstaunte Schlossparkbesucher....

Ich habe einige Monate in Paris gelebt. Mein Blick ging aus dem 13.Stockwerk in Richtung Sacré Coeur und am Horizont sah man auch noch den Eiffelturm, während sich im Vordergrund ein Wasserbecken des Canal de l’Ourcq erstreckte. Das Leben am Wasser, wenn auch am künstlichen Gewässer, habe ich immer als einen Gewinn empfunden. Die Gegend hat sich in den letzten Jahren weiter verändert, nun sind auf beiden Seiten des Beckens Kinos entstanden, und man kann mit seiner Eintrittskarte eine kleine Fähre benutzen, um von einem ins andere Kino zu gelangen.

Hier in Berlin wohne ich, wie man sich unschwer denken kann, an der Panke. Auch ein Gewässer, aber ein natürliches. Viel wird sich in den nächsten Jahren ändern, damit man wieder erleben kann, dass die Panke ein naturnaher Fluss ist.

In Paris habe ich manchmal etwas über die Bièvre gehört, einen im Stadtgebiet verschwundenen Fluss auf der Rive Gauche. Zurück in Berlin dachte ich manches Mal, dass die Panke und die Bièvre, so wie unzählige andere verkannte Stadtflüsse wie auch die Wien, eine Menge gemeinsam haben. Vielleicht ist ja das, was hier mit der Panke passieren wird, ein Modell für andere verrohrte, vergrabene und entstellte Stadtflüsse.

Den Artikel von Uwe Rada in der TAZ habe ich jedenfalls mit großer Genugtuung gelesen:

http://www.uwe-rada.de/themen/fluesse_panke.html

http://panke.info/pages/neue-panke/die-panke-und-die-planungen.php

Außen Schloss, innen Zeitzeugen

In Uncategorized on 23. Dezember 2009 at 6:04

Hinter einer Mauer im Schlosspark, jahrzehntelang streng von der Bevölkerung abgeschirmt und in den letzten Jahren auch äußerlich etwas unscheinbar, fristete das Schloss Schönhausen jahrelang sein Dasein. Doch mit der Wiedereröffnung als Museumsschloss rückt es wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Das Gebäude besitzt nicht nur wieder ein attraktives Äußeres – auch im Innern hat die außergewöhnliche Geschichte des Schlosses zahlreiche Spuren hinterlassen.

19.12.2009, Schloss Schönhausen, erster Tag als Museum...

Am 19.12.2009 betritt ein Pankower Ehepaar das Schloss, das sich selbst ein Wiedersehen mit dem Gebäude zum 45. Hochzeitstag geschenkt hat. Es handelt sich um die ersten zahlenden Besucher, die sich an diesem Tag von Schnee und Eisglätte nicht haben abschrecken lassen. Nicht nur für sie hält das Schloss Schönhausen so manche Geschichte bereit.

Nachdem im Nebengebäude des Schlosses 1990/91 noch die Sitzungen des „Rundes Tisches“ der DDR sowie die „2+4“-Verhandlungen stattgefunden hatten, verfiel das Schloss in einen Dornröschenschlaf, bis es 2005 in die Obhut der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) übergeben wurde. Nur Königin Beatrix der Niederlande hatte noch 1991 im Schloss genächtigt, so wie vor ihr Fidel Castro, Leonid Breshnev und Indira Gandhi: seit 1964 war Schönhausen offizielles Gästehaus der DDR-Regierung. Die Schlaf- und Badezimmer atmen noch den Zeitgeist der 1960er Jahre, wie man noch heute nacherleben kann. Die wichtigsten Epochen des Schlosses sind im neuen Museumsschloss konserviert worden. Von einem Rückbau in das ursprüngliche Barockschloss hat die SPSG abgesehen – die bewegte Geschichte des Hauses und seine zahlreichen Nutzer und Bewohner sind damit erlebbar geworden.

Kurios war allein schon die Tatsache, dass der neu gegründete Arbeiter- und Bauernstaat DDR die Kulisse des Schlosses nutzte, um sich mit „königlichem“ Prunk zu schmücken. So war das Schloss Amtssitz des (einzigen) DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Dessen Arbeitszimmer hatte trotz für die damalige Zeit moderner Möbel immer noch einen barocken Rahmen. Mit Piecks Tod 1960 wurde das Präsidentenamt jedoch abgeschafft.

Im Nationalsozialismus hatte das Schloss schon einmal als Ausstellungsort gedient. Zudem wurde es als Lager für Werke genutzt, die als „entartete
Kunst“ galten. Im neuen Mueumsschloss werden hingegen Bilder aus dem Besitz der Familie zu Dohna gezeigt, die aus dem ostpreußischen Schloss
Schlobitten gerettet wurden. Damit schließt sich ein Kreis: Eine gewisse Gräfin Sophie zu Dohna-Schlobitten hatte das Rittergut Niederschönhausen, 1664 in ein Herrenhaus umbauen lassen. Und aus eben diesem Herrenhaus ist später das Schloss Schönhausen geworden.

Der erste Tag als Museumsschloss - mit Puderzucker!

Eine Schlossbewohnerin hat es jedoch zu größerer Berühmtheit gebracht: Elisabeth Christine, die Ehefrau des preußischen Königs Friedrich II. Es war keine Liebesheirat, aber es war seinerzeit auch nicht ungewöhnlich, dass das Ehepaar getrennt lebte. Friedrich hatte seiner Frau das Schloss Schönhausen 1740 geschenkt, und Elisabeth Christine sollte dort 57 Sommer verbringen. Das Außengelände ließ sie in einen Barockgarten umgestalten, und nachdem im Krieg Teile des Schlosses zerstört wurden, wurde Schönhausen 1764 wiederaufgebaut. Die heutige äußere Form des Schlosses stammt aus dieser Zeit. Friedrich II. selbst soll seine Frau niemals im Schloss besucht haben. Im Gegensatz zum Schloss ist vom Barockgarten nichts geblieben: dieser ist von Peter Joseph Lenné 1829 in den englischen Landschaftspark umgewandelt worden, als den wir den Schlosspark heute noch kennen. Wegen der Nutzung als Präsidentensitz wurde zu DDR-Zeiten von Reinhold Lingner ein Garten angelegt. Noch heute ist dieser Garten von einer den Schlosspark und eine Sichtachse teilenden Mauer umgeben. Da auch dieser architektonische Garten ein besonderes Denkmal darstellt, wird dieser wieder in den Originalzustand zurückversetzt.

Über das Leben der einsamen Königin, Elisabeth Christine, gibt es im Schloss einige Museumsexponate. Der Rokokosaal selbst ist sogar mit seiner Innenausstattung ein für das heutige Berliner Stadtgebiet einzigartiges Baudenkmal.

Monarchen, Arbeiterführer und Staatsgäste: die vielen Räume, Bilder und Relikte, die die unterschiedlichen Bewohner im Laufe der Jahrhunderte
hinterlassen haben, sind Grund genug, sich dieses bedeutende Museumsschloss am Ufer der Panke einmal (wieder) anzusehen.

Mehr Infos:

www.spsg.de

Erster Schnee an der Panke

In Uncategorized on 18. Dezember 2009 at 6:42

War’s früher schöner?

In Uncategorized on 18. Dezember 2009 at 6:33

Neulich im Stadtteilzentrum Pankow bei der Weihnachtsfeier von panke.info: Der Kneipier vom „Offside Wedding“ Lars Pechmann zeigt historische und aktuelle Fotos anhand eines Beamers. Er „führt“ die Besucher, die den warmen Raum nicht verlassen müssen, vom Humboldthain über den Bahnhof Gesundbrunnen mitten hinein in die Kieze des östlichen Weddings. Dabei werden räumliche und geschichtliche Zusammenhänge deutlich, die der Hobby-Heimatkundler sehr lebendig in eine Form zu packen weiß: der von ihm als Stilmittel eingesetzte ständige Vergleich von alten Fotos mit den heutigen Ansichten hat seinen ganz eigenen Reiz. Klar, man kennt viele der historischen Postkarten aus der „guten alten Zeit“. Doch wenn man sofort das heutige Bild dazu geliefert bekommt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Bild ganzer Straßenzüge in Gesundbrunnen arg ramponiert ist. Nicht (nur) aus sozialen Gründen, sondern besonders wegen der Zerstörung im Krieg (Himmelfahrtskirche) und nach dem Krieg (Kahlschlagsanierung). Ganz abgesehen von alten Glanzzeiten von Hertha BSC am alten Standort an der Plumpe, was Lars durch einen kurzen Strip untermalt – er trägt ein Hertha-Fanshirt mit der Aufschrift „Plumpe“. Wären sie heute doch noch an der Plumpe, mag man da einwerfen, wer weiß, vielleicht würden sie dann an alte glorreichere Zeiten anknüpfen?

Bei Interesse organisiert der Verein panke.info e.V. weitere Diavorträge mit Lars Pechmann. Auch in Lars’ Bar „Offside Wedding“ in der Jülicher Straße 4 gibt es in unregelmäßigen Abständen weitere Vorträge.

Nicht irgendein Projekt: Panke 2015

In Uncategorized on 3. Dezember 2009 at 7:22

Nur wegen des guten Caterings war sicher niemand gekommen. Rohkost in Dips zu tunken, ist die eine Sache. Aber wenn man in einigen Jahren auch die Füße in eine saubere Panke stecken könnte? Am Abend des 24.11.2009 stand nämlich die naturnahe Gestaltung dieses Flusses im Mittelpunkt des Interesses.

Für den 4. „Tag der Panke“ bot der Ratssaal des Rathauses Pankow erneut den Rahmen. Neben den zahlreichen Experten sind diesmal auch viele Bürger gekommen, um sich über die unmittelbar bevorstehenden Baumaßnahmen zu informieren. Diese einzubinden, ist ein wichtiges Ziel dieser Veranstaltung. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU fordert eben nicht nur den guten ökologischen Zustand der Gewässer, sondern auch eine angemessene Einbindung der Öffentlichkeit.

An diesem Abend wurde die Chance genutzt, die vorhandene Basis der Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Verbänden, Vereinen und den Behörden auszubauen. Nur im Einvernehmen mit den engagierten Anwohnern können die vielfältigen Aufgaben, die sich bei der Panke stellen, gelöst werden. Dabei sollen die Bürger auch in die Lage versetzt werden, Eigenverantwortung für ihren Fluss zu übernehmen. „Das Ökosystem Panke soll auch nach Abschluss der Bauarbeiten bewahrt werden“, sagt Ralf Hertsch von panke.info e.V. „Es gibt noch viele Unwägbarkeiten, wie der Vermüllung entgegengewirkt werden kann, wenn sich die Fließgeschwindigkeit der Panke verlangsamt“, meint er. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird es – anders als heute – notwendig sein, Bachpatenschaften zu übernehmen und den naturnahen Fluss im städtischen Umfeld zu begleiten. Die Beobachtung der umgestalteten Panke durch die Bevölkerung und eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden sollte für die Anwohner Ehrensache sein.

Auch die „Berliner Morgenpost“ und die „Welt“ fassen die Revolution, die da von der Senatsumweltverwaltung und dem brandenburgischen Äquivalent geplant wird, in einem sehr umfassenden Artikel treffend zusammen:

„Wie die Panke zum Ökoparadies werden soll

Montag, 30. November 2009   – Von Uta Keseling

„Stinkepanke“ wurde sie im 19. Jahrhundert getauft, als Industrie und die schnell wachsenden Wohnviertel aus dem Fluss eine Kloake machten. Und auch heute noch ist die Panke nur ein trübes Rinnsaal. Doch Berlin hat große Pläne mit dem geschichtsträchtigen Gewässer.
Zukunftsvision der Panke-Planer: ein kleines Ökoidyll für Mensch und Natur östlich des Schlossparks Pankow
Foto: Simulation SenGesUmV
Zukunftsvision der Panke-Planer: ein kleines Ökoidyll für Mensch und Natur östlich des Schlossparks Pankow

Im Grunde ist es ein Wunder, dass sie noch da ist. Die Panke, Berlins Drittfluss neben Spree und Havel, hat über die Jahrhunderte viel zu leiden gehabt. Zwar ist er Namensgeber des heute einwohnerreichsten Bezirks der Hauptstadt, Pankow, doch schon seit Jahrhunderten beklagen die Berliner seine Abwesenheit.

Schon 1704 war der Flusslauf von Pankow-Schönhausen bis zum heutigen Humboldthafen kanalisiert worden – weil Königin Sophie Charlotte zwischen den Schlössern Schönhausen, Monbijou, Charlottenburg und Berlin Kahnfahrten unternehmen wollte – ohne lästige Kurven. 150 Jahre später meckerte der Berliner „Telegraf“ über die Panke: „Ihr ehemals anmutiges Tal wurde förmlich mit hässlichen Mietskasernen zugedeckt. Von der Natur blieb nichts mehr übrig.“
Panke

Berühmt ist die Panke heute vor allem wegen der legendären Beschimpfungen. „Stinkepanke“ wurde sie im 19. Jahrhundert getauft, als Industrie und die schnell wachsenden Wohnviertel aus dem Fluss eine Kloake machten. In den 1920er-Jahren lästerte die Sängerin Claire Waldorff: „Und steh’ am Ufer ick der Panke/ möchte jleich ick wieder Leine ziehn/ ei dem Jestanke/ na, ick danke!“ 1927 wurde das Baden im Pankower Bürgerpark verboten, aus hygienischen Gründen.
Natur statt „Stinkepanke“

Und jetzt sollen Fische hier wohnen? Libellen, Eisvögel, Fischotter und Biber? So sieht es der Plan vor, den die Senatsumweltverwaltung jetzt vorgestellt hat. Seit 2003 haben Experten erforscht, wie aus der Stinkepanke wieder Natur werden kann, die, zu 80 Prozent verrohrt und wegbetoniert, von Bernau über 29 Kilometer nach Berlin-Mitte fließt. Im Wedding warnt ein Schild vor dem Fluss: „Betreten verboten! Lebensgefahr!“. Darunter steht die Panke still und stinkend in ihrem Schacht. Zwar ist der Fluss heute nicht mehr vergiftet, baden würde trotzdem niemand darin. Ein Ökoparadies sieht anders aus.

„Ob Otter je im Wedding heimisch werden, ist natürlich die Frage“, sagt die Panke-Expertin Andrea Wolter. Selbst sie muss bei dem Gedanken lächeln. Auf ihrem Bildschirm in der Senatsumweltverwaltung plätschert unverdrossen ein virtuelles Rinnsaal unter grünen Bäumen dahin: Zukunftsmusik. Andrea Wolter ist überzeugt, dass die Panke bald wirklich wieder zum Lebensraum wird, zumindest für Muscheln, Fische und Insekten. „Und am Nordrand Berlins gibt es Eisvögel und Otter heute schon“, sagt die Sprecherin des ehrgeizigen Projekts „Panke 2015″. Wolter und ihre Kollegen werben zurzeit mit Veranstaltungen und einer Broschüre dafür.

Sogar ein Computerspiel gibt es: „Gerade war gestern“ (im Internet) richtet sich an „Menschen ab 10 Jahren“. Vor allem Schüler sollen erfahren, warum die Renaturierung der Gewässer dringend notwendig ist und wie das in einer dicht bewohnten Großstadt wie Berlin funktionieren kann. Kernstück des Projektes „Panke 2015″ ist das monumentale „Maßnahmenpaket“ von 300 Seiten, das aussieht, als solle es mindestens einer globalen Katastrophe Einhalt bieten. Erarbeitet wurde das so umfangreiche Konzept von April 2008 bis März 2009.

Den Anstoß, ein besonderes Augenmerk auf die Sauberkeit auch von Berlins Gewässern zu legen, hat die so genannte Wasserrahmenrichtlinie der EU gegeben, die bereits im Dezember 2000 in Kraft trat. Diese gibt jedoch natürlich nur den Rahmen vor, wie in Europa die Wasserressourcen verbessert und dauerhaft gesichert werden sollen. „Panke 2015″ ist das erste gemeinsame Projekt der Länder Berlin und Brandenburg zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Die Weltrettung an der Panke beginnt ganz unten und im ganz Kleinen. Mit Schlammfliegenlarven und Grundwanzen. Mit Erlen-Anpflanzungen, neuen Sand- und Kiesbänken. Wehre müssten aufgehoben und der Panke streckenweise ein neues Bett bereitet werden. „Rauschen“ sollen entstehen, wie die Ökologen lyrisch jene Stellen mit Gefälle nennen, an denen Forelle und Bachneunauge wohnen könnten. Und irgendwann wären dann auch die Familien Otter und Biber wieder da. Es klingt fast, als müssen die Stadt wieder abgerissen werden, um die Panke zu befreien.

Um zu erklären, wie es anders gehen kann, luden die Panke-Planer jüngst zum 4. „Tag der Panke“ ins Rathaus Pankow. Der Saal war voll, 150 Neugierige kamen. Naturschützer, Bauherren, vor allem aber Anwohner, die begierig waren zu hören, wann, wie und wo „ihr“ Fluss endlich wieder auftaucht. Die Experten brachten Bilder und Tabellen und digitale Visionen mit und erzählten die Geschichte der Panke in Kapiteln. Von der Eiszeit bis übermorgen. Flüsse transportieren ja seit jeher mehr als nur Wasser. Und die Panke transportiert, wenn man so will, eindeutig mehr Geschichte, als sie Wasser haben wird.
Der Lauf des versteckten Flusses

Dass die Panke darüber hinaus eine Berlinerin sein muss, leuchtet ein. Allein schon deshalb, weil das Rinnsaal gar keine Quelle hat, dafür aber gleich zwei Mündungen. „Am Schiffbauerdamm zwee fließt die Panke in die Spree“, reimt der Volkmund bis heute, auch wenn sie seit 1956 in Rohren zum Nordhafen fließt, wo sie heute offiziell mündet. Die „Südpanke“ führt nur noch Regenwasser, manchmal.

Die Panke, doppelmündig und großspurig: Auch ihr Name ist ganz nach Berliner Art. Das slawische Wort bedeutet „strudelnder Fluss“. Das mag ihren Anfängen geschuldet sein, als vor ungefähr 12.000 Jahren mit dem Raunen der Eiszeit eine Schmelzwasserrinnsaal Richtung „Berlin“ floss. Bis heute liegen immerhin 40 Höhenmeter Unterschied zwischen Anfang und Ende des Flusses.

Heute sammelt sich die Panke in den sumpfigen Wiesen bei Bernau im schönen Naturpark Barnim. Auf dem ausgeschilderten Pankeweg lässt sich per Rad oder zu Fuß das Flüsschen bewundern, wie es sein soll. Murmelnd, fließend, begrünt und bewohnt von Fischen und, ja, wohl auch Ottern. Beim Eintritt in die Großstadt wird das Berlingefühl intensiver. Zunächst streift die Panke den Schlosspark Buch, der mit zwei schweigenden Teichen und einem gewundenen Bachlauf aufwartet – und mit buckeligen Teerwegen, verwachsenen Wiesen und beschmierten Parkbänken. Schloss gibt es auch keins. Wiederholung im Kleinen: In Buch ließ die DDR, wie auch in Mitte, nach dem Krieg die Schlossruine schleifen.

Doch das allein macht nicht hässlich. Schon Fontane empörte sich über den Park: „Alles Bunte fehlt. Die Rüsternalleen, die sich wie Kirchenschiffe wölben, erscheinen nicht wie Weg und Steg in die freie Natur hinaus, sondern wie Gitter und Spaliere gegen dieselbe. Dieser Park hat zu lachen verlernt!“ Der Maßnahmenkatalog sieht hier ein neues Lächeln vor. Die Panke soll wieder richtig mäandern, statt sich nur lieblich zu schlängeln.
Ein kleines Paradies östlich des Parks

Im Prinzip ist es möglich, der Panke bis ins Herz der Hauptstadt zu folgen. Allerdings verschwindet sie unterwegs unter der Autobahn, sammelt sich in unromantischen Becken, Fischteichen und Wehren. Am Verteilerbauwerk am Nordgraben soll das Wehr aufgehoben und durch eine ökologisch durchgängige Anlage ersetzt werden – damit nicht nur der Mensch, sondern auch der Fisch wandern kann. Nach Pankow zum Beispiel, wo das Flüsschen einen weiteren Schlosspark (diesmal mit Schloss) quert: Schönhausen. Auch ist das Wasser hübsch langweilig befestigt und befriedet. Eine Computeranimation der Panke-Planer zeigt ein kleines Paradies östlich des Parks: An einem Wasser-Betonschacht plant ein Bauherr neue Häuser und angrenzend ein Ökoidyll, das Mensch und Natur gleichermaßen aus ihren betongewordenen Zwängen befreit.

Weiter geht es über den Pankower Bürgerpark in jenen Bezirk, in dem man glauben will, dass Berlin groß und schmutzig und böse ist: Wedding. Zwischen Wohnhausgebirgen soll aus der vermüllten Panke und einer schnöden Wiese eine grüne Aue werden: das „Franzosenbecken“ nahe der Stockholmer Straße, ein Hochwasser-Überlauf, könnte zur Freizeitlandschaft werden, mit Bach und Wegen, Stegen und Bäumen.
14,6 Millionen für Projektierung

Wer an der Panke wandert, stößt überall auf Geschichte. Wie die Stelle, wo der Fluss bis 1989 die Mauer unterquerte. Ein Gitter verhinderte, dass mit der Panke Republikflüchtlinge in den Westen schwammen. Heute geht hier nur noch ebenso rot-romantisch wie erinnerungslos die Sonne unter. An einigen Stellen hat die Zukunft schon begonnen, wie an der „Südpanke“, die nahe der Chausseestraße durch einen kleinen Park fließt. Wenn dieser auch eigentlich nicht zum Projekt Panke „2015″ gehört, das als Pilotprojekt gilt, was den Planungsaufwand erklärt. 14,6 Millionen Euro sind allein dafür veranschlagt, die Wiedergeburt der Panke konkret zu projektieren. Zurzeit berät darüber das Abgeordnetenhaus, die Ergebnisse der Haushaltsberatungen werden für den Dezember erwartet.

Und sollte die Panke 2015 tatsächlich wieder neu sein, so die Planer, dann haben sie noch einen Wunsch: Es soll es „Panke-Pflegehandbuch“ geben. Damit Berlins Drittfluss nie wieder zur Stinkepanke wird und dann einfach verschwindet.“ (Berliner Morgenpost, 30.11.2009)

Mit den Uferhallen setzt sich Kultur dauerhaft fest

In Uncategorized on 3. Dezember 2009 at 6:24

Wer hätte das gedacht? Noch vor einigen Jahren waren die ehemaligen BVG-Zentralwerkstätten an der Uferstraße allenfalls ein Ort, wo alte Doppeldecker herumstanden.

Mit dem Einzug der „Uferhallen“ ist aber etwas Dauerhaftes entstanden. Spätestens seit der TanzNachtBerlin am ersten Dezemberwochenende ist dieser neue Kulturstandort im Bewusstsein angekommen. Und es sieht nicht danach aus, als ob es sich nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt.

Mehr zu diesem Thema könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Auch die Zeitungen entdecken allmählich, was sich da in den schönen alten BVG-Hallen tut. Es ist dort kein Sammelbecken verzweifelter Künstler entstanden, sondern vielmehr ein wirklicher Kristallisationspunkt verschiedenster kultureller Initiativen:

- Der Tagesspiegel entdeckt das Bildhaueratelier, in dem Skulpturen für das Stadtschloss entstehen

Was so alles im Laub herumkrabbelt

In Uncategorized on 14. November 2009 at 9:20

0-P-091107-AhornblattDie Luft ist feucht und schwer, die letzten tapferen Blätter segeln von den Bäumen, und als Mensch hat es man es schwer, nicht depressiv zu werden, wenn die Dunkelheit immer früher hereinbricht. Also werden die wenigen hellen Stunden für Aktivitäten draußen genutzt. Ein Novembersamstag, im Bürgerpark: Studierende der FH Eberswalde bieten eine Naturführung an. Diese richtet sich in erster Linie an Kinder, aber als begleitender Vater hat man auch seinen Spaß daran, Blätter zu sammeln und zu bestimmen. Am Ende wird ein großer Haufen Laub und Erde auf einem Tisch im Stadtteilzentrum Pankow ausgebreitet. Jetzt wird es erst richtig interessant: man muss nur einige Minuten warten, da kommt Bewegung in die Sache: an allen Ecken des Laubvs kribbelt und krabbelt es, die Kinder kommen mit dem Einfangen und Untersuchen der Tiere gar nicht mehr hinterher. Käfer, Asseln, Regenwürmer, Fadenwürmer, Spinnen und anderes Getier wohnen in der Erde und zersetzen das Laub. Annika Haß, eine der beiden Tourenleiterinnen, erklärt, wie wichtig diese Tiere sind, damit wir nicht in Laubbergen ersticken.Hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist, in einem einfachen Haufen Herbstlaub so viel Leben zu entdecken. Die Novemberdepression kann angesichts all dieses Gewimmels jedenfalls zu Hause bleiben!

