Fotostrecke: Der Himmel hängt voller Rosa

Kirschblüten über dem PankewegZierkirschen auf dem Mauerstreifen

Schuhe hängen auf einem Kabel vor KirschblütenEin Wegweiser ist umgeben von Kirschblüten

Jahr für Jahr im April: die japanischen Zierkirschen, von Japanern aus Freude über den Mauerfall gestiftet, erzeugen ein spektakuläres, temporäres Farbenmeer. Zu besichtigen gibt es die Farbenpracht noch ein paar Tage lang am Pankeweg und Mauerweg auf der Höhe Wilhelm-Kuhr-Straße in Pankow an der Grenze zu Mitte.

Nachschlag gegen Armut – das Franziskanerkloster in Pankow

Abgekehrt von den Mühen des Alltags, ins Innere eingekehrt und fernab vom „wirklichen Leben“: so stellen sich die meisten ein Kloster vor. Doch im Franziskanerkloster an der Wollankstraße in Pankow geht es mitunter recht turbulent zu. Den fünf Brüdern und den Mitarbeitern des Klosters kann man jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie den Bezug zur Realität verloren haben.

Mit seiner Suppenküche, der Kleiderkammer und der Hygienestation ist das  Kloster ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen, denen das Nötigste zum  Leben fehlt. Mit Hilfe von Lebensmittel- und auch Geldspenden wurde in den Jahren seit dem Mauerfall eine Küche aufgebaut, in der oft mehr als 300 Mahlzeiten pro Tag ausgegeben werden. „Wir fragen nicht nach einem Nachweis für die Bedürftigkeit“, erklärt Bruder Florian, der seit 2007 die Suppenküche leitet. Er zeigt den Teilnehmern einer panke.info-Führung die modernen und gut ausgestatteten Räumlichkeiten, über die die Einrichtung heute verfügt. In einem modernen Anbau werden die Mahlzeiten ausgegeben und verzehrt. „Es ist wichtig, dass viel Licht in den Essenssaal kommt“, erklärt Bruder Florian. Es lässt sich leicht nachvollziehen, welche psychologische Wirkung dieser lichtdurchflutete Raum für die Essensgäste haben muss.

Durch die Küche geht es in den Altbau an der Wollankstr. 19, wo sich im  Obergeschoss eine Hygienestation mit drei Duschkabinen befindet. „Der
Wartesaal zum großen Glück“, wie der dazugehörige Aufenthaltsraum genannt wird, erinnert an einen gemütlichen Lesesaal mit seinen Bücherregalen an der Wand. Hier gibt es auch die Möglichkeit, Kleider waschen zu lassen. Die Kleidung selbst kann man in einer großen Kleiderkammer im Keller des Gebäudes erhalten – laut Bruder Florian wird der Ort scherzhaft „Ka de Wo“ genannt, wobei „Wo“ für Wollankstraße steht. Dass die zahllosen Kleidungsstücke sorgsam nach Größen sortiert sind, lässt erahnen, mit welchem Aufwand die vielen ehrenamtlichen Helfer und die Klosterbrüder hier arbeiten.

Den Abschluss des Rundgangs bildet ein Besuch in der kleinen Kapelle. „Es kommt vor, dass Gottesdienstbesucher draußen anstehen müssen“, sagt Bruder Florian. Der Gottesdienst des Klosters findet in Pankow immer größeren Anklang. Dazu dürfte auch beitragen, dass die Predigttexte nicht abgehoben sind – die Klosterbrüder haben nicht nur einen Bezug zur sozialen Realität: sie arbeiten auch ganz aktiv dagegen an. Das Kloster ist übrigens auf Spenden angewiesen und erhält keine direkten staatlichen Zuwendungen.

Bei allem Trubel: wer dennoch Ruhe und Einkehr sucht, kann sie schließlich doch noch im Franziskanerkloster Pankow finden: ein langgezogener Klostergarten erstreckt sich fast bis zum Bürgerpark Pankow. Spätestens hier wird dem Besucher klar, dass dieser Ort am Rand der Millionenstadt Berlin etwas ganz Besonderes sein muss.

