In der Panke ist mehr als nur Wasser

„Is‘ da wenigstens ein Euro drin?“ will Isma wissen. Sie sitzt mit Emanuel in einem Kanu, das wegen eines in die Panke geworfenen Einkaufswagens an der Weiterfahrt gehindert wird. Die beiden haben gemeinsam mit anderen Jugendlichen Flaschen, Unrat und sogar einen Heimtrainer aus dem Wasser gezogen.

Fünf Kanus sind an diesem sonnigen Maisamstag ab der Berliner Landesgrenze auf der Panke unterwegs. „Es geht um den Lebensraum Panke“, erklärt der Organisator des Panke-Paddelns, Sören Marotz. „Außerdem ist die Tour ein Jugendprojekt, bei dem es nur am Rande auch ums Müllsammeln geht.“ Die Anwohner und Spaziergänger will Marotz mit seiner Tour auf den meist unscheinbaren Fluss aufmerksam machen und durch den ungewohnten Anblick der Kanus irritieren. Die Fußgänger am Wegesrand sind denn auch reichlich verwundert. Gabriele David hat die Kanus auf Höhe der Schlossparkpassagen in Buch gesehen: „Ich bin selbst begeisterte Paddlerin und kann mir nicht vorstellen, dass die Jugendlichen weit kommen.“, befürchtet die Lehrerin. Dass in der Panke viel Müll liegt, finden auch die meisten anderen Spaziergänger ärgerlich. Eine Paddeltour durch all den Unrat – die Bucher halten die Paddler einfach nur für verrückt. Nur ein junges Mädchen sagt: „Echt cool!“ Herr Mylesz aus Panketal hat aber auch früher schon Paddelboote auf der Panke gesehen: „Manchmal hat die Panke ganz schön hohes Wasser“, erklärt der ältere Herr, der viele Jahre in Buch einen Laden besessen hat und oft an der Panke entlang fährt.

Der Wasserstand ist für die Paddler an diesem Tag aber nur selten ein wirkliches Problem. Es hat nach einer langen Trockenperiode in der vorigen Nacht geregnet, und das befürchtete Niedrigwasser ist bei der Paddeltour ausgeblieben.

Auch drei Polizisten, die in Karow auf der Schwanebecker Chaussee patrouillieren, reiben sich angesichts der Paddler verwundert die Augen. „Wird umgehend entsorgt“, versprechen sie, als die Paddler erzählen, wie viel Müll sie gerade am Wegesrand abladen mussten. Verboten ist das Befahren der Panke mit Kanus offensichtlich nicht. „Es darf überall gepaddelt werden, wo kein Naturschutzgebiet verletzt wird“, hat Sören Marotz vor der Abfahrt erklärt.

„Der Perspektivwechsel ist spannend“, erklärt Arndt Mayer aus Wilhelmsruh, der mit seinen beiden acht und elf Jahre alten Kindern mitpaddelt. Der 32-jährige Sozialpädagoge Uli vom Weißenseer Jugendklub HOF 23 befährt die Panke sogar schon zum dritten Mal: „Auf einem See zu paddeln finde ich dagegen ziemlich langweilig.“ Das kann eine Jugendliche auch beim Zwischenstopp am Kinderbauernhof Pinke-Panke bestätigen: „Ab der Einmündung des Lietzengrabens hat es super geklappt – ich fand es bis jetzt einfach nur traumhaft!“

Dank der Förderung des Lokalen Aktionsplans Pankow sind für die Teilnehmer keine Kosten angefallen, und es gab auch eine Suppe vom Team des Kinderbauernhofs Pinke-Panke. Organisator Sören Marotz ist rundum zufrieden mit der Aktion, die die Teilnehmer fast bis zur Mündung in den Nordhafen führte: „Nächstes Jahr könnte man das Ganze wiederholen, und zwar als große Müllsammelaktion!“ Mal sehen, wie viele Einkaufswagen dann wieder aus der Panke gefischt werden müssen…

Fotos gibt es hier: http://panke.info/pages/panke-magazin/paddeln-auf-der-panke.php

Eine Katastrophe für den Katastrophenschutz

Das Übungsgelände des Technischen Hilfswerks

In Berlin-Buch, zwischen dem Pankeweg, der Autobahn A 10 und der Eisenbahntrasse (u.a. S-Bahn-Linie 2) befindet sich ein völlig zerstörter Plattenbau. Ich dachte früher, dass es sich um einen aufgegebenen Plattenbau handele, dem man den Gnadenschuss verwehrt hat. Aber dies ist hier kein besonders bizarres Beispiel des Stadtrückbaus Ost. Wie ich jüngst erfahren habe, handelt es sich in Wirklichkeit um eine Feuerwehrschule aus der DDR-Zeit. Aus schadhaften Platten wurden diese Phantomgebäude errichtet, um realistische Übungsszenarien entwickeln zu können.

Tragischerweise liegt das Areal in der Nähe der Autobahntrasse des Berliner Rings, der in Kürze um zusätzliche Spuren erweitert werden wird. Als Ausgleichsmaßnahme ist an dieser Stelle ein neuer Park geplant – und das Technische Hilfswerk muss von diesem Ort ersatzlos weichen.

Gut, dass es noch jede Menge Plattenbauten gibt, die rückgebaut werden sollen. Vielleicht ist da ja auch etwas für den Katastrophenschutz dabei.