Wedding Day

Der Wedding lebt – das Netzwerk aus Akteuren in Kultur, Medien, Wirtschaft und Sozialem wollte dem Namen wahres Leben einhauchen und organisierte den ersten „Wedding Day“ am 27. August. 67 Weddinger Firmen, Einrichtungen und Initiativen kamen zusammen. Neben den Veranstaltern Deutsche Welle, Degewo, GSG und Kaplan Döner präsentierten sich auch die Quartiersmanagemente im Wedding. Wie Birgit Sommer, Sprecherin des Netzwerks Der Wedding lebt, erklärt, haben die Sponsoren einen Betrag „im unteren fünfstelligen Bereich“ für das Ereignis springen lassen. – Und schätzungsweise 9000 Besucher erhielten bei sommerlichem Wetter auf dem ehemaligen AEG-Gelände den Beweis dafür, dass der Wedding tatsächlich quicklebendig ist.

I love Wedding
Am Stand von Kurort Wedding gehen die „I love Wedding“- Aufkleber für zehn Cent wie warme Semmeln weg. Mit dem „Kurort“ wird das Netzwerk aus Kneipen und Galerien bezeichnet, das in unregelmäßigen Abständen 13 Veranstaltungsorte für eine Nacht unter einen Hut bringt. Organisiert werden die Events von Leuten wie Aaron Ghantus. Der 23-jährige gehört zum Kunstverein Mastul und wohnt seit vier Jahren im Stadtteil. Aaron nennt sich selbst einen Weddinger Lokalpatrioten. „Mittlerweile sind die Straßen belebt, es passiert was, man kann viel machen.“ Zum Beispiel beim „Kurort“, den es am 24. September wieder gibt.

Wohnzimmeratmosphäre
„Der Wedding ist stur und wird nie zum Prenzlberg“, davon ist Aaron überzeugt. „Hier wird es nie ums große Geld gehen.“ In den neu entstandenen Kneipen bleibt es familiär, persönlich – „Wohnzimmeratmosphäre“, nennt Aaron das. „Das Einzige, was wir nicht hinkriegen werden, ist Neon-Glamour.“ Der Kurort Wedding hat auf dem AEG-Hof tatsächlich eine kleine Wohnzimmerecke hingestellt, fern von jedem Chic, aber dank Sofas und Mustertapete gemütlich. Der ideale Platz, um ein Bier vom benachbarten Stand des Eschenbräu zu trinken und über den Wedding zu quatschen: „Im Wedding gibt’s keine Etepetete-Galerie, keine geschwellte Brust und jede Menge Bodenhaftung“, findet Aaron.

Stadtteil mit „Schmunzelcharakter“
Noch mehr Beteiligung und vor allem offene Türen von türkischen Kulturvereinen, das wünscht sich Aaron Ghantus. Ansonsten habe der Wedding vor allem „Schmunzelcharakter“, wie er es formuliert. Will heißen: Die Leute schmunzeln, wenn man sagt, dass man im Wedding wohnt. Was jedoch am Wedding so besonders ist, kann Jörg Haberland am Stand von Stattreisen historisch und architektonisch belegen. Das im Jahr 1983 auf der Soldiner Straße gegründete Unternehmen, das in ganz Berlin mit geführten thematischen Stadtspaziergängen bekannt wurde, bietet am Wedding Day Führungen durch das alte AEG-Werksgelände an. Und an anderen Tagen auch eine Neuauflage der allerersten Tour, zum Thema „Roter Wedding“.

Mitten in Berlin und doch unbekannt
„Berliner und Berlinbesucher sollen den Wedding, eine Perle, wie ich finde, kennenlernen“, sagt Jörg Haberland, und dazu könne eine solche Veranstaltung durchaus beitragen. „Es fing damit an, dass der Hauptsponsor des Tages, der Auslandssender Deutsche Welle, sich seiner Lage im Wedding bewusst geworden ist. Und plötzlich merkte man: Wedding ist zentral, es kennt ihn nur niemand“: Das dürfte zumindest nicht an
Stattreisen e.V. liegen, einem Verein, der sich nicht nur am Wedding Day zu seinen Wurzeln bekennt.

Mehr als Döner
Ein Pärchen aus Reinickendorf hat im Radiosender RS2, der seinen Sitz neben dem Festhof hat, vom Wedding Day gehört. Die junge Frau hat 24 Jahre im Wedding gewohnt und ist dort vor kurzem weggezogen: „Es wird immer schlimmer“, findet sie – was sie aber nicht davon abgehalten hat, doch mal vorbeizuschauen. Genau darauf setzt Schahizad Derakhshan vom Kulturzentrum Lichtburgforum am Gesundbrunnen: „Original-Berliner möchten nicht im Wedding wohnen, sind aber neugierig. Es sind die Neuzugezogenen, die sich im Wedding auf Anhieb wohl fühlen und zu den Veranstaltungen im Lichtburgforum kommen.“ Das Lichtburgforum hat das Netzwerk Der Wedding lebt mit auf die Beine gestellt, gerade weil der Wedding einen Anschub nötig habe, wie Derakhshan findet: „Wir machen ein großes Fest und zeigen: Hier gibt’s nicht nur Döner.“

Rekordverdächtig
Aber dass es nicht ganz ohne Döner zugeht, ist Remzi Kaplan, Chef der gleichnamigen Döner-Kette mit Sitz im Wedding, zu verdanken. „Der Wedding braucht Feste wie dieses“, sagt er und gibt von Seiten seiner Firma volle Unterstützung. Dies bedeutet bei ihm: 581 kg Dönerfleisch, auf einem Tisch mit Spieß stolze 2,06 Meter hoch und 1,30 Meter breit. Damit wurde wohl der Weltrekord im Dönerspießdrehen beim Wedding-Day aufgestellt. Kaplan hofft, dass die Geschäftsleute zukünftig einmal im Jahr ein solches Fest organisieren können. Denn Wedding Day, das heißt nicht nur für ihn in erster Linie: „Wenn Döner, dann richtig fett.“

Stand: 09.09.2005 Autor: Joachim Faust

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