Nächstes Jahr gibt es weitere Naturführungen; für Termine am besten anmelden für den Newsletter auf http://panke.info

LaubuntersuchungBestimmungstafel,

Fotostrecke: Herbst an der Panke

In Uncategorized on 8. November 2009 at 12:20

Mammutbäume südlich der Kühnemannstraße

An der Panke Anfang NovemberAn der Tresorfabrik südlich der Osloer Straße

Wollankstraße, Einheit in Baustelle

In Uncategorized on 27. Oktober 2009 at 7:30

Die Wollankstraße hat zwanzig Jahre nach dem Mauerfall gebraucht, um endlich Wedding und Pankow zu vereinen: und zwar im Stau. Ein neuer Straßenbelag und neue Bürgersteige können jetzt kurzfristig, dem Konjunkturpaket sei Dank, auf der Pankower Seite erneuert werden. Chaos und Stau sind die Folge. Immerhin: den Tag der offenen Tür im BVG-Busbetriebshof kann man sich jetzt sparen. Auf der Wollankstraße stehen die Kleinen und Großen Gelben einträchtig und wie auf einer Perlenkette aneinandergereiht im Dauerstau. Da ist man zu Fuß schneller, sogar zwischen den Absperrgeländern und Sandhaufen der Baustelle. Und es bleibt mehr Zeit, über diese Hauptschlagader des Pankower Verkehrs nachzudenken, die noch vor zwanzig Jahren auf beiden Seiten eine absurde Sackgasse darstellte.

Fünf vor zwölf - der M 27 an der WollankstraßeNachtrag: die BVG reagiert ausgerechnet ab dem 9.11.(!)09 mit einer sehr kreativen Maßnahme: wie bis 1989 enden die Busse einfach vor der alten Sektorengrenze:

Pressemitteilung der BVG

Änderung der Buslinie M27 aufgrund von Straßenbauarbeiten

Aufgrund der Straßenbauarbeiten in der Wollankstraße und der Berliner Straße im Bezirk Pankow kommt es täglich zu großen Staubildungen in der Wollankstraße und den angrenzenden Straßen. Besonders davon betroffen ist die Buslinie M27 (S+U Jungfernheide <> S+ U Pankow), die erhebliche Verspätungen verzeichnet. Um eine Stabilisierung der Linie im nicht von den Baurarbeiten betroffenen Bereich zu erreichen, wird ab Montag, den 09.11.2009, folgende Maßnahme umgesetzt:

Die Linie M27 verkehrt ab dem 09.11.2009, montags-freitags von 07:11 Uhr bis 18:50 Uhr, (Abfahrtzeiten S+U Jungfernheide) nur bis zum S Wollankstraße.

Die Linie fährt von der Prinzenallee kommend über Soldiner Straße – Koloniestaße – Kühnemannstraße – Nordbahnstraße zur neu eingerichteten Haltestelle Nordbahnstraße vor Wollankstraße

Die Linie hält auf dem Umleitungsweg an folgenden Haltestellen der Linie 255:

* Prinzenallee / Soldiner Straße
* Soldiner Straße / Koloniestraße
* S Wollankstraße

Die Fahrten der Linie M27 vom S Wollankstraße zum S+U Jungfernheide verlaufen auf der planmäßigen Linienführung. Fahrgästen in Richtung S+U Pankow empfehlen wir, in die Linie 255 umzusteigen.

An allen betroffenen Haltestellen werden entsprechende Fahrgastinformationen veröffentlicht. Außerdem wird das Fahrpersonal an den betroffenen Punkten gesonderte Durchsagen machen.

Café Mirabelle: An der Grenze…

In Uncategorized on 27. Oktober 2009 at 7:22

An der Grenze zwischen Wedding und Pankow, am ehemaligen und noch immer sichtbaren Mauerstreifen, zwischen dem gutbürgerlichen Viertel am Park und einem der sozial schwächsten Kieze Berlins, versucht eine Gastronomin ein Familienrestaurant zu etablieren.

Großzügig an der Ecke gelegen....Das Restaurant Mirabelle hat gerade um die Mittagszeit geöffnet, da steckt eine Dame schon den Kopf durch die Tür: „Ich bin die 14 Personen“, ruft sie, „auch wenn es nicht so aussieht.“ Ingrid Kotthorst hat das Restaurant für ihre Wandergruppe junger Senioren als Zwischenstopp auf ihrer Panke-Wanderung fest eingeplant. „Ich laufe die Strecken immer schon vorher ab und habe dabei das Café entdeckt“, sagt die Mariendorferin. Derweil haben es sich die Wanderer an der langen Tafel im hinteren Bereich der „Mirabelle“ gemütlich gemacht.

„Ich habe mich inzwischen in die Räumlichkeiten verliebt“, sagt Jeannette Sonderhoff, die die „Mirabelle“ betreibt. Die 40-jährige Pankowerin bezeichnet sich als „Berlinerin in der dritten Generation“. Das soll man auch der Küche anmerken, findet Jeannette Sonderhoff. Dort finden sich alte Berliner Rezepte, neu aufbereitet, ebenso wie mediterrane Gerichte. Ein Tagesgericht inklusive Espresso gibt es neuerdings wochentags auch zum Festpreis von 5,50 €. Zum Kaffee aus einer italienischen Kaffeemaschine gibt es nur hausgebackene Kuchen.

Ursprünglich hat Jeannette Sonderhoff im Februar 2007 im Nachbarhaus angefangen. „Den Namen Mirabelle habe ich innerhalb weniger Stunden finden müssen, und da habe ich mich einfach auf meine Tochter Mira bezogen“, sagt die Gastronomin. Aus der ursprünglichen Idee eines Familiencafés hat sich beim Umzug in das benachbarte größere Ecklokal etwas Neues entwickelt:

...und ganz gemütlich von innen„Das hier ist heute ein gediegenes, offenes Familienrestaurant“, charakterisiert Jeannette Sonderhoff ihre Gaststätte. „Ein Zwanzigjähriger fühlt sich hier genau so wohl wie es meinen Eltern gefallen würde“, sagt sie und meint damit nicht nur den mit viel Liebe zum Detail gestalteten Gastraum. „Allein  mit zwanzig Wandfarben haben wir experimentiert“, erinnert sich Jeannette Sonderhoff – bis der heutige warme Farbton gefunden war, der das gemütliche Ambiente ausmacht. Dazu gehört für die Betreiberin auch die Klangkulisse: dass man in der „Mirabelle“ kein Radiogedudel hört, sondern eine sorgsam ausgewählte Musikmischung aus Jazz, Soul, 1950er-Jahre-Musik, ist daher kein Zufall. Überhaupt wird Wert auf Kommunikation gelegt: „Die Leute sollen mich und meine Kollegen gerne ansprechen“, beschreibt Jeannette Sonderhoff ihr Verständnis von Gastfreundlichkeit: „Man kann und man soll ruhig fragen!“

Das Restaurant liegt günstig an der Grenze zwischen Wedding und Pankow am Rand des Bürgerparks. Von innen und auch von der Terrasse aus genießt man einen Panoramablick auf ein grünes Rückhaltebecken und die Ausläufer des Parks. Doch diese Lage allein ist kein Garant für erfolgreiche Gastronomie. Dass schon einige Vorgänger an diesem Standort gescheitert sind, schreckt die Pankower Gastronomin nicht ab. „Hier kommen keine Busladungen mit Touristen und wenig Laufkundschaft“, weiß Jeannette Sonderhoff aus eigener Erfahrung. „Statt dessen muss man Beständigkeit an Qualität und Vielfalt bieten.“ Dann, davon ist sie überzeugt, wenn die Gäste an diesem Ort angeregt werden, kommen sie wieder und schätzen die warme Atmosphäre dieses Ortes jedes Mal aufs Neue.

Die Wandergruppe ist jedenfalls froh, auf halber Strecke eingekehrt zu sein. An der langen Tafel wird sicher noch lange geplaudert und gelacht.

Geöffnet Mo-Fr ab 12.00, Sa/So ab 10.00 Uhr. Sonntags Brunch. Reservierung empfohlen.

Internet: www.cafe-mirabelle.com


An einem Sonntag in Pankow

In Uncategorized on 20. Oktober 2009 at 8:25

Es ist noch nicht zu spät

0-PT-090918-Suedpanke002Als wir vier Minuten zu spät am Pankower Garbaty-Platz eintreffen, steht schon eine kleine Gruppe von Interessierten um Martin Riewestahl. Der wortgewandte Stadtführer mit Hut, der uns an diesem  Sonntag seinen Heimatkiez vorstellt, erklärt gerade von den jahrzehntelangen krampfhaften  Bemühungen um eine Verschönerung des Vorplatzes vom S-Bahnhof Pankow. Potenzial wäre da, sicherlich, alleine mit der Umsetzung tut man sich schwer.
Einige Meter weiter dasselbe Bild: Aus den Wandabsätzen einer ehemaligen Zigarettenfabrik von beeindruckender Größe wachsen Bäume und verdecken eingeworfene Fensterscheiben und abgebröckelten Putz. Die vergoldeten Fassaden-Einlagen, die uns Martin auf alten Postkarten zeigt, erzählen von einer Zeit, als der Fabrikbesitzer Garbaty über 500 Menschen beschäftigte und ihnen Sozialprogramme bot, die ihrer Zeit weit voraus waren. Kurz nach der Wende – das in der DDR zum VEB Berliner Zigarettenfabriken verstaatlichte Unternehmen war bereits an die US-amerikanische Reynolds-Gruppe verkauft worden – künden die  Kamele der Camel-Zigarettenmarke von der Durststrecke, die vor der gewaltigen Industriebrache liegen würde. Auch hier gab es bereits viele Ideen für eine Nachnutzung, alleine die Umsetzung…

Pankower –  fast von Geburt an

Weit besser stellt sich die Situation für das gleich um die Ecke gelegene Krankenhaus Mariä Heimsuchung dar. Schon zu „Ost-Zeiten“ hatte die Klinik einen hervorragenden Ruf als Geburtsklinik und trotz sinkender Geburtenrate konnte die Entbindungsquote bis heute kontinuierlich gesteigert werden. Als er erzählt, dass er selbst – der Ur-Pankower – in Kaulsdorf zur Welt kam, wirkt Martin fast etwas beleidigt. Gerade diese emotionalen Erinnerungen an seine Kindheit, machen den Rundgang mit dem 28-jährigen „Stadtbilderklärer“ (so nannte man die Touristen-Führer in der DDR) zu einem besonderen Erlebnis. Gekonnt spannt er den Bogen von der Kindheit im Arbeiter- und Bauernstaat zu den Chancen und Herausforderungen der Neuzeit. Schöne Erinnerungen mischen sich mit kritischem Rückblick: Der Balkon der Freundin mit Ausblick auf den FKK-Bereich des Pankower Freibads; dem Ort, in dem er bereits als kleines Kind im Sportleistungsprogramm seine Schwimmausbildung absolvieren durfte – musste. Dass nach der Wende der Pankower Polizei das Freibad kostenfrei als Betriebssportgelände zur Verfügung gestellt wurde, um Besucherkonflikten zwischen Alt-Eingesessenen und „West-Besuchern“ elegant die Spannung zu nehmen, solche Anekdoten liest man sich nicht an, die hat man miterlebt. Sie sind Leitlinie und Schwungrad für die vielen Fakten, die Martin selbstverständlich auch beherrscht – die aber nie trocken runtergeleiert werden. „Ich bin Perfektionist, leider“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Heimatkunde ist sein Hobby und wenn doch eine Frage unbeantwortet bleibt, so spürt man, dass dies nur einen Ansporn für weitere Recherchen darstellt.

Keine Tour für Busladungen von Touristen

Der durch die Panke stakende Graureiher im Park neben dem Schloss ist eben keine Attraktion für eilige Bus-Reisegruppen. Ob die erwarteten Besuchermassen des Niederschönhausener Schlosses für detaillierte Einblicke in den Mini-Kosmos „Kiez“ zu begeistern sind, bleibt abzuwarten. Werden sie erfahren, dass der verfallende Betonklotz auf dem geplanten Busparkplatz einst Teil des Staats-Gästehauses der DDR war, und zudem ein einmaliges Beispiel für Stahlbeton-Architektur darstellt? Vermutlich wird solchen „Nebensächlichkeiten“ zwischen touristischen Highlights wie Schlosspark und Majakowski-Ring – ehemals abgeriegelte „heile Welt“ der Bonzen und Mächtigen der Ost-Berliner Republik – nur wenig Platz eingeräumt werden. Andererseits macht gerade das den Reiz der zweistündigen Tour aus – sie macht aufmerksam auf das Besondere im Unscheinbaren. Spaziergänge kann man nicht mit dem Bus machen, und einen Martin mit Mikrofon mag man sich auch nicht so richtig vorstellen. Denn ob er dann zum Abschluss noch zum Kaffee ins versteckt gelegene Frühstückslokal mitkäme….

Wer erfahren möchte wie die Florastrasse zu ihrem blumigen Namen kam, wo sich in Pankow die vier Temperamente auf engstem Raum wieder finden und warum Lotte Ulbricht ihr Haus verlassen musste: panke.info bietet regelmäßig Stadtführungen in den Kiezen rechts und links des letzten Nebenflusses der Spree an.

Autor: Marcus Bauer

Ja, auch die S-Bahn-Kunden sind lernfähig!

In Uncategorized on 18. September 2009 at 11:48
Leere Versprechen, volle Züge?

Leere Versprechen, volle Züge?

Nach Monaten, ja Jahren, in denen wir schon ein S-Bahn-System erlebt haben, das 1936 einmal als modern galt, den Zweiten Weltkrieg ohne größere Blessuren, diverse Streiks und sogar einen Boykott überstanden hat, kommen endlich auch einmal wir Kunden zum Zuge. Na gut, vielleicht weniger zum Zug, weil der ja eher nicht kommt. Jedenfalls ist uns endlich klar geworden, dass der Sinn der S-Bahn nicht darin besteht, Leute möglichst zuverlässig von A nach B zu befördern, sondern – wieso sollte es ausgerechnet bei der S-Bahn anders sein? – Geld zu verdienen. Geld für einen Konzern, der – ja Moment, der eigentlich noch dem Staat, also uns allen, gehört. Also, wie auch immer, auch wir S-Bahn-Kunden lernen, mit unserem Geld besser umzugehen, ja vielleicht sogar am Ende mehr Geld übrig zu haben.

Ich fahre seit Juni mit dem Rad zur Arbeit. Anfangs noch freiwillig, weil ich gerne im Sommer Fahrrad fahre. Damals, es scheint schon so lange her zu sein, fuhr die S-Bahn schneller als ich mit dem Rad fahren konnte. Es klingt drollig, aber es fuhren sogar alle paar Minuten Bahnen, und man musste sogar noch mit Geld bezahlen, denn damals gab es noch Fahrkartenkontrollen n den S-Bahnen. Die Kontrolleure konnten sogar noch durch die Wagen gehen und jeden Fahrschein kontrollieren!

Es gibt sogar noch ein paar Leute, die haben ihre Fahrkarten im voraus bezahlt. Manche für eine Woche, ein paar sogar für den ganzen Monat, und, halten Sie sich fest, einige sogar für ein ganzes Jahr! Als ob man schon ein ganzes Jahr im voraus wüsste, ob man mit der S-Bahn durch die Stadt kommt…Einige ganz Verwegene haben ihr Abonnement sogar bei der S-Bahn-Berlin abgeschlossen, ebenso wie man ja auch sein Geld an der Börse verlieren kann.

Allerdings könnten nun all diese Leute ein wenig verschnupft reagieren, weil ja die S-Bahn nun nicht mehr so zuverlässig ist. Aber da sie ja von der S-Bahn gelernt haben, wie man Geld spart, könnten all diese wagemutigen Menschen ihr Abonnement bei der S-Bahn kündigen und, wenn sie meinen, weiterhin ein Abonnement zu benötigen, dieses bei einem anderen Verkehrsunternehmen (z.B. BVG) abschließen.

Laut Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg würden sie damit keinen Cent sparen. Aber ihr Geld würde dann vollständig dem anderen Verkehrsunternehmen zufließen. Und die S-Bahn würde nur einen geringfügigen Ausgleich für die entgangenen Einnahmen erhalten. Was dann, geldtechnisch gesehen, ganz schön gemein von diesen Leuten wäre.

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Schiff ahoi in Pankow

In Uncategorized on 6. September 2009 at 5:23
Foto: Frank Behrendt

Foto: Frank Behrendt

Die Brückengeländer an der Ossietzkystraße waren belagert mit Zuschauern, und an der Treppe zur Panke hinunter standen die Bootseigentümer und warteten auf die Startfreigabe: panke.info e.V. hatte zur ersten Panke-Regatta mit Papierbooten und Holzflößen eingeladen. Am Nachmittag des 5.9.09 waren viele Familien zur Besichtigung des Schlosses Schönhausen unterwegs und waren auf ein solch feucht-maritimes Vergnügen nicht eingestellt. Doch die Kinder zogen ihre Eltern zum Stand von panke.info, wo schon eifrig gebastelt und gefaltet wurde.

„Es war manchmal zu wenig Zeit für den eigentlichen Floßbau“, fand Ralf Hertsch, der die Kinder beim Sägen und Bohren unterstützte. Es hatten sich im Laufe des Nachmittags immer mehr Teilnehmer für die Regatta angemeldet, die dann kurzfristig auch mit Papierschiffen antreten konnten. „Ich weiß gar nicht mehr, wie man die faltet…“, stöhnte ein Vater – doch für diesen Fall war eine Faltanleitung ausgelegt. So konnten die Kinder bunte Schiffe falten und sich die Eltern an ihre Kindheit erinnern.

Sören Marotz moderierte die Durchläufe, und unterzog die Teilnehmerboote erst einmal einer technischen Abnahme. „Für die Dopingkontrolle muss ich erfahren, was die Regattateilnehmer gefrühstückt haben“, meinte Marotz mit strengem Blick – und brachte manchen erwachsenen Teilnehmer in Verlegenheit, der nicht mehr wusste, was sich in seinem Morgenmüsli befunden hatte.

In der Panke

Foto: Frank Behrendt

Dann ging es aber endlich die Treppe hinunter, und die Boote wurden in Position gebracht. Sören Marotz gab mit einem zu einem Megafon umfunktionierten Verkehrskegel den Startschuss. Pankeabwärts, hinter der Straßenbrücke, war die Strömung so stark, dass sich die vier Durchläufe allesamt zu einem spannenden Kopf-an-Kopfrennen entwickelten. Mal gewann ein Papierschiff, mal die teilweise sehr kunstvoll aus Naturmaterialien zusammengesetzten Flöße.

Bei der Siegerehrung musste manchmal auf die Zielfotos zurückgegriffen werden, so unklar war manchmal der genaue Ausgang des Wettbewerbs. Auch CDU-Kandidat Gottfried Ludewig, der in Pankow das Bundestagsmandat gewinnen will, war mit seiner Truppe ebenfalls unter den Teilnehmern, schnitt aber nur mäßig ab.

Doch nicht nur die Regatta stand auf der Tagesordnung. „Eigentlich wollten wir ja zum Schloss Schönhausen,“ sagte eine Spaziergängerin, die am Treffpunkt auf die nächste Stadtführung wartete. Denn nicht nur den meist jugendlichen Teilnehmer, sondern auch den Zaungästen wurde mit zusätzlichen Mini-Stadtführungen etwas geboten. Tourenguide Martin Riewestahl möchte erreichen, dass die Schlossbesucher auch etwas über die Umgebung der Regattastrecke erfahren. Schließlich gibt es über den Schlosspark, das „Städtchen“ am Majakowskiring und auch über unseren Panke-Fluss jede Menge zu erzählen. „Gar nicht so leicht, sich auf zwanzig Minuten zu beschränken“, findet Martin.

So hatten alle Besucher etwas von diesem ungewöhnlichen Erlebnis: ein kindliches Vergnügen, einen informativen Kurzrundgang, oder wie so mancher Helfer – einfach nur nasse Füße.

Robust und wild, gleich hinter Buch….

In Uncategorized on 12. August 2009 at 9:19

Kurz hinter der Berliner Stadtgrenze kann man bei einer Führung über die Rieselfelder in Hobrechtsfelde erleben, wie entscheidend Wasser sein kann. Auch ungewöhnliche Tiere lassen sich dort finden.

Die Teilnehmer der Führung sind teilweise vom Fach: „Ich hab’ ja selbst einen Garten“, sagt eine Dame auf die Frage, woher sie denn wüsste, dass Kiefernnadeln den Boden versauern. Förster Romeo Kappel hat gerade erklärt, dass sich Kiefern auf den Rieselfeldern leichter ansiedeln ließen als andere Baumarten. Dabei hat er selbst als Student in den 80er Jahren viele Bäume in diesem Gelände gepflanzt. Nur ein Drittel der damals gepflanzten Bäume überlebte: „Nachdem 1986 die Verrieselung von Abwässern eingestellt wurde, ist der Grundwasserspiegel stark gesunken“, erklärt Förster Kappel. Nach dem Ende der DDR lag das Gelände der Rieselfelder dann plötzlich in zwei Bundesländern, weshalb zwei Forst- und auch zwei Wasserbehörden zuständig sind. „In den Rieselfeldern war alles darauf ausgelegt, dass das Wasser schnell abfließt“, erklärt der Tourenleiter. Wie also das Gebiet wieder mit Wasser versorgen? „Von den einst täglich angepumpten 150 000 m³ Abwasser werden heute wieder 5000 m³ gereinigtes Abwasser in die Reinigungsteiche in Hobrechtsfelde zurückgeleitet“, erklärt Kappel. Rund um die Teiche ist es daher gelungen, den Grundwasserspiegel zu erhöhen. „Es ist Schicksal, dass dies erst heute wieder gelingt, weil das Absinken des Grundwassers vor zwei Jahrzehnten hätte vermieden werden können“, findet Kappel. Immerhin hat die Wiederbewässerung zu einer vitaleren Vegetation geführt: Wasser bedeutet Anhebung der ökologischen Vielfalt. Das ein zweites Mal gereinigte Wasser hat zwar keine Trinkwasserqualität, kann aber bedenkenlos über den Lietzengraben in die Panke abgeleitet werden. In diesem Zusammenhang weist Förster Kappel auch auf den Bewusstseinswandel hin, demzufolge Flüsse heute nicht mehr nur noch als Wasserableiter gesehen werden.

Ein erhebliches Problem bestand aber auch in der hohen Schadstoffbelastung der Böden. „Ich hätte nicht gedacht, dass Medikamente solche Auswirkungen haben können“, kommentiert ein Teilnehmer die Erläuterungen des Försters. Medikamente, Waschmittel und industrielle Abwässer haben nach der jahrzehntelangen Nutzung als Anbaufläche den Boden der Rieselfelder nachhaltig geschädigt. Um Blei und Cadmium daran zu hindern, ins Trinkwasser zu gelangen, wurde das „Bucher Verfahren“ entwickelt, erklärt Kappel: „Zuerst wurde das Gelände von Hubschraubern aus mit Kalk bestreut. Aus Kostengründen kam man dann aber auf 72000 Tonnen Bodenaushub der Berliner U-Bahn-Bauarbeiten.“ Der kalkhaltige Mergelboden aus Pankow wurde auf 12 Hektar 30 cm dick aufgetragen und anschließend eingefräst. Das Absinken des pH-Wertes konnte so abgepuffert werden.  „Damit wurde zwar das Schadstoffproblem stabilisiert, aber nicht dauerhaft gelöst,“ sagt Kappel, der hofft, dass einst sein Nachfolger in 10000 Jahren eine bessere Ausgangssituation vorfinden wird.

Ein weiterer Nebeneffekt waren die Findlinge, die sich im Bodenaushub versteckten: im Rahmen eines Bildhauersymposiums wurden diese zu Skulpturen verarbeitet. Als Projekt „Steine ohne Grenzen“ stehen sie über das gesamte Rieselfeldgebiet verteilt. Weitere Relikte, diesmal aus der Zeit der Verrieselung, sind abgeschnittene Rohre mit blauem Deckel, die heute als Wegmarken dienen und einen Rundkurs beschreiben.

