Ein Muss für Touristen

http://www.travelwirenews.com/editions/18NOV2008.htm

Internationale Tourismusexperten empfehlen bei einem Berlin-Besuch aus kulinarischen Gründen den Ortsteil Gesundbrunnen.

Muss man sich Sorgen machen, dass wir bald von lauter Reisebussen, Reisegruppen und Warteschlangen vor Dönerläden verdrängt werden?

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3-2-1 Döner 2.0

Eine Portion Fleisch mit Brot, dazu Salat auf Wunsch auch ein paar Pommes: ein Döner ist eine ganze Mahlzeit. Selbst in kleinsten Dörfern ist das (türkische) Schnellgericht mittlerweile zuhause – ganz so wie früher die obligatorische Pizzeria und davor die Dorfgaststätte, die mittlerweile auf die Liste der bedrohten Arten gehört. Nicht eben die gesündeste Nahrung, dafür aber meist konkurrenzlos günstig. Für drei Euro kann man satt werden. Auch für zwei fünfzig gibt es sie schon, teilweise sind sie für zwei Euro zu haben. Die Masse macht´s und der Döner scheint ein Musterbeispiel für sinkende Preise bei steigender Nachfrage. Neben den Skalenerträgen dient der gefüllte Brotfladen aber auch als Beispiel für ein weiteres betriebswirtschaftliches Phänomen. Wenn Konkurrenz ins Spiel kommt, wackeln teilweise sogar die Schwellenpreise.

Gerade in Berlin angekommen, mit dem Bus bis zur Prinzenallee und per pedes in die Soldiner Strasse, wirbt gleich die erste Schautafel mit „Döner 1 Euro“. Eingedenk der Ungläubigkeit, die meine Erzählungen von derart günstigen Fleischburgern schon so oft im In- und Ausland hervorgerufen haben, zücke ich die Kamera und dokumentiere das Angebot für zukünftige Thomasquerelen. Kaum dreißig Meter weiter promotet der nächste Grillshop in großen Buchstaben sein Super-Angebot: Dort kostet der Döner nur 99 Cent. Als ich zwei Tage später vom „Döner-Preiskrieg“ im Soldinerkiez erzähle, schmunzelt ein Freund und berichtet von 79 Cent-Dönern bei sich um die Ecke. Das Credo der Anwesenden ist einhellig: Für solch einen Preis kann man sich ja denken, was da serviert wird. Gedanken an den Gammelfleischskandal legen sich wie ein pelziger Belag über die Gesprächsrunde.

Während sich die Beobachter über die Warenqualität wundern, über die Preispolitik staunen, sich vielleicht sogar (un-)heimlich über die rasante Ausbreitung des Kebabs in der Republik ärgern, oder dem orientalischen Billigessen gar die Schuld am Sterben der deutschen Küche geben, ist in Berlin ein interessantes Phänomen feststellbar: Die Rennaissance der Currywurst. Nicht klassisch Schweinefleisch, sondern aus Rindfleisch oder Huhn. Und neuer Beliebtheit erfreut sich dieses Ur-Berliner Kulturgut, zusammen mit anderen Imbiss-Spezialitäten, gerade in den Kiezen, wo Döner lange Zeit das fast ausschließliche Auf-die-Hand-Essen war. Innovation, Integration, Re-Inkarnation: Guten Appetit!

Gastbeitrag von Marcus Bauer, Wien