Wohnungssuche – Stimmt der Mythos von den billigen Wohnungen im Wedding?

Wohnen im Sanierungsgebiet
Jutta Schäfer und Christoph Schierholz sind ein junges Paar. Sie wohnt in Berlin, er in Dresden. Jetzt möchten sie gerne zusammen ziehen. Im Soldiner Kiez, besonders im Sanierungsgebiet rund um die Biesentaler Straße, können sie sich vorstellen zu wohnen. „Unser Limit liegt bei 400-500 €, für möglichst mehr als 80 Quadratmeter“, erklärt Christoph Schierholz. Da kann Gordon Buchwald helfen. Er ist der für den Soldiner Kiez zuständige Kundenberater der DEGEWO. „Der Soldiner Kiez ist ein typisches Arbeiterviertel aus den Jahren 1890-1910“ sagt er. „Daher sind die Wohnungen nicht so groß wie im gutbürgerlichen Charlottenburg, und auch die Decken sind nur etwa 2,80 Meter hoch.“

Die meisten Altbauten hat die DEGEWO in den letzten Jahren im Auftrag des Landes Berlin mit öffentlichen Fördergeldern saniert. „Daher dürfen wir die Wohnungen eigentlich nur Mietern mit WBS überlassen.“ Gordon Buchwald erklärt jedoch, dass es auch Ausnahmen gibt: „Wenn Interessenten keinen WBS haben, wird geprüft, ob berechtigte Mieter Vorrang haben, ansonsten hat man auch ohne WBS gute Chancen, eine Wohnung zu bekommen.“ Er erläutert den beiden Wohnungssuchenden, welche Wohnungen gerade frei sind. Zum Beispiel die Häuser an der Osloer Straße 8 und 9, die frisch saniert sind. Dort könne man eine 108 m2 große 4-Zimmer-Wohnung ab 750 € bekommen. Andere 3-Zimmer-Wohnungen mit Warmmieten um die 500 € kommen für die Wohnungssuchenden ebenfalls in Frage.

Preise unter dem Mietspiegel
„Wir unterschreiten in manchen Wohnungen mit 4 € netto kalt sogar den Mietspiegel“ erklärt Gordon Buchwald. Im Mietspiegel gilt der Soldiner Kiez ohnehin schon als Niedrigmietgebiet. Für die dortigen sanierten Altbauten weist der Berliner Mietspiegel einen Mittelwert von 4,39 € Nettokaltmiete aus. Gordon Buchwald versichert zudem, dass die DEGEWO bei Neuvermietungen sehr kooperativ ist und auf Wünsche zur Miethöhe auf befristete Zeit eingehen kann. Im Gegenzug erwartet die Wohnungsbaugesellschaft vor allem ein regelmäßiges Einkommen und Mietschuldenfreiheit. Arbeitslosengeld II wird dafür akzeptiert. Einen Trick verrät Gordon Buchwald noch: „Im ersten Halbjahr werden erfahrungsgemäß weniger Wohnungen nachgefragt. Das erhöht das Angebot um diese Jahreszeit.

Günstige Wohnung über`s Internet
Sonya Kraus, neue Kiezmentorin im Quartiersmanagement Soldiner Straße, hat es bei einer Wohnungsbaugesellschaft gar nicht erst versucht. Sie scheute den bürokratischen Aufwand, den sie als Freiberuflerin beim Nachweis ihres Einkommens erwartete. „Wir haben stattdessen einen Privatvermieter übers Internet gefunden“ sagt die erst im November zugezogene Neuberlinerin. Die Miete für die 170 m2 große Wohnung in der Koloniestraße ist vergleichsweise niedrig. „Der Vermieter war froh, jemanden langfristig über einen Zweijahresvertrag binden zu können“ sagt sie. Ihr ist aufgefallen, dass es zahlreiche freie Wohnungen gibt, die man an Aufklebern an den Fenstern erkennen kann.

Negativimage wandelt sich
Der Stadtteilmanager der DEGEWO, Achim Wolf, betont, dass sich das Negativimage vom Soldiner Kiez gewandelt habe. Deshalb werden öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Künstlervereinigung Kolonie Wedding unterstützt. Als Zielgruppe für die freien Wohnungen sind nicht nur Studenten, sondern allgemein junge Leute im Visier der Wohnungsbaugesellschaft. „Wir setzen auf die Leute, die den Prenzlauer Berg zu teuer finden.“ sagt Achim Wolf. Die DEGEWO hat vor allem ein Interesse an einer stabilen Mieterstruktur. Dies führe, laut Wolf, zu weniger Nachbarschaftskonflikten und damit auch zu weniger Auszügen.