Förster Kappel reißt auf dem Weg auch Zweige oder Gräser ab, um die Dynamik der Ansiedlung von Pflanzen zu erläutern. „Der eschenblättrige Ahorn wächst hier besonders gut – er ist resistent, robust und bildet nach wenigen Jahren geflügelte Samen“, erklärt er. Dieser Baum verbreitet sich jedoch sehr aggressiv und verdrängt somit andere Baumarten, die artenreichere Lebensräume darstellen. Auch die spätblühende amerikanische Traubenkirsche findet in Hobrechtsfelde ein ideales Verbreitungsgebiet, aber auch sie verbreitet sich sehr invasiv und ist nicht gerade ein typisches einheimisches Gewächs.

Auch Tiere spielen bei der Gestaltung dieser halboffenen Landschaftsform eine große Rolle: „Die großen Weidetiere wie Elche, Hirsche und Auerochsen fehlen heute“, erklärt Romeo Kappel. Dabei würden diese Tiere die Landschaft freifressen, und auch ihre Kothaufen sind für Kleintiere von Käfern bis hin zu Regenwürmern von großer Bedeutung.

In Hobrechtsfelde wird daher in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Eberswalde ein Beweidungsprojekt mit robusten Rindern und Wildpferden durchgeführt. Mirko Vergien, Diplom-Ingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz, arbeitet für die Agrar-GmbH Gut Hobrechtsfelde, die die Beweidung durchführt: „Uns ist eine extensive Beweidung wichtig“, erklärt Vergien. Nur 0,3 Tiere pro Hektar – dies bedeutet genug Futter für die zwölf schottischen Hochlandrinder und die drei Konik-Wildpferde. Tag und Nacht, sommers wie winters stehen die Tiere ohne Aufsicht auf der 50 ha großen Weidefläche. „Die Rinder grasen von unten, während die Pferde vom Halm abwärts fressen“, erklärt Vergien das sich ergänzende Fressverhalten. Für die halboffene Landschaft sei es außerdem wichtig, dass die Gehölze zurückgebissen werden. Insgesamt sei der Beweidungseffekt gut, und die Verbuschung der Landschaft gestoppt. Und dies, so erklärt der Experte, erhöhe die Chancen, dass die Entstehung von Wald auf den Beweidungsfläche wieder gelingen kann.

Die Tiere sind wohl der Hauptgrund, weshalb viele Teilnehmer zu dieser Führung über die Weideflächen gekommen sind. Leider sind Rinder und Wildpferde an diesem Tag nur aus der Ferne im Dickicht stehend zu bewundern. Enttäuscht scheint aber niemand zu sein. „Besucher führe ich immer am liebsten auf die Rieselfelder“, sagt Herr Kühn aus Schönow. Frau Bublitz wollte ebenfalls mehr über die Pflanzen und Tiere erfahren: „Sonst fahre ich immer nur hier durch zum Gorinsee“, sagt die Dame aus Buch schmunzelnd. Sie und die anderen Teilnehmer wissen jetzt, dass die ungewöhnliche Landschaft der früheren Rieselfelder ein Stück belebter ist. Sie waren auf der anderen Seite des Elektrozauns.

Fotos und mehr Hintergrundinfos im gleichnamigen Artikel auf www.panke.info!

Mehr Informationen auch auf http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/rieselfelder_hobrechtsfelde/

Führungen des NABU findet man hier: NABU-Programm

Panketal – nie gehört?

In Uncategorized on 6. August 2009 at 7:15

0-M-090805-Rainer FornellImmerhin handelt es sich dabei um einen 19.000 Einwohner zählenden Vorort nordöstlich von Berlin, der bis zur  Kommunalreform 2003 aus den Gemeinden Zepernick und Schwanebeck bestand. Allein in den letzten zwanzig Jahren konnte die heutige Gemeinde 8.000 Neubürger verzeichnen. Doch diese sind mitunter nur schwer für das Gemeindeleben zu gewinnen, weiß Bürgermeister Rainer Fornell zu berichten: „Panketal ist ein sehr attraktiver Wohnstandort“, sagt Fornell, der selbst erst 1996 aus Berlin in die Umlandgemeinde gezogen ist. „Die Nähe zu Berlin ist unser großer Vorteil – eine sehr gute Verkehrsanbindung, ein umfassendes Schul- und Betreuungsangebot und viele Freizeitmöglichkeiten.“ Doch die unmittelbar benachbarte Großstadt, aus der die meisten Neubürger kommen, sei zugleich auch ein Nachteil für das Gemeindeleben, so der Bürgermeister: „Die Leute können sogar ihre Berliner Telefonnummer hierher mitnehmen, behalten oft ihr soziales Umfeld und ihren Berliner Freundeskreis:“ Daher sei es schwer, in Panketal anzukommen und ein soziales Beziehungsgeflecht aufzubauen. Dies gelingt meist erst über die Kinder, erklärt Fornell: „Kontakte über die Kita, die Schule oder die Sportvereine bringen die neuen Einwohner dazu, hier heimisch zu werden.“

Die Stadt-Umland-Beziehungen sind ein großes Thema für den Bürgermeister, der selbst erst seinen Platz in der Gemeinde finden musste. Panketal muss, so glaubt Fornell, auch nicht um jeden Preis wachsen, um seine Vorteile nicht zu verspielen. „Die Gemeinde ist heute schon die flächenmäßig kleinste Gemeinde im Landkreis Barnim, bei gleichzeitig sehr hoher Einwohnerzahl“, sagt Fornell. Ein Fehler der Vergangenheit war in den Augen des Bürgermeisters die Ausweisung von Baugebieten mit zu kleinen Grundstücken, so dass in diesen Neubaugebieten Konflikte auf engem Raum entstanden sind. „Die aus der Stadt zugezogenen Leute denken, auf dem eigenen Grund und Boden seien sie frei von Nachbarschaftskonflikten“, sagt Fornell. Er nimmt daher lieber in Kauf, dass der Zuzug abflacht, um die Wohnqualität in Panketal zu erhalten. Auch ökologische Aspekte sprechen gegen die Verdichtung der Gemeinde: „Es gibt kaum Versickerungsflächen und Probleme bei der Regenwasserabführung“, gibt Fornell zu bedenken. Schon heute seien die hydrologischen Grenzen der Panke erreicht. Auch sorgt er sich um Straßenbäume und Grünflächen, die es in der Gemeinde nur dort ausreichend geben kann, wo Ein- und Zweifamilienhäuser vorherrschen.

Die Benutzer des Pankewegs und Radfahrer auf dem Fernradweg Berlin-Usedom dürften die Gemeinde Panketal in erster Linie als Durchgangsstation wahrnehmen. Dabei gibt es auch in Panketal einiges zu entdecken: „Wir wissen, dass wir vor allem als attraktiver Wohnort gelten“, sagt der Bürgermeister. Ein klassischer Tourismusstandort sei Panketal somit nicht. Trotzdem gebe es im Bereich der Rieselfelder Hobrechtsfelde eine große Fläche für Kultur und Freizeitaktivitäten, die auch schon jetzt rege genutzt wird. Auch einige sehenswerte Baudenkmale wie die Zepernicker Dorfkirche verdienen Beachtung, wenn man sich nur ein wenig abseits der Hauptwege bewegt.

Die alteingesessenen Panketaler haben einstweilen noch an der Fusion der baulich längst zusammengewachsenen Ortsteile Zepernick und Schwanebeck zu knabbern, wie ein Streit um die Schriftgröße des neuen Gemeindenamens auf den Ortstafeln zeigt. Gerade aus diesem Grund kann die namensgebende Panke ein wichtiges identitätsstiftendes Element sein, das für die Großgemeinde in Zukunft eine große Rolle spielen dürfte. Es wäre schon viel gewonnen, wenn auch die Neu-Panketaler wissen, dass mit der Panke eine wertvolle natürliche Lebensader durch ihren Ort fließt, die sie – ebenso wie die S-Bahn – mit Bernau und Berlin verbindet.

85 Jahre Erfahrung

In Uncategorized on 5. August 2009 at 3:31

Es ist in diesem Blog schon einmal von der S-Bahn die Rede gewesen, und man kann mir vorwerfen, dieses Unternehmen besonders negativ zu sehen (was nicht immer stimmt).

Ich will auch nicht all den Kommentaren über das momentane S-Bahn-Chaos noch einen hinzufügen.

Es sei aber daran erinnert, dass am 08.08.1924 die erste elektrische Vorortelinie in Berlin eröffnet wurde, aus der sich innerhalb der Folgejahre die legendär gewordene S-Bahn entwickelt hat. Diese erste Linie ging vom Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof) über Pankow und Buch nach Bernau.

Die Berlin-Stettiner Eisenbahn gab es zwar vorher schon, aber 1924 wurde erstmals genau diese Vorortelinie elektrifiziert. Dabei wurde das bis heute in Deutschland technisch einmalige System mit der seitlich angeordneten Stromschiene angewandt. Genau diese Einzigartigkeit wird der Deutschen Bahn als Betreiber der S-Bahn Berlin jetzt zum Verhängnis: es können keine Fahrzeuge anderer deutscher S-Bahnen im Berliner S-Bahnnetz eingesetzt werden.

Und darum wird dieses S-Bahn-Jubiläum wohl sang- und klanglos untergehen. Vielleicht denkt jemand daran, wenn er das Glück hat, eine S-Bahn auf der Linie S 2 zu erwischen…

Plus Netto?

In Uncategorized on 14. Juni 2009 at 7:46

DSCN1636Nun hat es auch den „Plus“-Markt an der Wollankstraße erwischt: seit der Übernahme der „Plus“-Kette durch EDEKA werden zum Zug um Zug die meisten Märkte in „Netto“-Märkte umgeflaggt. Die Leute kommen trotzdem.

Rote Schrift auf gelbem Grund: wer sich vor Jahrzehnten diese Farbkombination ausgedacht hat? Jetzt schreien einen die Schilder schon von der Straße an. Innen hat sich auch alles verändert, das Sortiment hat sich gefühlt verdoppelt. Allerdings nicht die Verkaufsfläche. So schieben sich jetzt die Kunden durch viel zu enge Gänge und es bedarf oft vieler  Worte, will man an anderen vorbei. Wenn das auch nicht immer reibungslos abläuft, gibt es doch einen Trost: das Personal wird gezwungen, Namensschilder mit der Aufschrift „Ich bin freundlich“ zu tragen. Das müssen die Kunden schließlich nicht sein.

Ansonsten bleibt Discounter Discounter, das etwas ramschige äußere Erscheinungsbild wird nach meinem Empfinden durch die Produktauswahl im Inneren nicht bestätigt.

Mich freut jedenfalls, dass an diesem Markt ein echter Austausch zwischen Ost und West, Pankow und Wedding stattfindet. Auch wenn es eher der fehlenden Alternative geschuldet ist.

> mehr zum Thema hier

In der Panke ist mehr als nur Wasser

In Uncategorized on 16. Mai 2009 at 9:08

„Is’ da wenigstens ein Euro drin?“ will Isma wissen. Sie sitzt mit Emanuel in einem Kanu, das wegen eines in die Panke geworfenen Einkaufswagens an der Weiterfahrt gehindert wird. Die beiden haben gemeinsam mit anderen Jugendlichen Flaschen, Unrat und sogar einen Heimtrainer aus dem Wasser gezogen.

Fünf Kanus sind an diesem sonnigen Maisamstag ab der Berliner Landesgrenze auf der Panke unterwegs. „Es geht um den Lebensraum Panke“, erklärt der Organisator des Panke-Paddelns, Sören Marotz. „Außerdem ist die Tour ein Jugendprojekt, bei dem es nur am Rande auch ums Müllsammeln geht.“ Die Anwohner und Spaziergänger will Marotz mit seiner Tour auf den meist unscheinbaren Fluss aufmerksam machen und durch den ungewohnten Anblick der Kanus irritieren. Die Fußgänger am Wegesrand sind denn auch reichlich verwundert. Gabriele David hat die Kanus auf Höhe der Schlossparkpassagen in Buch gesehen: „Ich bin selbst begeisterte Paddlerin und kann mir nicht vorstellen, dass die Jugendlichen weit kommen.“, befürchtet die Lehrerin. Dass in der Panke viel Müll liegt, finden auch die meisten anderen Spaziergänger ärgerlich. Eine Paddeltour durch all den Unrat – die Bucher halten die Paddler einfach nur für verrückt. Nur ein junges Mädchen sagt: „Echt cool!“ Herr Mylesz aus Panketal hat aber auch früher schon Paddelboote auf der Panke gesehen: „Manchmal hat die Panke ganz schön hohes Wasser“, erklärt der ältere Herr, der viele Jahre in Buch einen Laden besessen hat und oft an der Panke entlang fährt.

Der Wasserstand ist für die Paddler an diesem Tag aber nur selten ein wirkliches Problem. Es hat nach einer langen Trockenperiode in der vorigen Nacht geregnet, und das befürchtete Niedrigwasser ist bei der Paddeltour ausgeblieben.

Auch drei Polizisten, die in Karow auf der Schwanebecker Chaussee patrouillieren, reiben sich angesichts der Paddler verwundert die Augen. „Wird umgehend entsorgt“, versprechen sie, als die Paddler erzählen, wie viel Müll sie gerade am Wegesrand abladen mussten. Verboten ist das Befahren der Panke mit Kanus offensichtlich nicht. „Es darf überall gepaddelt werden, wo kein Naturschutzgebiet verletzt wird“, hat Sören Marotz vor der Abfahrt erklärt.

„Der Perspektivwechsel ist spannend“, erklärt Arndt Mayer aus Wilhelmsruh, der mit seinen beiden acht und elf Jahre alten Kindern mitpaddelt. Der 32-jährige Sozialpädagoge Uli vom Weißenseer Jugendklub HOF 23 befährt die Panke sogar schon zum dritten Mal: „Auf einem See zu paddeln finde ich dagegen ziemlich langweilig.“ Das kann eine Jugendliche auch beim Zwischenstopp am Kinderbauernhof Pinke-Panke bestätigen: „Ab der Einmündung des Lietzengrabens hat es super geklappt – ich fand es bis jetzt einfach nur traumhaft!“

Dank der Förderung des Lokalen Aktionsplans Pankow sind für die Teilnehmer keine Kosten angefallen, und es gab auch eine Suppe vom Team des Kinderbauernhofs Pinke-Panke. Organisator Sören Marotz ist rundum zufrieden mit der Aktion, die die Teilnehmer fast bis zur Mündung in den Nordhafen führte: „Nächstes Jahr könnte man das Ganze wiederholen, und zwar als große Müllsammelaktion!“ Mal sehen, wie viele Einkaufswagen dann wieder aus der Panke gefischt werden müssen…

Fotos gibt es hier: http://panke.info/pages/panke-magazin/paddeln-auf-der-panke.php

e.V.i.G….

In Uncategorized on 24. April 2009 at 9:16

panke.info wird zum Verein!

Nach 18 Monaten Aktivitäten im Internet und neuerdings auch in der Realität wird die Arbeit von panke.info auf eine neue Grundlage gestellt.

Ursprünglich als reine Privatinitiative gestartet, sind zu der eigentlichen Website www.panke.info inzwischen viele weitere Betätigungsfelder rund um die Panke hinzugekommen.

Dazu benötigt panke.info eine andere Rechtsform.

Die Vereinsgründung ist am Mittwoch, den 13.05.09 im Forum Soldiner Kiez (Prinzenallee 45 c, im Pavillon hinter den Wohnhäusern).

Es ist wichtig, dass genügend Unterstützer anwesend sind, damit die Vereinsgründung gelingt.

Es sind genügend Ideen und Projekte in der Pipeline, für die jede Mithilfe wertvoll sein kann.

Die bisherigen Mitarbeiter bei panke.info freuen sich auf die Zukunft als Verein!

Oh je! Wirtschaftskrise weitet sich aus zur Rechtschreibkrise

In Uncategorized on 19. April 2009 at 8:34

Abfrackprämie

Dackelblick auf Hundekot

In Uncategorized on 18. April 2009 at 10:42

Wiesenstecker gegen HundekotNeulich zu Besuch in Wien: Hundekot ist dort ein ähnlich großes, wenn nicht sogar größeres Problem als in Berlin. Die Stadt ficht einen verzweifelten Kampf gegen die „Mir doch egal“-Mentalität mancher Hundehalter, indem sie 25000 quietschorange Werbepflöcke in die Wiesen gerammt hat. Ein Jack-Russell-Terrier schaut den nachlässigen Halter anklagend an – und droht mit 36 € Strafe. Schon seit 2006 gibt es in Wien ähnlich wie in Berlin Hundekotbeutel in Behältern, von denen der gleiche Terrier mit Hundeblick fleht: „Nimm ein Sackerl“.

Sackerl-SchilderlOb in Berlin ähnliche Kampagnen erforderlich sind, um der Hundekot-Plage Herr zu werden? Mir haben verantwortungsvolle Hundehalter erzählt, dass sie oft schief angeguckt werden, wenn sie das Häufchen aufheben. Auch soll es manchmal schwierig sein, einen Mülleimer zu finden, um den Beutel dann zu entsorgen.

Letztendlich kommt es also doch nur auf den guten Willen der Hundehalter an, die sich selbst über zuviel Hundekot ärgern. Kontrollen, Bußgeldandrohungen und Werbekampagnen dürften dagegen nur einen geringen Effekt haben.

Beziehungen mit und auf dem Wedding

In Uncategorized on 12. April 2009 at 11:53

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Im März 2009 ist nach mehr als einjähriger Pause die zweite Ausgabe des Magazins „Der Wedding“ erschienen. Hat sich das Warten gelohnt?

An der lieben Verwandtschaft kann man sich die Zähne ausbeißen. Trotzdem hat sich die Redaktion des Magazins „Der Wedding“ für die zweite Ausgabe diesem Thema gestellt. Zwar ist aus dem Kulturmagazin, das „Der Wedding“ anfangs sein wollte, ein „Magazin für Alltagskultur“ geworden, aber es ist auch diesmal wieder die Leistung der Redakteure gewesen, das Besondere im Unscheinbaren zu finden. Im Wedding hat die Redaktion natürlich genügend Themen direkt vor der Haustür gefunden. Diese bringen erstaunliche Geschichten hervor, wenn man nur ein wenig an der rauen Oberfläche kratzt.

Das Erscheinungsbild der zweiten Ausgabe ist, angefangen beim spiegelverkehrten Titelschriftzug, immer noch ausgefallen, drängt sich aber weniger auf als es bei der Premierennummer der Fall war. ImVergleich zur ersten Ausgabe sind Schriften und Layout weniger überdreht und wirken dadurch organisch gewachsen und ein bisschen unansehnlich wie der in die Jahre gekommene Stadtteil, der Dreh-und Angelpunkt des Magazins ist.

Erstaunlich ist für mich, wie sensibel und facettenreich das an sich nichts sagende Thema Verwandtschaft in „Der Wedding“ ausgeleuchtet wird. Auf den ersten Blick liegt es auf der Hand, dass „die Familie“ bei Weddinger Migranten einen anderen Stellenwert als bei Deutschen genießt.  Aber es geht noch mehr: geistreiche Gedanken zum Generationenvertrag kommen ebenso vor wie die ironischen Betrachtungen zu Weddings Partnerstädten. Die Fotostrecken sind wie gewohnt sehr ausladend und bilden dadurch die Realität in einem materiell armen, aber an menschlichen Regungen reichen Stadtteil glaubwürdig ab. Sogar fotografische Einblicke in ein Pflegeheim werden gewährt.  Die Erstausgabe vom Februar 2008 wirkt gegen den zweiten „Der Wedding“ experimenteller, aber auch noch wesentlich unreifer. Es hat sich wirklich  gelohnt, einen starken thematischen Schwerpunkt zu setzen, der nicht nur die Hülle für ästhetische Spielereien sein will. Die „Verwandtschaft“ bietet erheblich mehr Stoff als im vorhinein erwartet werden konnte, wenn beispielsweise in einem sozialpolitischen Artikel die „Zwangsheirat“ von Wedding und Mitte beleuchtet und im Fazit dann gar als Scheinehe bezeichnet wird. Das klingt erst einmal ein wenig an den Haaren herbeigezogen – aber stimmt es denn etwa nicht?

Auf die nächste Ausgabe darf man jetzt wirklich gespannt sein. Bleibt zu hoffen, dass die Macher von „Der Wedding“ dann auf den Untertitel mit der Alltagskultur verzichten und sich kein Etikett mehr anheften.

Mal sehen, ob auch in anderen Stadtteilen Berlins ein solches Magazin gekauft wird. Trotz des Weddinger Lokalkolorits bildet das Heft nämlich so viel ab, was allgemein Gültigkeit hat und bundesdeutsche Realität ausmacht.


„Der Wedding“ Nummer 2, Preis 5 €, Verkaufsstellen siehe hier.

Wozu Geld abheben?

In Uncategorized on 24. März 2009 at 1:48

Die Berliner Sparkasse macht uns vor, dass man die Finanzkrise einmal konsequent zu Ende denken muss. Der einzige Geldautomat im Soldiner Kiez, nämlich der der Berliner Sparkasse, befindet sich in einem Vorraum der Geschäftsstelle in der Prinzenallee. Nun werden „die lieben Kunden“ um Verständnis gebeten, dass der Geldautomat nur noch während der Filial-Öffnungszeiten zugänglich ist. Ansonsten solle man doch bitte auf die Geldautomaten im U-Bahnhof Osloer Straße oder im Gesundbrunnencenter ausweichen. Mag sein, dass Sicherheitsaspekte bei dieser Entscheidung den Ausschlag gegeben haben. Worin liegt dann aber noch der Vorteil des Geldautomaten im Vergleich zu früheren Zeiten, als man – auch nur während der Öffnungszeiten der Filiale – Geld an der Kasse abhob?

Und: welcher Kunde lässt sich eine solche Aussperrung bieten? Letztlich doch nur die, die keine Wahl haben und ohnehin kaum Geld zur Verfügung haben. Die anderen, die während der Öffnungszeiten der Filiale arbeiten müssen, sind sicher schon längst zu anderen Banken gewechselt. Mich eingeschlossen. Halt, hier passt doch wohl eher: ausgeschlossen. Außer zu den Öffnungszeiten.

Armes Pankow!

In Uncategorized on 21. März 2009 at 10:22

Schild am Bürgerpark-Portal

Armes Pankow! Sogar am bürgerlichsten Fleck, den Pankow zu bieten hat (und der auch noch genau so heißt), am Bürgerpark, soll der bezirkliche Blumenschmuck eingespart werden. Oder kalkuliert der unter Haushaltssperre stehende Bezirk Pankow gleich mit ein, dass sich die Bürger Pankows das nicht gefallen lassen werden, und setzt darauf, dass der Blumenschmuck privat finanziert wird?

Raum für Religionsausübung

In Uncategorized on 21. März 2009 at 7:41

Da wird in Berlin eine beträchtliche Zahl von Unterschriften gesammelt, damit der überkonfessionelle, verpflichtende Ethikunterricht für alle per Volksbegehren wieder aufgeweicht wird… Und in meiner Bibliothek sagt neulich die eine Angestellte zur anderen: „Stell’ dir vor, da fragt mich eben eine Muslima, ob wir hier einen Extra-Raum haben, damit sie ihr Gebet verrichten kann…“  Ich habe lange genug in Frankreich gelebt, um die Trennung von Staat und Kirche wertzuschätzen. Religion ist dort (und auch hier sollte das eine weitgehend unumstrittene Errungenschaft sein) Privatsache.

Eine Katastrophe für den Katastrophenschutz

In Uncategorized on 14. Februar 2009 at 6:21

Das Übungsgelände des Technischen Hilfswerks

In Berlin-Buch, zwischen dem Pankeweg, der Autobahn A 10 und der Eisenbahntrasse (u.a. S-Bahn-Linie 2) befindet sich ein völlig zerstörter Plattenbau. Ich dachte früher, dass es sich um einen aufgegebenen Plattenbau handele, dem man den Gnadenschuss verwehrt hat. Aber dies ist hier kein besonders bizarres Beispiel des Stadtrückbaus Ost. Wie ich jüngst erfahren habe, handelt es sich in Wirklichkeit um eine Feuerwehrschule aus der DDR-Zeit. Aus schadhaften Platten wurden diese Phantomgebäude errichtet, um realistische Übungsszenarien entwickeln zu können.

Tragischerweise liegt das Areal in der Nähe der Autobahntrasse des Berliner Rings, der in Kürze um zusätzliche Spuren erweitert werden wird. Als Ausgleichsmaßnahme ist an dieser Stelle ein neuer Park geplant – und das Technische Hilfswerk muss von diesem Ort ersatzlos weichen.

