Wird die Panke wieder ein strudelnder Fluss?

“Der ist direkt aus der Panke gesprungen”, scherzt der Angestellte der
Stadthalle Bernau, als er einen Lachsstreifen vom Boden unter dem Büffet
aufhebt. Die Veranstaltung, die hier am 27.05.08 stattfindet,  ist mit etwa
150 Personen gut besucht. Der “3. Tag der Panke”wurde organisiert vom
Landesumweltamt Brandenburg und dem Referat Wasserwirtschaft der
zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.. Die Panke als naturnahes Gewässer – an diesem ehrgeizigen Ziel arbeiten die beiden Ämter länderübergreifend, unterstützt von Ingenieurbüros und Planungsfirmen. Hintergrund ist die Wasserrahmenrichtlinie der EU, die im Jahr 2000 erlassen wurde und einen Zeithorizont bis 2027 umfasst. Die erste Zielvorstellung sieht vor, bis 2015 die Gewässer in Europa wieder in einen guten ökologischen Zustand zuversetzen.

“Wie passen das Ökosystem eines Auenwaldes und die in Berlin an vielen Stellen kanalisierte Panke zusammen?”, fragt Landschaftsplaner Ralf Wegner in seinem Vortrag und erklärt, welche ökologischen Funktionen eine renaturierte Panke hätte: Beschattung, Falllaub, Schlupfgebiet und Eiablage. Wegner überrascht das Publikum mit einem Foto von der Panke südlich der Osloer Straße mitten in Berlin-Gesundbrunnen: an dieser Stelle gibt es heute schon eine Auenlandschaft. Auf der Grundlage der jetzt schon vorhandenen auenartigen Abschnitte soll eine Perlenkette von ökologisch wertvollen Bereichen in Berlin entstehen, wo sich bestimme Tier- und Pflanzenpopulationen ansiedeln und eigenständig entwickeln können. Ist die Panke dann “durchgängig”, wenn sie also ohne Hindernisse fließt, können diese Tier- und Pflanzenarten in die nicht renaturierten Abschnitte ausstrahlen. In diesem Jahr wird mit markierten Fischen getestet, ob der Düker an der Chausseestraße überwunden werden kann. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Die derzeit noch zwölf Querbauwerke werden nach der Planung der Senatsverwaltung in den nächsten Jahren beseitigt. Der Gruppenleiter WasserwirtschaftMatthias Rehfeld-Klein erläutert, welche Rechenanlagen, Wehre und Abstürze aus fischökologischen Gründen beseitigt werden sollen und wie sich damit das Bild der innerstädtischen Panke schon ab 2012 vollständig verändert. Auch in Brandenburg ist die Panke jahrelang sehr stiefmütterlich behandelt worden, wie Norbert Herrn vom Landesumweltamt Cottbus einräumt. Umso größer sind die Anstrengungen, die unternommen werden sollen: “Eine hydromorphologische Renaturierung bei gleichzeitiger Hochwasserneutralität ist geplant”, erläutert Herrn. Dies bedeutet, dass je nach den baulichen Gegebenheiten ein sandgeprägter Tieflandbach mit wechselnden Strömungsverhältnissen (Zepernick), einorganischer Bach (zwischen Bernau und Zepernick) und eine vermoorte Senke (im Quellgebiet) angestrebt werden.

Was den Hochwasserschutz angeht, erläutern die Planer, dass man von der
herkömmlichen Auffassung abrückt, das Regenwasser so schnell wie möglich dem abfließenden Gewässer zuzuführen. Dies gewinnt angesichts des Klimawandels an Bedeutung: Starkregen tritt bei bestimmten Wetterlagen häufiger auf als früher, während immer mehr Flächen versiegelt werden. Es komme nun darauf an, das Regenwasser zunächst in Rückhaltebecken vor allem im Oberlauf der Panke zwischenzuspeichern, erklärt Bauingenieur Kohnert.

Welche kurvenreichen, naturnahen Gewässerformen sogar mitten in Städten
schon realisiert wurden, demonstriert die Limnologin Tanja Pottgießer vom
Umweltbüro Essen. Sie unterstreicht, dass Gewässer nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sondern auch Erlebnisraum für Menschen sein können.

Bei so vielen Aufgaben, vor denen die zuständigen Ämter, die ausführenden
Ingenieure und Experten stehen, scheint an der Panke die Einhaltung der
Wasserrahmenrichtlinie schon bis 2015 schwer erreichbar. Die vielen
Maßnahmen, die derzeit erarbeitet werden und in vielen Einzelschritten
realisiert werden sollen, werden das Bild der Panke, wie wir sie heute
kennen, aber in jedem Fall vollständig verändern. Es hat ein Umdenken
begonnen, um die massiven Eingriffe und Störungen der Panke auf
dem Gebiet Berlins und Brandenburgs zu beseitigen oder zumindest
abzumildern. Die beiden Herausforderungen bestehen in der Verbesserung der Wasserqualität und in der Veränderung der Gewässerstruktur hin zu einem naturnahen Fluss. Wenn Fische wieder den gesamten Pankelauf durchschwimmen können, ist bereits eine Herkulesaufgabe gemeistert. Dass es auch Lachse in der Panke geben wird, darf jedoch bezweifelt werden.

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