Nachschlag gegen Armut – das Franziskanerkloster in Pankow

Abgekehrt von den Mühen des Alltags, ins Innere eingekehrt und fernab vom „wirklichen Leben“: so stellen sich die meisten ein Kloster vor. Doch im Franziskanerkloster an der Wollankstraße in Pankow geht es mitunter recht turbulent zu. Den fünf Brüdern und den Mitarbeitern des Klosters kann man jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie den Bezug zur Realität verloren haben.

Mit seiner Suppenküche, der Kleiderkammer und der Hygienestation ist das  Kloster ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen, denen das Nötigste zum  Leben fehlt. Mit Hilfe von Lebensmittel- und auch Geldspenden wurde in den Jahren seit dem Mauerfall eine Küche aufgebaut, in der oft mehr als 300 Mahlzeiten pro Tag ausgegeben werden. „Wir fragen nicht nach einem Nachweis für die Bedürftigkeit“, erklärt Bruder Florian, der seit 2007 die Suppenküche leitet. Er zeigt den Teilnehmern einer panke.info-Führung die modernen und gut ausgestatteten Räumlichkeiten, über die die Einrichtung heute verfügt. In einem modernen Anbau werden die Mahlzeiten ausgegeben und verzehrt. „Es ist wichtig, dass viel Licht in den Essenssaal kommt“, erklärt Bruder Florian. Es lässt sich leicht nachvollziehen, welche psychologische Wirkung dieser lichtdurchflutete Raum für die Essensgäste haben muss.

Durch die Küche geht es in den Altbau an der Wollankstr. 19, wo sich im  Obergeschoss eine Hygienestation mit drei Duschkabinen befindet. „Der
Wartesaal zum großen Glück“, wie der dazugehörige Aufenthaltsraum genannt wird, erinnert an einen gemütlichen Lesesaal mit seinen Bücherregalen an der Wand. Hier gibt es auch die Möglichkeit, Kleider waschen zu lassen. Die Kleidung selbst kann man in einer großen Kleiderkammer im Keller des Gebäudes erhalten – laut Bruder Florian wird der Ort scherzhaft „Ka de Wo“ genannt, wobei „Wo“ für Wollankstraße steht. Dass die zahllosen Kleidungsstücke sorgsam nach Größen sortiert sind, lässt erahnen, mit welchem Aufwand die vielen ehrenamtlichen Helfer und die Klosterbrüder hier arbeiten.

Den Abschluss des Rundgangs bildet ein Besuch in der kleinen Kapelle. „Es kommt vor, dass Gottesdienstbesucher draußen anstehen müssen“, sagt Bruder Florian. Der Gottesdienst des Klosters findet in Pankow immer größeren Anklang. Dazu dürfte auch beitragen, dass die Predigttexte nicht abgehoben sind – die Klosterbrüder haben nicht nur einen Bezug zur sozialen Realität: sie arbeiten auch ganz aktiv dagegen an. Das Kloster ist übrigens auf Spenden angewiesen und erhält keine direkten staatlichen Zuwendungen.

Bei allem Trubel: wer dennoch Ruhe und Einkehr sucht, kann sie schließlich doch noch im Franziskanerkloster Pankow finden: ein langgezogener Klostergarten erstreckt sich fast bis zum Bürgerpark Pankow. Spätestens hier wird dem Besucher klar, dass dieser Ort am Rand der Millionenstadt Berlin etwas ganz Besonderes sein muss.

Franziskanerkloster, Wollankstr. 19, 13187 Berlin-Pankow, S-Bahn: Wollankstr., Bus M 27, 250, 255 Wollankstr./Florastraße

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Paris, Berlin, und zwei Flüsse

Erstaunte Schlossparkbesucher....

Ich habe einige Monate in Paris gelebt. Mein Blick ging aus dem 13.Stockwerk in Richtung Sacré Coeur und am Horizont sah man auch noch den Eiffelturm, während sich im Vordergrund ein Wasserbecken des Canal de l’Ourcq erstreckte. Das Leben am Wasser, wenn auch am künstlichen Gewässer, habe ich immer als einen Gewinn empfunden. Die Gegend hat sich in den letzten Jahren weiter verändert, nun sind auf beiden Seiten des Beckens Kinos entstanden, und man kann mit seiner Eintrittskarte eine kleine Fähre benutzen, um von einem ins andere Kino zu gelangen.

Hier in Berlin wohne ich, wie man sich unschwer denken kann, an der Panke. Auch ein Gewässer, aber ein natürliches. Viel wird sich in den nächsten Jahren ändern, damit man wieder erleben kann, dass die Panke ein naturnaher Fluss ist.

In Paris habe ich manchmal etwas über die Bièvre gehört, einen im Stadtgebiet verschwundenen Fluss auf der Rive Gauche. Zurück in Berlin dachte ich manches Mal, dass die Panke und die Bièvre, so wie unzählige andere verkannte Stadtflüsse wie auch die Wien, eine Menge gemeinsam haben. Vielleicht ist ja das, was hier mit der Panke passieren wird, ein Modell für andere verrohrte, vergrabene und entstellte Stadtflüsse.

Den Artikel von Uwe Rada in der TAZ habe ich jedenfalls mit großer Genugtuung gelesen:

http://www.uwe-rada.de/themen/fluesse_panke.html

http://panke.info/pages/neue-panke/die-panke-und-die-planungen.php

Dackelblick auf Hundekot

Wiesenstecker gegen HundekotNeulich zu Besuch in Wien: Hundekot ist dort ein ähnlich großes, wenn nicht sogar größeres Problem als in Berlin. Die Stadt ficht einen verzweifelten Kampf gegen die „Mir doch egal“-Mentalität mancher Hundehalter, indem sie 25000 quietschorange Werbepflöcke in die Wiesen gerammt hat. Ein Jack-Russell-Terrier schaut den nachlässigen Halter anklagend an – und droht mit 36 € Strafe. Schon seit 2006 gibt es in Wien ähnlich wie in Berlin Hundekotbeutel in Behältern, von denen der gleiche Terrier mit Hundeblick fleht: „Nimm ein Sackerl“.

Sackerl-SchilderlOb in Berlin ähnliche Kampagnen erforderlich sind, um der Hundekot-Plage Herr zu werden? Mir haben verantwortungsvolle Hundehalter erzählt, dass sie oft schief angeguckt werden, wenn sie das Häufchen aufheben. Auch soll es manchmal schwierig sein, einen Mülleimer zu finden, um den Beutel dann zu entsorgen.

Letztendlich kommt es also doch nur auf den guten Willen der Hundehalter an, die sich selbst über zuviel Hundekot ärgern. Kontrollen, Bußgeldandrohungen und Werbekampagnen dürften dagegen nur einen geringen Effekt haben.