Gut, dass es noch jede Menge Plattenbauten gibt, die rückgebaut werden sollen. Vielleicht ist da ja auch etwas für den Katastrophenschutz dabei.

Wo klemmt’s in Pankow?

In Uncategorized on 13. Februar 2009 at 10:19

Ich habe manchmal den Eindruck, dass in Pankow zwar die sozialen und soziokulturellen Probleme geringer sind als in anderen Bezirken Berlins, es aber trotzdem an allen Ecken und Enden „klemmt“: der Bezirk steht unter Zwangsverwaltung, man konnte sich jahrelang nicht über den Namen und das Wappen des Großbezirks einigen, das Kulturleben des Ortsteils Pankow entspricht nicht wirklich dem einer kleinen Großstadt… Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Interessant finde ich, an das Thema einmal ganz anders heranzugehen. Nachfolgend gibt es einen Abdruck eines Gutachtens, das die Geomanten Carsten Suter, Annette Brandes und Roland Buch angefertigt haben. Die Herangehensweise erscheint manchem vielleicht ungewohnt, und doch wäre es doch einmal überlegenswert, die ein oder andere empfohlene Maßnahme umzusetzen….

ERDUNG UND ZENTRIERUNG EINER STADTLANDSCHAFT

Anregungen für Geomantische Gestaltungen in Berlin- Pankow

Am 30./31. 10. 2006 beschäftigten sich die Geomanten Carsten Suter, Annette Brandes und Roland Buch bei einer gemeinsamen Ortsbegehung mit einigen sensiblen Plätzen im Berliner Stadtteil Pankow. Die Absicht dabei war, Gestaltungsvorschläge für diese Orte zu erarbeiten.

Geschichtliche Entwicklung:

Die Besiedlungsursprünge von Pankow gehen weit in die Vorzeit zurück, bis etliche Jahrtausende vor der christlichen Zeitrechnung. Lagerplatz und Siedlungspuren fanden sich aus Stein -, Bronze – und Eisenzeit.

Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten Zisterzienser Mönche aus Feldsteinen eine Kapelle nahe des ehemaligen Gletscherabflusses Panke.

Die Mönche drangen in dieser Zeit als „Kultivatoren des Germanischen Waldes“ bis hin zur Ostsee vor, gründeten Niederlassungen in Sumpfgebieten und verwandelten diese in fruchtbares Acker und Weideland.

Das Dorf Pankow wurde etwa 1220 von einem Lokator (Beauftragter des Landesherren) als „wilde Wurzel“, also ohne slawische Vorgängersiedlung, gegründet.

Pankow ist ein typisches Angerdorf mit Dorfplatz und Kirche zwischen den Häuserzeilen. Die damals angelegte Grundstruktur und Wegführung ist heute noch unverändert erhalten.

1) Dorfplatz

2) Kastanie auf Verkehrsinsel

3) Linde auf dem Friedhof

Ende des 15. Jahrhunderts war Pankow Jagd – und Erholungsgebiet der Brandenburgischen Kurfürsten.

Eine Legende erzählt, das an dem Platz an der Panke an dem der Vogelherd des Kurfürsten Johann Ciecero stand, sich ein slawischer Tempel befunden haben soll und dieser namengebend für Pankow war, nämlich Pan = Herr und Kow= Hain, also Hain des Herrn.

Im Jahre 1662 wurde in dem an der Panke gelegenen Wiesen und Auen Land ein Landsitz errichtet der wenig später zum Schloss Schönhausen ausgebaut wurde.

Bis in die 30iger Jahre des letzten Jahrhunderts war Pankow mit das beliebteste Ausflugsziel der Berliner.

Die Schönheit des Lebens:

Auf unserer Suche nach dem Standort des oben erwähnten Tempels fanden wir in der Parkanlage eines ehemaligen Krankenhauses einen Platz, der uns durch seine Leichtigkeit und Lebensfreude beeindruckte. Wir nahmen eine Konzentration von Luftelementarwesen wahr und unmittelbar dahinter wie so oft in Zivilisationslandschaften das Kontrastprogramm in Form der Schutthalde vom Abriss eines Plattenbaus. Verletzung und Zerstörung machen auch hier den Naturkräften die Erfüllung ihrer Aufgaben schwer. Einige Meter weiter zeigte sich uns eine ähnliche Verdichtung diesmal von Erdelementarwesen, die uns direkt aufforderte,innezuhalten und die Schönheit des Lebens um uns herum wahrzunehmen und sie, diese Schönheit, in ihrer ganzen Tiefe auf uns wirken zu lassen. Ein Beispiel dafür, wie die Erde uns lehren kann, das Leben mit anderen Augen zu sehen.

Die Rübezahl-FichteEnergetische Grundstrukturen:

Die ursprüngliche Versorgung mit Lebenskraft durch den Fluß Panke und einen dort entlangführenden Lebenskraftweg ist fragmental noch spürbar und stellenweise schwach intakt. Die Begradigung der Panke an energetisch sensiblen Stellen und die Verkleinerung des Eichenhaines hat die Anbindung des Dorfes Pankow an diese Kräfte geschwächt. Letztes deutlich sichtbares Zeugnis dieser Ursprünglichkeit war die „Rübezahl-Fichte“, welche erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gefällt wurde.

Allgemeiner Zustand heute:

Bei unserer Ortsbegehung konnten wir fast überall an uns selbst erfahren, wie eine moderne Stadtlandschaft mit ihrer dichten Bebauung und dem Straßenverkehr Menschen und auch Naturwesen enterdet, d. h. ihre energetische Anbindung an den Organismus der Erde ist nicht mehr voll intakt. Konkreter ausgedrückt, nach einer Stunde offensein und wahrnehmen inmitten von Autoverkehr und Einkaufsrummel waren wir ziemlich erschöpft. Allerdings gibt es in Pankow auch sehr viele Parks und Gärten, die mit ihrer z. T. beeindruckenden Pflanzenwelt eine heilsame Funktion für die Stadtlandschaft ausüben. Besonders die Restbestände der früheren Eichenwälder erlebten wir als kraftvoll und erdend. Dort konnten wir uns gut erholen und mit frischen Kräften wieder ans Werk gehen.

Die Mitte PankowsDie leere Mitte

In der Mitte des damaligen, alten Dorfes Pankow, heute Kirch- und Marktplatz in der Breiten Straße zwischen der Feldsteinkirche, heute Evangelische Pfarrkirche, im Osten und dem Markt im Westen ist ein kleiner quadratischer Platz mit Sitzbänken drumherum und einem wackeligen kleinen Backsteinsockel in der Mitte. Von der Lage auf dem Stadtplan, vor allem den älteren Plänen, her ist für uns hier die geomantische Mitte des Ortes Pankow. Für einen Ort von solcher Wichtigkeit kam uns dieser Platz armselig und verloren vor, und wir verspürten das Bedürfnis, etwas für ihn zu tun. Wir fragten diesen Ort, was er sich für eine Gestaltung vorstellen könnte oder wünsche, und bekamen alle das Symbol eines Berges oder kräftigen Steines als Antwort. Außerdem wollten die 4 Elemente und die 4 Haupthimmelsrichtungen in dieser Mitte vertreten sein. Für die praktische Umsetzung bietet sich hier das Setzen eines Findlinges mit eingearbeiteten Motiven oder Kosmogrammen in den 4 Richtungen an, um durch die Gestaltung einer Mitte die gesamte Stadtlandschaft Pankow zu erden und zu zentrieren.

Der einsame Baum:

Zwischen dem Pankower Rathaus und dem Alten Städtischen Friedhof gibt es eine kleine dreieckige Verkehrsinsel zwischen 2 breiten und vielbefahrenen Straßen, auf der ein mittelgroßer Kastanienbaum steht. Bei diesem Baum nahmen wir ein Naturwesen wahr, das aber sehr geschwächt wirkte und nur mit großer Mühe seine Verbindung mit dem Erdorganismus aufrecht erhalten konnte. Es zeigte sich dankbar für Anerkennung und liebevolle Zuwendung und regte an, durch eine Steinsetzung mehr Erdung und Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die "Stimmgabel"Die Stimmgabel:

Auf dem Alten Städtischen Friedhof waren wir fast verzaubert von der Atmosphäre,die von einigen stehengebliebenen alten Grabmalen und den dazwischen wachsenden großen und markanten Bäumen ausging. Neben einer Linde mit stimmgabelförmigem Wuchs entdeckten wir einen Punkt auf dem Rasen, von dem aus wir eine unmittelbare Verbindung mit einigen anderen Orten der Pankower Landschaft erlebten, als ob wir selbst an diesen Orten anwesend wären. Solch einen Platz bezeichnen wir mittlerweile als Knotenpunkt im Netzwerk der Naturintelligenz. An oben erwähnter Linde selbst bekamen wir Zugang zu einer „Naturschwingung“, die alles Leben durchdringt und verbindet. Wir hatten sie anderenorts schon als „Landschaftsklang“ erfahren, weil sie den Menschen wirklich das Charakteristische einer bestimmten Landschaft fast hörbar erspüren lässt, aber auch erlebt, wie sie durch die Auswirkungen der technischen Zivilisation unterdrückt oder verdrängt wird. Aus eigener Erfahrung scheint es uns wichtig, dass die Menschen bewusst in Verbindung mit dieser Naturschwingung kommen und bleiben.

Dazu schlagen wir die Installation einer „Naturstimmgabel“ in passender Resonanzlänge vor, am besten aus einem abgestorbenen Eichenbaum gearbeitet. Diese wird an einem vielbegangenen Ort wie z. B. am Ostende des Marktes aufgestellt und macht diese Schwingung für die Menschen zugänglich und erfahrbar. Zusätzlich kann ein entsprechendes Motiv oben auf dem erwähnten „Mittenstein“ angebracht werden, um die Stadtlandschaft Pankow als Ganzes an diese Naturschwingung anzubinden.

Autor: Dipl.Geomant Carsten Suter,

Zusammenarbeit mit: Annette Brandes, Roland Buch

Webseite : www.geomanten.de

Kontakt: mail@geomanten.de

Historische Quellen:

Feuer,Stein und Eisen; Bezirksamt Pankow von Berlin 1996

Museumsverbund Pankow

Vom „Petit Palais“ zum Gästehaus; Kulturamt Pankow 1998

Sie haben verstanden

In Uncategorized on 6. Februar 2009 at 6:43
Ist der Zug abgefahren? S-Bahnhof Wollankstraße

Ist der Zug abgefahren? S-Bahnhof Wollankstraße

Wer wie ich ein im Grunde zufriedener Kunde der S-Bahn ist, hat in den letzten Jahren die deutlich abfallende Qualität dieses Unternehmens erleben dürfen. Zuerst waren es nur „Weichenstörungen“, dann wurden von mehr und mehr Bahnhöfen die Aufsichten abgezogen – und durch nichts ersetzt. Zuletzt war eine nicht abreißen wollende Kette von Störungen, Zugausfällen, Streiks und dergleichen mehr an der Tagesordnung.

Ich habe mich, als es mir am 09.11. zu bunt wurde, telefonisch beschwert, und man gab mir am anderen Ende der Leitung das Gefühl, dass man meinen Ärger verstehen könne.

Zuerst erhielt ich eine Eingangsbestätigung, mit der Bitte, mich zu gedulden und von Erinnerungen abzusehen.

Einige Zugausfälle, Weichenstörungen, Wintereinbrüche und ähnlich unschöne Ereignisse später, am 05.02., erhielt ich ein sehr freundliches Schreiben der S-Bahn, in dem man sich fast schon unterwürfig entschuldigte und mir einen 5 €- Fahrkartengutschein beifügte. Wortlaut des Schreibens: „…Auch wenn kein Personal mehr auf dem Bahnsteig ist, sollte die Beschallung von einer anderen Betriebsstelle ausgeführt sowie ebenso die Inforufsäule bedient werden.“ Mit Beschallung sind wohl die unverständlichen Lautsprecherdurchsagen gemeint, die den Ansprechpartner im Aufsichtshäuschen ersetzt haben.  Die übrig gebliebenen Mitarbeiter, die in irgendwelchen anderen Bahnhöfen sitzen, sollen diese Aufgabe nun erfüllen: „Die S-Bahn … legt bei allen ihren Mitarbeitern großen Wert auf ein freundliches und kundenorientiertes Auftreten. Dass dies in Ihrem geschilderten Fall nicht in der von uns gewünschten Weise abgelaufen ist, bedauern wir sehr.“ Außerdem wird die Hoffnung geäußert, dass ich mich künftig von den Mitarbeitern besser betreut fühle.

Dazu passt die Einschätzung eines Betriebsrats der S-Bahn, die dieser in einem Interview für die Berliner Zeitung abgab: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0206/berlin/0006/index.html

Und auch Hartmut Mehdorns „freiwillige“ Entschuldigung bei seinen eigenen Mitarbeitern, heute wegen der Datenaffäre bei der Bahn, deutet darauf hin, dass der Tiefpunkt erreicht ist und es langsam wieder weniger gewinnorientiert zugehen könnte. Aber ob auch er noch in den Chor einstimmen wird?  „Wir würden uns freuen, wenn wir Sie trotz dieses unschönen Ereignisses wieder in den Zügen.. begrüßen dürfen.“ Ich werd’s wohl müssen…

Ergänzung: Gefangen in einer S-Bahn auf der Ringbahn, zwischen zwei Bahnhöfen während diverser Signalstörungen stehend, durfte ich hören, wie sich der Fahrer zu folgender Durchsage hinreißen ließ: “Wegen diverser Signalstörungen, verursacht durch Personaleinsparungen, verzögert sich die Weiterfahrt um wenige Minuten…“

Fototour: Berlin im Eis

In Uncategorized on 15. Januar 2009 at 11:08

Bei Schnee und Eis, aber klarem Himmel – so liebe ich Berlin – bin ich die Südpanke entlang vom Bahnhof Friedrichstraße bis zum Gesundbrunnen gelaufen. Hier die schönsten Fotos…

Im Graben der SüdpankeWie auf dem Dorf - direkt neben der CharitéRauchverbot!Hauptbahnhof von der Invalidenstraße ausHamburger Bahnhof - Kanal mit EisAm Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal geht es weiter bis zur Panke-Mündung, über den Invalidenfriedhof…

Hamburger Bahnhof und ReichstagEin Mauerstück im InvalidenfriedhofGrab und Mauerrest, Schlot des HeizkraftwerksAm Kanal, Blick zur Heidestraße

Wer genehmigt so etwas?

In Uncategorized on 28. Dezember 2008 at 7:45

Das "Park Ensemble Pankow" liegt adrett ihinter einem Schutzwall

„Park Ensemble Pankow“ – natürlich muss ein solcher Wohnpark einen wohlklingenden Namen haben.

Aber dass an einer städtebaulich sensiblen Stelle (direkt am Bürgerpark) nahe vollständig erhaltener gründerzeitlicher Häuser in Blockrandbebauung eine 22 Reihenhäuser umfassende Fertighaussiedlung genehmigt wird, zeigt, dass man in Pankow kein planerisches Konzept verfolgt. Vielleicht ist es immerhin ein Glücksfall, dass der Fertighaustyp „Stadtvilla“ gebaut wurde.

Jetzt im Winter sieht man vom Bürgerpark aus sehr gut zwischen den Bäumen, von welchen Häusern diese übersichtliche Grünanlage umgeben ist. An der Stelle, wo das „Park Ensemble Pankow“ entstanden ist, scheint eine unpassende Zwergenstadt entstanden zu sein.

Vor allem aber entsteht der Eindruck, dass hier eine trostlose „KAMPA-MASSIVHAUS“- Musterhaussiedlung direkt am Bürgerpark hochgezogen wurde.

park-ensemble-pankow3

Mal sehen, wozu das Bloggen gut ist

In Uncategorized on 22. Dezember 2008 at 7:57

Aus meinem privaten Umfeld wurde der Wunsch geäußert, dass man doch auch über etwas bloggen könnte, wozu es wohl noch nichts gibt im deutschsprachigen Internet.

Und hier ist das Ergebnis:

http://campscape.wordpress.com

Das Thema erscheint Außenstehenden vielleicht zuerst etwas abwegig, aber trotzdem kann fast jeder mitreden.

Es geht um Camping, Landschaftswahrnehmung, modernen Tourismus und wie man das ganze in einem sanierungsbedürftigen Betrieb in die Realität umsetzen kann.

Einfach mal anschauen und mitdiskutieren…

Die Umnutzung einer Fabrik ist nichts Neues…

In Uncategorized on 10. Dezember 2008 at 8:28

…aber im Fall der Umnutzung der Rotaprint-Fabrik in der Nähe des Nauener Platzes kommt noch die Architektur des Ortes hinzu.

Gut, schöne Gründerzeitarchitektur oder Gebäude in Neuer Sachlichkeit sind etwas Schönes, aber bei der Rotaprintfabrik gibt es Gebäudeteile, die herausragende Beispiel der Architektur der 1950er Jahre sind.

Inwiefern dies bei der neuen Nutzung eine Rolle spielt, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen…

Die Panke-Renaturierung kommt…

In Uncategorized on 10. Dezember 2008 at 8:21

… und deshalb fand im Rahmen der Anwohnerbeteiligung eine zweite Beteiligungswerkstatt statt.

Hier gibt es den entsprechenden Bericht über die beiden Veranstaltungen in Wedding und in Buch. …

Ein Muss für Touristen

In Uncategorized on 20. November 2008 at 7:57

http://www.travelwirenews.com/editions/18NOV2008.htm

Internationale Tourismusexperten empfehlen bei einem Berlin-Besuch aus kulinarischen Gründen den Ortsteil Gesundbrunnen.

Muss man sich Sorgen machen, dass wir bald von lauter Reisebussen, Reisegruppen und Warteschlangen vor Dönerläden verdrängt werden?

Kann mal einer den Kübel wegschmeißen?

In Uncategorized on 10. November 2008 at 6:20

Baum im Kübel

Der Baum kann allerdings irgendwo eingepflanzt werden, er hat sich ja in dem Kübel ganz prächtig entwickelt!

(gesehen in Pankow, Ossietzkystr.)

Schöne Panke-Fotos…

In Uncategorized on 3. November 2008 at 5:54

… gibt’s hier:

Stadtrundgang – der erste…

In Uncategorized on 2. November 2008 at 6:01

Wer mich schon etwas länger kennt, weiß um mein Faible für Stadtführungen! Aber am nächsten Wochenende gibt es ein Novum: eine kostenlose, professionell durchgeführte, gut vorbereitete Führung eines Tourenguides. Martin Riewestahl hat sich bereit erklärt, am 09.11.08 um 11 Uhr durch Pankow zu führen – sein Pankow, denn in diesem Ortsteil mit seinem durchaus eigenen Charakter ist er aufgewachsen. Für ihn war die Beschäftigung mit der Geschichte Pankows (und dem angrenzenden Teil im Wedding) auch ein Stück Beschäftigung mit der eigenen Biographie. Im „wirklichen Leben“ ist Martin aber auch Tourenguide (oder Stadtbilderklärer, wie er sich selbst lieber bezeichnet) bei berlinonbike. Deren Touren sind auf fahrradtaugliche Distanzen spezialisiert, und insofern ist der Stadtspaziergang durch Pankow auch für Martin Neuland. Es wäre schön, wenn möglichst viele Leute kommen und dazu beitragen, dass diese unterstützenswerte Initiative keine Eintagsfliege bleibt! Wir sehen uns…

Sonntag 09.11.08, 11.00 Uhr, S-Bf. Wollankstr. (S 1, S25, S85, Bus M27, 250, 255), Wollankstr./Ecke Nordbahnstr.

Eine Veranstaltung von panke.info, dem Informationsportal für das Flüsschen Panke von Bernau bis Berlin

3-2-1 Döner 2.0

In Uncategorized on 17. Oktober 2008 at 3:17

Eine Portion Fleisch mit Brot, dazu Salat auf Wunsch auch ein paar Pommes: ein Döner ist eine ganze Mahlzeit. Selbst in kleinsten Dörfern ist das (türkische) Schnellgericht mittlerweile zuhause – ganz so wie früher die obligatorische Pizzeria und davor die Dorfgaststätte, die mittlerweile auf die Liste der bedrohten Arten gehört. Nicht eben die gesündeste Nahrung, dafür aber meist konkurrenzlos günstig. Für drei Euro kann man satt werden. Auch für zwei fünfzig gibt es sie schon, teilweise sind sie für zwei Euro zu haben. Die Masse macht´s und der Döner scheint ein Musterbeispiel für sinkende Preise bei steigender Nachfrage. Neben den Skalenerträgen dient der gefüllte Brotfladen aber auch als Beispiel für ein weiteres betriebswirtschaftliches Phänomen. Wenn Konkurrenz ins Spiel kommt, wackeln teilweise sogar die Schwellenpreise.

Gerade in Berlin angekommen, mit dem Bus bis zur Prinzenallee und per pedes in die Soldiner Strasse, wirbt gleich die erste Schautafel mit „Döner 1 Euro“. Eingedenk der Ungläubigkeit, die meine Erzählungen von derart günstigen Fleischburgern schon so oft im In- und Ausland hervorgerufen haben, zücke ich die Kamera und dokumentiere das Angebot für zukünftige Thomasquerelen. Kaum dreißig Meter weiter promotet der nächste Grillshop in großen Buchstaben sein Super-Angebot: Dort kostet der Döner nur 99 Cent. Als ich zwei Tage später vom „Döner-Preiskrieg“ im Soldinerkiez erzähle, schmunzelt ein Freund und berichtet von 79 Cent-Dönern bei sich um die Ecke. Das Credo der Anwesenden ist einhellig: Für solch einen Preis kann man sich ja denken, was da serviert wird. Gedanken an den Gammelfleischskandal legen sich wie ein pelziger Belag über die Gesprächsrunde.

Während sich die Beobachter über die Warenqualität wundern, über die Preispolitik staunen, sich vielleicht sogar (un-)heimlich über die rasante Ausbreitung des Kebabs in der Republik ärgern, oder dem orientalischen Billigessen gar die Schuld am Sterben der deutschen Küche geben, ist in Berlin ein interessantes Phänomen feststellbar: Die Rennaissance der Currywurst. Nicht klassisch Schweinefleisch, sondern aus Rindfleisch oder Huhn. Und neuer Beliebtheit erfreut sich dieses Ur-Berliner Kulturgut, zusammen mit anderen Imbiss-Spezialitäten, gerade in den Kiezen, wo Döner lange Zeit das fast ausschließliche Auf-die-Hand-Essen war. Innovation, Integration, Re-Inkarnation: Guten Appetit!

Gastbeitrag von Marcus Bauer, Wien

Das Wiedersehen mit der Panke

In Uncategorized on 21. September 2008 at 2:50

Baugruppen gibt es unter verschiedenen Bezeichnungen schon viele Jahre in Berlin. Hier stellen wir Ihnen ein Projekt an der Panke vor, mitten im Wedding…

Es dringt kaum Straßenlärm in den zugewucherten Garten, die Panke fließt,
sich gemächlich windend, in ihrem rot gemauerten Kanal, und der morbide
Charme der nahe gelegenen Fabrikgebäude lässt den Betrachter fast
vergessen, dass er sich in der Mitte einer Millionenstadt befindet. Stefan
Klinkenberg führt über das Gelände, auf dem sein neuestes Bauprojekt
entstehen soll:„Ich finde, das Phänomenale an der Panke ist, dass sie eine
grüne Verbindung von der Mitte bis hinein ins Umland herstellt. So eine
Situation ist mir aus anderen Großstädten nicht bekannt.“ Daher ist für den
Architekten und Projektentwickler das Bauvorhaben in der Gerichtstraße 17
etwas Besonderes.

Das Vorderhaus wird das Wohnhaus sein

Das Vorderhaus wird das Wohnhaus sein

Klinkenberg hat das leer stehende Mietshaus, das sich in direkter
Nachbarschaft der Panke befindet, mit zwei weiteren Baugruppenmitgliedern vom Liegenschaftsfonds Berlin erworben. Für eine noch im  Wachsen begriffene Baugruppe sollen die Wohnungen des Vorderhauses in bis zu  174 qm große Wohneinheiten umgebaut werden, während auf dem 2800 qm großen Gartengrundstück mehrere Atelierhäuser geplant sind. „Der Flächennutzungsplan untersagt uns auf dem hinteren Grundstücksteil eine Mischnutzung aus Wohnen und Arbeiten“, erklärt Klinkenberg. Er findet es bedauerlich, dass ausgerechnet an dieser Stelle nicht die Kombination aus Wohnungen und Gewerbeflächen möglich sein soll, die für die lebendigen Altbauviertel Berlins so typisch ist. Der 53-jährige Architekt wohnt seit 1988 selbst in einem großen Kreuzberger Wohn- und Gewerbeprojekt, das seinerzeit noch mit öffentlichen Mitteln teilfinanziert wurde. „Heute müssen diese Projekte nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip gefördert werden“, findet Stefan Klinkenberg. „Es gibt genug Leute, die es sich leisten können, und deren Kaufkraft wird in Berlin dringend benötigt.“  Im Laufe der Jahrzehnte hat sich Klinkenberg viel Erfahrung mit Baugruppen erworben, und beim Haus Gerichtstraße 17 handelt es sich sogar schon um das neunte Projekt dieser Art, das der Architekt betreut.