Franziskanerkloster, Wollankstr. 19, 13187 Berlin-Pankow, S-Bahn: Wollankstr., Bus M 27, 250, 255 Wollankstr./Florastraße

Internetauftritt

Außen Schloss, innen Zeitzeugen

Hinter einer Mauer im Schlosspark, jahrzehntelang streng von der Bevölkerung abgeschirmt und in den letzten Jahren auch äußerlich etwas unscheinbar, fristete das Schloss Schönhausen jahrelang sein Dasein. Doch mit der Wiedereröffnung als Museumsschloss rückt es wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Das Gebäude besitzt nicht nur wieder ein attraktives Äußeres – auch im Innern hat die außergewöhnliche Geschichte des Schlosses zahlreiche Spuren hinterlassen.

19.12.2009, Schloss Schönhausen, erster Tag als Museum...

Am 19.12.2009 betritt ein Pankower Ehepaar das Schloss, das sich selbst ein Wiedersehen mit dem Gebäude zum 45. Hochzeitstag geschenkt hat. Es handelt sich um die ersten zahlenden Besucher, die sich an diesem Tag von Schnee und Eisglätte nicht haben abschrecken lassen. Nicht nur für sie hält das Schloss Schönhausen so manche Geschichte bereit.

Nachdem im Nebengebäude des Schlosses 1990/91 noch die Sitzungen des „Rundes Tisches“ der DDR sowie die „2+4“-Verhandlungen stattgefunden hatten, verfiel das Schloss in einen Dornröschenschlaf, bis es 2005 in die Obhut der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) übergeben wurde. Nur Königin Beatrix der Niederlande hatte noch 1991 im Schloss genächtigt, so wie vor ihr Fidel Castro, Leonid Breshnev und Indira Gandhi: seit 1964 war Schönhausen offizielles Gästehaus der DDR-Regierung. Die Schlaf- und Badezimmer atmen noch den Zeitgeist der 1960er Jahre, wie man noch heute nacherleben kann. Die wichtigsten Epochen des Schlosses sind im neuen Museumsschloss konserviert worden. Von einem Rückbau in das ursprüngliche Barockschloss hat die SPSG abgesehen – die bewegte Geschichte des Hauses und seine zahlreichen Nutzer und Bewohner sind damit erlebbar geworden.

Kurios war allein schon die Tatsache, dass der neu gegründete Arbeiter- und Bauernstaat DDR die Kulisse des Schlosses nutzte, um sich mit „königlichem“ Prunk zu schmücken. So war das Schloss Amtssitz des (einzigen) DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck. Dessen Arbeitszimmer hatte trotz für die damalige Zeit moderner Möbel immer noch einen barocken Rahmen. Mit Piecks Tod 1960 wurde das Präsidentenamt jedoch abgeschafft.

Im Nationalsozialismus hatte das Schloss schon einmal als Ausstellungsort gedient. Zudem wurde es als Lager für Werke genutzt, die als „entartete
Kunst“ galten. Im neuen Mueumsschloss werden hingegen Bilder aus dem Besitz der Familie zu Dohna gezeigt, die aus dem ostpreußischen Schloss
Schlobitten gerettet wurden. Damit schließt sich ein Kreis: Eine gewisse Gräfin Sophie zu Dohna-Schlobitten hatte das Rittergut Niederschönhausen, 1664 in ein Herrenhaus umbauen lassen. Und aus eben diesem Herrenhaus ist später das Schloss Schönhausen geworden.

Der erste Tag als Museumsschloss - mit Puderzucker!

Eine Schlossbewohnerin hat es jedoch zu größerer Berühmtheit gebracht: Elisabeth Christine, die Ehefrau des preußischen Königs Friedrich II. Es war keine Liebesheirat, aber es war seinerzeit auch nicht ungewöhnlich, dass das Ehepaar getrennt lebte. Friedrich hatte seiner Frau das Schloss Schönhausen 1740 geschenkt, und Elisabeth Christine sollte dort 57 Sommer verbringen. Das Außengelände ließ sie in einen Barockgarten umgestalten, und nachdem im Krieg Teile des Schlosses zerstört wurden, wurde Schönhausen 1764 wiederaufgebaut. Die heutige äußere Form des Schlosses stammt aus dieser Zeit. Friedrich II. selbst soll seine Frau niemals im Schloss besucht haben. Im Gegensatz zum Schloss ist vom Barockgarten nichts geblieben: dieser ist von Peter Joseph Lenné 1829 in den englischen Landschaftspark umgewandelt worden, als den wir den Schlosspark heute noch kennen. Wegen der Nutzung als Präsidentensitz wurde zu DDR-Zeiten von Reinhold Lingner ein Garten angelegt. Noch heute ist dieser Garten von einer den Schlosspark und eine Sichtachse teilenden Mauer umgeben. Da auch dieser architektonische Garten ein besonderes Denkmal darstellt, wird dieser wieder in den Originalzustand zurückversetzt.

