Ideen aus der Wäschekammer

Wenn man Johannes Lange an seinem Arbeitsplatz besuchen will, muss man im Treppenhaus bis nach oben unters Dach gehen, wo es nicht mal Licht gibt. Sein Büro – und das seiner drei Mitstreiter – besteht aus einer spartanisch eingerichteten Dachkammer mit lediglich zwei Tischen, auf denen zwei Computer stehen. Selbst die Wände sind recht kahl und schmucklos; nur ein Schriftzug zeigt, was sich hier befindet: der „Verlag der schönen Dinge“. (Foto: Johannes Lange in der „Wäschekammer“)

Das Experiment mit der Idee
Johannes Lange, 30 Jahre und Chef des Unternehmens, hat Kunst auf Lehramt und Geographie studiert, wenn auch noch nicht ganz abgeschlossen. Er erklärt, warum dieser „Verlag“ so ganz anders aussieht als man sich landläufig einen Verlag vorstellt. „Der Begriff Verlag steht heute nur noch für Bücher und andere Medien, aber im Mittelalter war der Verleger die Schnittstelle zwischen einem Erzeuger und dem Markt“, sagt er. Der Verlag der schönen Dinge ist das Experiment, eine Schnittstelle zwischen guter Idee und dem Kunden zu sein. „Der Ausgangspunkt war: Wir haben viele Ideen in unserem Umfeld, die einfach nur nicht zu Ende gedacht sind“, erklärt Johannes Lange.

Ideen in die Tat umsetzen
Doch dem Verlag geht es darum, die Ideen nicht nur theoretisch zu entwickeln, sondern auch in die Tat umsetzen. „Zum Beispiel kam ein Computerverkäufer zu uns,“ erklärt der Jung-Verleger. „Er wollte originelle Computergehäuse. Wir haben sie entworfen und einen Tischler gesucht, der die Idee umsetzt. Ein Experte hat dann noch die technischen Probleme gelöst.“ Zielgruppe des Verlags sind also Kunden, die sich für ausgefallene, gut aussehende Produkte interessieren.

Postkarten und T-Shirts
Fürs erste beschäftigt sich der Verlag mit der Produktion von Postkarten und T-Shirts, die sich leicht produzieren und auf dem Kunst-Markt durch „Klinkenputzen“ verkaufen lassen. Die vier Mitarbeiter schöpften bislang aus ihren Fähigkeiten, Zeichnungen, Grafiken und Illustrationen anzufertigen. Eine große Auswahl an Fotografien und markanten Postkartenmotiven gibt es bereits. Doch Johannes Lange kann sich vorstellen, dass sich alles in viele Richtungen entwickeln kann: „Ich habe viel Erfahrung im Musikbereich und habe schon in mehreren Bands gespielt. Im Moment bereite ich ein eigenes Plattenlabel namens Jajamusic vor. Dort wird die Musik von Bands wie Scamp, Chinchilla Killer und Gottes eigener Band erscheinen.“

Zukunft noch offen
Die Zukunft ist also noch völlig offen. „2006 beginnt Phase II des Experiments“, erklärt Johannes Lange. „Wir müssen sehen, ob man auch in größerem Rahmen Geld verdienen kann.“ Das wird der Verlag auch müssen, denn ab März muss er wie alle anderen Mieter im Christiania-Haus auch eine Raummiete für die ehemalige Wäschekammer bezahlen.

Gutes Arbeitsumfeld
Der jetzige Standort im kulturwirtschaftlichen Innovationszentrum an der Osloer Straße 16 bietet jedenfalls ein gutes Umfeld für die noch unerfahrenen Unternehmer. „Das Arbeiten in diesem Haus ist angenehm“, sagt Johannes Lange, der die Mischung aus Professionellen und experimentierfreudigen „Anfängern“ sehr schätzt. So konnte er beispielsweise am 16. Dezember 2005 als Seiteneinsteiger an der Fotoausstellung in der Fotokantine im Christiania-Haus teilnehmen und experimentelle Fotos mit gescannten Motiven ausstellen. „Uns wird von den anderen geholfen, denn alle wissen, bei uns in der Wäschekammer wird noch experimentiert“, sagt Johannes Lange zuversichtlich. „Hier im Haus ist es nicht verkrampft und es geht nicht um die eigene Profilierung, sondern um ein angenehmes Miteinander.“


Die anderen drei Kollegen wollen sich nun entscheiden, ob sie bei diesem Experiment weiter dabei sein wollen. Der Verlag der schönen Dinge steht also noch ganz am Anfang, aber schon am Scheideweg.

Verlag der schönen Dinge
Kulturwirtschaftliches Innovationszentrum „Christiania“
Osloer Str. 16
13359 Berlin
Tel: 0162 4259888 (Johannes Lange)

Web: www.verlagderschönendinge.de

Stand: 10.01.2006 Autor: Joachim Faust

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