Die Wieder-„Entdeckung“

Der oberflächliche Betrachter sieht die Panke am Nordhafen in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal münden. Erst ein Blick auf einen historischen Stadtplan Berlins verrät den ursprünglichen Verlauf der Panke zwischen der Schulzendorfer Straße im Wedding und dem Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte.

Wer mehr über den alten Mündungsarm der Panke erfahren will, kommt an Bert Grigoleit nicht vorbei. Der 47-jährige Landschaftsarchitekt ist ein Kenner der Materie, der den Prozess der Freilegung der Alten Panke von Anfang an begleitet hat. „Im Jahr 2012 wird es 20 Jahre gedauert haben, die Panke freizulegen“, sagt Grigoleit, „aber dafür wurde vorher jahrzehntelang alles getan, um die Panke verschwinden zu lassen.“. Für die im Landeseigentum befindliche Grün Berlin GmbH hat Grigoleit zahlreiche Studien zur Panke erarbeitet und auch Teilstücke der Panke wieder freigelegt. Mit einem Gutachten über diesen Fluss hatte sich der Planer 1991 nach einer Tätigkeit in der Senatsverwaltung selbständig gemacht.

 

Im Ostteil Berlins war die Panke auch deshalb aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, weil nur zwei kurze Abschnitte nicht verrohrt oder zugeschüttet wurden. „Nur der Pankelauf auf dem Gelände der früheren Tierarzneischule aus dem 18. Jahrhundert war nicht verrohrt oder zugeschüttet“, erklärt Grigoleit. Hier konnte die Verlegung von Fernwärmeleitungen in der späten DDR-Zeit nur knapp verhindert werden. An vielen anderen Stellen verschwand die Panke jedoch in einem Rohr oder es wurden Leitungen in das Pankebett gelegt. Grigoleit kennt praktisch jedes Detail auf dem zuletzt freigelegten Abschnitt 100 Meter nördlich der Reinhardstraße und der Veterinärmedizinischen Fakultät der Humboldt-Universität. Auf diesem Gelände lebten bis vor wenigen Jahren viele Haus- und Nutztiere.“. Hier mussten Gehege, Futtersilos und alte Leitungen verschwinden“, erinnert sich der Landschaftsarchitekt, „es war eine zerklüftete Landschaft.“ Kein Vergleich zu dem jetzigen innerstädtischen Ort der Ruhe, den der kundige Spaziergänger heute vorfindet.

Bert Grigoleit
Bis auf die wenigen Abschnitte der Panke, die aus Kosten- oder Praktikabilitätsgründen verrohrt bleiben müssen, könnte das 1991 begonnene Projekt der Wieder-Entdeckung der Südpanke etwa im Jahr 2012 abgeschlossen sein, schätzt Bert Grigoleit. Das fehlende Teilstück nahe der Chausseestraße und der Habersaathstraße wird ab 2009 im Rahmen des Neubaus des Bundesnachrichtendienstes auf dem Gelände des früheren Stadions der Weltjugend angegangen werden. Grigoleit selbst führt die Planung für die Wiederherstellung der Panke aus, während ein anderes Büro mit der Parkgestaltung betraut wurde. „Mir gefällt am besten an dem Gewinnerentwurf, dass man förmlich in den Pankeeinschnitt abtaucht“, erläutert der Landschaftsarchitekt das Konzept. Die Promenade liegt wie die Panke selbst in einer Senke, so dass man die umgebende Bebauung weniger stark wahrnimmt als die Grünfläche und den Fluss. „3,5 Meter beträgt der Abstand zwischen der Geländeoberkante und der Sohle der Panke“, erklärt der Fachmann.


reinhardtstrspree.jpgIm Normalfall werden 200 Liter pro Sekunde in der Alten Panke fließen. Bei Hochwasser und durch den Zufluss von Regenwasser ist die Panke sogar auf bis zu 1000 Liter pro Sekunde ausgelegt. „Die Panke könnte wieder vollständig in ihrem alten Bett fließen“, erklärt Grigoleit, „auch wenn dies derzeit nicht geplant ist.“ Da der während der Teilung Berlins zugeschüttete Düker unter der Chausseestraße mittlerweile wieder funktionsfähig ist, konnte für einige Monate schon Wasser durch den alten Mündungsarm fließen. Der Abzweig an der Schulzendorfer Straße ist durch ein sogenanntes Schlauchwehr ebenfalls wieder dafür hergerichtet, die Panke wieder in ihr altes Bett zu leiten.

Mit der Rückführung des Pankewassers dürfte dann ab 2012 ein städtebaulicher Zustand wieder hergestellt sein, der den Fluss wieder stärker ins Bewusstsein der Berliner zurückholt. Mit dem Weddinger Abschnitt des Pankegrünzugs, der in den 1950er Jahren begonnen wurde, ist dies bereits ein Stück weit gelungen. Vor allem aber wird sich der ursprüngliche Pankeverlauf in einer großen gestalterischen Vielfalt präsentieren. Die Panke verfügt dann über höchst unterschiedliche Einbettungen ins Stadtbild, ob als Graben, als natürliches Gewässer, als Stadtfluss zwischen den Häusern oder wie bisher unter dem Straßenpflaster. Die Panke als wieder erlebbarer Fluss in der Stadt und als grüne Lunge für den Nordosten Berlins – dieses Projekt, das 1955 in Wedding begonnen wurde, wird nach 2012 weitgehend abgeschlossen sein. Die politisch Verantwortlichen haben hier eine glückliche Hand bewiesen, ein auf lange Sicht angelegtes Vorhaben auch tatsächlich umzusetzen. Dass sich Geduld und ein langer Atem lohnen, zeigt die Arbeit von Bert Grigoleit.

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