Über das Leben der einsamen Königin, Elisabeth Christine, gibt es im Schloss einige Museumsexponate. Der Rokokosaal selbst ist sogar mit seiner Innenausstattung ein für das heutige Berliner Stadtgebiet einzigartiges Baudenkmal.

Monarchen, Arbeiterführer und Staatsgäste: die vielen Räume, Bilder und Relikte, die die unterschiedlichen Bewohner im Laufe der Jahrhunderte
hinterlassen haben, sind Grund genug, sich dieses bedeutende Museumsschloss am Ufer der Panke einmal (wieder) anzusehen.

Mehr Infos:

www.spsg.de

War’s früher schöner?

Neulich im Stadtteilzentrum Pankow bei der Weihnachtsfeier von panke.info: Der Kneipier vom „Offside Wedding“ Lars Pechmann zeigt historische und aktuelle Fotos anhand eines Beamers. Er „führt“ die Besucher, die den warmen Raum nicht verlassen müssen, vom Humboldthain über den Bahnhof Gesundbrunnen mitten hinein in die Kieze des östlichen Weddings. Dabei werden räumliche und geschichtliche Zusammenhänge deutlich, die der Hobby-Heimatkundler sehr lebendig in eine Form zu packen weiß: der von ihm als Stilmittel eingesetzte ständige Vergleich von alten Fotos mit den heutigen Ansichten hat seinen ganz eigenen Reiz. Klar, man kennt viele der historischen Postkarten aus der „guten alten Zeit“. Doch wenn man sofort das heutige Bild dazu geliefert bekommt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Bild ganzer Straßenzüge in Gesundbrunnen arg ramponiert ist. Nicht (nur) aus sozialen Gründen, sondern besonders wegen der Zerstörung im Krieg (Himmelfahrtskirche) und nach dem Krieg (Kahlschlagsanierung). Ganz abgesehen von alten Glanzzeiten von Hertha BSC am alten Standort an der Plumpe, was Lars durch einen kurzen Strip untermalt – er trägt ein Hertha-Fanshirt mit der Aufschrift „Plumpe“. Wären sie heute doch noch an der Plumpe, mag man da einwerfen, wer weiß, vielleicht würden sie dann an alte glorreichere Zeiten anknüpfen?

Bei Interesse organisiert der Verein panke.info e.V. weitere Diavorträge mit Lars Pechmann. Auch in Lars‘ Bar „Offside Wedding“ in der Jülicher Straße 4 gibt es in unregelmäßigen Abständen weitere Vorträge.

Nicht irgendein Projekt: Panke 2015

Nur wegen des guten Caterings war sicher niemand gekommen. Rohkost in Dips zu tunken, ist die eine Sache. Aber wenn man in einigen Jahren auch die Füße in eine saubere Panke stecken könnte? Am Abend des 24.11.2009 stand nämlich die naturnahe Gestaltung dieses Flusses im Mittelpunkt des Interesses.

Für den 4. „Tag der Panke“ bot der Ratssaal des Rathauses Pankow erneut den Rahmen. Neben den zahlreichen Experten sind diesmal auch viele Bürger gekommen, um sich über die unmittelbar bevorstehenden Baumaßnahmen zu informieren. Diese einzubinden, ist ein wichtiges Ziel dieser Veranstaltung. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU fordert eben nicht nur den guten ökologischen Zustand der Gewässer, sondern auch eine angemessene Einbindung der Öffentlichkeit.