Die Nähe zur Panke ist – neben der zentralen Lage und dem großen und
ruhigen Gartengrundstück –  das wesentliche Alleinstellungsmerkmal des
Bauobjekts. So sollen auf der geschlossenen Hausseite zum Fluss hin große
Fenster aus der Wand gebrochen werden. „Die Deckenhöhe ist genau richtig,
das Dach und das Treppenhaus sind in einem soliden Zustand – wir haben hier gute Voraussetzungen für eine Sanierung“, erläutert der Architekt bei der Besichtigung des seit zwei Jahren leer stehenden Altbaus. Ein hoher
Ökostandard, Warmwassererzeugung durch Solarzellen und große französische Fenster dürften die Kaufentscheidung potenzieller Interessenten ebenfalls erleichtern. „Der Quadratmeterpreis von 2000 € mag für den Wedding hoch sein, ist aber für ein Projekt dieser Qualität und Lage
unterdurchschnittlich“, erklärt Klinkenberg. Manche der Käufer kämen aus
dem Kollwitzplatz-Milieu und suchten nun das wenig er Etablierte – trotzdem sei es nicht Jedermanns Sache, Pionier im Wedding zu sein, beurteilt der Projektentwickler das bisherige Interesse.

Architekt Stefan Klinkenberg

Architekt Stefan Klinkenberg

Für Stefan Klinkenberg ist die Arbeit an der Panke jedoch auch eine
Rückkehr zu den eigenen Anfängen: „Ich habe meine Diplomarbeit 1981 über die Wiesenburg, das ehemalige Obdachlosenasyl an der Panke geschrieben“, sagt der Architekt, der damals auch im Wedding wohnte. Sogar die Garagen, die sich heute auf dem hinteren Grundstücksteil der Gerichtstr. 17 befinden, kennt Klinkenberg noch aus dieser Zeit: „Hier haben Freunde von
mir an Autos und Motorrädern geschraubt“, erinnert er sich. Die besondere städtebauliche Situation, zwischen Fabrikgebäuden, dem Obdachlosenasyl und der Panke, lässt sich aber auch auf dem zugewucherten Grundstück gut erkennen – hier sollen die zwei- und dreigeschossigen Atelierhäuser entstehen. „Mit ihren hohen Erdgeschossen eignen sie sich gut für Galerien, während die Obergeschosse als Ateliers genutzt werden können“, erklärt Klinkenberg, der bereits eine renommierte Fotografin als  Bauherrin gewonnen hat. Die großen Wohnungen im Vorderhaus sind  für Familien , Künstler oder Freiberufler geeignet, die viel
Platz benötigen. Noch sind aber nicht alle Einheiten verkauft, so dass der
genaue Baubeginn nicht bestimmt werden kann.

Stefan Klinkenberg macht es sichtlich Spaß, sich nach über 25 Jahren wieder
mit der Panke zu beschäftigen: „Ich freue mich, dass – im Vergleich zu
damals – an diesem Pankeabschnitt viel Geld von der öffentlichen Hand
investiert wurde.“ Es steckt also viel mehr persönliches Engagement hinter
dem Bauprojekt, als man anhand eines bloßen Bauschildes vermuten würde.

Interessiert am Thema „Baugruppe“? Lesen Sie doch einfach den Artikel über eine Baugruppe in der Kopenhagener Straße in Prenzlauer Berg.

Berlin wird endlich eine schöne Stadt

In Uncategorized on 12. September 2008 at 7:32

Sollte es irgendwo noch Zweifel daran geben, dass Berlin eine – sagen wir mal – verbesserungswürdige Stadt ist? An zentraler, aber keineswegs exponierter Stelle* wird aus einem Gasspeicher eine klassische Rotunde. Hier darf die Berliner Malerinnung mal zeigen, was sie kann.

* Am Pankepark, nahe Scharnhorststr. (gegenüber der BND-Baustelle am ehemaligen Stadion der Weltjugend)

Eine Sicht auf die Panke, die man nicht sehen kann

In Uncategorized on 11. September 2008 at 2:39

Zahlreiche verantwortliche Behördenmitarbeiter, Planungsbüros und Gewässerkundler haben der Panke aufgrund der bevorstehenden Renaturierung schon große Aufmerksamkeit geschenkt.
Auch Carsten Suter hat ein Gutachten über die Panke verfasst. Gemeinsam mitseiner Kollegin Annette Brandes hat er drei Wochen lang topografische Karten studiert,Messungen vorgenommen und ist bei Wanderungen entlang der Panke eingetaucht – in das Wesen des Flußsystems Panke.
Das Ergebnis liegt nun in schriftlicher Form vor und enthält Empfehlungen für die geplanten Renaturierungsmaßnahmen. Nichts Ungewöhnliches, möchte man meinen – wenn da nicht der etwas andere Blickwinkel auf das Thema Panke wäre.  Carsten Suter istGeomant, ein Experte für das Wahrnehmen von „Dingen“, die mit „bloßem Auge nicht zu sehen sind.“
Der Begriff „Geomantie“ bedeutet in etwa „Weissagung aus der Erde“ und hat einiges mit dem fernöstlichen Feng Shui gemeinsam.

Carsten Suter kam 1983 nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung nach Berlin. „Diese Ausbildung habe ich gemacht, weil mein Vater sich wünschte, dass ich einmal Ingenieur werde“, sagt der gebürtige Niedersachse, „und ich habe noch lange nach meiner wirklichen Berufung gesucht.“ Zunächst gründete er mit einer Designerin eine Modefirma, die mit einem bis dahin einmaligen Stegrock einen unerwarteten Erfolg landete. „Ich wollte immer etwas Künstlerisches machen, aber der Verkauf von Kleidung war letztendlich doch nicht meine Welt“, sagt Suter heute. 1995 verkaufte Carsten Suter die Firma und lebte zeitweilig auf einer Insel vor der kanadischen Westküste. „In der Einsamkeit machte ich viel Musik und hatte Zeit, nach einer neuen Aufgabe zu suchen“, erinnert sich Suter, der 1999 wieder nach Berlin zurückkehrte und seither in Pankow wohnt. Daher hat er auch einen Bezug zur Panke, die ihn nicht nur aus geomantischer Sicht, sondern auch als Anwohner interessiert.

Carsten Suter war lange auf der Suche nach dem, „was ihm fehlte“, wie er sagt, dachte zeitweise daran, Biobauer zu werden. „Den Bezug zur Landwirtschaft hatte ich schon als Kind auf dem Land“, sagt Carsten Suter. „Aber als ich zum ersten Mal von Steinheilkunde und Geomantie hörte, wusste ich, dass ich immer genau danach gesucht hatte“, erklärt der 47-jährige Vater von zwei kleinen Kindern. Die geomantische Ausbildung an der Schule für Geomantie „Hagia Chora“ absolvierte Suter im Rahmen von Blockseminaren in Süddeutschland, und in der Zwischenzeit bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren.„Jeder kennt doch die Situation, dass man gerade jemanden anrufen will – auf einmal klingelt das Telefon, und die Person ist am anderen Ende der Leitung.“ So beginnt Suter, wenn er Zuhörern von Phänomenen erzählt, die in seinem Beruf eine Rolle spielen. Die Essenz der Dinge erfassen, die um uns herum sind, so definiert Suter Geomantie. „Die Fähigkeit, nachzuprüfen, warum man zum Beispiel ein schlechtes Gefühl hat, haben viele Menschen verloren.“ Auch bei einem „Naturwesen“ wie der Panke springt das für Suter besonders ins Auge: „Mit dem, was die Menschen im Laufe der Jahrhunderte mit dem Fluss gemacht haben, haben sie auf einer geistig/seelischen, unsichtbaren Ebene ebenfalls etwas verändert“, erklärt der Geomant. Unterstützt werden kann die Heilung solcher Störungen, so schlägt er vor, durch den Einsatz von Symbolen wie z.B. künstlerisch gestalteten Kosmogrammen. „Alles ist mit allem verbunden, und die möglichen Auswirkungen von Maßnahmen kann man messen“, beschreibt Carsten Suter seinen Ausgangspunkt seiner Begutachtung. Verschiedene Aspekte dieser Art hat er in das geomantische Gutachten einfließen lassen, das seiner Meinung nach bei der Renaturierung der Panke Beachtung finden sollte.

„In der Weltsicht der Geomantie wird die Erde wie ein Organismus behandelt“, schreiben Carsten Suter und Annette Brandes in ihrem Gutachten. „Die Geomantie geht davon aus, dass Landschaften und Orte ähnlich dem Menschen beseelt sind und eine geistige Energie besitzen. Das, was der Mensch ist, ist auch die Landschaft, der Ort, da Alles mit Allem verbunden ist.“ Wie sich die Panke heute präsentiert, könne sie ihre Urqualitäten nicht mehr ausspielen, so das geomantische Fazit.

Für die Panke schlagen die Gutachter darum vor, unter anderen, Lithopunktur anzuwenden. Durch die Spaltung eines Steines, dessen Teile mit Kosmogrammen versehen und die jeweils im Quellgebiet und an der Mündung aufgestellt werden an noch zu bestimmenden wirksamen Punkten, würde der gesamte Flusslauf energetisch miteinander verbunden.

Mit Wahrnehmungsübungen vor Ort kann Suter dem Interessierten zeigen, welche Energien man spüren kann, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Es ist aber Aufgabe des Geomanten, die Sprache zu benutzen, die der Empfänger verstehen kann. Daher hat Carsten Suter Wert darauf gelegt, dass das Panke-Gutachten nicht zu fachspezifisch formuliert ist. Trotzdem hat er versucht, die Botschaft zu übermitteln, die ihm in Bezug auf die Panke wichtig ist: „Aus den Dingen, die mit der Erde zu tun haben, etwas Wahres sagen können – das ist es, was Geomantie ausmacht.“

Mehr Informationen unter www.geomanten.de

Wer sich für die Erde, Geomantie etc. aus rein spiritueller Sicht interessiert, findet auf der Seite http://lichtwege.wordpress.com einen sehr schönen Artikel unter dem Namen „Erde“.

Eine ehrliche Fassade

In Uncategorized on 7. September 2008 at 5:59

So viel Ehrlichkeit ist heutzutage selten: anderswo sind die Fassaden der Shopping-Malls rosa oder rundum verglast; kurz, dort soll die Kundschaft mit architektonischen Mitteln angelockt und bei Laune gehalten werden.

Das neue Fachmarktzentrum am Bahnhof Gesundbrunnen, das derzeit entsteht, verzichtet auf solche Spielereien. In einem Ortsteil, wo sich ein neu gebauter Fernbahnhof mit einer schlichten Betonplatte statt eines unnützen Empfangsgebäudes begnügt, ist auch der Kommerz grundehrlich: ein aufgepinselter Strichcode verschweigt dem Betrachter nicht, worum es bei der Distribution von Waren des täglichen Bedarfs wirklich geht.

Kiezeulen-Kita: Grenzgänger

In Uncategorized on 8. August 2008 at 7:30

Kitas im Wedding als Alternative zu überlaufenen Einrichtungen im benachbarten Prenzlauer Berg werden immer beliebter

Janine Wiefel ist über diesen Betreuungsschlüssel hoch erfreut: „Eine Erzieherin pro Kind – wo gibt’s denn sowas sonst?“ Paradiesische Bedingungen für Eltern in der neuen Kita „Kiezeulen“ in der Eulerstraße, wenn auch nur auf Zeit. Die Kita hat am 8.11.2007 neu eröffnet und es sind noch einige Plätze frei. Der Vorstandsvorsitzende des Trägers Kulturverein Prenzlauer Berg, Thilo Schlüßler, ist froh, mit der neuen Kita den Sprung in den Wedding gewagt zu haben. „Wir wollen hier neue Betreuungskonzepte entwickeln, wie zum Beispiel Früh- und Spätkita und wir verzichten auf Sommerschließzeiten. Wir wollen hier einen Leuchtturm starten!“ Für die neue Kita kann er sich sogar eine Betreuung über Nacht vorstellen, wofür das Bezirksamt allerdings noch eine Genehmigung erteilen müsste. Kiezeulen-Kita GebäudeDer Träger hat im gleichen Gebäude, einem denkmalgeschützten Neubau aus den 50er Jahren, auch die Geschäftsführung untergebracht. Auch die Pressesprecherin des Kulturvereins, Barbara Schwarz sieht in der Wanderung gen Westen vor allem eine Erweiterung des Aufgabenspektrums: „In unserer Kita in der Gleimstraße hatten wir schon lange großen Zulauf aus dem Wedding, aber wir wollen mehr Erfahrung sammeln für die Kinder- und Jugendarbeit mit Migrationshintergrund“. Die Weddinger Filiale als Chance für den Kulturverein, der noch vor wenigen Jahren vor der Insolvenz stand – so sieht es der Vorstandsvorsitzende: „Wir wollten die Gelegenheit nutzen, lange schlummernde Visionen in die Tat umzusetzen“, sagt Schlüßler. „Wir haben es durch den Wechsel des Bezirks jetzt ja auch mit einem anderen Bezirksamt zu tun, das uns den Schritt erleichtert hat.“

Kiezeulen-Kita ErzieherinnenOhne die Bereitschaft der Erzieherinnen wäre es natürlich aber auch nicht möglich gewesen, eine Filiale einer zwanzig Jahre alten Kita aus dem Prenzlauer Berg am Gesundbrunnen einzurichten. Die 43jährige Sibylle Werner und ihre 26 Jahre junge Kollegin Nicole Arms hatten schon vor den Umzugsplänen Ideen für neue Betreuungsformen entwickelt. „Wir haben sofort ja gesagt, als sich die Möglichkeit bot“, erzählen beide. „Wir hatten zwar keine Vorurteile über den Wedding, aber wir sind trotzdem überrascht, wie schön der Kiez hier ist.“ Zahlreiche Spielplätze an der Grüntaler Straße und viel Grün direkt vor der Haustür empfinden die beiden Erzieherinnen aus dem Prenzlauer Berg als traumhafte Bedingungen. Sie selbst wollen aber auch etwas ganz Neues ausprobieren: „Gerade in der Nähe des Gesundbrunnen-Centers und des Virchowklinikums werden wir berufstätigen Eltern eine Betreuung anbieten, die ihnen den Babysitter ersetzt.“

Kiezeulen-Kita Mutter und KindDie 13 Monate alte Kaisa wird daran noch nicht denken. Ihre Mutter Janina Wiefel war zunächst einfach nur froh, den Betreuungsplatz kurzfristig erhalten zu haben. „Ich wohne in Niederschönhausen, aber die Kita liegt perfekt auf meinem Arbeitsweg.“ Aber nicht nur praktische Gründe sprechen für die „Kiezeulen“: „Mir ist wichtig, dass auch Kinder aus anderen Kulturen hier sein werden, damit Kaisa später damit keine Probleme haben wird.“

Freie Plätze? mehr unter: http://www.kvpb.de/html/gleimstrolche/index.html

P.S. Nachtrag: inzwischen wohnen beide Erzieherinnen im Wedding und die Kita hat sich räumlich noch erweitert. Eine Betreuung wird derzeit von 6 – 18 Uhr für alle Altersgruppen angeboten.


Kita Kiezeulen,  Eulerstraße 19, S-U-Bhf Gesundbrunnen

Verreisen in die eigene Stadt

In Uncategorized on 17. Juli 2008 at 8:14

Was ist der innerstädtische Tourismus?

„Statt zu verreisen, kann man auch in der Stadt bleiben und diese unter
immer wieder neuen Gesichtspunkten erleben“, beschreibt Jörg Zintgraf,
Geschäftsführer von StattReisen Berlin, das Konzept seiner Firma. Schon
seit 1983 bietet das Weddinger Unternehmen Stadtspaziergänge an, die
gleichermaßen für Touristen von außerhalb und für Einheimische konzipiert sind. „Die Touristen und die Berliner miteinander ins Gespräch bringen ist
uns ganz wichtig“, sagt Zintgraf, „denn so wird der Zoo-Effekt vermieden
und die Stadt wirklich greifbar gemacht.“ Zunehmend interessieren sich
nämlich die Berlin-Besucher auch für das Funktionieren dieser

Millionenstadt – und nicht nur für die allseits bekannten Sehenswürdigkeiten. „Es kann durchaus reizvoll sein, sich auch die vermeintlichen Ghettos näher anzusehen“, sagt der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte Dr. Christian Hanke, in dessen Bezirk mit Moabit, Wedding und Gesundbrunnen drei ganz besonders schlecht angesehene Ortsteile liegen. Dass darin auch ein touristischer Reiz liegen kann, glaubt auch der
Bürgermeister. Es kann für den einen oder anderen Touristen durchaus
reizvoll sein, eine preiswerte Unterkunft in einem einfachen, aber
lebendigen Innenstadtviertel zu haben und von dort aus Berlin zu
erkunden.

So vermittelt StattReisen beispielsweise Schulklassen in eine Unterkunft
in der Koloniestraße 77, am Nordostrand des Ortsteils Gesundbrunnen: „Die
Stadt ausgehend von einem ehemaligen Wohnhaus in einem als Problemkiez
geltenden Gebiet zu erkunden zeigt einfach viele Zusammenhänge auf“,
erklärt StattReisen-Geschäftsführer Zintgraf. Wie sonst kann man
verstehen, wie Hunderttausend Berliner wirklich leben?

Für alt eingesessene und zugezogene Berliner besteht aber ebenso Bedarf,
ihre eigene Stadt in all ihren Facetten kennenzulernen. Vor allem entlang
des ehemaligen Mauerverlaufs haben noch viele Anwohner Hemmungen, den
Schritt über die einst unüberwindbare Grenze zu wagen. Eine von Anwohnern
gegründete Initiative namens „Nächste Ausfahrt Wedding“, die sich gezielt
an die Bewohner des Prenzlauer Bergs richtet, möchte dies ändern.
Verschiedene Stadtführungen, die von sachkundigen Einheimischen
durchgeführt werden, beginnen vor der „Barriere“ Gleimtunnel und führen in
den  Nachbarstadtteil Gesundbrunnen. Die Mitbegründerin der Initiative
Tanja Kapp ist von der unerwarteten Resonanz überrascht worden: „Bei der
ersten Veranstaltung im Jahr 2007 kamen auf Anhieb 170 Leute!“. Angesichts der großen Gegensätze sogar zwischen benachbarten Stadtvierteln – auf östlicher Seite der sanierte Altbaukiez mit überwiegend akademisch geprägter Bewohnerschaft, auf westlicher Seite der sozial schwache Innenstadtkiez mit hohem Migrantenanteil – kann ein kurzer Ausflug schon zu einer kleinen Bildungsreise werden. Vorausgesetzt, man verfügt über wichtige Hintergrundinformationen, die von einem sachkundigen Stadtführer geliefert werden. Dass dieses Konzept auch langfristig tragfähig sein kann, beweist StattReisen mit der Tour „Hallo Roter Wedding“, die von Anfang an – also seit 25 Jahren, fester Bestandteil des Tourenprogramms ist.

Kerstin Kaie führt für „Nächste Ausfahrt Wedding“ per Rad auch schon mal
in den Soldiner Kiez, der mit einem ganz besonders schlechten Image zu
kämpfen hat. „Ich wohne schon seit vielen Jahren in diesem Viertel, kann aber nicht mit Geschichten über Überfällen oder Kriminalität dienen“, erklärt die Kiezbewohnerin ihren Tourteilnehmern, die von dem Ausflug durchweg begeistert sind. Die Teilnehmer werden im Gegenzug gebeten, ihre Eindrücke auf einem Fragebogen zu schildern, mit dem Kerstin Kaie Daten für die Imageforschung des Soldiner Kiezes sammelt. „Die B.Z. hat den Soldiner Kiez im März als Montmartre von Berlin bezeichnet“, sagt Kaie, die die Tourbesucher auch in eine der zahlreichen offenen Galerien der „Kolonie
Wedding“ führt. Die Gäste sind vor allem überrascht: „Das habe ich hier
ganz bestimmt nicht erwartet“, sagt Susanne, die im Gleimviertel wohnt und
wieder herkommen will.

Andere Anbieter haben sich ganz auf Fahrradtouren spezialisiert. „Berlin
on Bike“ etwa lotst die Teilnehmer gerne in innerstädtische Oasen oder
entlang des ehemaligen Mauerverlaufs. „Die meisten Teilnehmer sind überrascht, wie gut es sich in Berlin Rad fahren lässt“, sagt Martin Riewestahl, der bei Berlin on Bike arbeitet und auch von Zeit zu Zeit selbst Touren leitet. Im Unterschied zu den Stadtspaziergängen kann man bei den Radtouren größere Entfernungen zurücklegen und einen größeren Ausschnitt der Stadt erleben. Gerade der Verlauf der Berliner Mauer und wie die Grenze die Stadt zerrissen hat lässt sich so in einen größeren städtischen Zusammenhang einordnen.

Bei StattReisen wird bei manchen Stadtspaziergängen auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgegriffen, um größere Entfernungen zu überwinden. Und dadurch kommt man nicht nur von A nach B, sondern kann die Berliner in ihrem Alltag besonders eindrücklich erleben.

Der Gesundbrunnen sprudelt wieder!

In Uncategorized on 12. Juli 2008 at 8:14

Die versiegt geglaubte Quelle kann wieder öffentlich besichtigt werden – allerdings 40 Meter von der früheren Heilquelle entfernt…

Von hier an geht's bergabBetreten auf eigene Gefahr! Jeder Besucher muss erst unterschreiben, dass er für Schäden am eigenen Leib selbst haftet, wenn er sich in den modrigen Keller des Hinterhauses der Badstraße 35 hinabbegibt. Wer die steile Kellertreppe hinuntergestiegen ist, erlebt dafür sein blaues Wunder: die lange versiegt geglaubte Quelle, die dem Gesundbrunnen seinen Namen gab, tritt im Keller zu Tage. „Seit fünf Jahren wohnen wir hier im Haus“, erklärt Thomas Gärtner, ein Theologe, der die neugierigen Besucher in kleinen Gruppen in den Keller führt. „Eines Tages hat uns der Hausmeister gezeigt, wo seit jeher das Wasser abgepumpt werden muss.“ Gemeinsam mit seiner Frau Marlies Mäder werden nun regelmäßig Führungen zur Quelle angeboten. „Die 1701 erstmals entdeckte Heilquelle ist am Ende des 19. Jahrhunderts versiegt, als die Vorderhäuser an der Badstraße erbaut wurden“, erklärt Gärtner. „Hier befanden sich aber auch ein Biergarten mit 30.000 Plätzen, ein Freilufttheater, ein Ballsaal und eine Badeanstalt.“ Diese äußerst intensive Erholungsnutzung des Ortes dürfte ebenfalls zum Versiegen der Quelle beigetragen haben.

Thomas Gärtner in den Niederungen seines HausesVon der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, hat es rund um das Luisenbad aber immer mehrere Quellen gegeben, und die Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU als Vermieter des Hauses Badstraße 35 hat sich längst darauf eingestellt, das Wasser im Keller permanent abpumpen zu müssen. Bei der heutigen Führung ist die Pumpe jedoch ausgefallen, und der Kellerboden ist prompt einige Zentimeter mit Wasser bedeckt. „Die Berliner Wasserbetriebe haben das Trinken dieses Wassers vorerst untersagt“, erklärt Gärtner den ein wenig enttäuschten Besuchern, die sich zum Teil extra Gläser mitgenommen haben – es ist noch nicht klar, ob das Wasser durch die Gewerbebetriebe in der Umgebung kontaminiert sein könnte. Außerdem kann noch niemand sagen, ob sich die Ursprungsquelle um 40 Meter bis zu diesem Haus verlagert hat. Die Besucher sind in jedem Fall begeistert. Eine 73-jährige Pankowerin hat den mühsamen Abstieg nicht bereut, und eine Besucherin ist wegen der Quelle sogar eigens aus Köpenick angereist. Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtet für seine „Abendschau“ über das große Interesse an dieser Quelle, die dem Ortsteil Gesundbrunnen und der Badstraße ihren Namen gegeben hat und für die kurzzeitige Blüte dieses Ortes als Heilbad verantwortlich war.

