Zu viel und zu wenig Wasser

Hier an der Panke beschäftigen sich die Planer unter anderem mit der Frage, wie sie den Fluss verlangsamen können. Oder wo man mit einer anderen Gewässerstruktur eine größere Artenvielfalt schaffen kann. Oder wie bei allen Renaturierungsmaßnahmen trotzdem der Hochwasserschutz gewährleistet werden kann. In anderen Teilen der Welt sind die Wassersorgen ganz andere. Wir haben uns inzwischen an die Prognose gewöhnt, dass Kriege um Wasser geführt werden. Wasser ist eben überall Leben, egal ob eher zu viel oder zu wenig.

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Eine Sicht auf die Panke, die man nicht sehen kann

Zahlreiche verantwortliche Behördenmitarbeiter, Planungsbüros und Gewässerkundler haben der Panke aufgrund der bevorstehenden Renaturierung schon große Aufmerksamkeit geschenkt.
Auch Carsten Suter hat ein Gutachten über die Panke verfasst. Gemeinsam mitseiner Kollegin Annette Brandes hat er drei Wochen lang topografische Karten studiert,Messungen vorgenommen und ist bei Wanderungen entlang der Panke eingetaucht – in das Wesen des Flußsystems Panke.
Das Ergebnis liegt nun in schriftlicher Form vor und enthält Empfehlungen für die geplanten Renaturierungsmaßnahmen. Nichts Ungewöhnliches, möchte man meinen – wenn da nicht der etwas andere Blickwinkel auf das Thema Panke wäre.  Carsten Suter istGeomant, ein Experte für das Wahrnehmen von „Dingen“, die mit „bloßem Auge nicht zu sehen sind.“
Der Begriff „Geomantie“ bedeutet in etwa „Weissagung aus der Erde“ und hat einiges mit dem fernöstlichen Feng Shui gemeinsam.

Carsten Suter kam 1983 nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung nach Berlin. „Diese Ausbildung habe ich gemacht, weil mein Vater sich wünschte, dass ich einmal Ingenieur werde“, sagt der gebürtige Niedersachse, „und ich habe noch lange nach meiner wirklichen Berufung gesucht.“ Zunächst gründete er mit einer Designerin eine Modefirma, die mit einem bis dahin einmaligen Stegrock einen unerwarteten Erfolg landete. „Ich wollte immer etwas Künstlerisches machen, aber der Verkauf von Kleidung war letztendlich doch nicht meine Welt“, sagt Suter heute. 1995 verkaufte Carsten Suter die Firma und lebte zeitweilig auf einer Insel vor der kanadischen Westküste. „In der Einsamkeit machte ich viel Musik und hatte Zeit, nach einer neuen Aufgabe zu suchen“, erinnert sich Suter, der 1999 wieder nach Berlin zurückkehrte und seither in Pankow wohnt. Daher hat er auch einen Bezug zur Panke, die ihn nicht nur aus geomantischer Sicht, sondern auch als Anwohner interessiert.

Carsten Suter war lange auf der Suche nach dem, „was ihm fehlte“, wie er sagt, dachte zeitweise daran, Biobauer zu werden. „Den Bezug zur Landwirtschaft hatte ich schon als Kind auf dem Land“, sagt Carsten Suter. „Aber als ich zum ersten Mal von Steinheilkunde und Geomantie hörte, wusste ich, dass ich immer genau danach gesucht hatte“, erklärt der 47-jährige Vater von zwei kleinen Kindern. Die geomantische Ausbildung an der Schule für Geomantie „Hagia Chora“ absolvierte Suter im Rahmen von Blockseminaren in Süddeutschland, und in der Zwischenzeit bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren.„Jeder kennt doch die Situation, dass man gerade jemanden anrufen will – auf einmal klingelt das Telefon, und die Person ist am anderen Ende der Leitung.“ So beginnt Suter, wenn er Zuhörern von Phänomenen erzählt, die in seinem Beruf eine Rolle spielen. Die Essenz der Dinge erfassen, die um uns herum sind, so definiert Suter Geomantie. „Die Fähigkeit, nachzuprüfen, warum man zum Beispiel ein schlechtes Gefühl hat, haben viele Menschen verloren.“ Auch bei einem „Naturwesen“ wie der Panke springt das für Suter besonders ins Auge: „Mit dem, was die Menschen im Laufe der Jahrhunderte mit dem Fluss gemacht haben, haben sie auf einer geistig/seelischen, unsichtbaren Ebene ebenfalls etwas verändert“, erklärt der Geomant. Unterstützt werden kann die Heilung solcher Störungen, so schlägt er vor, durch den Einsatz von Symbolen wie z.B. künstlerisch gestalteten Kosmogrammen. „Alles ist mit allem verbunden, und die möglichen Auswirkungen von Maßnahmen kann man messen“, beschreibt Carsten Suter seinen Ausgangspunkt seiner Begutachtung. Verschiedene Aspekte dieser Art hat er in das geomantische Gutachten einfließen lassen, das seiner Meinung nach bei der Renaturierung der Panke Beachtung finden sollte.