An diesem Abend wurde die Chance genutzt, die vorhandene Basis der Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Verbänden, Vereinen und den Behörden auszubauen. Nur im Einvernehmen mit den engagierten Anwohnern können die vielfältigen Aufgaben, die sich bei der Panke stellen, gelöst werden. Dabei sollen die Bürger auch in die Lage versetzt werden, Eigenverantwortung für ihren Fluss zu übernehmen. „Das Ökosystem Panke soll auch nach Abschluss der Bauarbeiten bewahrt werden“, sagt Ralf Hertsch von panke.info e.V. „Es gibt noch viele Unwägbarkeiten, wie der Vermüllung entgegengewirkt werden kann, wenn sich die Fließgeschwindigkeit der Panke verlangsamt“, meint er. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird es – anders als heute – notwendig sein, Bachpatenschaften zu übernehmen und den naturnahen Fluss im städtischen Umfeld zu begleiten. Die Beobachtung der umgestalteten Panke durch die Bevölkerung und eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden sollte für die Anwohner Ehrensache sein.

Auch die „Berliner Morgenpost“ und die „Welt“ fassen die Revolution, die da von der Senatsumweltverwaltung und dem brandenburgischen Äquivalent geplant wird, in einem sehr umfassenden Artikel treffend zusammen:

„Wie die Panke zum Ökoparadies werden soll

Montag, 30. November 2009   – Von Uta Keseling

„Stinkepanke“ wurde sie im 19. Jahrhundert getauft, als Industrie und die schnell wachsenden Wohnviertel aus dem Fluss eine Kloake machten. Und auch heute noch ist die Panke nur ein trübes Rinnsaal. Doch Berlin hat große Pläne mit dem geschichtsträchtigen Gewässer.
Zukunftsvision der Panke-Planer: ein kleines Ökoidyll für Mensch und Natur östlich des Schlossparks Pankow
Foto: Simulation SenGesUmV
Zukunftsvision der Panke-Planer: ein kleines Ökoidyll für Mensch und Natur östlich des Schlossparks Pankow

Im Grunde ist es ein Wunder, dass sie noch da ist. Die Panke, Berlins Drittfluss neben Spree und Havel, hat über die Jahrhunderte viel zu leiden gehabt. Zwar ist er Namensgeber des heute einwohnerreichsten Bezirks der Hauptstadt, Pankow, doch schon seit Jahrhunderten beklagen die Berliner seine Abwesenheit.

Schon 1704 war der Flusslauf von Pankow-Schönhausen bis zum heutigen Humboldthafen kanalisiert worden – weil Königin Sophie Charlotte zwischen den Schlössern Schönhausen, Monbijou, Charlottenburg und Berlin Kahnfahrten unternehmen wollte – ohne lästige Kurven. 150 Jahre später meckerte der Berliner „Telegraf“ über die Panke: „Ihr ehemals anmutiges Tal wurde förmlich mit hässlichen Mietskasernen zugedeckt. Von der Natur blieb nichts mehr übrig.“
Panke

Berühmt ist die Panke heute vor allem wegen der legendären Beschimpfungen. „Stinkepanke“ wurde sie im 19. Jahrhundert getauft, als Industrie und die schnell wachsenden Wohnviertel aus dem Fluss eine Kloake machten. In den 1920er-Jahren lästerte die Sängerin Claire Waldorff: „Und steh‘ am Ufer ick der Panke/ möchte jleich ick wieder Leine ziehn/ ei dem Jestanke/ na, ick danke!“ 1927 wurde das Baden im Pankower Bürgerpark verboten, aus hygienischen Gründen.
Natur statt „Stinkepanke“

Und jetzt sollen Fische hier wohnen? Libellen, Eisvögel, Fischotter und Biber? So sieht es der Plan vor, den die Senatsumweltverwaltung jetzt vorgestellt hat. Seit 2003 haben Experten erforscht, wie aus der Stinkepanke wieder Natur werden kann, die, zu 80 Prozent verrohrt und wegbetoniert, von Bernau über 29 Kilometer nach Berlin-Mitte fließt. Im Wedding warnt ein Schild vor dem Fluss: „Betreten verboten! Lebensgefahr!“. Darunter steht die Panke still und stinkend in ihrem Schacht. Zwar ist der Fluss heute nicht mehr vergiftet, baden würde trotzdem niemand darin. Ein Ökoparadies sieht anders aus.