Jutta Schäfer und Christoph Schierholz sind sich nach dem Besuch bei der DEGEWO einig. „Das Preis-Leistungsverhältnis scheint zu stimmen.Jetzt machen wir uns auf den Weg und schauen uns die Wohnungen erst einmal an.“ Es kann also sehr schnell gehen, an eine Wohnung im Soldiner Kiez zu kommen.

Wohin kann ich mich wenden?

Immobiliensuche im Internet: http://www.immobilienscout24.de

DEGEWO
Gordon Buchwald
Kundenzentrum Nord
Brunnenstraße 128, 13355 Berlin
Tel.: 030-26 485 680
E-Mail: gordon_buchwald@degewo.de

GESOBAU
Vermietungsbüro Wedding
Schulstraße 11
13347 Berlin
Telefon: 030/4073-1465
E-Mail: mieten-wedding@gesobau.de

Stand: 27.02.2006 Autor: Joachim Faust

Kommentar: Ein Park für die Pankower

Blick auf das Portal des Bürgerparks

Pankow kauft für 1,45 Millionen ein paar Hektar Land und schafft damit einen öffentlichen Park, wodurch die Bebauung des Parkareals durch Investoren dauerhaft verhindert wird. Zu schön, um wahr zu sein, nach allem, was in der sich hinziehenden Debatte um den Mauerpark bisher geschehen ist? Und doch ist es passiert, wenn auch schon im Jahr 1907, als sich die damals noch selbständige Landgemeinde Pankow unter Führung des Bürgermeisters Wilhelm Kuhr dazu durchrang, das Gelände südöstlich der Panke zu erwerben.

Der Verleger Hermann Killisch- von Horn hatte das Gebiet rund um die frühere Papiermühle 1856 erworben und zu seinem Landsitz vor den Toren Berlins ausgebaut. Sein Augenmerk galt insbesondere der gärtnerischen Gestaltung des zweieinhalb Hektar umfassenden Grundstücks, und dank der Energie des Grundbesitzers und seines Gärtners ist aus dem Areal ein landschaftsgärtnerisches Juwel geworden. Nach dem Tode des Parkbesitzers, der später in einem Mausoleum am Rand des Parks bestattet wurde, wurde der Park nicht mehr in dem Maße gepflegt, wie es erforderlich gewesen wäre. Die Erben planten, den Park parzellieren zu lassen und damit zur Bebauung mit Wohnhäusern freizugeben. Der damalige Bürgermeister Pankows nutzte die letzte Chance, der aufstrebenden Gemeinde an dieser Stelle eine Grünfläche zu verschaffen und legte damit den Grundstein für eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte: der Bürgerpark ist aus Pankow nicht mehr wegzudenken. Zwar haben der Zweite Weltkrieg und eine umfassende Umgestaltung des Bürgerparks in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts viel von der ursprünglichen landschaftsgärtnerischen Idee zerstört, als grüne Lunge wird der Park jedoch damals wie heute von den Anwohnern in Pankow und Wedding benötigt. Und welches Kind aus den beiden Stadtteilen kennt nicht den Kinderbauernhof Pinke Panke am Rand des Parks?

Die weitsichtige Entscheidung aus dem Jahr 1907, der der Norden Berlins einen der gepflegtesten Parks verdankt, scheint bei den heutigen politisch Verantwortlichen ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Schließlich ist es heute kaum mehr vorstellbar, dass bei der Flächenplanung der zahlreichen innerstädtischen Brachen Berlins ausschließlich das öffentliche Interesse an mehr Grünflächen zählt.

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Was wird aus dem Mauerpark?

Der Name „Mauerpark“ erinnert noch an die Zeit, als die Stadt geteilt war. Der Plan, nach dem dieser Park Anfang der Neunzigerjahre angelegt wurde, sah vor, nicht nur die beiden Stadthälften, sondern auch die damaligen Bezirke Wedding und Prenzlauer Berg an genau dieser Stelle miteinander zu verbinden. Heute ist davon immer noch nicht viel zu spüren. Der denkmalgeschützte Gleimtunnel unter dem Park mit seinen charakteristischen gusseisernen Stützen trennt das Weddinger Brunnenviertel mehr vom Gleimviertel im Prenzlauer Berg als dass er die beiden Kieze verbindet. Zudem sind von den geplanten 14 Hektar des Mauerparks nur acht realisiert worden; der derzeit noch gewerblich genutzte Abschnitt liegt mit seinen Baustofflagern wie ein Riegel zwischen dem fertigen Teilstück und dem Brunnenviertel. (Foto: Luftbild der heutigen Mauerparkfläche)