„In der Weltsicht der Geomantie wird die Erde wie ein Organismus behandelt“, schreiben Carsten Suter und Annette Brandes in ihrem Gutachten. „Die Geomantie geht davon aus, dass Landschaften und Orte ähnlich dem Menschen beseelt sind und eine geistige Energie besitzen. Das, was der Mensch ist, ist auch die Landschaft, der Ort, da Alles mit Allem verbunden ist.“ Wie sich die Panke heute präsentiert, könne sie ihre Urqualitäten nicht mehr ausspielen, so das geomantische Fazit.

Für die Panke schlagen die Gutachter darum vor, unter anderen, Lithopunktur anzuwenden. Durch die Spaltung eines Steines, dessen Teile mit Kosmogrammen versehen und die jeweils im Quellgebiet und an der Mündung aufgestellt werden an noch zu bestimmenden wirksamen Punkten, würde der gesamte Flusslauf energetisch miteinander verbunden.

Mit Wahrnehmungsübungen vor Ort kann Suter dem Interessierten zeigen, welche Energien man spüren kann, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Es ist aber Aufgabe des Geomanten, die Sprache zu benutzen, die der Empfänger verstehen kann. Daher hat Carsten Suter Wert darauf gelegt, dass das Panke-Gutachten nicht zu fachspezifisch formuliert ist. Trotzdem hat er versucht, die Botschaft zu übermitteln, die ihm in Bezug auf die Panke wichtig ist: „Aus den Dingen, die mit der Erde zu tun haben, etwas Wahres sagen können – das ist es, was Geomantie ausmacht.“

Mehr Informationen unter www.geomanten.de

Wer sich für die Erde, Geomantie etc. aus rein spiritueller Sicht interessiert, findet auf der Seite http://lichtwege.wordpress.com einen sehr schönen Artikel unter dem Namen „Erde“.

Wird die Panke wieder ein strudelnder Fluss?

“Der ist direkt aus der Panke gesprungen”, scherzt der Angestellte der
Stadthalle Bernau, als er einen Lachsstreifen vom Boden unter dem Büffet
aufhebt. Die Veranstaltung, die hier am 27.05.08 stattfindet,  ist mit etwa
150 Personen gut besucht. Der “3. Tag der Panke”wurde organisiert vom
Landesumweltamt Brandenburg und dem Referat Wasserwirtschaft der
zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.. Die Panke als naturnahes Gewässer – an diesem ehrgeizigen Ziel arbeiten die beiden Ämter länderübergreifend, unterstützt von Ingenieurbüros und Planungsfirmen. Hintergrund ist die Wasserrahmenrichtlinie der EU, die im Jahr 2000 erlassen wurde und einen Zeithorizont bis 2027 umfasst. Die erste Zielvorstellung sieht vor, bis 2015 die Gewässer in Europa wieder in einen guten ökologischen Zustand zuversetzen.