„Ob Otter je im Wedding heimisch werden, ist natürlich die Frage“, sagt die Panke-Expertin Andrea Wolter. Selbst sie muss bei dem Gedanken lächeln. Auf ihrem Bildschirm in der Senatsumweltverwaltung plätschert unverdrossen ein virtuelles Rinnsaal unter grünen Bäumen dahin: Zukunftsmusik. Andrea Wolter ist überzeugt, dass die Panke bald wirklich wieder zum Lebensraum wird, zumindest für Muscheln, Fische und Insekten. „Und am Nordrand Berlins gibt es Eisvögel und Otter heute schon“, sagt die Sprecherin des ehrgeizigen Projekts „Panke 2015“. Wolter und ihre Kollegen werben zurzeit mit Veranstaltungen und einer Broschüre dafür.

Sogar ein Computerspiel gibt es: „Gerade war gestern“ (im Internet) richtet sich an „Menschen ab 10 Jahren“. Vor allem Schüler sollen erfahren, warum die Renaturierung der Gewässer dringend notwendig ist und wie das in einer dicht bewohnten Großstadt wie Berlin funktionieren kann. Kernstück des Projektes „Panke 2015“ ist das monumentale „Maßnahmenpaket“ von 300 Seiten, das aussieht, als solle es mindestens einer globalen Katastrophe Einhalt bieten. Erarbeitet wurde das so umfangreiche Konzept von April 2008 bis März 2009.

Den Anstoß, ein besonderes Augenmerk auf die Sauberkeit auch von Berlins Gewässern zu legen, hat die so genannte Wasserrahmenrichtlinie der EU gegeben, die bereits im Dezember 2000 in Kraft trat. Diese gibt jedoch natürlich nur den Rahmen vor, wie in Europa die Wasserressourcen verbessert und dauerhaft gesichert werden sollen. „Panke 2015“ ist das erste gemeinsame Projekt der Länder Berlin und Brandenburg zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.

Die Weltrettung an der Panke beginnt ganz unten und im ganz Kleinen. Mit Schlammfliegenlarven und Grundwanzen. Mit Erlen-Anpflanzungen, neuen Sand- und Kiesbänken. Wehre müssten aufgehoben und der Panke streckenweise ein neues Bett bereitet werden. „Rauschen“ sollen entstehen, wie die Ökologen lyrisch jene Stellen mit Gefälle nennen, an denen Forelle und Bachneunauge wohnen könnten. Und irgendwann wären dann auch die Familien Otter und Biber wieder da. Es klingt fast, als müssen die Stadt wieder abgerissen werden, um die Panke zu befreien.

Um zu erklären, wie es anders gehen kann, luden die Panke-Planer jüngst zum 4. „Tag der Panke“ ins Rathaus Pankow. Der Saal war voll, 150 Neugierige kamen. Naturschützer, Bauherren, vor allem aber Anwohner, die begierig waren zu hören, wann, wie und wo „ihr“ Fluss endlich wieder auftaucht. Die Experten brachten Bilder und Tabellen und digitale Visionen mit und erzählten die Geschichte der Panke in Kapiteln. Von der Eiszeit bis übermorgen. Flüsse transportieren ja seit jeher mehr als nur Wasser. Und die Panke transportiert, wenn man so will, eindeutig mehr Geschichte, als sie Wasser haben wird.
Der Lauf des versteckten Flusses

Dass die Panke darüber hinaus eine Berlinerin sein muss, leuchtet ein. Allein schon deshalb, weil das Rinnsaal gar keine Quelle hat, dafür aber gleich zwei Mündungen. „Am Schiffbauerdamm zwee fließt die Panke in die Spree“, reimt der Volkmund bis heute, auch wenn sie seit 1956 in Rohren zum Nordhafen fließt, wo sie heute offiziell mündet. Die „Südpanke“ führt nur noch Regenwasser, manchmal.

Die Panke, doppelmündig und großspurig: Auch ihr Name ist ganz nach Berliner Art. Das slawische Wort bedeutet „strudelnder Fluss“. Das mag ihren Anfängen geschuldet sein, als vor ungefähr 12.000 Jahren mit dem Raunen der Eiszeit eine Schmelzwasserrinnsaal Richtung „Berlin“ floss. Bis heute liegen immerhin 40 Höhenmeter Unterschied zwischen Anfang und Ende des Flusses.