Initiative „Landnahme“
Wer von der Anhöhe des Parks in Richtung Wedding schaut, sieht vor allem eine Stadtbrache. Dagegen wollen Bürger, Naturschützer und Politiker aus dem Prenzlauer Berg etwas tun. Sie haben die Initiative „Landnahme“ gegründet, um auf die Umsetzung der Mauerparkplanung zu pochen. Schließlich ist ihr Stadtteil mit Grünflächen unterversorgt und der Park dementsprechend übernutzt. Auf der Erweiterungsfläche wurden im Rahmen der „Landnahme“ zuletzt am 22. November mehr als dreißig Eichen und Zierobstbäume gepflanzt, um ein Zeichen zu setzen, damit die Realisierung der Planung vorangetrieben wird. Doch für die in Frage kommende Fläche soll das Land Berlin dem Grundstückseigentümer, der gewinnorientierten Tochtergesellschaft „Vivico“ der Deutschen Bahn, marktübliche Baulandpreise bezahlen – und steht dabei zusätzlich unter einem gewissen Zeitdruck. Wird der Park nicht bis 2010 auf mindestens zehn Hektar erweitert, verlangt die Allianz-Umweltstiftung nämlich Fördergelder zurück. Die Stiftung war 1992 mit 4,5 Millionen Mark eingesprungen, um die erste Ausbaustufe des Parks zu realisieren.

Merkwürdiger städtebaulicher Zustand
Jeanne Grabner vom Stadtteilmanagement Brunnenstraße auf Weddinger Seite, hält die Bebauung der Brache am Mauerpark für einen entscheidenden Punkt der Gebietsentwicklung: „Das Brunnenviertel befindet sich in einer städtebaulich merkwürdigen Lage – eine baldige Lösung bei der Mauerparkerweiterung wird von uns daher sehnlichst erwartet.“ Vor allem durch eine oberirdische Verbindung zwischen der Lortzingstraße und dem bisherigen Mauerpark verspricht sich die Stadtteilmanagerin eine Aufwärtsentwicklung für das Brunnenviertel: „Der Park ist die Gemeinschaftsfläche, hier können Kontakte für Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit unterschiedlicher Bildung entstehen.“ Dabei vertritt das Stadtteilmanagement eine pragmatische, eher verhandlungsbereite Position. „Alles ist besser als der Ist-Zustand“, sagt Jeanne Grabner. Soll heißen: egal, was passiert, das Brunnenviertel profitiert in jedem Fall.

Kein halbherziger Kompromiss
Damit geben sich die Bürger der Initiative „Landnahme“ nicht zufrieden. Eine von ihnen, Jacqueline Röber, Vorsitzende des Bürgervereins Gleimviertel, erklärt: „Unsere Intention ist, dass der Park wie geplant auf 14 Hektar erweitert wird, auch wenn das Land Berlin sagt, dass dafür kein Geld da ist.“ Durch die Einbindung von namhaften Kommunal- und Bundespolitikern wie Gregor Gysi als Baumpaten soll zunächst das politische Bekenntnis bekräftigt werden, dass der Park eines Tages wie geplant fertiggestellt wird. „Wir sind nicht radikal, sondern realistisch“, sagt Röber und beteuert: „Wir lassen uns aber nicht auf einen Kompromiss ein, auch wenn sich die Realisierung dadurch verzögert.“

Auch Anwohnerin Manuela Hoffmann empfindet die Gewerbeflächen vor allem als Schandfleck. Sie wohnt seit vier Jahren im Brunnenviertel. „Die Erweiterung des Mauerparks finde ich wichtig, aber man sollte nicht für die jetzigen Bewohner des Viertels planen, die verlassen kaum den 50-Meter-Radius um ihre Wohnung“, sagt die Anwohnerin und erklärt: „Man sollte die potenziellen Bewohner im Sinn haben.“ Fürs Erste findet sie am Wichtigsten, dass nicht einfach nur der Park erweitert wird. „Ich wünsche mir mehr vor allem mehr Veranstaltungen“, sagt die 45-Jährige. (Foto: Bürger bei einer Baumpflanzaktion)