Hier drückt sich im Keller Wasser hoch„Wir haben was losgetreten“, sagt Markus Rothe, Krankenpfleger aus Prenzlauer Berg, der viele der Besucher am 12. Juli mit dem Fahrrad hierhergeführt hat. Er gehört zu den Stadtführern der Aktion „Nächste Ausfahrt Wedding“, einer Anwohnerinitiative aus dem Gleimviertel in Prenzlauer Berg. Bereits zum vierten Mal wurden interessierte Berliner durch den Gleimtunnel in den für viele noch unbekannten Nachbarbezirk Wedding geführt, und eine der angebotenen Touren führt zur Gesundbrunnenquelle. „Mit diesem Ansturm haben wir nicht gerechnet“, sagt Initiatorin Tanja Kapp, die bei der ersten Veranstaltung im Jahr 2007 auf Anhieb 170 interessierte Besucher begrüßen konnte. „Der Riesenerfolg gibt uns recht“, sagt Kapp – denn immer mehr Menschen wissen: manchmal muss man nur ein paar hundert Meter reisen, um ein kleines Abenteuer zu erleben. An diesem Tag geschieht dies aber auf eigene Gefahr….

Nächste Ausfahrt Wedding am GleimtunnelMarkus Rothe erklärt den Teilnehmern den Weg

Mehr über die Touren der Initiative Nächste Ausfahrt Wedding erfahren Sie auf dieser Website. Ob wieder Besichtigungen der Quelle möglich sind, kann über die Organisatoren erfragt werden.

Noch nicht aufgegeben

In Uncategorized on 5. Juli 2008 at 4:26

Bio in Prenzlauer Berg, Caipirinha in Kreuzberg, Crêpes in Friedrichshain -

all das ist mittlerweile normal, ja fast schon banal geworden. Aber Baguettes im Wedding zu verkaufen, das ist schon so unvorstellbar, dass der Betreiber dieser Baguetterie in der Pankstraße darauf hinweist, dass er seit 14 Jahren Baguettes verkauft und seitdem noch nicht umgezogen ist.

Wenn das nicht wirklich mal etwas Originelles ist?

Ein Sommertag im Wedding

In Uncategorized on 5. Juli 2008 at 4:00

Ein Graffitisprayer zeigt stolz seine Auftragsarbeit an einem Laden in der Prinzenallee…

…an der Prinzenallee Ecke Soldiner hat sich im Kircheneingang ein konkurrenzloser täglicher Marktstand etabliert…

…und von allem unbeeindruckt wachsen in der Panke die Wasserpflanzen wie verrückt…

Es sind solche Bilder, die den Eindruck verstärken, dass in kaum einer anderen Stadt der Unterschied zwischen Winter und Sommer größer ist als in Berlin.

Einkaufsführer mal anders

In Uncategorized on 30. Juni 2008 at 4:59

Es gehört vielleicht etwas Mut dazu, einen Einkaufsführer für Wedding und Pankow zu schreiben. Aber in welcher konventionellen Einkaufsstraße kann man solche Knaben-Anzüge im Stil einer orientalischen Phantasieuniform finden? Doch nur in der Badstraße in Berlin-Gesundbrunnen! Gleich zwei Hausnummern weiter findet sich dann auch eine absurd große Auswahl an Wasserpfeifen. Wenn man sich die Wettbüros und Dönerläden wegdenkt, befindet sich hier letztendlich (wieder) eine Einkaufsstraße, die eben nicht nur Waren des täglichen Bedarfs bietet. Grund genug, Einkaufstipps zu veröffentlichen und dazu noch Restaurants zu empfehlen, denen gewiss die Michelin-Sterne fehlen. Aber wer würde die hier schon erwarten? Man freut sich statt dessen, wenn es wider Erwarten überhaupt etwas Ungewöhnliches zu essen gibt.

Nachzulesen und mitzuschreiben auf http://panke.info/pages/einkaufen-und-essen.php

Ballack-Verehrung

In Uncategorized on 30. Juni 2008 at 4:47

Wer sagt, dass sich der gemeine Fußballfan in seiner Fußball-Euphorie während der EM nicht auch künstlerisch äußern kann? In der Weddinger Gottschalkstraße hat ein Fan seine Verehrung für Michael Ballack als öffentliche Ausstellung zum Ausdruck gebracht. Da ist es doch fast schon egal, dass es mit dem Europameister-Titel nicht geklappt hat ….

Purer Opportunismus?

In Uncategorized on 11. Juni 2008 at 6:37

Man hat sich ja schon seit der WM 2006 daran gewöhnt, richtige und falsche Deutschlandflaggen an Autos zu sehen (und hier im Wedding natürlich auch türkische und polnische Hoheitssymbole). Dieses Fahrzeug an der Prinzenallee scheint es aber allen recht machen zu wollen. Oder will der Autobesitzer damit seine Solidarität zu den teilnehmenden Nationen zeigen, ohne jemandem auf den Schlips zu treten? Man darf auf die Olympischen Spiele gespannt sein…

Wird die Panke wieder ein strudelnder Fluss?

In Uncategorized on 10. Juni 2008 at 4:21

“Der ist direkt aus der Panke gesprungen”, scherzt der Angestellte der
Stadthalle Bernau, als er einen Lachsstreifen vom Boden unter dem Büffet
aufhebt. Die Veranstaltung, die hier am 27.05.08 stattfindet,  ist mit etwa
150 Personen gut besucht. Der “3. Tag der Panke”wurde organisiert vom
Landesumweltamt Brandenburg und dem Referat Wasserwirtschaft der
zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.. Die Panke als naturnahes Gewässer – an diesem ehrgeizigen Ziel arbeiten die beiden Ämter länderübergreifend, unterstützt von Ingenieurbüros und Planungsfirmen. Hintergrund ist die Wasserrahmenrichtlinie der EU, die im Jahr 2000 erlassen wurde und einen Zeithorizont bis 2027 umfasst. Die erste Zielvorstellung sieht vor, bis 2015 die Gewässer in Europa wieder in einen guten ökologischen Zustand zuversetzen.

“Wie passen das Ökosystem eines Auenwaldes und die in Berlin an vielen Stellen kanalisierte Panke zusammen?”, fragt Landschaftsplaner Ralf Wegner in seinem Vortrag und erklärt, welche ökologischen Funktionen eine renaturierte Panke hätte: Beschattung, Falllaub, Schlupfgebiet und Eiablage. Wegner überrascht das Publikum mit einem Foto von der Panke südlich der Osloer Straße mitten in Berlin-Gesundbrunnen: an dieser Stelle gibt es heute schon eine Auenlandschaft. Auf der Grundlage der jetzt schon vorhandenen auenartigen Abschnitte soll eine Perlenkette von ökologisch wertvollen Bereichen in Berlin entstehen, wo sich bestimme Tier- und Pflanzenpopulationen ansiedeln und eigenständig entwickeln können. Ist die Panke dann “durchgängig”, wenn sie also ohne Hindernisse fließt, können diese Tier- und Pflanzenarten in die nicht renaturierten Abschnitte ausstrahlen. In diesem Jahr wird mit markierten Fischen getestet, ob der Düker an der Chausseestraße überwunden werden kann. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Die derzeit noch zwölf Querbauwerke werden nach der Planung der Senatsverwaltung in den nächsten Jahren beseitigt. Der Gruppenleiter WasserwirtschaftMatthias Rehfeld-Klein erläutert, welche Rechenanlagen, Wehre und Abstürze aus fischökologischen Gründen beseitigt werden sollen und wie sich damit das Bild der innerstädtischen Panke schon ab 2012 vollständig verändert. Auch in Brandenburg ist die Panke jahrelang sehr stiefmütterlich behandelt worden, wie Norbert Herrn vom Landesumweltamt Cottbus einräumt. Umso größer sind die Anstrengungen, die unternommen werden sollen: “Eine hydromorphologische Renaturierung bei gleichzeitiger Hochwasserneutralität ist geplant”, erläutert Herrn. Dies bedeutet, dass je nach den baulichen Gegebenheiten ein sandgeprägter Tieflandbach mit wechselnden Strömungsverhältnissen (Zepernick), einorganischer Bach (zwischen Bernau und Zepernick) und eine vermoorte Senke (im Quellgebiet) angestrebt werden.

Was den Hochwasserschutz angeht, erläutern die Planer, dass man von der
herkömmlichen Auffassung abrückt, das Regenwasser so schnell wie möglich dem abfließenden Gewässer zuzuführen. Dies gewinnt angesichts des Klimawandels an Bedeutung: Starkregen tritt bei bestimmten Wetterlagen häufiger auf als früher, während immer mehr Flächen versiegelt werden. Es komme nun darauf an, das Regenwasser zunächst in Rückhaltebecken vor allem im Oberlauf der Panke zwischenzuspeichern, erklärt Bauingenieur Kohnert.

Welche kurvenreichen, naturnahen Gewässerformen sogar mitten in Städten
schon realisiert wurden, demonstriert die Limnologin Tanja Pottgießer vom
Umweltbüro Essen. Sie unterstreicht, dass Gewässer nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sondern auch Erlebnisraum für Menschen sein können.

Bei so vielen Aufgaben, vor denen die zuständigen Ämter, die ausführenden
Ingenieure und Experten stehen, scheint an der Panke die Einhaltung der
Wasserrahmenrichtlinie schon bis 2015 schwer erreichbar. Die vielen
Maßnahmen, die derzeit erarbeitet werden und in vielen Einzelschritten
realisiert werden sollen, werden das Bild der Panke, wie wir sie heute
kennen, aber in jedem Fall vollständig verändern. Es hat ein Umdenken
begonnen, um die massiven Eingriffe und Störungen der Panke auf
dem Gebiet Berlins und Brandenburgs zu beseitigen oder zumindest
abzumildern. Die beiden Herausforderungen bestehen in der Verbesserung der Wasserqualität und in der Veränderung der Gewässerstruktur hin zu einem naturnahen Fluss. Wenn Fische wieder den gesamten Pankelauf durchschwimmen können, ist bereits eine Herkulesaufgabe gemeistert. Dass es auch Lachse in der Panke geben wird, darf jedoch bezweifelt werden.

Eindringlicher Appell am Autofreien Sonntag

In Uncategorized on 1. Juni 2008 at 10:07

An der Wollankstr./Ecke Kreuzstr. in Pankow. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sich irgendjemand deswegen vom Autofahren abhälten lässt. Das regelt dann schon eher der aktuelle Spritpreis.

Andere Fahrräder rosten….

In Uncategorized on 28. Mai 2008 at 6:15

Am Bahnhof Pankow

Radtour am Mauerweg (Wedding/Prenzlauer Berg)

In Uncategorized on 16. Mai 2008 at 6:58

In unserem neuen Touren-Portal http://panke.info/pages/portal-touren.php wird unter der Tour C 2 eine Radtour vom Mauerpark in Richtung Panke und Schönholz beschrieben.

Bei der Eröffnung des entscheidenden Teilstücks, das die Lücke zwischen Prenzlauer Berg, Pankow und Wedding schloss, erschien folgender Artikel:

Seit August 2004 endet die Grüntaler Straße an ihrem Nordende nicht mehr stumpf an der S-Bahn. – Eine neue Trasse ermöglicht Fußgängern und Radfahrern wieder die historische Verbindung zwischen dem Wedding und der Esplanade in Pankow. Neu errichtet wurde dafür nur ein kleiner Teil unter den beiden S-Bahn-Unterführungen. Im Jahr 2001 haben Senat und Abgeordnetenhaus beschlossen, die 160 km lange Strecke entlang der ehemaligen Berliner Mauer als Rad- und Fußweg zu erhalten. Wo erforderlich, sollte der Weg durch Lückenschlüsse ergänzt werden. Für dieses von ihm initiierte Projekt hat sich der Grünen-Politiker Michael Cramer, heute Europaabgeordneter in Brüssel, jahrelang mit viel Energie eingesetzt: „Es hat sich in den letzten Jahren eine ganze Menge getan“, sagt Cramer. „Eine der spektakulärsten Verbesserungen war dabei die Unterquerung der Bahnstrecken nördlich der Bornholmer Straße und die Verbindung von der Norwegerstraße zum Schwedter Steg.“

Weltweites Interesse
Außerhalb Berlins finden seine Vorträge über den weltweit einmaligen Mauerweg großes Interesse, sogar in New York. Und was Cramer besonders wichtig für die Bekanntheit des Mauerwegs ist: der Weg ist größtenteils schon ausgeschildert. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat außerdem angekündigt, für 3,5 Millionen Euro die gesamten 160 km noch im Jahr 2005 fertig zu stellen. Und wer einmal den ganzen Weg abfahren möchte, kann auf Michael Cramers Broschüre „Mauerstreifzüge“ oder auf den „Bikeline“-Routenführer vom Verlag Esterbauer zurückgreifen.

Fahrradverkehr in der Stadt fördern
Der Mauerweg genießt also von Seiten des Senats eine gewisse politische Priorität – auch, um den Fahrradverkehr in der Stadt zu fördern: „Der Weg stellt eine alte durch den Mauerbau unterbrochene Verbindung wieder her“, heißt es in der Presseerklärung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Finanziert wird das Projekt zum Großteil durch den Bund und die Europäische Union. Zwischen Wedding und Pankow, südlich des so genannten „Nassen Dreiecks“, kamen noch Mittel der Deutschen Bahn hinzu, die dort eine Grünfläche als Ausgleichsmaßnahme für andere Bauprojekte anlegen ließ.
(Foto: Bösebrücke am S-Bahnhof Bornholmer Straße/ehemalige Grenze)

DDR-Betonkübel denkmalgeschützt
Stefan Wallmann (Foto) war als Landschaftsarchitekt für den Lückenschluss zwischen Wedding und Pankow mitverantwortlich. „Das Grundprinzip der Verlängerung der Grüntaler Straße war die Erhaltung des Straßencharakters mit Gehweg, Bordstein und Fahrbahn“, sagt Wallmann. Daher gibt es unter den Brücken auch keine Pflanzen. Der Pankower Teil des Projekts hat hingegen eher Grünflächencharakter. Die Betonkübel vor der Esplanade aus DDR-Zeiten sind denkmalgeschützt und mussten daher in die Gestaltung integriert werden. Wallmann ist außerdem noch für weitere 65 km des Mauerwegs zuständig, wobei er insgesamt nur wenig gestalterischen Spielraum sieht: „Es geht eher darum, Verbindungen wieder herzustellen und alte Spuren wieder nutzbar zu machen“ erklärt der Planer. „Um Hinweise auf historisch bedeutsame Punkte in der früheren Grenzanlagen, geht es beim Mauerweg nicht“, sagt Wallmann. „Auf Initiative der Kiezbewohner könnten jedoch Hinweisschilder entwickelt werden, die auf historische Stellen aufmerksam machen.“ So führt der Weg beispielsweise unter der Bösebrücke hindurch, wo am 9. November 1989 der erste Grenzübergang geöffnet wurde.

Kirschbäume aus Asien
Der neue Weg verbindet nicht nur West mit Ost, sondern auch Europa mit Asien. Viele der Kirschbäume am Mauerweg sind nämlich von der japanischen Sakura-Stiftung kurz nach der Wiedervereinigung angepflanzt worden. Finanziert wurden sie durch Spenden japanischer Bürger, auch die im Jahr 2004 neu angepflanzten Bäume. Nicht nur sie dürften für die Bewohner des Soldiner Kiez guter Grund sein, die neue Grünanlage zu nutzen – bislang galt das Areal für den Senat höchstens als „durch den Grenzverlauf deutlich benachteiligter Stadtbereich“.
(Foto: Widmungsstein für die japanischen Kirschbäume)

Mauerweg in der Nähe des Soldiner Kiez
Der Berliner Mauerweg beginnt am S-Bahnhof Wollankstraße und führt dahinter durch eine Hain an Kirschbäumen bis zum Pankeradweg.
Am Ende der Grüntaler Straße an der S-Bahntrasse führt die Unterführung zum Mauerweg in Richtung Bösebrücke und Prenzlauer Berg.

AKTUELLE ERGÄNZUNG:
Auf http://panke.info/pages/portal-touren.php gibt es viele Tourenvorschläge und eine Radtour die Panke entlang. Unbedingt mal nachlesen!

Stand: 03.05.2005 Autor: Joachim Faust Fotos: JF/ka

Eine sichere Bank?

In Uncategorized on 16. Mai 2008 at 5:27

„Im Rahmen der Schadensprävention wurde festgestellt, dass mit Ihrer Karte ein Missbrauch stattfand.“ Mit diesem lapidaren Schreiben teilte die Sparkasse meiner Frau mit, warum ihre EC-Karte neulich eingezogen wurde. Meine Frau hatte an einem Geldautomaten der Dresdner Bank am U-Bf. Reinickendorfer Straße Geld abgehoben und sich über die eigenartige Plastikummantelung rund um den Kartenschlitz gewundert. Was sie nicht bemerkt hatte, war, dass die Daten auf dem Magnetband der Karte in dem Gummiaufsatz dupliziert wurden. Man denkt, so was passiert immer nur anderen. Immerhin scheint nichts zu fehlen, wie ein erster Blick auf die Kontodaten ergab. Und dass die Bank die Manipulation schnell bemerkt hat, beruhigt zumindest ein wenig. Aber: „Wir bitten Sie, Ihre Kontoauszüge aufmerksam zu prüfen“, schliesst das Schreiben der Sparkasse. „Vielen Dank für Ihr Verständnis.“

Kinderspieleckenfreie Zone

In Uncategorized on 13. Mai 2008 at 4:41

Ich habe lange im Prenzlauer Berg gewohnt und lebe jetzt im Wedding. Es macht mir Spaß, regelmäßig in „meinem alten“ Bezirk zu sein und zu beobachten, wie sich dieser immer mehr verändert. Allerdings ist dies nicht mehr meine Welt, es scheint, als ob im P’Berg alles, was anders ist als die Mehrheit, an den Rand oder in andere Ortsteile vertrieben wird. Mittlerweile sind die meisten Bewohner selbst so einheitlich in ihrer scheinbaren Individualität, dass es eben den Abstand und den Blick von außen braucht, um das noch zu erkennen.

Ich habe gestern einem Freund geholfen, sein Ladengeschäft in einer Straße nahe des Wasserturms einzurichten. Er hat seine berufliche Existenz auf einen Kundentyp aufgebaut, der in dieser Gegend tatsächlich zahlreicher vertreten ist als woanders. Zuerst hat er überlegt, die in diesem Umfeld übliche Raumnutzung anzubieten, jetzt wo er über genügend Platz im Geschäft verfügt: aber ist es nicht geradezu revolutionär in dieser gar-nicht-mehr-so-originellen Gegend, eben keine Kinderspielecke und keinen Latte Macchiato anzubieten? Oder hängt der Geschäftserfolg mittlerweile davon ab, wie sehr man sich dem Mainstream des Prenzlauer Bergs anpasst?

Tourismus für Berliner in ihrer eigenen Stadt

In Uncategorized on 13. Mai 2008 at 6:48

Ich behaupte, dass es Tourismus auch in der eigenen Stadt gibt. Man kann in dieser riesigen Stadt unmöglich alles kennen. Wer nur die Hauptverkehrsstraßen benutzt, versäumt so einiges. Und wer weiß schon alles, was Krieg und Abrisswut noch alles übriggelassen haben?

Um dem abzuhelfen, baue ich ein lokales Tourismus-Portal auf. Es ist zu finden unter http://panke.info/pages/portal-touren.php . Es gibt verschiedene Touren, die nach dem Baukastensystem selbst zusammengestellt werden können. An der Darstellung und Druckbarkeit wird allerdings noch gearbeitet!

Das Portal richtet sich in erster Linie an Bewohner der Innenstadtbezirke und des Nordosten Berlins.

Viel Spaß beim Ausprobieren…

Im Winter Wedding Dress, im Frühling Eis

In Uncategorized on 5. Mai 2008 at 6:52

Die Baugruppe

In Uncategorized on 5. Mai 2008 at 6:45

“Es wird sogar verschiedenfarbige Blumen im Garten geben”, sagt die beteiligte Architektin Antje Mehnert beim Richtfest. Die Zuhörer lachen. Die Blumen sind nur ein Beispiel für den langen Diskussionsprozess, den die Bauherren bei der Planung ihres Hauses durchlaufen haben. Der andere Architekt Stephan Thiele drückt es so aus: “Wir haben nicht ein Mehrfamilienhaus, sondern neun Einfamilienhäuser übereinander gebaut.” So individuell waren die Wünsche der neun an der Baugruppe beteiligten Familien, die auf der Baulücke Kopenhagener Straße 18 mitten im Prenzlauer Berg ihren Traum verwirklicht haben. Kein Grundriss gleicht dem anderen, jeder Bodenbelag und jede Fliese sind von jedem Eigentümer ausgewählt worden. “Uns war am wichtigsten, dass wir hier auch einen Garten haben werden”, sagt Tobias Jentsch. Schließlich werden in den zehn Wohnungen von Anfang an zwölf kleine Kinder leben, von denen das Jüngste sogar erst kurz vor dem Richtfest geboren ist. Jentsch verwirklicht aber auch ein anderes Anliegen, das eine andere Generation betrifft: seine Eltern, Ende sechzig, werden ebenfalls in dem Haus einziehen. Rüdiger Jentsch und seine Frau werden dafür ihr Eigenheim in Oldenburg aufgeben und mitten in die Großstadt Berlin ziehen. “Wir wollen von der kulturellen Vielfalt Berlins profitieren”, erklärt Jentsch senior, aber er freut sich auch auf die Gartenarbeit. Sein Sohn Tobias findet an der Vorstellung, mit seinen Eltern zusammenzuwohnen, nichts Besonderes: „Das war doch früher auch selbstverständlich.“

 

Dass auch zwei ältere Paare im Haus wohnen, war dem Mitinitiator der Baugruppe, Jens Kober wichtig. “Wir wollen mehrere Generationen im Haus haben”, erklärt der Mitarbeiter eines grünen Bundestagsabgeordneten. Selbstverständlich wurde der Bau als Niedrigenergiehaus ausgeführt, und auch Solaranlagen fehlen nicht. Auch ansonsten ist die Mischung der Hausbewohner typisch für das Stadtviertel, in dem das Haus entstanden ist: “Es wohnen eigentlich nur Akademiker hier”, stellt Kober fest. Das liegt sicher auch daran, dass die anderen Mitglieder der Baugruppe aus dem weiteren Freundes- und Bekanntenkreis rekrutiert wurden. Und architektonisch? “Es mussten strenge Vorgaben eingehalten werden, weil das Haus gegenüber dem denkmalgeschützten Umspannwerk gebaut wurde”, erklärt Architektin Mehnert. So musste auch auf die geplante Dachterrasse verzichtet werden: “Es soll hier im dicht bebauten Gleimviertel keinen Wildwuchs auf den Dächern geben”, sagt die Architektin, die mit Architekt Stephan Thiele selbst zur Baugruppe gehört.

Allen zukünftigen Bewohnern ist gemeinsam, dass sie die Vorteile der Stadt mit denen des individuellen Bauens verbinden wollten: auf der einen Seite die städtische Infrastruktur (200 Meter zur U- und S-Bahn), auf der anderen Seite eigene Träume realisieren zu können und einen Gemeinschaftsgarten zu haben: “Wir wollten einfach einen Ort, wo unsere Kinder unbeaufsichtigt spielen können und einmal nicht betreut sind”, erklärt Jens Kober seinen Traum. “Und gleichzeitig möchte ich auch keine langen Wege in Kauf nehmen, um auch mal ein Bier trinken zu können.”

Die im Kiez engagierten Bürger trauern einstweilen um die Pappel, die sich auf dem Baulückengrundstück früher befand: „Es ist schade um die kleine Stadtbrache, wo die Kinder spielen konnte“, sagte Jacqueline Röber vom Bürgerverein Gleimviertel. Zum Ausgleich hat die Baugruppe in ihrem Garten drei neun Meter hohe Bäume vorgesehen. Außerdem beteiligt sich die Baugruppe an einer Pflanzaktion für Straßenbäume im Viertel. “Wir sind Bürger und keine anonymen Investoren. Wir schließen letztendlich auch eine Baulücke.” erklärt Bauherr Tobias Jentsch. Hier zeigt sich, welche schöpferische Kraft entsteht, wenn ähnlich gelagerte Interessen Einzelner zusammenfinden.