Heute sammelt sich die Panke in den sumpfigen Wiesen bei Bernau im schönen Naturpark Barnim. Auf dem ausgeschilderten Pankeweg lässt sich per Rad oder zu Fuß das Flüsschen bewundern, wie es sein soll. Murmelnd, fließend, begrünt und bewohnt von Fischen und, ja, wohl auch Ottern. Beim Eintritt in die Großstadt wird das Berlingefühl intensiver. Zunächst streift die Panke den Schlosspark Buch, der mit zwei schweigenden Teichen und einem gewundenen Bachlauf aufwartet – und mit buckeligen Teerwegen, verwachsenen Wiesen und beschmierten Parkbänken. Schloss gibt es auch keins. Wiederholung im Kleinen: In Buch ließ die DDR, wie auch in Mitte, nach dem Krieg die Schlossruine schleifen.

Doch das allein macht nicht hässlich. Schon Fontane empörte sich über den Park: „Alles Bunte fehlt. Die Rüsternalleen, die sich wie Kirchenschiffe wölben, erscheinen nicht wie Weg und Steg in die freie Natur hinaus, sondern wie Gitter und Spaliere gegen dieselbe. Dieser Park hat zu lachen verlernt!“ Der Maßnahmenkatalog sieht hier ein neues Lächeln vor. Die Panke soll wieder richtig mäandern, statt sich nur lieblich zu schlängeln.
Ein kleines Paradies östlich des Parks

Im Prinzip ist es möglich, der Panke bis ins Herz der Hauptstadt zu folgen. Allerdings verschwindet sie unterwegs unter der Autobahn, sammelt sich in unromantischen Becken, Fischteichen und Wehren. Am Verteilerbauwerk am Nordgraben soll das Wehr aufgehoben und durch eine ökologisch durchgängige Anlage ersetzt werden – damit nicht nur der Mensch, sondern auch der Fisch wandern kann. Nach Pankow zum Beispiel, wo das Flüsschen einen weiteren Schlosspark (diesmal mit Schloss) quert: Schönhausen. Auch ist das Wasser hübsch langweilig befestigt und befriedet. Eine Computeranimation der Panke-Planer zeigt ein kleines Paradies östlich des Parks: An einem Wasser-Betonschacht plant ein Bauherr neue Häuser und angrenzend ein Ökoidyll, das Mensch und Natur gleichermaßen aus ihren betongewordenen Zwängen befreit.

Weiter geht es über den Pankower Bürgerpark in jenen Bezirk, in dem man glauben will, dass Berlin groß und schmutzig und böse ist: Wedding. Zwischen Wohnhausgebirgen soll aus der vermüllten Panke und einer schnöden Wiese eine grüne Aue werden: das „Franzosenbecken“ nahe der Stockholmer Straße, ein Hochwasser-Überlauf, könnte zur Freizeitlandschaft werden, mit Bach und Wegen, Stegen und Bäumen.
14,6 Millionen für Projektierung

Wer an der Panke wandert, stößt überall auf Geschichte. Wie die Stelle, wo der Fluss bis 1989 die Mauer unterquerte. Ein Gitter verhinderte, dass mit der Panke Republikflüchtlinge in den Westen schwammen. Heute geht hier nur noch ebenso rot-romantisch wie erinnerungslos die Sonne unter. An einigen Stellen hat die Zukunft schon begonnen, wie an der „Südpanke“, die nahe der Chausseestraße durch einen kleinen Park fließt. Wenn dieser auch eigentlich nicht zum Projekt Panke „2015“ gehört, das als Pilotprojekt gilt, was den Planungsaufwand erklärt. 14,6 Millionen Euro sind allein dafür veranschlagt, die Wiedergeburt der Panke konkret zu projektieren. Zurzeit berät darüber das Abgeordnetenhaus, die Ergebnisse der Haushaltsberatungen werden für den Dezember erwartet.

Und sollte die Panke 2015 tatsächlich wieder neu sein, so die Planer, dann haben sie noch einen Wunsch: Es soll es „Panke-Pflegehandbuch“ geben. Damit Berlins Drittfluss nie wieder zur Stinkepanke wird und dann einfach verschwindet.“ (Berliner Morgenpost, 30.11.2009)

Café Mirabelle: An der Grenze…

An der Grenze zwischen Wedding und Pankow, am ehemaligen und noch immer sichtbaren Mauerstreifen, zwischen dem gutbürgerlichen Viertel am Park und einem der sozial schwächsten Kieze Berlins, versucht eine Gastronomin ein Familienrestaurant zu etablieren.

