Wer Bio sucht, wird auch im Soldiner Kiez fündig

„Je besser das Wetter ist, desto mehr Kunden haben wir“, sagt Katrin Paul – und hofft natürlich nicht nur aus diesem Grund für 2007 auf einen schönen Sommer. Die Bildungsreferentin hat sich vor sechs Jahren mit einer originellen Geschäftsidee selbstständig gemacht: sie beliefert in Nordostdeutschland Tagungen und Seminare mit Bioprodukten. „Ich habe mich selbst auf Seminaren über die schlechte Verpflegung geärgert“, sagt die 37-jährige. „Jetzt beliefern wir mit „Speisen auf Reisen“ die Bildungsstätten mit Lebensmitteln, die mir selbst besser schmecken.“ Und die Tagungsteilnehmer, so der angenehme Nebeneffekt, können in der Gruppe kochen und sich so ein bisschen besser kennen lernen. (Foto: Inhaberin Katrin Paul)

Schwieriges Umfeld
Als für Speisen auf Reisen größere Lagerflächen gesucht wurden, wurde Katrin Paul im Soldiner Kiez fündig. In einer ehemaligen Motorradwerkstatt, im zweiten Hinterhof der Prinzenallee 58, gab es eine passende preiswerte Gewerbefläche, die vor allem für Europaletten geeignet sein musste. „Der Bioladen ist sozusagen ein Nebenprodukt“, sagt die Unternehmerin, „er muss jedoch aus dem Lieferservice quer subventioniert werden.“ Und genau das ist der Haken: ein Bioladen findet im Soldiner Kiez ein schwieriges Umfeld vor. Es gibt zwar auch hier die typischen Bioladen-Kunden – überwiegend Singles, junge Familien oder Genossenschaftsmitglieder der Prinzenallee 58 -, aber deren Anzahl reicht für ein florierendes Geschäft nicht aus. Aufgrund der niedrigen Einkommen im Kiez fehlt es zudem schlicht an der Kaufkraft potenzieller Kunden. (Foto: Hier geht’s zum Bioladen)

Frisch auf den Tisch
Wer den 50 Quadratmeter großen Laden aber erst einmal entdeckt hat, lernt dessen Vorteile schnell schätzen. Es wird mit kleinen Biobauern aus dem Berliner Umland kooperiert, so zum Beispiel dem Siebengiebelhof und einem Bauern aus Kuhhorst, die beide an gleich bleibenden Wochentagen ihre typischen Produkte wie Brot und Quark liefern. Katrin Paul hat auch ein offenes Ohr für Vorschläge ihrer Kunden, wie das Sortiment noch erweitert werden kann. Es gibt zwar keinen ständigen Vorrat an Frischfleisch, dafür kann fast alles vorbestellt werden und es gibt eine Gefriertheke. Nicht zuletzt bietet der Laden auch ein Rabattsystem: 21 Einkaufsstempel im Bonusheft führen zu einem Guthaben von drei Euro. (Foto: Frisches Obst und Gemüse aus dem Umland)

Günstige Lage im Wedding
„Der Laden liegt fahrradfreundlich, aber nicht direkt an der Prinzenallee“, gibt die Ladeninhaberin zu bedenken. Dafür gibt es aber in diesem Teil des Wedding keine direkte Konkurrenz. „Oft wundern sich die Kunden, dass es uns überhaupt gibt“, erklärt Katrin Paul, die selbst im benachbarten Pankow wohnt. Wie so oft sind auch die Personalkosten ein großes Problem, wodurch die Öffnungszeiten stark eingeschränkt werden mußten. Eine Mitarbeiterin im freiwilligen ökologischen Jahr bringt da schon eine große Entlastung für das kleine Geschäft. (Foto: Der kleine Laden im 2. Hinterhof der PA58)

So schwierig die Situation sein mag, dem Kiez bleiben zwei Dinge zu wünschen: dass es weiterhin einen Bioladen gibt, der die Lebensqualität in diesem innerstädtischen Bezirk erhöht und dass die Geschäfte gut laufen – und das nicht nur bei Sonnenschein.

aktuelle Öffnungszeiten und Kontakt: http://www.speisenaufreisen.de, Tel. 030 / 46 06 53 81

Stand: 03.03.2007 Autor: Joachim Faust / Christoph Schierholz, Fotos: JF/SK