Helsinki ist wie Berlin, nur am Meer

In Uncategorized on 5. Mai 2008 at 6:40

Wo der Mann herkommt, geht im Moment die Sonne fast nicht unter. Dafür geht sie im Winter erst gar nicht auf. Er verkauft lappländischen Honig für vier Euro das Glas, an einem Marktstand am Berliner Alexanderplatz. Dort ist der zentrale Veranstaltungsort für das Festival HelsinkissBerlin – eine Art finnisch-deutscher Kulturaustausch. Sehr kreativ wurde hier mit den typisch deutschen Insignien eines Volksfestes umgegangen:die gleichen Buden wie sonst auch, aber zusätzlich gibt’s Fischsuppe oder auf der Flagge mit dem Berliner Bären steht „Ich bin ein Finne“. Auch Lapin Kulta-Bier gibt es hier. Ich finde das finnische Sammelsurium ziemlich witzig, ich mag halt auch das Land mit seinen skurrilen Leuten und Absonderlichkeiten. Aber was hier am Alexanderplatz im Ambiente eines Weihnachtsmarkts geboten wird, hätte in keinem Kaurismäki-Film absurder dargeboten werden können. Da werden Design-Artikel und Modelabels aus dem Design District Helsinki neben der Brutzelbude verkauft, ein Saunaimporteur hat seine Ausstellungsstücke aufgestellt und auf Schautafeln erfährt man allerhand Wissenswertes und Unnützes über die letztendlich doch recht unbekannten Finnen, die hier ihre weltoffene Seite zur Schau stellen. Als Bühnenprogramm legt ein DJ Marianne Rosenberg auf, gefolgt von finnischen Schlagern, die kein Mensch außer den paar Finnen kennt. Und es gibt einen Sprachkurs, der diese für uns nahezu unlernbare Sprache auf einen einfachen Nenner bringt: einfach an jedes Wort ein „i“ ranhängen! So wird aus der Holzbude mit Bierausschank flugs die „Helsinki-Baari“. Es würde mich interessieren, ob sich die Deutschen im Gegenzug auch so auf die finnische Alltagskultur einlassen würden. Dann müsste es mindestens Bratwürste in einer Berliini-Sauna geben oder Ähnliches.

Helsinki hat mir übrigens auch bei einem Besuch gut gefallen, ich finde, es erinnert an Berlin (der Planer der im 19. Jahrhundert aufgebauten Innenstadt war Deutscher). Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Stadt auf mehreren Inseln im Meer liegt.

Spreequelle, Spreewelle

In Uncategorized on 1. Mai 2008 at 5:55

Zu finden in der Kühnemannstraße/Ecke Verlängerte Koloniestraße

Friseur zwischen den Kulturen

In Uncategorized on 29. April 2008 at 5:51

Ich war heute bei meinem Friseur, in meinem Viertel, das sich im Übergangsbereich vom multikulturellen Wedding zum brav-vorstädtischen Pankow befindet. Der junge Mann hat sich vor kurzem mit seiner Freundin mit einem eigenen Salon selbständig gemacht. „Der Laden läuft ganz gut“, sagt er, was wohl auch an den Kampfpreisen liegt. Seine Ambition ist, mit den deutschen Salons zu konkurrieren, aber eben modernere Schnitte zu bieten. Von den ebenfalls in der Nähe konkurrierenden türkischen Herrensalons will man sich ebenfalls absetzen, auch wenn nicht ohne Neid anerkannt wird, dass den Herren der Schöpfung dort ein toller Service geboten wird. Das bleibt nicht ohne Folgen für den jungen deutschen Friseur: er möchte gern, und das ist wirklich nicht mehr typisch in der Branche, Nassrasuren anbieten. „Die Türken lernen noch das Barbiershandwerk in der Türkei“, erklärt er. Er hat das Rasieren aber nicht mehr in der Ausbildung gelernt, sondern musste einen Kumpel monatelang rasieren. Und an einem Luftballon hat er auch geübt. So treibt die Vermischung der Kulturen den Servicegedanken auf die Spitze, und am Ende bietet das junge Friseurspaar etwas, was es so in deutschen Salons noch nicht gab: die Nassrasur direkt neben der Trockenhaube für weibliche Kunden.

Nette Geste

In Uncategorized on 28. April 2008 at 6:15

Man hat zwar Berlins jüngste Straßenbahnlinie zwischen Wedding und (Alt-)Mitte so altmodisch gebaut, dass die Züge der Linie M 10 regelmäßig im Stau stehen und die Fahrgäste noch eine Stufe überwinden müssen, um auf der Straße zu landen, aber was soll’s? Das rote Licht der Radfahrerampel ist doch eine wirklich nette Geste, um über manchen Makel an der Bernauer Straße hinwegzusehen….

Auf alles gefasst

In Uncategorized on 22. April 2008 at 6:55

Ich stieg neulich am Bahnhof Friedrichstraße aus. Mein Sohn sollte an einer Studie der Humboldt-Universität teilnehmen. Ich wusste nicht genau, wo sich die Universitätsstraße befand, man hatte mir nur gesagt, dass ich den Ausgang Georgenstraße nehmen sollte. Aber dem S-Bahn-Tunnel entstiegen konnte ich einfach keinen Stadtplan finden. Also ging ich, meinen Sohn an der Hand und beladen mit seinem Schulranzen und Turnbeutel, in ein nahe gelegenes Café. Die Bedienung konnte mir auch nicht helfen, da sah ich einen Touristen mit einem aufgeklappten Stadtplan. Ich ging einfach zu seinem Tisch und entschuldigte mich für die Störung. Der Tourist sah ein wenig erschrocken aus – bis ich fragte, ob ich mal kurz auf seinen Stadtplan schauen dürfe. Als ich mich bedankte, weil ich die Straße gefunden hatte, sagte mir der freundliche Herr mit süddeutschem Akzent: „Und ich dachte schon, sie betteln hier um Essen.“ Daran hatte ich gar nicht gedacht. Entweder ist ein Berlin-Besucher auf große Armut eingestellt und dadurch auf alles gefasst oder es ist gesellschaftlich mittlerweile akzeptiert, dass schon im Café nach Essensresten gefragt wird. Zuerst habe ich geschmunzelt, aber dann bin ich doch ziemlich nachdenklich geworden.

Weltstadtprovinz

In Uncategorized on 21. April 2008 at 7:07

Was ist weltstädtisch, was ist provinziell?

Einen Flughafen mitten in der Stadt zu haben, unter dessen Lärm viele Tausende zu leiden haben? Oder einen Flughafen mitten in der Stadt zu haben, über den eine halbe Stadt aus der Ferne mit Lebensmitteln versorgt werden konnte?

Gerade hier im Berliner Norden wissen Hunderttausende, dass ein Flughafen nicht an dicht bebaute Gebiete grenzen sollte. Aber egal, wie der Volksentscheid ausgeht, eine Frage stellt sich mir dann doch: wenn es für Tempelhof ein Nutzungskonzept des Senats gibt, wie sieht eigentlich die Zukunft des Flughafens Tegel ab 2011 aus?

„Be-Berlin“-Kampagne wird noch lokaler

In Uncategorized on 20. März 2008 at 6:58

beberlin.jpg

Das Kino zum Abheben

In Porträts, Uncategorized on 20. März 2008 at 6:35

Der KinosaalEndlich! Das erste spirituelle Kino Berlins. An einem wahrhaft gesegneten Ort. Freude!“ schreibt ein Besucher des „Kino und Café am Ufer“ ins Gästebuch. Die einstmals schummrige Kneipe mit einem großen Fenster zur Ecke Uferstraße/Martin-Opitz-Straße in Berlin-Wedding erstrahlt nach der Renovierung in hellen, warmen Farbtönen. In das dem Cafébereich angeschlossene Kino passen etwa 40 Besucher, die das spezialisierte Filmprogramm zu schätzen wissen: „Schweben wollte ich, das tue ich, seit ich das Kino am Ufer betreten habe“ – so ein weiterer Eintrag im Gästebuch.

Der Kinosaal„Wir können kein normales Filmkunstkino machen“, erklärt Kraft Wetzel, der das Kino und Café direkt am Panke-Ufer zusammen mit seiner Geschäfts- und Lebenspartnerin Usch Schmitz betreibt. Im Wedding gebe es ebenso wenig ein bildungsbürgerliches wie ein studentisches Publikum, das groß genug wäre, um ein Alternativkino zu betreiben. „Uns war klar“, so der 55-jährige Diplom-Politologe und frühere Filmjournalist, „dass ein Kino an diesem Ort nur dann eine Chance hat, wenn es etwas Einmaliges in dieser Stadt bietet.“ So stellten sich die beiden Betreiber nicht nur die Frage, ob es genug Filme gibt, um ein solches Spezialkino zu betreiben. Entscheidend war auch, ob es genügend Leute geben würde, die der Filme wegen in den Wedding kommen. „Beide Fragen kann man mit ja beantworten“, sagt Wetzel stolz und stellt fest, dass das Kino seit der Eröffnung im Januar 2007 kontinuierlich wächst. Was spirituelles Kino genau ist, mussten Schmitz und Wetzel dafür erst definieren: „Auf keinen Fall esoterisch“, so der gebürtige Württemberger Wetzel, der den Begriff „esoterisch“ als ausgrenzend empfindet. Zumal es auch die etablierten Religionen und Richtungen, die nie eine Religion werden wollten, zu einem filmischen und ästhetischen Ausdruck gebracht haben, der seinen Platz im breit gefächerten Kinoprogramm findet. Dieses reicht beispielsweise im März 2008 vom „1. Evangelium des Matthäus“ von Pasolini bis hin zu einer Dokumentation des Auftritts von Eugen Drewermann auf dem Evangelischen Kirchentag 2007.

Kino und Café am Ufer der PankeUsch Schmitz ist im Kino und Café am Ufer für die Organisation und Gestaltung zuständig. Die 45-Jährige ist Islamwissenschaftlerin und Verlagskauffrau. Sie hat sich ihr Leben lang für Sinnsuche interessiert und schließlich den Buddhismus für sich entdeckt. Vor zehn Jahren bei einem Panke-Spaziergang hat Usch Schmitz das Haus Uferstraße 12 gesehen und kurz darauf eine Wohnung darin gemietet. „Ich habe nun mal ein Faible für Wasser“, sagt Schmitz, „und dass ich hier meinen Traum am Ufer realisieren könnte, hätte ich noch vor kurzem nicht für möglich gehalten.“ Den Laden mieteten sie und ihr Partner kurz entschlossen, nachdem die Hausgemeinschaft den letzten Kneipenbetreiber vertrieben hatte. Waffen- und Autohandel, sogar ein illegales Bordell waren der Hausgemeinschaft schon lange ein Dorn im Auge, als alle wegen eines Wohnungsbrandes im Oktober 2006 für zwei Monate ausziehen mussten. Ein größerer Kontrast als ein spirituelles Kino ist an einem Ort mit dieser Vergangenheit jedenfalls kaum denkbar.

Usch Schmitz und Kraft WetzelIm September 2008 findet nun schon zum dritten Mal ein „Festival des spirituellen Films“ statt. Die Veranstaltungsreihe mit zehn Filmen wird aber dank lokaler Partner auch exportiert: schon zum zweiten Mal nach Köln und erstmals auch nach Hamburg und Freiburg. Kraft Wetzel sieht sich aber nicht nur als Pionier des „spirituellen Kinos“, sondern auch des Spezialkinos überhaupt: „Wir zeigen, dass eine spezielle Ausrichtung auf Low-Budget-Niveau funktionieren kann. Damit öffnen wir Tür und Tor für Myriaden hochspezialisierter Kleinkinos“. Damit hat der Filmkenner Wetzel ein kühnes Projekt realisiert. Dies war ihm wichtig, nachdem er zwanzig Jahre lang als Film- und Fernsehjournalist nur das Schaffen Anderer kommentiert hat. „Ich war bloß Begleitgeräusch derer, die etwas machen“, so empfand Wetzel seine damalige Tätigkeit. „Hier im Wedding, wo man es am wenigsten erwartet, kann ich aber die Quadratur des Kreises versuchen.“ Immerhin handelt es sich beim Kino und Café am Ufer heute um ein Unternehmen, an dem bis zu zehn Personen mit arbeiten. Die Etablierung eines ganz besonderen Ortes an der Panke dürfte gelungen sein, wie ein weiterer Eintrag ins Gästebuch zeigt: „Wie immer war es für Herz und Seele eine Bereicherung!“

Das Programm findet man unter www.kino-am-ufer.de

Uferstraße 12, Berlin-Wedding, Tel. 46 50 71 39

Zwei Namen werden ersetzt

In Uncategorized on 9. März 2008 at 3:23

Vattenfall und BayerSchering an der heutigen Pankemündung am Nordhafen – zwei namhafte Berliner Unternehmen, deren Vorgänger einstmals lokale Größen der Berliner Wirtschaft waren. Der Vattenfall-Vorläufer Bewag wurde 1923 als privates Elektrizitätsbetriebsunternehmen gegründet. Nach der Teilung der Stadt war die Bewag für den Betrieb des Inselnetzes von West-Berlin zuständig, bis das städtische Netz 1993 an das europäische Stromnetz angeschlossen wurde. Anfang 2003 wurde die Bewag vom schwedischen Vattenfall-Stromkonzern aufgekauft und verlor ab 2006 ihren Traditionsnamen.

Das Pharmaunternehmen Schering AG wurde bereits 1871 gegründet und war mit zuletzt über 20000 Mitarbeitern weltweit der bedeutendste und bekannteste private Arbeitgeber mit Stammsitz in Berlin-Wedding. Als 2006 die Merck KG eine feindliche Übernahme ankündigte, sprang der Leverkusener Bayer-Konzern in die Bresche und übernahm die Schering AG.

scheringvattenfall.jpgJetzt stehen die beiden Firmennamen zufällig ganz nah beieinander, zwei Unternehmen, die nichts gemeinsam haben. Nur dass sie dafür stehen könnten, dass zwei große Namen in der Berliner Wirtschaftsgeschichte nahezu gleichzeitig verschwunden sind und damit auch ein Stück lokale Identität. Danke, Globalisierung!

Wohnungssuche – Stimmt der Mythos von den billigen Wohnungen im Wedding?

In Uncategorized on 8. März 2008 at 8:08

Wohnen im Sanierungsgebiet
Jutta Schäfer und Christoph Schierholz sind ein junges Paar. Sie wohnt in Berlin, er in Dresden. Jetzt möchten sie gerne zusammen ziehen. Im Soldiner Kiez, besonders im Sanierungsgebiet rund um die Biesentaler Straße, können sie sich vorstellen zu wohnen. „Unser Limit liegt bei 400-500 €, für möglichst mehr als 80 Quadratmeter“, erklärt Christoph Schierholz. Da kann Gordon Buchwald helfen. Er ist der für den Soldiner Kiez zuständige Kundenberater der DEGEWO. „Der Soldiner Kiez ist ein typisches Arbeiterviertel aus den Jahren 1890-1910″ sagt er. „Daher sind die Wohnungen nicht so groß wie im gutbürgerlichen Charlottenburg, und auch die Decken sind nur etwa 2,80 Meter hoch.“

Die meisten Altbauten hat die DEGEWO in den letzten Jahren im Auftrag des Landes Berlin mit öffentlichen Fördergeldern saniert. „Daher dürfen wir die Wohnungen eigentlich nur Mietern mit WBS überlassen.“ Gordon Buchwald erklärt jedoch, dass es auch Ausnahmen gibt: „Wenn Interessenten keinen WBS haben, wird geprüft, ob berechtigte Mieter Vorrang haben, ansonsten hat man auch ohne WBS gute Chancen, eine Wohnung zu bekommen.“ Er erläutert den beiden Wohnungssuchenden, welche Wohnungen gerade frei sind. Zum Beispiel die Häuser an der Osloer Straße 8 und 9, die frisch saniert sind. Dort könne man eine 108 m2 große 4-Zimmer-Wohnung ab 750 € bekommen. Andere 3-Zimmer-Wohnungen mit Warmmieten um die 500 € kommen für die Wohnungssuchenden ebenfalls in Frage.

Preise unter dem Mietspiegel
„Wir unterschreiten in manchen Wohnungen mit 4 € netto kalt sogar den Mietspiegel“ erklärt Gordon Buchwald. Im Mietspiegel gilt der Soldiner Kiez ohnehin schon als Niedrigmietgebiet. Für die dortigen sanierten Altbauten weist der Berliner Mietspiegel einen Mittelwert von 4,39 € Nettokaltmiete aus. Gordon Buchwald versichert zudem, dass die DEGEWO bei Neuvermietungen sehr kooperativ ist und auf Wünsche zur Miethöhe auf befristete Zeit eingehen kann. Im Gegenzug erwartet die Wohnungsbaugesellschaft vor allem ein regelmäßiges Einkommen und Mietschuldenfreiheit. Arbeitslosengeld II wird dafür akzeptiert. Einen Trick verrät Gordon Buchwald noch: „Im ersten Halbjahr werden erfahrungsgemäß weniger Wohnungen nachgefragt. Das erhöht das Angebot um diese Jahreszeit.

Günstige Wohnung über`s Internet
Sonya Kraus, neue Kiezmentorin im Quartiersmanagement Soldiner Straße, hat es bei einer Wohnungsbaugesellschaft gar nicht erst versucht. Sie scheute den bürokratischen Aufwand, den sie als Freiberuflerin beim Nachweis ihres Einkommens erwartete. „Wir haben stattdessen einen Privatvermieter übers Internet gefunden“ sagt die erst im November zugezogene Neuberlinerin. Die Miete für die 170 m2 große Wohnung in der Koloniestraße ist vergleichsweise niedrig. „Der Vermieter war froh, jemanden langfristig über einen Zweijahresvertrag binden zu können“ sagt sie. Ihr ist aufgefallen, dass es zahlreiche freie Wohnungen gibt, die man an Aufklebern an den Fenstern erkennen kann.

Negativimage wandelt sich
Der Stadtteilmanager der DEGEWO, Achim Wolf, betont, dass sich das Negativimage vom Soldiner Kiez gewandelt habe. Deshalb werden öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Künstlervereinigung Kolonie Wedding unterstützt. Als Zielgruppe für die freien Wohnungen sind nicht nur Studenten, sondern allgemein junge Leute im Visier der Wohnungsbaugesellschaft. „Wir setzen auf die Leute, die den Prenzlauer Berg zu teuer finden.“ sagt Achim Wolf. Die DEGEWO hat vor allem ein Interesse an einer stabilen Mieterstruktur. Dies führe, laut Wolf, zu weniger Nachbarschaftskonflikten und damit auch zu weniger Auszügen.

Jutta Schäfer und Christoph Schierholz sind sich nach dem Besuch bei der DEGEWO einig. „Das Preis-Leistungsverhältnis scheint zu stimmen.Jetzt machen wir uns auf den Weg und schauen uns die Wohnungen erst einmal an.“ Es kann also sehr schnell gehen, an eine Wohnung im Soldiner Kiez zu kommen.

Wohin kann ich mich wenden?

Immobiliensuche im Internet: http://www.immobilienscout24.de

DEGEWO
Gordon Buchwald
Kundenzentrum Nord
Brunnenstraße 128, 13355 Berlin
Tel.: 030-26 485 680
E-Mail: gordon_buchwald@degewo.de

GESOBAU
Vermietungsbüro Wedding
Schulstraße 11
13347 Berlin
Telefon: 030/4073-1465
E-Mail: mieten-wedding@gesobau.de

Stand: 27.02.2006 Autor: Joachim Faust

Der Wedding wie er ist

In Uncategorized on 28. Februar 2008 at 5:49

Der Wedding ist in einer ehemaligen Fleischerei in der Liebenwalder Straße entstanden. Jedenfalls arbeiten dort Julia Boeck und Axel Völcker, zwei Endzwanziger, die ihr neues Kulturmagazin schlicht „Der Wedding“ genannt haben. Am Straßenfenster des Veranstaltungslokals des Kulturvereins „Mastul e.V.“, in dem der Herausgeber und die Chefredakteurin an ihrem Magazin gearbeitet haben, stehen Ohrensessel neben einer Stehlampe, und an der Wand sind noch die Originalfliesen aus der früheren Fleischerei zu sehen. Ebenso vielfältig wie das Programm des Kulturvereins präsentiert sich die erste Ausgabe des „Wedding“, die am 02.02.2008 erschienen ist. Darin wird der Leser dazu eingeladen, sich dem Stadtteil von außen nach innen zu nähern. „Der Name ‘Der Wedding’ stand von vornherein fest“, erklärt Völcker, der das Magazin gestalterisch betreut. Seine Diplomarbeit bestand aus der Nullnummer des Magazins. Danach reifte die Idee, daraus eine Zeitschrift zu machen, die auch inhaltlich überzeugt: „Wir wollen den Wedding zeigen, wie er ist und nicht in ein falsches Licht rücken“, sagen die beiden gebürtigen Rüganer, die seit neun Jahren in Berlin leben. „In einem ersten Schritt haben wir daher versucht, eine Bildsprache zu finden, die zum Wedding passt“, so der diplomierte Kommunikationsdesigner Völcker. Heraus kam eine Typographie, die in den 1980er Jahren stehengeblieben zu sein scheint. Auf ein Zeitschriftenlogo wird bewusst verzichtet – der Ort Wedding ist schließlich auch nicht aus einem Guss.

Von der Schwierigkeit, qualitativ hochwertige Texte für das Magazin zu finden, weiß die Literaturwissenschaftlerin Julia Boeck: „Wir mussten Autoren finden, die bereit waren, ohne Geld für uns zu schreiben. Das Ergebnis ist eine große stilistische Vielfalt der Texte, die zum Teil von professionellen Autoren stammen.“ Die zahlreichen Fotostrecken wiederum zeigen ungeschönte Innenansichten – „nur eben durch uns gefiltert“, erklären die Macher der Zeitschrift. Es geht ihnen darum, sich dem Ort Wedding anzunähern und ihn dann unterstützend und unverzerrt widerzuspiegeln. „Für uns ist erst mal jeder interessant“, fasst es Julia Boeck zusammen, „nicht nur die Themen, die sowieso gerade im öffentlichen Interesse sind.“ Beim Durchblättern des Magazins gelangt der Leser dann auch an Orte, die typisch für den Wedding sind, sich aber doch den Blicken verbergen, wie die Fotos aus arabischen oder türkischen Kulturvereinen.

mastul-fenster.jpgIn den Räumen des „Mastul e.V.“ wird jetzt nach dem erfolgreichen Verkaufsstart des Magazins an weiteren Ausgaben gearbeitet. „Das nächste Mal berichten wir berlinweit – der Focus öffnet sich“, sagt der 29jährige Völcker. Es geht um Verwandtschaft im weitesten Sinne – Eigenschaften, wie sie der Wedding besitzt, lassen sich auch in anderen Bezirken oder anderen Städten finden. Dies und andere Aspekte der Verwandtschaft herauszuarbeiten wird die neue Herausforderung für die beiden Herausgeber sein. Die Hauptinvestition für das Magazin mit 3000 Exemplaren Auflage, das wissen die beiden Herausgeber, ist Idealismus: „Wir streben nicht an, profitabel zu sein“, sagt Axel Völcker. Und Julia Boeck fügt hinzu: „Wir sehen es als Privileg, unsere Vorstellung von Journalismus in diesem Magazin zu verwirklichen und dabei zu lernen. Das ist der eigentliche Erfolg.“

Verkaufsstellen des Magazins, das 4,65 € kostet, findet man unter www.derwedding.de unter „Bestellung“.

Umweltzone: Alles klar?

In Uncategorized on 15. Februar 2008 at 4:46

umweltzone.jpg

Über Sinn und Unsinn der Umweltzone lässt sich sicher trefflich streiten. Aber immerhin macht das Land Berlin den Versuch , bei der Aufstellung der Zonen-Schilder Kosten zu sparen. Auch wenn es auf Kosten der Übersichtlichkeit geht. Umweltzone – aber sonst ist alles klar.

Die Wieder-“Entdeckung“

In Uncategorized on 1. Februar 2008 at 4:40

Der oberflächliche Betrachter sieht die Panke am Nordhafen in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal münden. Erst ein Blick auf einen historischen Stadtplan Berlins verrät den ursprünglichen Verlauf der Panke zwischen der Schulzendorfer Straße im Wedding und dem Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte.