“Wie passen das Ökosystem eines Auenwaldes und die in Berlin an vielen Stellen kanalisierte Panke zusammen?”, fragt Landschaftsplaner Ralf Wegner in seinem Vortrag und erklärt, welche ökologischen Funktionen eine renaturierte Panke hätte: Beschattung, Falllaub, Schlupfgebiet und Eiablage. Wegner überrascht das Publikum mit einem Foto von der Panke südlich der Osloer Straße mitten in Berlin-Gesundbrunnen: an dieser Stelle gibt es heute schon eine Auenlandschaft. Auf der Grundlage der jetzt schon vorhandenen auenartigen Abschnitte soll eine Perlenkette von ökologisch wertvollen Bereichen in Berlin entstehen, wo sich bestimme Tier- und Pflanzenpopulationen ansiedeln und eigenständig entwickeln können. Ist die Panke dann “durchgängig”, wenn sie also ohne Hindernisse fließt, können diese Tier- und Pflanzenarten in die nicht renaturierten Abschnitte ausstrahlen. In diesem Jahr wird mit markierten Fischen getestet, ob der Düker an der Chausseestraße überwunden werden kann. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Die derzeit noch zwölf Querbauwerke werden nach der Planung der Senatsverwaltung in den nächsten Jahren beseitigt. Der Gruppenleiter WasserwirtschaftMatthias Rehfeld-Klein erläutert, welche Rechenanlagen, Wehre und Abstürze aus fischökologischen Gründen beseitigt werden sollen und wie sich damit das Bild der innerstädtischen Panke schon ab 2012 vollständig verändert. Auch in Brandenburg ist die Panke jahrelang sehr stiefmütterlich behandelt worden, wie Norbert Herrn vom Landesumweltamt Cottbus einräumt. Umso größer sind die Anstrengungen, die unternommen werden sollen: “Eine hydromorphologische Renaturierung bei gleichzeitiger Hochwasserneutralität ist geplant”, erläutert Herrn. Dies bedeutet, dass je nach den baulichen Gegebenheiten ein sandgeprägter Tieflandbach mit wechselnden Strömungsverhältnissen (Zepernick), einorganischer Bach (zwischen Bernau und Zepernick) und eine vermoorte Senke (im Quellgebiet) angestrebt werden.

Was den Hochwasserschutz angeht, erläutern die Planer, dass man von der
herkömmlichen Auffassung abrückt, das Regenwasser so schnell wie möglich dem abfließenden Gewässer zuzuführen. Dies gewinnt angesichts des Klimawandels an Bedeutung: Starkregen tritt bei bestimmten Wetterlagen häufiger auf als früher, während immer mehr Flächen versiegelt werden. Es komme nun darauf an, das Regenwasser zunächst in Rückhaltebecken vor allem im Oberlauf der Panke zwischenzuspeichern, erklärt Bauingenieur Kohnert.

Welche kurvenreichen, naturnahen Gewässerformen sogar mitten in Städten
schon realisiert wurden, demonstriert die Limnologin Tanja Pottgießer vom
Umweltbüro Essen. Sie unterstreicht, dass Gewässer nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sondern auch Erlebnisraum für Menschen sein können.

Bei so vielen Aufgaben, vor denen die zuständigen Ämter, die ausführenden
Ingenieure und Experten stehen, scheint an der Panke die Einhaltung der
Wasserrahmenrichtlinie schon bis 2015 schwer erreichbar. Die vielen
Maßnahmen, die derzeit erarbeitet werden und in vielen Einzelschritten
realisiert werden sollen, werden das Bild der Panke, wie wir sie heute
kennen, aber in jedem Fall vollständig verändern. Es hat ein Umdenken
begonnen, um die massiven Eingriffe und Störungen der Panke auf
dem Gebiet Berlins und Brandenburgs zu beseitigen oder zumindest
abzumildern. Die beiden Herausforderungen bestehen in der Verbesserung der Wasserqualität und in der Veränderung der Gewässerstruktur hin zu einem naturnahen Fluss. Wenn Fische wieder den gesamten Pankelauf durchschwimmen können, ist bereits eine Herkulesaufgabe gemeistert. Dass es auch Lachse in der Panke geben wird, darf jedoch bezweifelt werden.