Was wird aus dem Mauerpark?

Der Name „Mauerpark“ erinnert noch an die Zeit, als die Stadt geteilt war. Der Plan, nach dem dieser Park Anfang der Neunzigerjahre angelegt wurde, sah vor, nicht nur die beiden Stadthälften, sondern auch die damaligen Bezirke Wedding und Prenzlauer Berg an genau dieser Stelle miteinander zu verbinden. Heute ist davon immer noch nicht viel zu spüren. Der denkmalgeschützte Gleimtunnel unter dem Park mit seinen charakteristischen gusseisernen Stützen trennt das Weddinger Brunnenviertel mehr vom Gleimviertel im Prenzlauer Berg als dass er die beiden Kieze verbindet. Zudem sind von den geplanten 14 Hektar des Mauerparks nur acht realisiert worden; der derzeit noch gewerblich genutzte Abschnitt liegt mit seinen Baustofflagern wie ein Riegel zwischen dem fertigen Teilstück und dem Brunnenviertel. (Foto: Luftbild der heutigen Mauerparkfläche)

Initiative „Landnahme“
Wer von der Anhöhe des Parks in Richtung Wedding schaut, sieht vor allem eine Stadtbrache. Dagegen wollen Bürger, Naturschützer und Politiker aus dem Prenzlauer Berg etwas tun. Sie haben die Initiative „Landnahme“ gegründet, um auf die Umsetzung der Mauerparkplanung zu pochen. Schließlich ist ihr Stadtteil mit Grünflächen unterversorgt und der Park dementsprechend übernutzt. Auf der Erweiterungsfläche wurden im Rahmen der „Landnahme“ zuletzt am 22. November mehr als dreißig Eichen und Zierobstbäume gepflanzt, um ein Zeichen zu setzen, damit die Realisierung der Planung vorangetrieben wird. Doch für die in Frage kommende Fläche soll das Land Berlin dem Grundstückseigentümer, der gewinnorientierten Tochtergesellschaft „Vivico“ der Deutschen Bahn, marktübliche Baulandpreise bezahlen – und steht dabei zusätzlich unter einem gewissen Zeitdruck. Wird der Park nicht bis 2010 auf mindestens zehn Hektar erweitert, verlangt die Allianz-Umweltstiftung nämlich Fördergelder zurück. Die Stiftung war 1992 mit 4,5 Millionen Mark eingesprungen, um die erste Ausbaustufe des Parks zu realisieren.

Merkwürdiger städtebaulicher Zustand
Jeanne Grabner vom Stadtteilmanagement Brunnenstraße auf Weddinger Seite, hält die Bebauung der Brache am Mauerpark für einen entscheidenden Punkt der Gebietsentwicklung: „Das Brunnenviertel befindet sich in einer städtebaulich merkwürdigen Lage – eine baldige Lösung bei der Mauerparkerweiterung wird von uns daher sehnlichst erwartet.“ Vor allem durch eine oberirdische Verbindung zwischen der Lortzingstraße und dem bisherigen Mauerpark verspricht sich die Stadtteilmanagerin eine Aufwärtsentwicklung für das Brunnenviertel: „Der Park ist die Gemeinschaftsfläche, hier können Kontakte für Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit unterschiedlicher Bildung entstehen.“ Dabei vertritt das Stadtteilmanagement eine pragmatische, eher verhandlungsbereite Position. „Alles ist besser als der Ist-Zustand“, sagt Jeanne Grabner. Soll heißen: egal, was passiert, das Brunnenviertel profitiert in jedem Fall.

Kein halbherziger Kompromiss
Damit geben sich die Bürger der Initiative „Landnahme“ nicht zufrieden. Eine von ihnen, Jacqueline Röber, Vorsitzende des Bürgervereins Gleimviertel, erklärt: „Unsere Intention ist, dass der Park wie geplant auf 14 Hektar erweitert wird, auch wenn das Land Berlin sagt, dass dafür kein Geld da ist.“ Durch die Einbindung von namhaften Kommunal- und Bundespolitikern wie Gregor Gysi als Baumpaten soll zunächst das politische Bekenntnis bekräftigt werden, dass der Park eines Tages wie geplant fertiggestellt wird. „Wir sind nicht radikal, sondern realistisch“, sagt Röber und beteuert: „Wir lassen uns aber nicht auf einen Kompromiss ein, auch wenn sich die Realisierung dadurch verzögert.“

Auch Anwohnerin Manuela Hoffmann empfindet die Gewerbeflächen vor allem als Schandfleck. Sie wohnt seit vier Jahren im Brunnenviertel. „Die Erweiterung des Mauerparks finde ich wichtig, aber man sollte nicht für die jetzigen Bewohner des Viertels planen, die verlassen kaum den 50-Meter-Radius um ihre Wohnung“, sagt die Anwohnerin und erklärt: „Man sollte die potenziellen Bewohner im Sinn haben.“ Fürs Erste findet sie am Wichtigsten, dass nicht einfach nur der Park erweitert wird. „Ich wünsche mir mehr vor allem mehr Veranstaltungen“, sagt die 45-Jährige. (Foto: Bürger bei einer Baumpflanzaktion)

Eine Chance für das Brunnenviertel
Das kann sich auch Jeanne Grabner gut vorstellen. Der Park mit gewerblich genutzter Freizeitfläche, die zum Grüncharakter passt – sie denkt dabei an Open-Air-Konzerte oder einen Golfplatz. „Die Bevölkerungen von Wedding, Prenzlauer Berg und Altbezirk Mitte könnten sich besser vermischen“, hofft Grabner. „Die benachbarten Viertel könnten auch vom Brunnenviertel mit seinem hohen Migrantenanteil profitieren.“ Das Brunnenviertel soll herauskommen aus seinem Ghetto – und der Mauerpark endlich auch zu einem Symbol fürs Zusammenwachsen Berlins werden. Bis dahin ist zu hoffen, dass die Bewohner der beiden benachbarten Kieze den Weg durch den Gleimtunnel wagen. Dort soll jetzt in der dunklen Jahreszeit eine neue Kunst-Installation für Licht am Ende des Tunnels sorgen.

mehr zu den Kiezen: http://www.gleimstrasse.de/burgerverein

http://www.stm-brunnenviertel.de http://www.landnahme.de

Stand: 09.01.2007 Autor: Joachim Faust, Fotos: Landnahme,

Link: Der Mauerpark als Schnittstelle zwischen Ost und West, Einheimischen und Zugezogenen, und als das, was besser nicht sein sollte:

http://stuttgartisierung.wordpress.com/2008/08/04/geographielegasthenie-im-mauerpark/

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