Eine Chance für das Brunnenviertel
Das kann sich auch Jeanne Grabner gut vorstellen. Der Park mit gewerblich genutzter Freizeitfläche, die zum Grüncharakter passt – sie denkt dabei an Open-Air-Konzerte oder einen Golfplatz. „Die Bevölkerungen von Wedding, Prenzlauer Berg und Altbezirk Mitte könnten sich besser vermischen“, hofft Grabner. „Die benachbarten Viertel könnten auch vom Brunnenviertel mit seinem hohen Migrantenanteil profitieren.“ Das Brunnenviertel soll herauskommen aus seinem Ghetto – und der Mauerpark endlich auch zu einem Symbol fürs Zusammenwachsen Berlins werden. Bis dahin ist zu hoffen, dass die Bewohner der beiden benachbarten Kieze den Weg durch den Gleimtunnel wagen. Dort soll jetzt in der dunklen Jahreszeit eine neue Kunst-Installation für Licht am Ende des Tunnels sorgen.

mehr zu den Kiezen: http://www.gleimstrasse.de/burgerverein

http://www.stm-brunnenviertel.de http://www.landnahme.de

Stand: 09.01.2007 Autor: Joachim Faust, Fotos: Landnahme,

Link: Der Mauerpark als Schnittstelle zwischen Ost und West, Einheimischen und Zugezogenen, und als das, was besser nicht sein sollte:

http://stuttgartisierung.wordpress.com/2008/08/04/geographielegasthenie-im-mauerpark/

Grundschulen als Oase

Mit Beginn des neuen Schuljahrs 2005/2006 trat eine Reform des Berliner Grundschulsystems in Kraft, die den Schulen erhebliche Veränderungen bringen wird. So werden die Vorklassen abgeschafft und an die Kitas verlagert. Auf Rückstellungen wegen fehlender Schulreife wird verzichtet. Im Gegenteil: Schon die Fünfeinhalbjährigen werden eingeschult. Allein im Bezirk Mitte kommen daher 4200 statt regulär 2700 Kinder in die Schule. Die Horte, die bisher in die Zuständigkeit der Kitas fielen, werden außerdem den Grundschulen angegliedert. Statt in die erste Klasse treten die ABC-Schützen jetzt in die „flexible Schulanfangsphase“ ein, bei der gleich zwei Jahrgänge gemeinsam unterrichtet werden. Die Schulen müssen zudem für alle Kinder Lernstandsanalysen fertigen, um den individuellen Förderbedarf zu ermitteln. (Foto: Schüler der Wilhelm-Hauff-Schule)

Maximum an Bildung
Auch die drei Grundschulen des Soldiner Kiez sehen sich diesen Änderungen gegenüber gestellt, die alle im August 2005 greifen. Die Direktorin der Carl-Kraemer-Grundschule, Christine Frank-Schild, befürwortet die Reformen, befürchtet aber: „Dass alles zum gleichen Zeitpunkt in Kraft tritt, ist zu viel auf einmal.“ Das sozial schwierige Umfeld – mindestens 80 % der Schüler sprechen Deutsch nicht als Muttersprache – stellt außerdem eine dauerhafte Herausforderung dar, der die Schulen mit unterschiedlichen Mitteln begegnen. Für Frank-Schild ist klar: „Speziell in unserem Kiez ist ein Maximum an Schulangeboten erforderlich.“

Für die Ganztagsschule
Dies leistet ihrer Meinung nach am besten die Ganztagsschule, für die sie viele erst noch begeistern muss. „Einige Eltern im Kiez haben zwar Angst vor unserer Ganztagsschule, aber in Einzelgesprächen sagen wir ihnen, dass ihr Kind nur mit guten deutschen Sprachkenntnissen Bildungschancen erhält.“ Die Carl-Kraemer-Grundschule hat sich frühzeitig um Fördermittel des Bundes beworben und ist bereits seit vergangenem Jahr eine gebundene Ganztagsschule. Bis 16 Uhr gehen dort alle Kinder zur Schule, wobei der Unterricht über den ganzen Tag verteilt und mit Sport und Freizeitaktivitäten vermischt wird.

Mit Kreativität gegen Gewalt
Die Andersen-Schule ist mit 400 Schülern relativ klein und überschaubar. „Darum wird Gewalt schnell registriert und bekämpft“, erklärt Direktor Klaus-Dieter Lambrecht. So genannte Konfliktlotsen – zu Mediatoren ausgebildete Schüler – gibt es inzwischen an allen drei Schulen im Kiez. Die Carl-Kraemer-Schule wie auch die Wilhelm-Hauff-Grundschule legen zudem Wert auf kunstorientierten Unterricht. Marichen Aden, Direktorin der Wilhelm-Hauff-Schule, erklärt das Konzept: „Kunstorientierung vermittelt Erfolge. Dies eröffnet den Kindern den Zugang zur Sprache.“