Großzügig an der Ecke gelegen....Das Restaurant Mirabelle hat gerade um die Mittagszeit geöffnet, da steckt eine Dame schon den Kopf durch die Tür: „Ich bin die 14 Personen“, ruft sie, „auch wenn es nicht so aussieht.“ Ingrid Kotthorst hat das Restaurant für ihre Wandergruppe junger Senioren als Zwischenstopp auf ihrer Panke-Wanderung fest eingeplant. „Ich laufe die Strecken immer schon vorher ab und habe dabei das Café entdeckt“, sagt die Mariendorferin. Derweil haben es sich die Wanderer an der langen Tafel im hinteren Bereich der „Mirabelle“ gemütlich gemacht.

„Ich habe mich inzwischen in die Räumlichkeiten verliebt“, sagt Jeannette Sonderhoff, die die „Mirabelle“ betreibt. Die 40-jährige Pankowerin bezeichnet sich als „Berlinerin in der dritten Generation“. Das soll man auch der Küche anmerken, findet Jeannette Sonderhoff. Dort finden sich alte Berliner Rezepte, neu aufbereitet, ebenso wie mediterrane Gerichte. Ein Tagesgericht inklusive Espresso gibt es neuerdings wochentags auch zum Festpreis von 5,50 €. Zum Kaffee aus einer italienischen Kaffeemaschine gibt es nur hausgebackene Kuchen.

Ursprünglich hat Jeannette Sonderhoff im Februar 2007 im Nachbarhaus angefangen. „Den Namen Mirabelle habe ich innerhalb weniger Stunden finden müssen, und da habe ich mich einfach auf meine Tochter Mira bezogen“, sagt die Gastronomin. Aus der ursprünglichen Idee eines Familiencafés hat sich beim Umzug in das benachbarte größere Ecklokal etwas Neues entwickelt:

...und ganz gemütlich von innen„Das hier ist heute ein gediegenes, offenes Familienrestaurant“, charakterisiert Jeannette Sonderhoff ihre Gaststätte. „Ein Zwanzigjähriger fühlt sich hier genau so wohl wie es meinen Eltern gefallen würde“, sagt sie und meint damit nicht nur den mit viel Liebe zum Detail gestalteten Gastraum. „Allein  mit zwanzig Wandfarben haben wir experimentiert“, erinnert sich Jeannette Sonderhoff – bis der heutige warme Farbton gefunden war, der das gemütliche Ambiente ausmacht. Dazu gehört für die Betreiberin auch die Klangkulisse: dass man in der „Mirabelle“ kein Radiogedudel hört, sondern eine sorgsam ausgewählte Musikmischung aus Jazz, Soul, 1950er-Jahre-Musik, ist daher kein Zufall. Überhaupt wird Wert auf Kommunikation gelegt: „Die Leute sollen mich und meine Kollegen gerne ansprechen“, beschreibt Jeannette Sonderhoff ihr Verständnis von Gastfreundlichkeit: „Man kann und man soll ruhig fragen!“

Das Restaurant liegt günstig an der Grenze zwischen Wedding und Pankow am Rand des Bürgerparks. Von innen und auch von der Terrasse aus genießt man einen Panoramablick auf ein grünes Rückhaltebecken und die Ausläufer des Parks. Doch diese Lage allein ist kein Garant für erfolgreiche Gastronomie. Dass schon einige Vorgänger an diesem Standort gescheitert sind, schreckt die Pankower Gastronomin nicht ab. „Hier kommen keine Busladungen mit Touristen und wenig Laufkundschaft“, weiß Jeannette Sonderhoff aus eigener Erfahrung. „Statt dessen muss man Beständigkeit an Qualität und Vielfalt bieten.“ Dann, davon ist sie überzeugt, wenn die Gäste an diesem Ort angeregt werden, kommen sie wieder und schätzen die warme Atmosphäre dieses Ortes jedes Mal aufs Neue.

Die Wandergruppe ist jedenfalls froh, auf halber Strecke eingekehrt zu sein. An der langen Tafel wird sicher noch lange geplaudert und gelacht.

Geöffnet Mo-Fr ab 12.00, Sa/So ab 10.00 Uhr. Sonntags Brunch. Reservierung empfohlen.

Internet: www.cafe-mirabelle.com