Wer mehr über den alten Mündungsarm der Panke erfahren will, kommt an Bert Grigoleit nicht vorbei. Der 47-jährige Landschaftsarchitekt ist ein Kenner der Materie, der den Prozess der Freilegung der Alten Panke von Anfang an begleitet hat. „Im Jahr 2012 wird es 20 Jahre gedauert haben, die Panke freizulegen“, sagt Grigoleit, „aber dafür wurde vorher jahrzehntelang alles getan, um die Panke verschwinden zu lassen.“. Für die im Landeseigentum befindliche Grün Berlin GmbH hat Grigoleit zahlreiche Studien zur Panke erarbeitet und auch Teilstücke der Panke wieder freigelegt. Mit einem Gutachten über diesen Fluss hatte sich der Planer 1991 nach einer Tätigkeit in der Senatsverwaltung selbständig gemacht.

 

Im Ostteil Berlins war die Panke auch deshalb aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, weil nur zwei kurze Abschnitte nicht verrohrt oder zugeschüttet wurden. „Nur der Pankelauf auf dem Gelände der früheren Tierarzneischule aus dem 18. Jahrhundert war nicht verrohrt oder zugeschüttet“, erklärt Grigoleit. Hier konnte die Verlegung von Fernwärmeleitungen in der späten DDR-Zeit nur knapp verhindert werden. An vielen anderen Stellen verschwand die Panke jedoch in einem Rohr oder es wurden Leitungen in das Pankebett gelegt. Grigoleit kennt praktisch jedes Detail auf dem zuletzt freigelegten Abschnitt 100 Meter nördlich der Reinhardstraße und der Veterinärmedizinischen Fakultät der Humboldt-Universität. Auf diesem Gelände lebten bis vor wenigen Jahren viele Haus- und Nutztiere.“. Hier mussten Gehege, Futtersilos und alte Leitungen verschwinden“, erinnert sich der Landschaftsarchitekt, „es war eine zerklüftete Landschaft.“ Kein Vergleich zu dem jetzigen innerstädtischen Ort der Ruhe, den der kundige Spaziergänger heute vorfindet.

Bert Grigoleit
Bis auf die wenigen Abschnitte der Panke, die aus Kosten- oder Praktikabilitätsgründen verrohrt bleiben müssen, könnte das 1991 begonnene Projekt der Wieder-Entdeckung der Südpanke etwa im Jahr 2012 abgeschlossen sein, schätzt Bert Grigoleit. Das fehlende Teilstück nahe der Chausseestraße und der Habersaathstraße wird ab 2009 im Rahmen des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes auf dem Gelände des früheren Stadions der Weltjugend angegangen werden. Grigoleit selbst führt die Planung für die Wiederherstellung der Panke aus, während ein anderes Büro mit der Parkgestaltung betraut wurde. „Mir gefällt am besten an dem Gewinnerentwurf, dass man förmlich in den Pankeeinschnitt abtaucht“, erläutert der Landschaftsarchitekt das Konzept. Die Promenade liegt wie die Panke selbst in einer Senke, so dass man die umgebende Bebauung weniger stark wahrnimmt als die Grünfläche und den Fluss. „3,5 Meter beträgt der Abstand zwischen der Geländeoberkante und der Sohle der Panke“, erklärt der Fachmann.


reinhardtstrspree.jpgIm Normalfall werden 200 Liter pro Sekunde in der Alten Panke fließen. Bei Hochwasser und durch den Zufluss von Regenwasser ist die Panke sogar auf bis zu 1000 Liter pro Sekunde ausgelegt. „Die Panke könnte wieder vollständig in ihrem alten Bett fließen“, erklärt Grigoleit, „auch wenn dies derzeit nicht geplant ist.“ Da der während der Teilung Berlins zugeschüttete Düker unter der Chausseestraße mittlerweile wieder funktionsfähig ist, konnte für einige Monate schon Wasser durch den alten Mündungsarm fließen. Der Abzweig an der Schulzendorfer Straße ist durch ein sogenanntes Schlauchwehr ebenfalls wieder dafür hergerichtet, die Panke wieder in ihr altes Bett zu leiten.

Mit der Rückführung des Pankewassers dürfte dann ab 2012 ein städtebaulicher Zustand wieder hergestellt sein, der den Fluss wieder stärker ins Bewusstsein der Berliner zurückholt. Mit dem Weddinger Abschnitt des Pankegrünzugs, der in den 1950er Jahren begonnen wurde, ist dies bereits ein Stück weit gelungen. Vor allem aber wird sich der ursprüngliche Pankeverlauf in einer großen gestalterischen Vielfalt präsentieren. Die Panke verfügt dann über höchst unterschiedliche Einbettungen ins Stadtbild, ob als Graben, als natürliches Gewässer, als Stadtfluss zwischen den Häusern oder wie bisher unter dem Straßenpflaster. Die Panke als wieder erlebbarer Fluss in der Stadt und als grüne Lunge für den Nordosten Berlins – dieses Projekt, das 1955 in Wedding begonnen wurde, wird nach 2012 weitgehend abgeschlossen sein. Die politisch Verantwortlichen haben hier eine glückliche Hand bewiesen, ein auf lange Sicht angelegtes Vorhaben auch tatsächlich umzusetzen. Dass sich Geduld und ein langer Atem lohnen, zeigt die Arbeit von Bert Grigoleit.

Und nun: das Wetter

In Uncategorized on 26. Januar 2008 at 7:58

Die Panke führt nach einigen Tagen Dauerregen Hochwasser, während Kinder den starken Wind ausnutzen, um im Bürgerpark Drachen steigen zu lassen. Und von Schnee liegt nicht einmal eine Ahnung in der Luft.

pankehochwasser.jpg

Drachensteigen im Januar Regen Regen Regen

Fotostrecke: Wedding an einem Januartag

In Uncategorized on 14. Januar 2008 at 10:23

wedding-an-einem-januartag.jpg

Pankow lag in West-Berlin

In Uncategorized on 15. September 2007 at 2:18

Ich wohne jetzt seit bald vier Jahren in einem Viertel, das nur aus vier Straßenblöcken besteht. Bekannt ist es allenfalls als Gegend, durch die man hindurchfährt, auch wenn dies erst seit dem Mauerfall richtig möglich ist. Die Rede ist von dem Viertel zwischen der Wollankstraße (Berlin-Mitte und Pankow), dem Flüsschen Panke und der Nordbahn (heute S-Bahn-Linien 1, 25 und 85). Es gehört seit 1938 zum Berliner Bezirk Wedding und heute, man glaubt’s kaum, sogar zu Mitte. Als die Häuser um 1900 herum erbaut wurden, gehörten die Straßen jedoch zur Landgemeinde Pankow, die an der Wollankstraße (ja, auch Herr Wollank war Pankower) ein neues Wohngebiet erschließen ließ. Noch heute heißen zwei Straßen des Viertels nach Pankower Bürgermeistern. Die Häuser sind eine Spur vorstädtischer und auch bürgerlicher als im Rest von Wedding und Gesundbrunnen. Zwar wurde das Viertel wie gesagt in den dreißiger Jahren dem Wedding zugeteilt, wahrscheinlich damit die Bezirksgrenze in der S-Bahn-Trasse lag, aber in zwei Teile gerissen wurde der Kiez erst durch den Mauerbau. Die knapp dreißig Jahre der Teilung haben die Bindungen zwischen den südlich und nördlich der S-Bahn liegenden Teilen des Nordbahnviertels abrupt gekappt. Daran hat sich auch nichts geändert, seit der S-Bahnhof Wollankstraße nicht nur vom Westen aus zugänglich ist und wieder beide Teile des Viertels ans Schnellbahnnetz anbindet. Auch wenn es mehrere Durchlässe unter dem S-Bahn-Viadukt gibt, scheinen die Bewohner des in Pankow liegenden Gebiets nichts mit den Bewohnern des in Mitte liegenden Gebiets zu tun haben zu wollen. Hier ist auch noch 18 Jahre nach dem Mauerfall nichts zusammengewachsen. Die Bevölkerungsstrukturen der beiden Gebiete haben sich in den Jahren der Teilung zu sehr auseinander entwickelt. Das ist sehr bedauerlich, könnten beide Viertel doch längst wieder als ein einheitlicher Kiez erscheinen. Der Krieg hat hier viel weniger Lücken gerissen als anderswo, eher hat der Grenzstreifen an der Mauer dem Viertel eine bis heute nicht wieder geschlossene Wunde zugefügt. Dabei gibt es noch heute viel Gemeinsames: die Panke fließt unbeeindruckt von den Befindlichkeiten der Anwohner von Pankow nach Mitte, und sogar die evangelische Kirchengemeinde auf Weddinger Seite hatte bis 2007 “Pankow-West” im Namen! Es wäre schön, wenn sich die Bürger auf beiden Seiten des S-Bahnhofs Wollankstraße wieder zusammenfänden. Es gibt noch nicht einmal einen  heute noch gebräuchlichen Namen für das zerrissene Viertel – wie wäre es mit Wollankkiez?

Nordbahn-/Ecke Sternstraße

Was wird aus dem Mauerpark?

In Uncategorized on 12. Januar 2007 at 7:14

Der Name „Mauerpark“ erinnert noch an die Zeit, als die Stadt geteilt war. Der Plan, nach dem dieser Park Anfang der Neunzigerjahre angelegt wurde, sah vor, nicht nur die beiden Stadthälften, sondern auch die damaligen Bezirke Wedding und Prenzlauer Berg an genau dieser Stelle miteinander zu verbinden. Heute ist davon immer noch nicht viel zu spüren. Der denkmalgeschützte Gleimtunnel unter dem Park mit seinen charakteristischen gusseisernen Stützen trennt das Weddinger Brunnenviertel mehr vom Gleimviertel im Prenzlauer Berg als dass er die beiden Kieze verbindet. Zudem sind von den geplanten 14 Hektar des Mauerparks nur acht realisiert worden; der derzeit noch gewerblich genutzte Abschnitt liegt mit seinen Baustofflagern wie ein Riegel zwischen dem fertigen Teilstück und dem Brunnenviertel. (Foto: Luftbild der heutigen Mauerparkfläche)

Initiative „Landnahme“
Wer von der Anhöhe des Parks in Richtung Wedding schaut, sieht vor allem eine Stadtbrache. Dagegen wollen Bürger, Naturschützer und Politiker aus dem Prenzlauer Berg etwas tun. Sie haben die Initiative „Landnahme“ gegründet, um auf die Umsetzung der Mauerparkplanung zu pochen. Schließlich ist ihr Stadtteil mit Grünflächen unterversorgt und der Park dementsprechend übernutzt. Auf der Erweiterungsfläche wurden im Rahmen der „Landnahme“ zuletzt am 22. November mehr als dreißig Eichen und Zierobstbäume gepflanzt, um ein Zeichen zu setzen, damit die Realisierung der Planung vorangetrieben wird. Doch für die in Frage kommende Fläche soll das Land Berlin dem Grundstückseigentümer, der gewinnorientierten Tochtergesellschaft „Vivico“ der Deutschen Bahn, marktübliche Baulandpreise bezahlen – und steht dabei zusätzlich unter einem gewissen Zeitdruck. Wird der Park nicht bis 2010 auf mindestens zehn Hektar erweitert, verlangt die Allianz-Umweltstiftung nämlich Fördergelder zurück. Die Stiftung war 1992 mit 4,5 Millionen Mark eingesprungen, um die erste Ausbaustufe des Parks zu realisieren.

Merkwürdiger städtebaulicher Zustand
Jeanne Grabner vom Stadtteilmanagement Brunnenstraße auf Weddinger Seite, hält die Bebauung der Brache am Mauerpark für einen entscheidenden Punkt der Gebietsentwicklung: „Das Brunnenviertel befindet sich in einer städtebaulich merkwürdigen Lage – eine baldige Lösung bei der Mauerparkerweiterung wird von uns daher sehnlichst erwartet.“ Vor allem durch eine oberirdische Verbindung zwischen der Lortzingstraße und dem bisherigen Mauerpark verspricht sich die Stadtteilmanagerin eine Aufwärtsentwicklung für das Brunnenviertel: „Der Park ist die Gemeinschaftsfläche, hier können Kontakte für Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit unterschiedlicher Bildung entstehen.“ Dabei vertritt das Stadtteilmanagement eine pragmatische, eher verhandlungsbereite Position. „Alles ist besser als der Ist-Zustand“, sagt Jeanne Grabner. Soll heißen: egal, was passiert, das Brunnenviertel profitiert in jedem Fall.

Kein halbherziger Kompromiss
Damit geben sich die Bürger der Initiative „Landnahme“ nicht zufrieden. Eine von ihnen, Jacqueline Röber, Vorsitzende des Bürgervereins Gleimviertel, erklärt: „Unsere Intention ist, dass der Park wie geplant auf 14 Hektar erweitert wird, auch wenn das Land Berlin sagt, dass dafür kein Geld da ist.“ Durch die Einbindung von namhaften Kommunal- und Bundespolitikern wie Gregor Gysi als Baumpaten soll zunächst das politische Bekenntnis bekräftigt werden, dass der Park eines Tages wie geplant fertiggestellt wird. „Wir sind nicht radikal, sondern realistisch“, sagt Röber und beteuert: „Wir lassen uns aber nicht auf einen Kompromiss ein, auch wenn sich die Realisierung dadurch verzögert.“

Auch Anwohnerin Manuela Hoffmann empfindet die Gewerbeflächen vor allem als Schandfleck. Sie wohnt seit vier Jahren im Brunnenviertel. „Die Erweiterung des Mauerparks finde ich wichtig, aber man sollte nicht für die jetzigen Bewohner des Viertels planen, die verlassen kaum den 50-Meter-Radius um ihre Wohnung“, sagt die Anwohnerin und erklärt: „Man sollte die potenziellen Bewohner im Sinn haben.“ Fürs Erste findet sie am Wichtigsten, dass nicht einfach nur der Park erweitert wird. „Ich wünsche mir mehr vor allem mehr Veranstaltungen“, sagt die 45-Jährige. (Foto: Bürger bei einer Baumpflanzaktion)

Eine Chance für das Brunnenviertel
Das kann sich auch Jeanne Grabner gut vorstellen. Der Park mit gewerblich genutzter Freizeitfläche, die zum Grüncharakter passt – sie denkt dabei an Open-Air-Konzerte oder einen Golfplatz. „Die Bevölkerungen von Wedding, Prenzlauer Berg und Altbezirk Mitte könnten sich besser vermischen“, hofft Grabner. „Die benachbarten Viertel könnten auch vom Brunnenviertel mit seinem hohen Migrantenanteil profitieren.“ Das Brunnenviertel soll herauskommen aus seinem Ghetto – und der Mauerpark endlich auch zu einem Symbol fürs Zusammenwachsen Berlins werden. Bis dahin ist zu hoffen, dass die Bewohner der beiden benachbarten Kieze den Weg durch den Gleimtunnel wagen. Dort soll jetzt in der dunklen Jahreszeit eine neue Kunst-Installation für Licht am Ende des Tunnels sorgen.

mehr zu den Kiezen: www.gleimstrasse.de/burgerverein

www.stm-brunnenviertel.de www.landnahme.de

Stand: 09.01.2007 Autor: Joachim Faust, Fotos: Landnahme,

Link: Der Mauerpark als Schnittstelle zwischen Ost und West, Einheimischen und Zugezogenen, und als das, was besser nicht sein sollte:

http://stuttgartisierung.wordpress.com/2008/08/04/geographielegasthenie-im-mauerpark/

Tina Veihelmann – Eine Annäherung

In Uncategorized on 12. November 2006 at 7:18

Aus ganzen 104 Bewerbern hatte eine Jury für das Quartiersmanagement Soldiner Straße eine Kiezschreiberin ausgewählt. Wer ist sie, was macht sie – und was genau bedeutet eigentlich die Fahne mit der roten Kuh? Fragen, denen Kiezredakteur Joachim Faust auf den Grund ging. In Tina Veihelmanns Wohnung sieht es nach Arbeit aus. Im Mittelpunkt des spartanisch eingerichteten Zimmers steht das wohl wichtigste Arbeitsgerät einer Kiezschreiberin: ein Schreibtisch. Auch wenn der tatsächliche „Arbeitsplatz“ wohl eher auf den Straßen des Soldiner Kiezes liegen dürfte. Auf denen kann man die vor 36 Jahren in Bayern geborene Politikwissenschaftlerin seit diesem Sommer des öfteren antreffen, leicht zu erkennen an einer gelben Fahne mit einer roten Kuh. „Die Kuh hat einfach die Bedeutung, dass man mich nach der Bedeutung fragt“, erklärt Veihelmann. „Und damit kommt man leichter mit den Leuten ins Gespräch.“ Das ist für sie auch das Wichtigste an ihrer Arbeit. Kiezschreiberin zu sein erleichtert ihr den Zugang zu den Menschen. „Das schätze ich sehr“, sagt Veihelmann, „auch wenn ich aufpassen muss, die nötige Distanz zu halten.“ (Foto: Veihelmann mit ihrer Kuhfahne)

Kiezbewohner sind keine Patienten
Über Menschen schreiben, diesen Ausdruck benutzt sie so oft, dass man von ihr eigentlich nicht als Kiezschreiberin sprechen müsste, sondern als Menschen-Schreiberin. Es stört sie, wenn über die Kiezbewohner wie von Patienten gesprochen wird, denen geholfen werden muss. Auch wenn die Menschen, die sie trifft, häufig randständige Personen mit schwierigen Biographien oder berührenden Schicksalsschlägen sind:„Mich interessiert vielmehr, wie die Leute unter schwierigen Bedingungen leben, welche Strategien sie entwickeln, um zurechtzukommen“. Das spiegelt sich ihrer Meinung nach auch im Straßenbild wieder: „Die Leute gehen langsamer, haben viel Zeit, aber wenig Geld.“

Langjährige journalistische Erfahrung
Tina Veihelmann hat über viele Jahre journalistische Erfahrungen bei diversen Zeitungen gesammelt und zuletzt Porträts über Bewohner eines Dorfs an der polnischen Grenze veröffentlicht. Die vielen Dorfgeschichten ergaben ein Gesamtbild. Im Soldiner Kiez, hat sie bemerkt, funktioniert das nicht. „Der Soldiner Kiez ist wie ein Bild aus lauter übereinandergelegten Folien“, findet sie, „es gibt einfach kein Bild, das den Kiez als Ganzes beschreibt.“ Ihr schwebt vor, viele Porträts von Kiezbewohnern auf einer Litfasssäule in die Öffentlichkeit zu bringen: „Die Porträts sind nicht für die Außenwelt gedacht, sondern richten sich nach innen, in den Kiez.“ beschreibt Veihelmann ihr Projekt. Ihre Arbeit als Kiezschreiberin sieht sie nicht als die Erfüllung einer Chronistenpflicht. „Und ich schreibe auch nicht an dem großen Wedding-Roman“, betont Tina Veihelmann (Foto).

Angekommen im Kiez
So widersprüchlich die Begegnungen mit Kiezbewohnern sein mögen und die Arbeit Nerven kostet, fühlt sich Tina Veihelmann wohl im Kiez. „Mir gefällt die Abwesenheit von Reizen, die mich anspringen“, sagt sie, „und man sieht viele Kinder auf der Straße spielen.“ Sie wird jetzt auch schon von älteren und neueren Bekannten auf der Straße erkannt und gegrüßt. Doch da enden für sie schon die Parallelen mit einem Dorf: „Es gibt hier nicht diese Generationengeschichten, hier hängt nicht alles mit allem zusammen.“ Aber eines hat der Soldiner Kiez dank Tina Veihelmann inzwischen mit einem Dorf gemeinsam: es könnte einem durchaus passieren, dass man plötzlich mit einer Kuh konfrontiert wird.

Stand: 11.12.2006 Autor: Joachim Faust, Foto: JF

Tina Veihelmann schreibt heute für die Wochenzeitung „Der Freitag“.

Ist der Wedding im Kommen?

In Uncategorized on 12. Februar 2005 at 6:54

Die Galerie „Gold“ an einem Freitagabend im Januar: Dicht gedrängt sitzen die Besucher auf den Bänken vor den großen Schaufenstern. Ihre Rücken verdecken die Sicht ins Innere. Die Tür lässt sich nur um einen Spalt öffnen, drin ist kaum noch Platz für Neuankömmlinge. Auf einem Stuhl steht ein Mann und rezitiert eine Geschichte. Neben ihm spielt ein Saxophonist mal schrille, mal melodische Töne passend zum Text. Der Ort dieser zur Künstlerinitiative „Kolonie Wedding“ gehörenden Veranstaltung: die Prinzenallee im Wedding.

Farbtupfer im Wedding
Noch vor fünf Jahren, als Quartiersmanager Lukas Born mit seiner Familie in den Wedding zog, gab es das nicht: keine Auswahl, wenn es darum ging, abends auszugehen oder sich gar Kunst anzuschauen. Doch: „In den letzten drei Jahren hat sich viel bewegt. Die Kolonie Wedding, das Café Schraders, das LaLuz, die JatzBar sind entstanden“, sagt Born. „Der Wedding bekommt jetzt seine Farbtupfer, eine Kulturszene.“ Ist der Wedding also im Kommen?

Halbe Miete zieht an
Eine ganze Welle an Studenten ist in den vergangenen Monaten in den Soldiner Kiez gezogen. Die 60 „Neuen“ haben einen speziellen Vertrag mit der Wohnungsbaugesellschaft Degewo abgeschlossen. Der Anreiz: Sie zahlen für ein Jahr nur die halbe Miete. „Der niedrige Preis ist der Hauptgrund dafür, warum die Leute in den Wedding ziehen“, analysiert Born. „Hier gibt es noch Freiräume, die es woanders nicht mehr gibt. Und sie sind bezahlbar.“

Sicherer als in Charlottenburg
Anne Müller lebt seit vier Jahren im Wedding. Die Studentin freut sie sich nicht nur über eine bezahlbare Miete, sondern mag auch die Mischung der Bevölkerung: „Arbeiter, Ausländer, Studenten. In Sachen Kriminalität fühle ich mich hier sicherer als beispielsweise in Charlottenburg“, sagt sie. Ihre Freunde dagegen haben oft noch ein negatives Bild vom Stadtteil. Doch: „Wenn sie mich hier besuchen, werden sie eines Besseren belehrt“, erzählt Müller.

Für Ausländer reizvoll
Die finnische Studentin Suvi Piirtonen findet den Wedding für ausländische Neuankömmlinge gar reizvoll: „Sie schätzen nicht nur die niedrigen Mieten, sondern haben auch keine Berührungsängste. Sie wissen nicht, welches Viertel gerade angesagt ist und welches nicht. Der Wedding hat einfach etwas Natürliches. Man sieht dort zwar mehr Probleme, aber man kann eben auch nicht die Augen vor der Realität verschließen.“

Mode aus der Republik
„Wedding Dress“, eine andere von der Degewo initiierte Aktion, zog im Januar 2005 Modemacher und Künstler aus der ganzen Republik in elf leer stehende Läden in der Brunnenstraße. In einem Wettbewerb konnten sie sich als Existenzgründer präsentieren. – Die Gewinner bekommen ein Jahr lang einen Laden mietfrei zur Verfügung gestellt. Als einzige Künstlerin aus dem Wedding nahm Renate Deuter an dem Wettbewerb teil. Für sie ist es noch zu früh zu sagen, der Wedding sei „im Kommen“. Das könne jedoch schnell passieren. „Kreative suchen immer preiswerte Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, darin liegt eine enorme Schubkraft“, sagt sie.

Cooler geworden
Heiko Schmidt ist einer dieser Kreativen. Seit kurzem hat er ein eigenes Café in der Schererstraße. Für ihn hat sich der Kiez schon merklich verändert. „Quantitativ und qualitativ sieht man mehr junge Leute auf der Straße. Die Bewohner sind mittlerweile einfach cooler geworden“, sagt er. Schmidt will etwas verändern, damit sein Wohnumfeld für ihn persönlich und für Gleichgesinnte attraktiver wird.

Verdrängen die „Coolen“ die Alteingesessenen?
Doch was passiert, wenn immer mehr „coole“ Leute in den Wedding ziehen? „Wenn ein Trend in Richtung Wedding geht, wird dies zwangsläufig zu Verdrängung führen“, befürchtet Renate Deuter. Doch dazu werde es nicht kommen, meint Stadtentwicklungsexperte Born. „Es gibt einen riesigen Leerstand an Wohnungen und Läden. Der muss erst mal aufgefüllt werden. – Und das dauert noch sehr lange.“ Bis dahin, so Deuter, „freuen sich die Leute, dass endlich etwas passiert.“ Dann ist es schon einmal kein schlechter Anfang, wenn Galerien und Kneipen gut besucht sind.

Stand: 04.03.2005 Autor: Joachim Faust/ka