Sprachförderung am wichtigsten
Sprachförderung ist in allen drei Schulen das wichtigste Anliegen, auch wenn dies auf unterschiedliche Weise erreicht wird. In der Andersen-Grundschule betont der Direktor einen räumlichen Vorteil: Der Hort ist im gleichen Gebäudekomplex untergebracht, so dass die Horterzieherinnen in den Vormittagsunterricht der Halbtagsschule eingebunden werden können. „Acht bis neun Erzieher werden die Lehrer unterstützen“, sagt Lambrecht. „Sie fördern nachmittags die Kinder mit sprachlichen Defiziten.“ Immerhin 80 bis 90 Prozent der Schüler besuchen den Hort. Zusätzlich gibt es noch die „Schulinsel“, ein Blockhaus im Innenhof, das für Hausaufgabenbetreuung genutzt wird. Die Lage im „Problemkiez“ ermöglicht den Schulen zudem eine niedrigere Klassenstärke von nur zwanzig Kindern.

Eltern in die Pflicht nehmen
Die Beherrschung der deutschen Sprache ist jedoch nicht der einzige Knackpunkt für Direktorin Frank-Schild. „Wichtig für mich ist, ob die Schule sauber ist, ob die Kinder freundlich sind, welche Umgangsformen herrschen“, erklärt sie. Doch das kann die Schule nicht allein leisten. Darum wird an der Andersen-Schule geplant und an der Wilhelm-Hauff-Schule bereits praktiziert, dass ein Bildungsvertrag abgeschlossen wird – zwischen Eltern und der Schule. „Schule und Umfeld müssen miteinander arbeiten“, sagt Direktorin Aden. – Für mehr Respekt und Toleranz, Weltoffenheit und Kontaktfreudigkeit.

Oase in schwieriger Umgebung
Der ganzheitliche Ansatz des Zusammenspiels zwischen familiärem und schulischem Umfeld ist den drei Grundschulen wichtig – gerade weil übereinstimmend alle Direktoren betonen, dass ihre Schüler die Schule als „Oase“ in ihrer oft konfliktreichen Umgebung empfinden. „Unsere Schule soll Verlässlichkeit vermitteln“ sagt Aden. Schule soll ein Ort sein, an dem sich die Kinder geborgen fühlen. Die Bedingungen zu guten Leistungen sind inzwischen an allen drei Schulen hervorragend: „Die Schwachen fördern und die Starken fordern“ umreißt Direktor Lambrecht das Erfolgsprinzip: allein seine Schule hat zahlreiche Deutsch-Wettbewerbe und die Mathematikolympiade gewonnen

Profile der Grundschulen im Kiez

Hans-Christian-Andersen-Schule: „verlässliche Halbtagsschule“ (verlässliche Betreuung von 7.30 – 13.30 Uhr) mit offenem Ganztagsbetrieb. Direktor: Klaus-Dieter Lambrecht. ca. 400 Schüler. Profil: Individualität wird erreicht durch „Fördern“ und „Fordern“, Betonung der Gewaltfreiheit, zahlreiche kreative Kurse und Gartenarbeit, monatliche Aufführungen der Schüler in der Aula (sportliche und kulturelle Veranstaltungen). Adresse: Kattegatstr. 26, Tel. 4936867

Carl-Kraemer-Schule: „Gebundene Ganztagsschule“ von 7.30 – 16.00 Uhr mit künstlerischem Schwerpunkt. Direktor: Christine Frank-Schild. 500 Schüler aus 23 Nationen. Konzept: Verbindung von Kiez, Künstlern und Schule. Fächerübergreifende Einbindung von künstlerischen Themen in den Unterricht. Gute Ausstattung mit Computern; Arbeit mit Neuen Medien in allen Klassenstufen. Adresse: Zechliner Str. 4, Tel. 4998993

Wilhelm-Hauff-Schule: „verlässliche Halbtagsschule“, dazu offener Ganztagsbetrieb in Kooperation mit dem freien Träger „Perlmut“ für den Hortbereich. Direktor: Marichen Aden. 600 Kinder aus 21 Nationen. Profil: sowohl Regelbetrieb mit Kunstorientierung als auch Montessori-Zug. Im Montessori-Zug werden Kinder jahrgangsübergreifend nach dem Motto „Hilf mir es selbst zu tun“ unterrichtet. Charakteristisch ist dabei die „Freiarbeit“ der Kinder, die selbst entscheiden, was sie lernen möchten. Adresse: Gotenburger Str. 8, Tel. 48490810 bzw. -11

Stand: 02.08.2005 Autor: Joachim Faust